Collegium medico-chirurgicum

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Das „Collegium medicum“ oder „Collegium medico-chirurgicum“ war eine Einrichtung zur Kontrolle der theoretischen und praktischen Unterweisung von Ärzten und Wundärzten sowie eine städtische Aufsichtsbehörde (heute Gesundheitsbehörde) für medizinische und pharmazeutische Berufe. Das „Collegium medicum“ wurde im Heiligen Römischen Reich vielerorts zur Weiterentwicklung der Inneren Medizin und zur Verbesserung und Vereinheitlichung der chirurgischen Ausbildung, die seit dem Konzil von Tours im 12. Jahrhundert von den handwerklich ausgebildeten Badern, Barbieren, Feldschere und Wundärzten ausgeübt wurde, gegründet.

Preußen[Bearbeiten]

Als oberste Gesundheitsbehörde Preußens schuf man 1685 in Berlin mit dem Medizinaledikt das „Collegium medicum“. Mit der im Jahre 1700 gegründeten „Societät der Wissenschaften“ erhielt die preußische Hauptstadt 1713 ein theatrum anatomicum. Aus dem Collegium medicum ging im Jahre 1723/24, unter dem Akademiepräsidenten Jacob Paul von Gundling, das Collegium medico-chirurgicum hervor.

Zur chirurgischen Ausbildung sämtlicher Medizinalberufe wurde 1723 ein Anatomieprofessor bestellt. Im Königreich Preußen standen neben den akademisch ausgebildeten Ärzten und Apothekern die in Zünften organisierten Bader und Barbiere, wie das gesamte Heilpersonal, unter der Aufsicht des „Collegium medicum“, welches im Jahre 1725 zum „Ober-Collegium medicum“ an der Charité umgestaltet wurde. Zudem wurden ab dem Jahre 1724 „Provinzialkollegien“ eingerichtet. Das Oberkolleg bestand aus einem Staatsminister als Vorsitzenden, den Leib- und Hofärzten, dem Physikus, den ältesten Praktikern in Berlin, dem Leib- und Generalchirurg, Hofapotheker sowie drei Chirurgen mit zwei Apothekern als Assessoren. Das Medizinaledikt vom 27. September 1725 ordnete in Preußen an, dass die Barbiere und Bader sich in der Praxis eines „Gottwohlgefälligen, nüchternen und eingezogenen mäßigen Lebens befleissigen sollten, damit sie jederzeit bei begebenden Fällen tüchtig sein mögen, ihren Nächsten mit ihrer Kunst und Wissenschaft zuträglich und mit Verstande, es sei bei Tag oder Nacht, dienen (…) auch in vorkommender Pest und Sterbenszeiten, da Gott vor sei, wenn sie beordert werden, in die Lazareten zu gehen.“[1]

Die preußischen Armeen hatten als Feldschere Bader und Wundärzte, die eine abgeschlossene Lehre vorzuweisen hatten. Vermutlich erfüllten jedoch nicht alle Feldschere diese Mindestvoraussetzungen. Auch die Ausrüstung der Feldschere galt als völlig unzureichend. Zu Anfang des 18. Jahrhunderts setzte Preußen einen Generalchirurgen ein, dem alle Feldschere unterstellt waren, womit sich vieles verbesserte; vor allem wurden sie jetzt einheitlich ausgebildet. Der erste Generalchirurg war Ernst Konrad Holtzendorff (1688–1751). Durch ihn wurde die Versorgung der Verwundeten entscheidend verbessert. Zur Aus- und Weiterbildung der Armeefeldschere mitbegründete Holtzendorff die chirurgische Ausbildung am „Collegium medico-chirurgicum“ und wandelte als Ausbildungsstätte ein Pesthospiz in ein Armeehospital unter dem Namen „Charité“ in Berlin um, das später allen Bürgern geöffnet wurde.

Professor Georg Ernst Stahl, der Leibarzt des Königs von Preußen Friedrich Wilhelm I. wird 1724 Präsident des „Ober-Collegium medicum“. In Preußen konnte fortan ein Chirurg nur dann approbiert werden, wenn er einen Lehrbrief vorgelegt und mindestens sieben Jahre bei einem Meister, auch als Feldscher bei der Truppe, gedient hatte und nach einem Operationskurs von dem „Ober-Collegium Medicum“ geprüft wurde.[2][3] Am 13. Dezember 1809 wurde das Collegium medico-chirurgicum aufgelöst und die Bücherei von der Pépinière übernommen, selbst wenn 1810 bis zur Aufnahme des Lehrbetriebs an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität noch vereinzelte Lehrveranstaltungen stattfanden.

Markgrafschaft Kurbrandenburg[Bearbeiten]

An den „Collegia medico-chirurgica” in Kurbrandenburg lehren im 17. und 18. Jahrhundert hochangesehene Persönlichkeiten, die ihren chirurgischen Werdegang über eine nichtakademische Ausbildung genommen hatten. Zusammen mit den akademisch ausgebildeten Fachkollegen bildeten sie zusammen mit anderen Standeskollegen in Deutschland die Initiatoren einer immer mehr wissenschaftlich ausgerichteten Chirurgie. Die Chirurgen unterlagen staatlicherseits einer Doppelaufsicht, nämlich der Medizinalbehörde sowie der noch aus dem Mittelalter stammenden Zunftordnung.[4]

Nürnberg[Bearbeiten]

Gründung des „Collegium medicum“ 1592 in Nürnberg durch Joachim Camerarius den Jüngeren.[5]

Freie und Hansestadt Hamburg[Bearbeiten]

Gründung des „Collegium medicum“ 1644 in Hamburg, eines Zusammenschlusses von Hamburger Ärzten.

Bibliografie[Bearbeiten]

  • Alexander von Lyncker, Die Matrikel des preußischen Collegium medico-chirurgicum in Berlin 1730 bis 1768, in: Archiv für Sippenforschung und alle verwandten Gebiete Band 11, 1933, S. 129ff.
  • Alexander von Lyncker, Die Matrikel des preußischen Collegium medico-chirurgicum in Berlin 1769 bis 1797, in: Archiv für Sippenforschung und alle verwandten Gebiete, Band 12, 1935, S. 97ff.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Georg Fischer: Chirurgie vor 100 Jahren. Historische Studie. Vogel, Leipzig 1876 (Nachdruck als: Chirurgie vor 100 Jahren. Historische Studie über das 18. Jahrhundert aus dem Jahre 1876. Springer, Berlin u. a. 1978, ISBN 3-540-08751-6).
  2. Annette Drees, Horst Haferkamp, Axel Hinrich Murken: Blutiges Handwerk – klinische Chirurgie. Zur Entwicklung der Chirurgie 1750–1920. Herausgegeben im Auftrag des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe. Westfälisches Museumsamt, Münster 1989, ISBN 3-927204-00-6.
  3. Oliver Bergmeier: Die sogenannte „niedere Chirurgie“ unter besonderer Berücksichtigung der Stadt Halle an der Saale in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Halle 2002 (Halle, Universität, Dissertation, 2002).
  4. Wolfram Kaiser, Werner Piechocki: Zur Geschichte des halleschen Bader- und Chirurgenhandwerks. In: Medizinische Monatsschrift. Bd. 22, Nr. 9, 1968, ISSN 0025-8474, S. 399–406.
  5. Hanspeter Marti, Karin Marti-Weissenbach (Hrsg.): Nürnbergs Hochschule in Altdorf. Böhlau, Köln/Weimar 2014, ISBN 978-3-412-22337-3, S. 21 (Google books).