Coffeinismus

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Klassifikation nach ICD-10
F15 Psychische und Verhaltensstörungen durch andere Stimulanzien, einschließlich Coffein
T43 Vergiftung durch psychotrope Substanzen, anderenorts nicht klassifiziert
ICD-10 online (WHO-Version 2016)

Als Coffeinismus wird einerseits eine akute Vergiftung mit Coffein, andererseits auch eine chronische Abhängigkeit von Coffein bezeichnet.[1] Umgangssprachlich auch Kaffeesucht genannt, bezeichnet es die Sucht nach chronischer Zufuhr von Coffein bzw. den Missbrauch von Getränken wie Kaffee, coffeinhaltigem Tee oder coffeinhaltigen Energy Drinks.

Symptome[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die akute Coffeinintoxikation (ICD-10-Code F15.0) verursacht hauptsächlich psychische Störungen mit den Symptomen Unruhe, Erregung, psychische Veränderungen, Tachykardie, Harndrang und Schlaflosigkeit. Bei schweren Vergiftungen kann es zudem zu einem Kreislaufkollaps kommen.

Dosisabhängige Symptome des chronischen Coffeinismus sind:

Forscher beobachten einen Kaliummangel verbunden mit Muskellähmungen bei hohem Konsum von coffeinhaltigen Cola-Getränken.[2][3][4]

Wirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Coffein ist dem Adenosin chemisch ähnlich und besetzt an seiner Stelle die Nervenzellen. Das Coffein tritt dabei an die Stelle des Adenosins, welches das Gehirn vor „Überanstrengung“ schützen soll, ohne jedoch die gleiche Wirkung zu haben. Somit nimmt die Reizbarkeit zu. Nach einigen Tagen reagieren die Nervenzellen auf das fehlende Adenosin und bilden mehr Rezeptoren aus, um wieder Adenosin aufnehmen zu können. Um die gewünschte Wirkung des Coffeins zu erreichen, muss also die Dosis gesteigert werden: Das ist ein Suchtfaktor. Bei Dosen über 1 g Coffein treten erste Vergiftungserscheinungen auf. Dazu gehören stark beschleunigter Puls und Extrasystolen.[5] 1 g Coffein entsprechen 10 Liter handelsüblicher Cola oder etwa 12 Aluminiumdosen à 250 ml handelsüblichen Energy-Drinks.

Entzugserscheinungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Studie aus dem Jahr 2004 empfahl die Aufnahme des Coffein-Entzugssyndrom in das Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders. Ihr zufolge treten Entzugssymptome meist 12 bis 24 Stunden nach dem letzten Coffeinkonsum auf. Sie sind während der ersten ein bis zwei Tage am stärksten und verschwinden nach etwa zwei bis neun Tagen.[6][7][8]

Für die Diagnose des Entzugssyndroms nach ICD 10 (Code F15.3) müssen neben einer dysphorischen Stimmung (z. B. Traurigkeit) mindestens zwei der folgenden Symptome vorliegen:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Robert M. Julien: Drogen und Psychopharmaka. Spektrum, Akademischer Verlag, Heidelberg/ Berlin/ Oxford 1997, S. 173.
  • B. S. Victor, M. Lubetsky, J. F. Greden: Somatic manifestations of caffeinism. In: Journal of Clinical Psychiatry. Band 42, 1981, PMID 7217021, S. 185–188.
  • Christoph von Berg: Lebensmitteltechnische und lebensmittelchemische Gesichtspunkte. In: Die Physik der klassischen Espressomaschine. Website des Vereins zur Förderung des physikalischen und chemischen Unterrichts, 2005, S. 70–73. (PDF; 799 KB)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Roche Lexikon Medizin. 5. Auflage. Urban & Fischer, 2003.
  2. V. Tsimihodimos, V. Kakaidi, Moses Elisaf: Cola-induced hypokalaemia: pathophysiological mechanisms and clinical implications. In: International Journal of Clinical Practice. Vol. 63, 13. Mai 2009, doi: 10.1111/j.1742-1241.2009.02051.x, S. 900–902.
  3. Clifford D. Packer: Cola-induced hypokalaemia: a super-sized problem. In: International Journal of Clinical Practice. Vol. 63, 13. Mai 2009, doi:10.1111/j.1742-1241.2009.02066.x, S. 833–835.
  4. Mediziner-Warnung: Cola klaut dem Körper Kraft. In: Spiegel Online. 19. Mai 2009.
  5. Brockhaus ABC Chemie. VEB F.A. Brockhausverlag, Leipzig 1971.
  6. Laura M. Juliano, Roland R. Griffiths: A critical review of caffeine withdrawal: empirical validation of symptoms and signs, incidence, severity, and associated features. In: Psychopharmacology. Vol. 176, No. 1, 2004, doi:10.1007/s00213-004-2000-x, S. 1–29.
  7. Sid Kirchheimer: Caffeine Withdrawal Is Real. In: CBS News. 30. September 2004.
  8. George Studeville: Caffeine Addiction Is a Mental Disorder, Doctors Say. In: National Geographic Magazine. 19. Januar 2005.