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Columban von Luxeuil

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Hl. Columban. Fenster der Krypta der Abtei Bobbio

Columban von Luxeuil, auch Kolumban geschrieben (* ca. 540 in West Leinster, Irland; † 23. November 615 in Bobbio, Provinz Piacenza, Italien), war ein irischer Wandermönch und Missionar. Er wird von Katholiken und orthodoxen Christen als Heiliger verehrt. In der Evangelischen Kirche in Deutschland gilt er als denkwürdiger Glaubenszeuge.

Zur Unterscheidung zum heiligen Columban von Iona, der Schottland missionierte, wird er als Columban von Luxeuil, Columban von Bobbio (italienisch Colombano) oder Columban der Jüngere bezeichnet.

Sein liturgischer Gedenktag ist der 23. November.

Jugend und Erziehung

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Die Kindheit von Columban, dessen Name sanftmütig „das Täubchen“ bedeutet, bleibt im Dunkel der Geschichte. Sein Biograf Jonas von Bobbio beschreibt einen Wendepunkt in der Jugend, um den Versuchungen der Welt und den „lasziven Maiden“ zu entfliehen, suchte Columban Rat bei einer weisen, gottgeweihten Frau. Ihr eindringlicher Appell – „Fort, oh mein Junge, fort!“ – führte ihn fort von der Familie. Sein Wille war so entschlossen, dass er laut der Überlieferung sogar die flehende Mutter zurückwies, um sich ganz Gott zu weihen. Columban begann seine klösterliche Erziehung bei Abt Sinell in Cluaninis bei Lough Erne. Unter der Anleitung von Sinell widmete sich Columban intensiv dem Studium der Heiligen Schrift. Bereits in jungen Jahren beherrschte er die lateinische Sprache in Wort und Schrift. Als er mit etwa 16 oder 17 Jahren durch Irland zog, verfügte er bereits über eine Bildung, die das Niveau der meisten Zeitgenossen im damaligen Mitteleuropa weit übertraf. Nach seiner Zeit bei Sinell suchte Columban die Abtei Bangor auf, die damals vom heiligen Comgall geleitet wurde, um dort als Mönch sein Leben ganz in den Dienst Gottes zu stellen. Sein Biograf Jonas schildert ihn dort als einen Mann des Fastens und Gebets. Über Jahre hinweg vertiefte er sich in die Bibel und die Werke der Kirchenväter, er verfeinerte sein Latein bis zur Meisterschaft. Mit unstillbarer Wissbegierde verschlang er zudem die antike Literatur, die über die Meere den Weg auf die grüne Insel fand. Columban vereinte so das Ideal des frommen Büßers mit dem des hochgebildeten Gelehrten, eine Kombination, die ihn später zu einem der einflussreichsten Missionare Europas machen sollte.[1]

Reise des Hl. Columban nach Frankreich

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Um das Jahr 591 verließ Columban das Kloster Bangor. Begleitet wurde er von einer Gruppe von Brüdern – traditionell ist von zwölf Gefährten die Rede, was symbolisch auf die Zahl der Jünger Jesu anspielt. Unter ihnen befanden sich bekannte Persönlichkeiten wie der heilige Gallus sowie Domoal, Comininus, Eunocus und Equonanus. Ihre Reise führte sie zunächst an die britische Küste (wobei unklar bleibt, ob die Bretagne oder Großbritannien gemeint ist), wo sie ihre weiteren Pläne schmiedeten. Schließlich überquerten sie die Irische und Keltische See und landeten 591 bei Saint-Gildas-de-Rhuys in der Bretagne. Ihr Ziel war das Frankenreich, das damals in drei Teilreiche gespalten war, um dort ihre Mission – das „Säen des Heils“ – zu beginnen. Obwohl der Biograf Jona von Bobbio berichtet, Columban sei zu König Childebert II. (Jonas nennt hier Sigebert) gereist, halten die Fakten einer chronologischen Prüfung nicht stand. Sigibert war zum Zeitpunkt der Ankunft der Iren bereits seit fast zwei Jahrzehnten tot. Historisch plausibler ist eine Begegnung mit dem Guntram von Burgund († 592) in Orléans oder Chalon-sur-Saône. Die tatsächliche Reiseroute lässt sich dabei durch einen Rückschluss ermitteln: Als die Mönche 610 aus Burgund vertrieben wurden, ordnete man an, sie auf demselben Weg abzuschieben, auf dem sie gekommen waren. Da diese Route über das Loiretal führte, liegt nahe, dass Columban und seine Gefährten ursprünglich genau diesen Weg zu Guntram genommen hatten. Der König ließ Columban zu sich rufen, woraus sich ein politisches Bündnis entwickelte, von dem beide Seiten profitierten. Columban sicherte sich das Recht, Klöster zu gründen und damit eine feste Operationsbasis zu schaffen. Guntram hingegen konnte sich als frommer Gönner und Schutzherr inszenieren. Die Missionare dienten ihm zudem als verlängerter Arm seiner Macht, da sie den christlichen Glauben in die abgelegenen, verwilderten Regionen seines Reiches trugen. So wies er ihnen die Vogesen zu, wo die Gründungen in Luxeuil, Annegrey, und Fontaine-lès-Luxeuil rasch aufblühten. Mit rund 200 Mönchen wurden diese Klöster bald zum Anziehungspunkt für den fränkischen Adelsnachwuchs.[1]

