Compagnie des chemins de fer du Nord

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Streckennetz der NORD 1914
Lokomotive Nr. 22 im Bahnbetriebswerk La Chapelle
Einfahrt des Flèche d’Or in den Pariser Gare du Nord, 1927
Werbeplakat aus der Übergangszeit zur Staatsbahn von 1938, das sowohl für die Chemins de fer du Nord als auch für die SNCF wirbt.

Die Compagnie des Chemins de fer du Nord (NORD) war ein privatrechtlich organisiertes französisches Eisenbahnunternehmen.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die NORD verband Paris und das nordwestliche Frankreich mit Belgien und der Küste am Ärmelkanal. Ihr Endbahnhof in Paris war der Gare du Nord, der anfangs die Bezeichnung „Belgischer Bahnhof“ trug.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Gesetz vom 11. Juni 1842 wurde eine Reihe von Eisenbahnstrecken von Paris an die Grenze zu Belgien über Lille und Valenciennes sowie abzweigende Strecken von Lille nach Calais und Dünkirchen festgelegt. Aufgrund eines weiteren Gesetzes vom 15. Juli 1845 bildete sich dann die NORD. Am 20. September 1845 erhielt sie die Konzession für den Bau und Betrieb dieser Strecken, insgesamt 496 km, auf 38 Jahre, da sie auf jede finanzielle Zuwendung des Staates verzichtete, diesem sogar finanzielle Vorleistungen erstattete.[1] Die Gesellschaft gehörte den Banken Rothschild Frères, Paris, und N M Rothschild & Sons, London. Baron James de Rothschild wurde erster Präsident der Gesellschaft bis zu seinem Tod 1868.

Ausbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Bahnstrecke verlief 1846 vom Belgischen Bahnhof (heute: Gare du Nord) in Paris über Douai und Lille nach Calais und Dünkirchen. Weitere Strecken wurden 1847 nach Amiens, Valenciennes und zu den belgischen Städten Kortrijk und Gent angelegt. Die einer anderen Gesellschaft 1845 konzessionierte Strecke von Creil nach St. Quentin übernahm die NORD 1847 und 1852 die 123 km lange Strecke Amiens-Boulogne-sur-Mer.[2] Mit diesen Stammstrecken entstand zwischen Paris, Rouen, der Atlantikküste in der Normandie und Belgien ein ausgedehntes Netz.[3] Im Zusammenhang mit weiteren Konzessionen, die der französische Staat der NORD 1852 erteilte, wurde die Konzessionsdauer für alle ihre Strecken einheitlich auf 99 Jahre ab 1848 festgesetzt.[4] Das Netz wurde in den folgenden Jahren ständig ausgebaut. Gut und solide durch die beiden Bankhäuser als Aktionäre finanziert, wuchs das Streckennetz: Ende 1890 betrug die Betriebslänge 3.606 km, Ende 1912 3.840 km. Hinzu kamen weitere 170 km in Belgien. Dort firmierte die Bahn unter „NORD Belge“.

Der belgische Unternehmer Simon Philippart versuchte in den 1870er Jahren mit dem Zusammenschluss einiger Bahnen, der Compagnie des Chemins de fer du Nord-Est, der Eisenbahngesellschaft Lille-Valenciennes und der Eisenbahngesellschaft Lille-Béthune der NORD Konkurrenz zu machen. Er unterlag allerdings sehr schnell deren wirtschaftlicher Übermacht. Am 17. Dezember 1875 schloss die NORD mit der Nord-Est, am 31. Dezember 1875 mit der Gesellschaft Lille-Valenciennes und am 2. Februar 1876 mit der Gesellschaft Lille-Béthune Pachtverträge für die Dauer ihrer Konzessionen und übernahm diese Bahnen damit faktisch.

In der Lokomotiventwicklung war die NORD führend: Alfred de Glehn entwickelte hier die ersten Vierzylinder-Verbundtriebwerks für Dampflokomotiven. Die Gesellschaft baute ihre Lokomotiven überwiegend in den eigenen Werkstätten. Die Lokomotiven der NORD waren schokoladenbraun lackiert.[5]

Da über die Strecken der NORD der Verkehr zwischen den europäischen Metropolen Paris einerseits, London, Brüssel, Antwerpen und Amsterdam andererseits, verlief, verkehrten hier auch eine Reihe bekannter Luxuszüge. Dazu zählten:

Ende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die NORD wurde – wie die anderen großen Privatbahnen in Frankreich – 1938 verstaatlicht und in die Société Nationale des Chemins de fer Français (SNCF) als deren Region 2 integriert.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Röll, S. 190.
  2. Röll, S. 190.
  3. Vockrodt.
  4. Röll, S. 190.
  5. Vockrodt.
  6. Vockrodt.