Columbian Exchange

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Der auf Forschungsarbeiten des US-amerikanischen Historikers Alfred W. Crosby zurückgehende Ausdruck Columbian Exchange (englisch für Kolumbianischer Austausch) wird seit den 1970er Jahren verwendet, um die enorme Verbreitung und Wechselwirkung von für die jeweiligen Kontinente zunächst neuartigen landwirtschaftlichen Waren und Produkten aus Flora und Fauna zwischen der östlichen und westlichen Hemisphäre zu bezeichnen. Er trat als eine der Rückwirkungen der europäischen Expansion nach der Entdeckung Amerikas 1492 durch Christoph Kolumbus auf, und trug beiderseits des Atlantiks zu einer ökologischen Veränderung insbesondere in der Naturgeschichte Europas und Amerikas ab dem 16. Jahrhundert bei.

Die im deutschsprachigen Raum bisweilen auch als „Kolumbus-Effekt“ bezeichneten Vorgänge (siehe Abschnitt Dokumentarfilm) bilden eine wichtige Grundlage für vielfältige, teils revolutionäre historische Entwicklungen der Neuzeit, die sich auch im sozialen, wirtschaftlichen und politischen Kontext der Weltgeschichte seit Anfang des 16. Jahrhunderts niederschlugen.

Ursprüngliche Heimat ausgewählter, dem Menschen nahestehender Lebewesen und Organismen
Lebewesen/
Organismus
Alte Welt Neue Welt
Tiere
Pflanzen
Krankheiten

Bakteriell:

Viral:

Parasitär:

Bakteriell:

Parasitär:

Auswirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Austausch von Pflanzen und Tieren wandelte die europäischen, amerikanischen, afrikanischen und asiatischen Lebensarten um. Nahrungsmittel, die einige Völker nie zuvor gesehen hatten, wurden unverzichtbar. Praktisch keine Gesellschaft auf der Erde konnte sich den Auswirkungen entziehen. Dies umfasst auch den Kulturbau der Neobiota.

Das Jahr 1492 wird hier als allgemeines Stichdatum gewählt, das jeweilige Einsetzen der Wirkungen ist nach Landstrich durchaus unterschiedlich: So waren beispielsweise Kartoffeln vor 1492 außerhalb Südamerikas unbekannt, jedoch im 18. Jahrhundert in Irland unverzichtbar. Der erste europäische Import, das Pferd, änderte die Lebensgewohnheiten vieler amerikanischer Ureinwohner auf den Prärien in einen nomadischen Lebensstil mit der Jagd auf Bisons zu Pferde. Die Tomatensauce, hergestellt aus Tomaten aus der Neuen Welt, wurden ein italienisches Warenzeichen, aber Kaffee und Zuckerrohr aus Asien bildeten die wichtigsten Anbaupflanzen Lateinamerikas. Vorher gab es keine Orangen in Florida, keine Bananen in Ecuador, keine Rinder und Milchprodukte in Argentinien, keine Kautschukbäume in Afrika, keine Viehwirtschaft in Texas und keine Schokolade in der Schweiz.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Charles C. Mann: Kolumbus' Erbe – wie Menschen, Tiere, Pflanzen die Ozeane überquerten und die Welt von heute schufen (aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt von Hainer Kober), Rowohlt-Verlag Reinbek 2013, ISBN 978-3-498-04524-1 (Online-Rezension zum Buch von Michael Kempe in der Neuen Zürcher Zeitung NZZ online vom 13. November 2013: Menschen und Mikroben, abgerufen am 20. November 2013)
  • Kapitel: Der Kolumbianische Austausch. In: Jeffrey M. Pilcher: Nahrung und Ernährung in der Menschheitsgeschichte. Aus dem Englischen von Christiana Haack. Magnus Verlag, Essen 2006, ISBN 3-88400-330-5, S. 38-48. (Englischer Originaltitel: Food in world history), (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche)
  • Alfred W. Crosby: The Columbian Exchange. Biological and cultural consequences of 1492. Praeger, 2003 (Erstauflage: 1972, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  • N. Nunn, N. Qian: The Columbian Exchange: A History of Disease, Food, and Ideas. In: Journal of Economic Perspectives. Vol. 24 (1020), Nr. 2, S. 163-188, doi:10.1257/jep.24.2.163.

Dokumentarfilm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]