Colbitz-Letzlinger Heide

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Koordinaten: 52° 26′ 0″ N, 11° 34′ 0″ O

Karte: Sachsen-Anhalt
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Colbitz-Letzlinger Heide
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Sachsen-Anhalt

Die Colbitz-Letzlinger Heide ist ein Heidegebiet im Übergangsbereich der Regionen Altmark und Elbe-Börde-Heide in Sachsen-Anhalt, nördlich von Magdeburg, welches zum Südlichen Landrücken zählt. Das Gebiet ist Bestandteil der Naturräumlichen Haupteinheitengruppe Wendland und Altmark.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Colbitz-Letzlinger Heide – das größte zusammenhängende Heidegebiet Mitteleuropas – erstreckt sich von der Altmark im Norden bis zu Ohre und Mittellandkanal im Süden nahe der Landeshauptstadt Magdeburg. Die Städte und Gemeinden Gardelegen, Uchtspringe, Tangerhütte, Wolmirstedt, Haldensleben und Calvörde liegen am Rand der Heide, die namengebenden Orte Colbitz und Letzlingen innerhalb des Gebietes. Für mehrere Jahrzehnte war auf 40 Kilometern Länge (von Uchtspringe bis Haldensleben) eine Ost-West-Querung der Colbitz-Letzlinger Heide unmöglich. Seit 2004 ist eine Querverbindung von Colbitz (an der B 189) nach Hütten (an der B 71) für den Straßenverkehr freigegeben, was die nötigen Umwege etwas verkürzt. Die Colbitz-Letzlinger Heide ist die größte nicht landwirtschaftlich genutzte Freifläche Deutschlands, in der der Bodenversiegelungsgrad äußerst gering ist und somit ein natürliches Wasserregime vorherrscht. Auch von forstlichen Monokulturen blieb das Heidegebiet weitgehend verschont.

Höchste Erhebung ist mit 139,4 Metern über NN der Zackelberg.

Flora und Fauna[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Colbitz-Letzlinger Heide lässt sich teilweise unberührte Natur erleben. Sie ist das größte unbewohnte Gebiet Deutschlands. Im Mai blüht auf weiten Flächen der Ginster, im Sommer prägt die Heide das Gebiet, in dem sich auch der größte geschlossene Lindenwald Europas, der Colbitzer Lindenwald, befindet. Hier formen ausgedehnte Mischwälder mit 600-jährigen Eichen und Kiefernforsten eine für Besucher attraktive Landschaft. Sie ist Lebensraum für Wiedehopf, Birkwild, Baumfalke, Gold- und Hirschkäfer, Glattnatter, Kreuzotter und viele andere Waldbewohner. Die Colbitz-Letzlinger Heide ist bekannt für ihren Reichtum an Speisepilzen. In den Gebieten am Ostrand der Heide – in den Quellbächen des Tanger – sind seit einigen Jahren Forellen zurückgekehrt. Zwischen Dolle und Tangerhütte ist auch der Biber heimisch.

Militärische Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Demonstration gegen den Truppenübungsplatz Colbitz-Letzlinger Heide am 23. September 1990

Die Region wird bis heute zu einem großen Teil von der Bundeswehr genutzt. Die militärische Erschließung begann 1934 in der Zeit des Nationalsozialismus für das Heer (Wehrmacht). Die in der Heide befindlichen Dörfer Schnöggersburg, Salchau und Paxförde wurden 1936 zwecks Anlage des Truppenübungsplatzes abgerissen. Das Areal diente vor 1945 insbesondere als Schießplatz zur Erprobung von Artilleriewaffen. Unter anderem wurde das größte jemals eingesetzte Geschütz Dora dort getestet, wobei sich die Länge der Schießbahn besonders eignete. Von 1945 bis 1994 wurde die Colbitz-Letzlinger Heide von der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland genutzt. Nach dem 1997 geschlossenen Heidekompromiss sollte die südliche Hälfte bis 2006 in eine zivile Nutzung überführt werden. 2004 wurde diese Vereinbarung jedoch zugunsten einer gänzlichen militärischen Nutzung verändert. Heute wird das Gebiet von der Bundeswehr genutzt und dient unter anderem der Übung der asymmetrischen Kriegsführung im Gefechtsübungszentrum Heer. Auf dem Truppenübungsplatz befindet sich die nachgebaute Stadtkulisse Stullenstadt.

Von 2012 bis 2017 soll die sechs Quadratkilometer große Stadtkulisse Schnöggersburg errichtet werden. Dieses Gelände wird Europas größtes „Übungszentrum für Aufruhrbekämpfung“. Geplant ist eine Geisterstadt, die auf einer Fläche von sechs Quadratkilometern mehr als 500 Gebäude, Industrieanlagen, Straßen und einen kleinen Flugplatz enthält.

Mehrere Bürgerinitiativen setzen sich für eine touristische Nutzung der Colbitz-Letzlinger Heide und damit für einen Abzug der Bundeswehr ein.

Zugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Politisch-administrativ gehört die Heide zum Altmarkkreis Salzwedel (Hansestadt Gardelegen), zum Landkreis Stendal (Verwaltungsgemeinschaft Tangerhütte-Land und Hansestadt Stendal) sowie zum Landkreis Börde (Verbandsgemeinde Elbe-Heide).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]