Commelinagewächse

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Commelinagewächse
Duftender Schneckenfaden (Cochliostema odoratissimum)

Duftender Schneckenfaden (Cochliostema odoratissimum)

Systematik
Unterabteilung: Samenpflanzen (Spermatophytina)
Klasse: Bedecktsamer (Magnoliopsida)
Monokotyledonen
Commeliniden
Ordnung: Commelinaartige (Commelinales)
Familie: Commelinagewächse
Wissenschaftlicher Name
Commelinaceae
R.Br.

Die Commelinagewächse (Commelinaceae) sind eine Familie in der Ordnung der Commelinaartigen (Commelinales) innerhalb der Bedecktsamigen Pflanzen (Magnoliopsida). Der botanische Name ehrt die holländischen Botaniker Jan Commelin und Caspar Commelin.

Sie sind hauptsächlich in den Subtropen und Tropen beheimatet. Einige Arten neigen als Neophyten zum Verwildern. In den gemäßigten Breiten sind einige Taxa dieser Familie als Zierpflanzen, besonders als Zimmerpflanzen bekannt.

Beschreibung[Bearbeiten]

Habitus und Blätter[Bearbeiten]

Es sind selten einjährige (beispielsweise alle Tinantia-Arten) oder meist immergrüne, ausdauernde krautige bis sukkulente Pflanzen, die manchmal an der Basis etwas verholzen. Arten in ariden Gebieten bilden Rhizome oder Wurzelknollen als Überdauerungsorgane. Sie wachsen selbständig aufrecht, kriechend, hängend oder kletternd (beispielsweise Palisota thollonii) und wenige Arten als Epiphyten (beispielsweise beide Cochliostema-Arten und Belosynapsis vivipara). Die jungen Stängel brechen oft leicht an den Knoten (Nodien). Um die Stoma sind meist vier oder sechs, selten zwei Nebenzellen sehr charakteristisch angeordnet.

Bei fast allen Commelinaceae sind nadelförmige Calciumoxalat-Kristalle (Raphiden) in Reihen („Raphidenkanälen“) vorhanden - sie fehlen nur bei Cartonema. Drüsige Mikrohaare sind bei allen Commelinoideae vorhanden - sie fehlen aber bei allen Cartonematoideae (ein wichtiges Merkmal um die beiden Unterfamilien zu trennen).

Die wechselständig und spiralig oder zweizeilig in einer grundständigen Rosette oder am Stängel verteilt angeordneten Laubblätter sind gestielt oder ungestielt und einfach. Die Blätter sind oft mehr oder weniger fleischig oder krautig. Oft umhüllt die Blattscheide den Stängel teilweise. Die einfache Blattspreite ist parallelnervig und ganzrandig.

Blütenstände, Blüten und Bestäubung[Bearbeiten]

Die Blüten stehen selten einzeln, sondern meist zu vielen in unverzweigten oder verzweigten Blütenständen, die aus Zymen zusammengesetzt sind. Manchmal sind große Hochblätter vorhanden.

Die meist zwittrigen, selten eingeschlechtigen Blüten sind dreizählig und radiärsymmetrisch bis stark zygomorph. Es gibt einige einhäusig (monözisch) und zweihäusig (diözisch) getrenntgeschlechtige Arten. Die zwei Kreise mit je drei nicht gleichgestaltigen Blütenhüllblätter sind in Kelch- und Kronblätter gegliedert. Die drei Kelchblätter sind meist frei oder selten an ihrer Basis verwachsen. Die meist drei, manchmal genagelten Kronblätter sind oft frei; manchmal ist ein Kronblatt anders gefärbt oder mehr oder weniger stark reduziert bis nur noch zwei Kronblätter erkennbar sind. Die Kronblätter können weiß, blau bis purpurfarben oder selten gelb (aber bei allen Cartonematoideae) sein. Es sind zwei Kreise mit je drei freien Staubblättern vorhanden. Entweder sind alle Staubblätter fertil oder nur zwei bis drei bis selten nur noch eines, dann sind Staminodien vorhanden. Die Staubfäden besitzen oft auffällige Haare. Die Staubbeutel besitzen manchmal Anhängsel. Die meist sulcaten, zweizelligen Pollenkörner besitzen meist eine Aperturat oder seltener zwei bis vier. Die drei Fruchtblätter sind zu einem oberständigen Fruchtknoten verwachsen mit einer bis einigen Samenanlagen je Fruchtknotenkammer. Der einfache Griffel endet in einer kleinen oder vergrößerten Narbe.

Die Bestäubung erfolgt autogam oder entomophil. Es wird kein Nektar produziert, sondern viele Arten besitzen einen sehr speziellen Anlockungsmechanismus: Es werden zwei verschiedene Staubblatttypen gebildet, neben den fertilen Staubblättern gibt es hellgelbe, sogenannte „Futterstaubblätter“ die die Bestäuber durch die Produktion kleiner Pollen anlocken, die diesen Insekten als Nahrung dienen. Bei einigen Arten werden auch spezielle Haare auf den Staubblättern gebildet, die den Bestäubern als Nahrung dienen.