Der Konflikt mit dem Merowingerhof und die Flucht an den Bodensee

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Nach zwei Jahrzehnten segensreichen Wirkens in Luxeuil fand sich der irische Abt Columban in einer veränderten politischen Welt wieder. Nach den alten Merowingerkönigen bestiegen junge Monarchen die Throne, gelenkt von ihrer machtbewussten Großmutter Brunhilde. Der Frieden endete jäh, als der junge, unverheiratete König Theuderich seine vier unehelichen Söhne am Hof präsentierte. Der für seine Unbeugsamkeit bekannte Columban verweigerte den Kindern den kirchlichen Segen und drohte später mit der Exkommunikation, weil, wie er sich ausdrückte, diese Kinder aus dem Bordell hervorgegangen seien. Mit harten Worten brandmarkte er sie als unrechtmäßige Erben, denen die Herrschaft niemals zustehen dürfe. Erbost über diesen Affront ließen der König und Brunhilde das Kloster räumen. Doch Theuderich handelte kalkuliert: Er untersagte seinen Häschern ausdrücklich, den widerspenstigen Abt zu töten, um ihm nicht den Ruhm eines Märtyrers zu gönnen. Nun sandte ihn Theuderich unter Bewachung nach Besançon. Nach dem Bericht des Jonas kam es hier zu einigen Vorfällen, die die Bewacher veranlassten, Columban gehen zu lassen. So kehrte er nach Luxeuil zurück. Doch im Jahre 610 wurde er erneut unter Bewachung gestellt und mit einigen seiner irischen Gefährten nach Nantes gebracht. Theuderich wollte wohl, da nun Theudebert II. ins Elsass eingefallen war, dieses unsichere Element loswerden. Die geplante Abschiebung in seine irische Heimat nahm jedoch eine unerwartete Wendung. Als das Schiff bereits an der Küste auf eine Sandbank lief, sah der Kapitän darin ein göttliches Omen. Eingeschüchtert von den düsteren Prophezeiungen und den Schmähungen des Mönchs, weigerte er sich, die Reise mit dem „unheilvollen“ Passagier fortzusetzen, und setzte Columban wieder an Land. Nach der erzwungenen Flucht aus Luxeuil blieb Columban nicht ohne Beistand. Einige fromme Edelmänner nahmen sich der irischen Mönche an und geleiteten sie zunächst sicher nach Rouen und weiter in Richtung Paris. Von dort aus setzte Columban seine Reise fort, die ihn über die Mosel von Metz mit dem Boot bis nach Koblenz führte. Stromaufwärts auf dem Rhein erreichten sie schließlich Mainz. Trotz der Verfolgung durch das merowingische Herrscherhaus Brunhildes wurde Columbans Weg zu einer Triumphfahrt des Glaubens. Überall, wo die Mönche Station machten, hinterließen sie Spuren ihrer unbeugsamen Mission, während sie sich tiefer in den alemannischen Raum vorarbeiteten.[2]

Schweiz und Bodensee

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Im Jahr 611 erreichten Columban und seine Gefährten das Ufer des Bodensees. Der Rhein war durch den Kleinen Laufen bei Laufenburg für Boote nicht passierbar, ebenso bei Ettikon, man konnte hier nur zu Fuß oder Pferd weiter. Der einfachste Weg an den Zürichsee führte damals über die Aare, die man vom Hochrhein aus auf der Höhe ab Waldshut oder Koblenz mit Booten, meist Weidlingen befuhr, dann kam man auf der Limmat in den Zürichsee. Columban und seine Gefährten kamen zunächst nach Tuggen an den oberen Zürichsee, wo sie mit der Missionierung begannen. Ein Teil der Einwohner nahm den neuen Glauben an, andere blieben aber skeptisch. Zum Beweis, dass ihre alten Götter nichtig seien, nahm Gallus eine Statue und warf sie in den See. Das von den Heiden erwartete Strafgericht ihrer Götter trat nicht ein, und einige mehr ließen sich vom neuen Glauben überzeugen und taufen. Dennoch mussten die Glaubensboten weiterziehen, weil ihnen die verbliebenen Heiden nach dem Leben trachteten.

Columban verschlug es an den Bodensee, wo er in Bregenz Christen vorfand, die heidnische Bräuche wieder aufgenommen hatten. Getreu seiner Vorliebe für Orte mit Geschichte, wählte der Abt die römischen Ruinen von Brigantia, dem heutigen Bregenz, als Standort für eine neue Klostergründung. Mit der Hilfe von Gallus stellte er die kirchliche Zucht wieder her, und die Verehrung der heiligen Aurelia von Straßburg, einer Gefährtin der heiligen Ursula, lebte wieder auf. Columban gründete dort ein kleines Kloster mit strengen Ordensregeln. Er legte so viel Wert auf Sauberkeit, dass, wenn ein Klosterbruder Bier verschüttete, dieser in der Nacht stillstehen bleiben oder für einige Zeit bei Tisch Wasser trinken musste.

Hier, an der Grenze zum „Heidenland“, sah sich Columban einer neuen geistlichen Herausforderung gegenüber. Die dort siedelnden Sueben (Schwaben) waren noch nicht vollständig missioniert. Zwar waren einige Alemannen durch fränkische Priester getauft worden, doch laut der Vita des Jonas von Bobbio verharrten sie in ihrem „heidnischen Unglauben“ und pflegten weiterhin ihre alten Bräuche. Columban fand trotz des Neuanfangs in Bregenz keine innere Ruhe. Sein Biograf Jonas berichtet, dass dem Abt der Ort „nicht ganz gefallen“ habe; letztlich war es wohl die ungezähmte Wildheit der Sueben, die selbst den strengen Iren an seine Grenzen brachte.[3]

Weil er und seine Gefährten in ihrem missionarischen Eifer unter den Einheimischen Streit auslösten, forderte der Herzog von Überlingen den Missionar auf, um des Friedens willen die Gegend zu verlassen. Gallus aber blieb in der Gegend, vorgeblich weil er aufgrund einer Krankheit nicht weiterziehen konnte. Weil ihm Columban nicht glaubte, verbot er ihm, die Messe zu lesen bis zum Tag seines eigenen Todes. Gallus aber wurde zum Gründer der Stadt St. Gallen und zu ihrem Schutzpatron.

Im Jahre 612 zog Columban nach Mailand und mischte sich in den Streit um den Nestorianismus ein. Ein ihm zugesprochener Brief an Papst Bonifatius IV. ist ein großes Zeugnis der Papstverbundenheit des irischen Missionars. Der langobardische König Agilulf vermachte ihm ein Gebiet namens Bobbio (Provinz Piacenza) am Fluss Trebbia, wo er ein Kloster, die heutige Abtei Bobbio, gründete und die Zeit bis zu seinem Lebensende verbrachte – trotz einer Einladung der Franken, nach Luxeuil zurückzukehren. Er starb am 23. November 615 in Bobbio in Norditalien. Der Legende nach soll Gallus an diesem Tag im Gedenken an seinen Meister erstmals wieder die heilige Messe gelesen haben – die gesicherte Nachricht über dessen Tod erreichte ihn erst Wochen später. Den Großteil dieser gewaltigen Distanz hatte er zu Fuß zurückgelegt. Er hinterließ ein monumentales Erbe: bedeutende Klöster in Gallien, Germanien und Italien, die über Jahrhunderte als Zentren der Bildung und Mission erstrahlten und Generationen von Mönchen prägten.[3]

Der Erfolg der irischen Mönche unter Columban weckte den Neid der Bischöfe, denn er entzog sich ihrer Jurisdiktion, da er unter dem Schutz Childeberts II. und später von dessen Nachfolger Theuderich II. stand. Da er weiterhin dem irischen Festkalender folgte, feierte er das Osterfest zu einem anderen Termin als der Rest der römischen Kirche. Dies suchten die fränkischen Bischöfe zu einer Klage auszunutzen. Der kam Columban jedoch zuvor, als er sich um das Jahr 600 in einem Brief an Papst Gregor wandte. Im zweiten noch erhaltenen Brief, der sich vermutlich an die Synode der fränkischen Bischöfe in Chalon des Jahres 603 wandte, bittet er darum, in Frieden in seiner neuen Heimat bleiben zu dürfen. Noch stand Columban unter dem Schutz Theuderichs, doch der langjährige Frieden in Luxeuil endete durch den heftigen Konflikt mit dem merowingischen Königshaus.

Der junge, unverheiratete König Theuderich II. forderte unter dem Einfluss seiner Großmutter Brunichild (Brunhilde oder Brunehilde) für seine Nachkommen die kirchliche Anerkennung. Der Abt Columban, bekannt für seine moralische Unbeugsamkeit, löste verweigerte den Segens und bezeichnete die Söhne als unrechtmäßig – mit dem Vorwurf, sie entstammten dem „Bordell“ – und sprach ihnen jegliche Herrschaftsansprüche ab. Er drohte dem König schließlich mit der Exkommunikation. Brunhilde und Theuderich reagierten mit der gewaltsamen Räumung des Klosters und der Ausweisung Columbans.

In den dichten Wäldern der Alpenausläufer am Bodensee entluden sich die religiösen Spannungen in einer dramatischen Konfrontation. Als Columban auf eine große Menschenmenge stieß, die sich um ein gewaltiges, mit Bier gefülltes Fass versammelt hatte, bot sich ihm ein Bild tiefster Heidenbräuche. Auf seine strenge Nachfrage erklärten die Sueben freimütig ihr Tun: Sie seien gekommen, um ihrem Gott Wodan ein Trankopfer darzubringen. Für den kompromisslosen Abt war dies eine unerträgliche Provokation des christlichen Glaubens. Mit der ihm eigenen Wucht und der Autorität eines Mannes, der keinen Götzendienst neben seinem Gott duldete, trat er an das Gefäß heran. Mit einer kraftvollen Geste goss er das geweihte Opferbier in den Waldboden, während er die Umstehenden für ihren Aberglauben schalt. In seinen Augen war das Fass kein Zeichen der Geselligkeit, sondern ein Werkzeug des Teufels.[1]

Werk und Einfluss

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Columban hat mit seiner Peregrinatio eine umfassende Missionsbewegung auf dem europäischen Festland angestoßen und gilt als einer der bekanntesten iroschottischen Wandermissionare. Außerdem war er auch auf dem Gebiet der Liturgie tätig. Es werden ihm einige Hymnen, Briefe, Predigten sowie ein theologisches Traktat über die Buße zugeschrieben.

Einen prägenden Einfluss hatte er auf die Christianisierung des bis dahin noch heidnisch, das heißt gallo-römisch geprägten ländlichen Raums auf der Alpennordseite. Bemerkenswert dabei ist, dass sich sein Erfolg wesentlich auf die von seiner irischen Heimat geprägte iroschottische Form des Christentums stützte. Sie war im Gegensatz zum römischen Kirchenmodell deutlich weniger hierarchisch und legte großen Wert auf die persönliche Beziehung.[4]

Klostergründungen

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Columban selbst hatte nur drei Klöster gegründet: Luxeuil (das zusammen mit Annegray und Fontaines unter einer Verwaltung stand), das nach einem Jahr untergegangene Bregenz und Bobbio. Infolge seiner Tätigkeit breitete sich aber erfolgreich die iroschottische Mission auf dem europäischen Festland aus und wurde insbesondere durch seine Schüler Eustasius († 629) und Gallus († 645) sowie deren Schüler Kilian von Würzburg († 689) fortgeführt. Dabei wurden vor allem viele Klöster auf dem Land gegründet. Unter römischer Vorherrschaft war das Christentum nur in den Städten verbreitet gewesen und hatte es in gut fünf Jahrhunderten nicht geschafft, die gallo-römische Landbevölkerung zu erreichen. Dies änderte sich mit Columbans Klostergründungswelle, in deren Folge sich eine – vom fränkischen Adel getragene – Bewegung entwickelte, die im 7. Jahrhundert circa 300 neue Klöster gründete.[5][6][7] Mit diesen geistlichen Zentren hielt erstmals das Christentum im ländlichen Raum Einzug.[8] Durch ihr landwirtschaftliches Wissen und ihre wirtschaftlichen Aktivitäten waren die Klöster darüber hinaus prägend für das Entstehen der europäischen Kulturlandschaft.

In diesem Zusammenhang entstand die Regula Monachorum Columbans, die sich von der Regula Benedicti deutlich unterschied. Sie war strenger, indem sie auf der Grundlage gemeinsamer Gottesdienste und regelmäßigen Chorgebets individuell zu Studium und Arbeit verpflichtete. Viele Fastentage und Schweigezeiten waren vorgeschrieben. Die Kleidung bestand nur aus dem Untergewand, dem Mantel (cuculla) und Sandalen. Streng hielt Columban auf Keuschheit wegen der kultischen Reinheit und Gehorsam gegenüber Oberen und Älteren, wie Jesus dem Vater gehorsam gewesen war. „Beim ersten Wort, das ein Älterer spricht, müssen alle, die ihn hören, sich erheben.“ Anders als die Benediktiner waren die Columbaner oft Wandermönche, einsam und allein in unvertrauter Umgebung, lebten also noch entbehrungsreicher. Damit waren aber auch manche Freiheiten möglich.[9]

Buße und Beichte

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In seiner Klosterregel (Regula Coenobialis) entwarf Columban ein präzises Modell der Mönchsbeichte. Die dort festgelegten Prinzipien wurden später zur entscheidenden Grundlage für die private Beichte aller Gläubigen. Das System basierte auf zwei Ebenen der Schande und Demütigung. Die fromme Ebene diente der inneren Einkehr, die disziplinarische Ebene diente der äußeren Ordnung und Unterordnung. Das Hauptziel dieser Praxis war es, Demut zu trainieren. Die Vergebung der Sünden wurde dabei nicht als formaler Akt gesehen, sondern als Ergebnis eines aufrichtigen Willens zur moralischen Besserung. Columban forcierte maßgeblich die Verbreitung der Ohrenbeichte. Im Gegensatz zur Urkirche, in der Sünden meist noch öffentlich vor der Gemeinde bekannt wurden, verlagerte er das Bekenntnis in das vertrauliche Einzelgespräch. Der Mönch fungierte dabei als Beichtvater und entscheidendes Bindeglied zwischen dem Gläubigen und der göttlichen Vergebung. Dahinter stand ein besonderes Versprechen: Jede noch so schwere Verfehlung kann vergeben werden, solange der Sünder aufrichtig beichtet und Buße tut. Durch Columbans Vermittlung wurde kein Verbrechen als zu schwerwiegend erachtet, um nicht durch Gott gesühnt werden zu können. Die von Columban eingeführte Einzelbeichte entwickelte sich zum Fundament der katholischen Seelsorge. Ein Meilenstein war das Jahr 1215, als Papst Innozenz III. die jährliche Beichte für alle Christen zur Pflicht machte. Um die absolute Vertraulichkeit zu garantieren, wurde das Beichtgeheimnis unter extrem hohe Strafen gestellt: Priestern, die es brachen, drohte lebenslange Haft im Kloster. Dieses Instrument der Beichte war der Schlüssel, der Columban und seine Nachfolger zu so einflussreichen „Seelenfischern“ machte.[10][11]

„Auch Bobbio war im frühen Mittelalter eine Heimstätte geistiger Bildung. Columban hatte dort die letzten Jahre seines Lebens der Anlegung einer wertvollen Handschriftensammlung gewidmet und die Palimpseste, die unter dem Namen ambrosianische und vatikanische Palimpseste bekannt sind, stammen aus diesem einen Kloster.“

Erna Patzelt: Die karolingische Renaissance. Beiträge zur Geschichte der Kultur des frühen Mittelalters. 2. Auflage, Akademische Druck- und Verlagsanstalt, Graz 1965, 72f.

Verbreitung der Regel Columbans

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Columban gab dem Mönchtum durch eine von ihm verfasste Ordensregel wesentliche Impulse. Sein Nachfolger Abt Eustachius von Luxeuil wurde wegen der Liturgie und Ordensregel Columbans angeklagt. Der König ließ daraufhin 627 die Synode von Mâcon einberufen, auf der allerdings die Regel Columbans noch bestätigt wurde.[12] Dennoch ist davon auszugehen, dass nach dem Tode des Abts schon bald Teile der Benediktinerregel im Kloster Luxeuil praktiziert wurden.[13] Durch die Klostergründungen der von Columban initiierten Bewegung breitete sich diese Mischregel stark aus. Um das Jahr 670 beschloss das Konzil von Autun,[14] dass die Klöster künftig nach der Regel Benedikts geführt werden sollten.[15][16] Dennoch wurden in der Folge vielfach Mischregeln, vor allem mit Teilen Columbans und Benedikts, verwendet. Die Regel Columbans konnte sich dauerhaft zwar nicht gegen die des Benedikt von Nursia durchsetzen, dennoch beachteten einige Klöster, besonders die im Reich der Franken, noch einige Jahrhunderte zumindest Teile seiner Regel. Erst durch die umfangreichen Reformen von Benedikt von Aniane wurde die Benediktinerregel mit Unterstützung Ludwigs des Frommen über das Frankenreich im gesamten Abendland die verbindliche Mönchsregel. Insofern hatte Columban einen prägenden Einfluss auf die Christianisierung und das klösterliche Leben in Europa.[17]

Der Gedenktag des Heiligen ist der 21. November (orthodox) und 23. November (evangelisch und römisch-katholisch), in Irland und bei den Benediktinern wird er hingegen am 24. November verehrt; in den Bistümern Chur, St. Gallen und Feldkirch am 27. November. Er gilt als Patron der Motorradfahrer und Helfer bei Überschwemmungen. Dargestellt wird er als bärtiger Mönch umgeben von einem Wolfsrudel, eine Versinnbildlichung der widrigen Umstände, unter denen der Heilige oft wirkte. Die Pfarrkirche Bregenz-St. Kolumban trägt sein Patrozinium, zusätzlich ist die dortige Kolumbanstraße nach ihm benannt. Ferner ist er auf den Wappen von Sagogn (Graubünden) und Tuggen (Schwyz) abgebildet.

  • Arnold Angenendt: Die irische Peregrinatio und ihre Auswirkungen auf dem Kontinent vor dem Jahre 800. In: Heinz Löwe: Die Iren und Europa im früheren Mittelalter. Band 1. Veröffentlichungen des Europa-Zentrums Tübingen. Kulturwissenschaftliche Reihe. Klett-Cotta, Stuttgart 1982. 2 Bde. S. 52–79.
  • Arnold Angenendt: Kloster und Klosterverband zwischen Benedikt von Nursia und Benedikt von Aniane. In: Hagen Keller: Vom Kloster zum Klosterverband. Das Werkzeug der Schriftlichkeit; Akten des internationalen Kolloquiums des Projekts L 2 im SFB 231 (22. – 23. Februar 1996). Fink, München 1997, S. 7–35.
  • Friedrich Wilhelm BautzColumban von Luxeuil. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 1, Bautz, Hamm 1975. 2., unveränderte Auflage. Hamm 1990, ISBN 3-88309-013-1, Sp. 1104–1105.
  • Bruno Broder, Heinz Eggmann, René Wagner, Silvia Widmer-Trachsel: Stadt St. Gallen; eine geografisch-geschichtliche Heimatkunde. Schulverwaltung der Stadt St. Gallen, Kantonaler Lehrmittelverlag St. Gallen.
  • Sancti Columbani Opera. Ed. by G.S.M. Walker. The Dublin Institute for Advanced Studies, 1970.
  • Philipp Dörler: Kolumban und Gallus. Mitgestalter eines kulturellen Umbruchs (= Schriften der Vorarlberger Landesbibliothek, Bd. 22.) Neugebauer, Graz 2010, ISBN 978-3-85376-214-1.
  • Walter Kettemann: Vita Columbani. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 32, Walter de Gruyter, Berlin / New York 2006, ISBN 3-11-018387-0, S. 453 f.
  • Bruno Krusch (Hrsg.): Scriptores rerum Germanicarum in usum scholarum separatim editi 37: Ionae Vitae sanctorum Columbani, Vedastis, Iohannis. Hannover 1905, S. 1–294 (Monumenta Germaniae Historica, Digitalisat)
  • Gerold Meyer von KnonauColumban. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 4, Duncker & Humblot, Leipzig 1876, S. 424–426.
  • Peter Müller: Columbans Revolution. Wie irische Mönche Mitteleuropa mit dem Evangelium erreichten – und was wir von ihnen lernen können. Edition IGW, Band 1. [Neufeld Verlag], Schwarzenfeld 2008, ISBN 978-3-937896-64-9.
  • Erna Patzelt: Die karolingische Renaissance. Beiträge zur Geschichte der Kultur des frühen Mittelalters. Ergänzt um ein Gesamtregister und einige Abbildungen. Zusammen mit Cyrille Vogel: La reforme culturelle sous Pépin le Bref et sous Charlemangen. 2. Auflage, Akademische Druck- und Verlagsanstalt, Graz 1965, S. 72–75.
Commons: Columban von Luxeuil – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. a b c Cay Rademacher: Gottes zorniger Rebell. In: GEO. Band 01/2019. Gruner + Jahr, Hamburg 1. Januar 2019, S. 64 – 84.
  2. Wilhelm Levison: Die Iren und die Fränkische Kirche. In: De Gruyter Oldenbourg (Hrsg.): Historische Zeitschrift. Band 109. Hamburg 1. Januar 2014, S. 7 f.
  3. a b Otto Abel: Die Chronik Fredegars und der Frankenkönige, die Lebensbeschreibungen des Abtes Columban, der Bischöfe Arnulf, Leodegar und Eligius, der Königin Balthilde. Verlag der deutschen Buchandlung, Leipzig 1. Januar 1888, S. 126 – 130.
  4. Peter Müller: Columbans Revolution, Neufeld Verlag, Schwarzenfeld, 2008, S. 72 f.
  5. Peter Müller: Columbans Revolution, 2008, S. 39 ff.
  6. J. N. Hillgarth: Modes of evangelization of Western Europe in the seventh century, in Proinseas NiChathain und Michael Richter (Herausgeber): „Irland und die Christenheit. Bibelstudien und Mission.“ Klett 1987, S. 322 (englisch).
  7. Arnold Angenendt: Das Frühmittelalter. Die abendländische Christenheit von 400 bis 900. Kohlhammer 1990, S. 216.
  8. J. N. Hillgarth: Modes of evangelization of Western Europe in the seventh century. In: Proinseas NiChathain und Michael Richter (Herausgeber): Irland und die Christenheit. Bibelstudien und Mission. Klett 1987, S. 329 f (englisch).
  9. Gudrun Gleba: Klosterleben im Mittelalter. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2004, S. 47–48.
  10. Peter R. Müller: Columbans Revolution. Wie irische Mönche Mitteleuropa mit dem Evangelium erreichten. 2. Auflage. Edition TSC-IGW, 2019, ISBN 978-3-937896-64-9.
  11. Henning Freiherr von Soden: Confessio zwischen Beichte und Geständnis. Inaugural-Dissertation. Hrsg.: Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität. Bonn 2010.
  12. Friedrich Prinz: Frühes Mönchtum im Frankenreich. Kultur und Gesellschaft in Gallien, den Rheinlanden und Bayern am Beispiel der monast. Entwicklung (4.–8. Jh.) Darmstadt 1988. S. 147 f.
  13. Friedrich Prinz: Papst Gregor der Große und Columban der Jüngere, in: Proinseas NiChathain und Michael Richter (Herausgeber): Irland und Europa. Die Kirche im Frühmittelalter. Klett Verlag, 1984, S. 330 f.
  14. Hubert Mordek: Kirchenrecht und Reform im Frankenreich: Die Collectio Vetus Gallica, die älteste systematische Kanonessammlung des fränkischen Gallien. Berlin 1975. S. 84 ff.
  15. Odette Pontal: Die Synoden im Merowingerreich. Paderborn u. a. 1986. S. 197 f.
  16. George G. Hunter III.: The Celtic Way of Evangelism. How Christianity can reach the West … again. Abingdon Press 2000, S. 40 (englisch).
  17. Peter Müller: Columbans Revolution. 2008, S. 48 f.