Coloured

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Coloured-Großfamilie in Kapstadt
Coloured-Kinder in der Bonteheuwel-Township von Kapstadt

Als Coloured (afrikaans: Kleurling, deutsch auch Farbiger oder Mischling) wird vor allem in den Ländern Südafrika und Namibia eine Person bezeichnet, die − ähnlich wie Mulatten in Mittel- und Südamerika − häufig sowohl schwarze als auch weiße Vorfahren hat.[1] Zahlreiche Coloureds haben jedoch Vorfahren anderer Ethnien. Die Mehrheit der Coloureds spricht Afrikaans als Muttersprache. Die Existenz der Gruppe der Coloureds basierte ursprünglich nicht auf tatsächlicher sozialer oder kultureller Zugehörigkeit, sondern wurde vom südafrikanischen Staat künstlich durch die Einführung des Vier-Rassen-Systems der Apartheid erzeugt.

Im Gegensatz dazu wurde in den USA der Ausdruck Farbiger oder Colored nur auf die Personen mit (teilweiser) afrikanischer Herkunft (südlich der Sahara) wegen ihrer dunklen bzw. schwarzen Hautfarbe verwendet.

Südafrika und Südwestafrika[Bearbeiten]

Zu Zeiten der Apartheid galten die Coloureds den Schwarzen gegenüber als kulturell höherstehend und wurden in dieser rassistischen Gesellschaft relativ bevorzugt behandelt, was sich auch in der Siedlungspolitik niederschlug. Als Ende der 1950er Jahre in der damaligen südwestafrikanischen Hauptstadt Windhoek die beiden Vorstädte (sogenannte Townships) Katutura (für schwarze Namibier) und Khomasdal (für Coloureds) gegründet wurden, lag Khomasdal nicht nur dichter an der Stadt, sondern Coloureds erhielten dort auch größere Häuser und Grundstücke. Auch nach dem Ende der Apartheids-Politik wird der Begriff Coloured in Südafrika aus pragmatischen Gründen weiter verwendet, beispielsweise vom staatlichen Statistikamt. Aus Gründen der Political Correctness werden stattdessen aber auch die genaueren Stammesbezeichnungen wie Orlam, Witbooi, Afrikaner und Baster verwendet.

Die Gruppe der südafrikanischen Coloureds ist sowohl von der ethnischen Herkunft als auch der sozialen und religiösen Zugehörigkeit inhomogen. Eine große Gruppe von etwa 200.000 Menschen bilden die sogenannten Kapmalaien, die auf von den Niederländern in die Kapkolonie gebrachte Arbeitssklaven aus Malaysia zurückgeht und die meist Muslime sind. Ebenso wie die zahlenmäßig deutlich stärkere Gruppe der in der Region Westkap lebenden, meist christlichen Cape Coloureds sprechen sie in der Regel Afrikaans als Muttersprache. Andere, kleinere Gruppen gehen auf die Ureinwohner der Region zurück, vor allem die Khoikhoi und San, die sowohl von den weißen Einwanderern als auch den bereits früher zugewanderten schwarzen Bantu-Völkern lange Zeit bekämpft wurden und nur einen geringen Anteil der Bevölkerung bilden bzw. in den Cape Coloureds aufgegangen sind. Siehe dazu auch Demografie des Westkap und Bevölkerungsgruppen von Kapstadt.

Die Stellung der Coloureds war während der Apartheid auch mit konkreten gesetzgeberischen Konsequenzen verbunden. Ihre Bevorzugung gegenüber der schwarzen Bevölkerung kommt in einigen Bestimmungen zur Datenerfassung und zur Identitätskarte im Population Registration Act aus dem Jahre 1950 zum Ausdruck. Ein besonderes Beispiel für die spezifische Behandlung dieser Bevölkerungsgruppe, sofern die Personen wahlberechtigt waren, sind die Sonderregelungen ihres Wahlrechtes mit dem Separate Representation of Voters Act aus dem Jahre 1951. Im späteren Dreikammersystem der Nationalversammlung stellten die Coloureds wie die Indischstämmigen je eine Kammer, die schwarze Bevölkerungsmehrheit jedoch nicht. Jeder Südafrikaner wurde im Apartheidssystem einer Rasse zugeordnet. Wechsel waren aufgrund spezieller Kriterien möglich, so dass ein Coloured als „Weißer“ eingestuft werden konnte und umgekehrt.[2]

Nach den Ergebnissen der Volkszählung von 2001 rechneten sich rund vier Millionen Südafrikaner der Bevölkerungsgruppe der Coloureds zu,[3] was einem Anteil von 8,9 % an der Gesamtbevölkerung Südafrikas entsprach.[4] Am Westkap und am Nordkap betrug ihr Anteil mehr als 50 %, in allen anderen Provinzen lag er deutlich unter 10 % (zwischen 0,2 % in Limpopo und 7,4 % in Ostkap).[5] 79,5 % gaben an, Afrikaans als erste Sprache zu sprechen, 18,9 % nannten Englisch.[6]

Vereinigte Staaten (Nordamerika)[Bearbeiten]

In den Vereinigten Staaten wurde der Ausdruck Colored oder Farbiger nur auf die Personen mit (teilweiser) afrikanischer Herkunft südlich der Sahara wegen ihrer dunklen/schwarzen Hautfarbe verwendet. Personen mit anderer Hautfarbe waren dort von dem Begriff nicht eingeschlossen (people bzw. person of color). Zur Zeit der Segregation gab es viele separate Einrichtungen nur für diese „Farbigen“, zum Beispiel Schulen, Busabteile, Toiletten und Warteräume an Verkehrsknoten. Coloreds gehörten neben anderen Bevölkerungsgruppen zu den „non-white people“.

Als Euphemismus taucht der Begriff immer wieder seit den Kolonialzeiten in den USA auch in offiziellen Texten auf. Colored People wurden im Unterschied zu den Free people of color weitgehend mit Sklaven gleichgesetzt.

Das Colored Soldiers Monument in Frankfort in Kentucky ist eines der wenigen den afroamerikanischen United States Colored Troops gewidmeten Kriegerdenkmale.

Seit der Abschaffung jeglicher Segregation in den USA in der Nachkriegszeit wurde der Begriff abgelöst durch die Bezeichnung African American oder Afro-American (dt. Afroamerikaner).

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kurzbeschreibung des Population Registration Act No 30. auf www.nelsonmandela.org (Nelson Mandela Centre of Memory and Dialogue) (englisch)
  2. Informationen zur Einteilung nach „Rasse“ (englisch), abgerufen am 24. Juni 2012
  3. Volkszählung von 2001 (Ergebnis als pdf; 624 kB), S. 10.
  4. Volkszählung von 2001 (Ergebnis als pdf; 624 kB), S. 13.
  5. Volkszählung von 2001 (Ergebnis als pdf; 624 kB), S. 12.
  6. Volkszählung von 2001 (Ergebnis als pdf; 624 kB), S. 19.