Früchte, Samen und Keimlinge[Bearbeiten]

Es werden meist zwei- bis dreifächerige, meistens trockene, selten fleischige, beerenähnliche (Pollia) Kapselfrüchte gebildet. Manchmal werden Beeren (Palisota) gebildet. Die Früchte enthalten wenige große, stärkehaltige Samen.

Es ist meist ein Keimblatt (Kotyledonen), manchmal sind aber zwei vorhanden. Ein Hypocotyl-Internodium ist oft vorhanden, manchmal ist es lang, oder es fehlt beispielsweise bei Cyanotis.

Callisia warszewicziana, eine sukkulente Art

Chromosomensätze und Inhaltsstoffe[Bearbeiten]

Die Chromosomenzahlen sind unterschiedlich: meist n = 6-16, möglich sind aber n = 4-29. An Inhaltsstoffen können je nach Taxon beispielsweise Cyanidin, Proanthocyanidine, Alkaloide und bei Cyanotis Saponine vorhanden sein.

Illustration von Cartonema spicatum, Cartonematoideae
Fruchtstände von Palisota barteri mit Beeren
Virginia-Dreimasterblume (Tradescantia virginiana)

Systematik[Bearbeiten]

Die Taxa der früheren Familien Cartonemataceae Pichon, Ephemeraceae und Tradescantiaceae Salisb. gehören heute in die Familie der Commelinagewächse (Commelinaceae).

Die Familie ist gegliedert in zwei Unterfamilien mit jeweils zwei Tribus und insgesamt etwa 40 Gattungen [1], [2] mit 652 Arten (Stand Juli 2009):

  • Commelinoideae Eaton: Es sind immer drüsige Mikrohaare und Raphiden vorhanden. Mit zwei Tribus mit 38 Gattungen und 640 Arten:
    • Tribus Commelineae (Meisner) Faden & D. Hunt: Mit 13 Gattungen:
      • Aneilema R.Br.: Mit 65 Arten, hauptsächlich in Afrika, aber auch mit einer Art in Amerika
      • Anthericopsis Engl., mit nur einer Art im tropischen Ostafrika
      • Buforrestia C.B.Clarke, mit drei Arten in Afrika und Südamerika
      • Tagblumen (Commelina L.): (inklusive Phaeosphaerion Hassk., Commelinopsis Pichon) Mit 170 Arten hauptsächlich in den Tropen und Subtropen; mit mehreren als Zimmerpflanzen geeigneten Arten
      • Dictyospermum Wight: Mit vier bis fünf Arten im tropischen Asien.
      • Floscopa Lour.: Pantropisch mit etwa 20 Arten.
      • Murdannia Royle: Mit 50 bis Arten in den Tropen und Subtropen hauptsächlich in Asien.
      • Pollia Thunb.: Mit etwa 20 Arten in den Tropen
      • Polyspatha Benth., mit drei Arten im tropischen Afrika
      • Pseudoparis H.Perrier, mit drei Arten in Madagaskar
      • Rhopalephora Hasskarl: Mit vier Arten in Afrika (Madagaskar) und vom südlichen Asien bis zu den pazifischen Inseln.
      • Stanfieldiella Brenan, mit vier Arten im tropischen Afrika
      • Tricarpelema J.K.Morton: Mit etwa sieben Arten vom Himalaja bis Indonesien (Borneo) und die Philippinen.
    • Tribus Tradescantieae (Meisner) Faden & D.Hunt: Mit sieben Subtribus und etwa 25 (bis 34) Gattungen [3]:
      • Subtribus Palisotinae Faden & D.Hunt: Mit nur einer Gattung:
        • Palisota Reichb., mit etwa 25 Arten im tropischen Afrika
      • Subtribus Streptoliriinae Faden & D.Hunt: Mit drei Gattungen:
      • Subtribus Cyanotinae (Pichon) Faden & D.Hunt: Mit zwei Gattungen, ist monophyletisch:
        • Cyanotis D.Don (inklusive Amischophacelus R.Rao & Kamm.): Mit 50 Arten im tropischen und subtropischen Afrika und von Asien bis nördliche Australien.
        • Belosynapsis Hassk.: Mit drei Arten im südlichen Asien.
      • Subtribeus Coleotrypinae Faden & D.Hunt: Mit drei Gattungen, ist monophyletisch:
        • Amischotolype Hassk.: Mit etwa 20 Arten im tropischen Afrika und Asien.
        • Coleotrype C.B.Clarke, mit neun Arten in Südostafrika und Madagaskar
        • Porandra D.H.Hong: Mit drei Arten in China, Laos, Thailand und Vietnam.
      • Subtribus Dichorisandrinae (Pichon) Faden & D.Hunt: Mit fünf Gattungen, ist polyphyletisch:
        • Schneckenfaden (Cochliostema Lem.): Mit zwei neotropischen Arten.
        • Dichorisandra J.C.Mikan, mit etwa 38 Arten in tropischen Südamerika und in Mittelamerika
        • Geogenanthus Ule,mit etwa drei Arten im tropischen Südamerika
        • Plowmanianthus Faden & C.R.Hardy: Mit insgesamt fünf Arten, davon zwei in Panama und drei im Amazonasbecken. [4]
        • Siderasis Raf., mit nur einer Art in Brasilien
      • Subtribus Thyrsantheminae Faden & D.Hunt: Mit fünf Gattungen, ist polyphyletisch:
      • Subtribus Tradescantiinae Rohw.: Mit sechs Gattungen, ist monophyletisch:
        • Gibasis Raf.: Mit elf neotropischen Arten.
        • Elasis D.R. Hunt, mit nur einer Art, in Ecuador:
        • Dreimasterblumen (Tradescantia L.): Mit 70 Arten, hauptsächlich im tropischen Amerika. Viele als Zimmerpflanzen geeignete Arten, mit unterschiedlich gefärbten Blättern. Einige Arten ertragen einen relativ lichtarmen Standort. In diese Gattung wurden die Arten der früheren Gattungen Campelia Rich., Cymbispatha Pichon, Mandonia, Neomandonia, Neotreleasea, Rhoeo Hance, Separotheca Waterf., Setcreasea Schumann & Sydow, Treleasea und Zebrina Schnizl. eingegliedert.
        • Callisia Loefl. (inklusive Aploleia Raf., Cuthbertia Small, Hadrodemas H.Moore, Leiandra Raf., Leptorhoeo C.B.Clarke ex Hemsley, Phyodina Raf.): Mit etwa 20 Arten in Amerika; darunter einige als Zimmerpflanzen geeignete Arten, wie:
        • Tripogandra Raf., mit etwa 22 Arten im tropischen Amerika
        • Sauvallea C. Wright, mit nur einer Art, in Kuba:
  • Cartonematoideae G.C.Tucker: Die radiärsymmetrischen Blüten besitzen gelbe Kronblätter. Es sind keine drüsigen Mikrohaare vorhanden. Mit zwei Tribus mit jeweils einer Gattung, mit insgesamt zwölf Arten:

Bilder[Bearbeiten]

Cochliostema-Arten:

Arten aus weiteren Gattungen:

Quellen[Bearbeiten]

  • Die Familie der Commelinaceae bei der APWebsite. (engl.)
  • Die Familie der Commelinaceae bei DELTA von L.Watson und M.J.Dallwitz.
  • Deyuan Hong & Robert A. DeFilipps: Commelinaceae in der Flora of China, Volume 24, S. 19: Online. (engl.)
  • Robert B. Faden: Commelinaceae in der Flora of North America, Volume 22: Online. (engl.)
  • Leslie Watson: Commelinaceae in der Western Australian Flora: Online, 2008. (engl.)
  • Timothy M. Evans, Robert B. Faden, Michael G. Simpson & Kenneth J. Sytsma: Phylogenetic relationships in the Commelinaceae: I. A cladistic analysis of rbcL sequences and morphology, in Systematic Botany, Volume 25 (4), 2000, S. 668-691: Online.
  • Timothy M. Evans, Kenneth J. Sytsma, Robert B. Faden & Thomas J. Givnish: Phylogenetic relationships in the Commelinaceae: II. A cladistic analysis of rbcL sequences and morphology, in Systematic Botany, Volume 28 (2), 2003, S. 270-292.
  • Michael G. Simpson: Commelinaceae, in Plant Systematics, Elsevier Inc., 2005, S. 188-190. ISBN 0-12-644460-9
  • David John Mabberley: The Plant Book. A portable dictionary of the higher plants. Cambridge University Press 1987. ISBN 0-521-34060-8

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Commelinaceae im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.
  2. Timothy M. Evans, Robert B. Faden, Michael G. Simpson & Kenneth J. Sytsma: Phylogenetic relationships in the Commelinaceae: I. A cladistic analysis of rbcL sequences and morphology, in Systematic Botany, Volume 25 (4), 2000, S. 668-691: Online.
  3. D. J.Wade, T. M. Evans & R. B. Faden: Subtribal relationships in tribe Tradescantieae (Commelinaceae) based on molecular and morphological data., in Proceedings for the Third International Symposium on Monocots, Ontario, California, 2006, S. 520-526.
  4. Christopher R. Hardyabd and Robert B. Faden: Plowmanianthus, a New Genus of Commelinaceae with Five New Species from Tropical America, in Systematic Botany, 29 (2), 2004, S. 316-333.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Commelinagewächse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien