Compositing

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Compositing (englisch für Zusammensetzung, Mischung) ist ein Begriff aus der Video- und Filmtechnik und findet in der Postproduktion eines Filmes als visueller Effekt Anwendung. Im Compositing werden zwei oder mehr voneinander getrennt aufgenommene oder erstellte Elemente zu einem Bild zusammengeführt. In der Computergrafik versteht man unter Compositing das Zusammenfügen mehrerer hintereinanderliegender Schichten eines Volumens.

Das Compositing ist der Prozess des Zusammenführens mehrerer Bildelemente zu einem stimmigen Gesamtbild. Die wichtigsten Techniken sind das Freistellen (durch Keying oder Rotoskopie), das photorealistische Integrieren von freigestelltem Footage, gerenderten Bildern oder Matte Paintings sowie das zeitliche Verändern von Footage (Retiming).

Die entsprechende Berufsbezeichnung ist der Compositing Artist.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 30er Jahren wurden die ersten Spezialeffekte mit Hilfe einer optischen Bank (optical printer) und einer travelling matte realisiert. Ein optical printer wurde zum Kopieren von Filmmaterial verwendet: Er besteht aus einem Projektor, der den Film projiziert und einer Kamera, die diesen wieder abfilmt.[2] Mithilfe einer travelling matte (dt: bewegte Maske) wurden zunächst Teile dieser Projektion abgeschattet, was unbelichtete Stellen im Filmmaterial hinterließ. In einem zweiten Durchlauf konnte mit der inversen Maske ein zweites Filmmaterial an den abgeschatteten Stellen eingefügt werden ohne die zuvor belichteten Stellen doppelt zu belichten. Unter diesen mechanischen Verfahren litt allerdings auch die Bildqualität, weshalb es meist nur kurzfristig angewandt und nicht beliebig oft wiederholt werden konnte.

1940 erweiterte Lawrence Butler diese Technik und erfand eine Möglichkeit, travelling mattes bewegter Objekte photochemisch zu erzeugen. Für diese Erfindung der Bluescreen-Technik wurde er mit einem Oscar ausgezeichnet. Bis in die 1990er Jahre war diese Compositing-Technik die einzige Möglichkeit, effizient bewegte Objekte freizustellen und zusammenzusetzen.[3]

Verfeinerungen dieser Technik wurden in großem Umfang erstmals im Film Blade Runner aus dem Jahr 1982 angewandt, in dem zahlreiche Einstellungen von Miniaturmodellen, Matte Paintings, Regen- und Realfilm-Aufnahmen kombiniert wurden.

Mit dem Film Indiana Jones und der letzte Kreuzzug (1989) wurde diese Technik zum ersten Mal im Computer erzeugt. Dazu wurde das Filmmaterial digitalisiert, durch eine Bildbearbeitungssoftware zusammengefügt und danach wieder auf Filmmaterial übertragen.

Ab Mitte der 1990er wurde Compositing auch eingesetzt, um digital erzeugte Figuren in Realfilm-Aufnahmen einzufügen (Bsp.: Jurassic Park (1993), Godzilla (1997)).

Eine bekannte Firma in diesem Bereich ist Industrial Light & Magic von George Lucas, die unter anderem die visuellen Effekte für Star Wars, Jurassic Park, Abyss – Abgrund des Todes, Terminator, Star Trek und Indiana Jones gemacht hat.

Techniken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freistellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Freistellen von Elementen ist einer der wichtigsten Teilbereiche des Compositings. Freigestellte Bilder und Filmsequenzen können einzeln bearbeitet, verändert und neu kombiniert werden. Die dabei hauptsächlich eingesetzten Techniken sind Keying und Rotoskopie. Ziel ist das Erstellen einer exakt zum Bild passenden Alphamaske. Besondere Schwierigkeiten treten beim Freistellen von halbtransparenten Objekten, Unschärfe und Haaren auf.

Photorealistische Integration[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein häufiges Ziel ist es, neue Elemente in bestehendes Bildmaterial (Footage) einzufügen. Zu diesen Elementen gehören freigestellte Bilder, Matte Paintings, oder gerenderte Elemente. Ziel ist es dabei, einen realistischen Look zu erzeugen und die eingefügten Elemente so aussehen zu lassen, als wären sie durch die Kamera gefilmt. Wichtige Aspekte bei der Integration sind die korrekte Perspektive und (bei bewegter Kamera) Parallaxe, Farb- und Helligkeitsanpassung an das Footage, sowie korrekte Unschärfe (defocus) und Bewegungsunschärfe (motion blur). Auch das Erzeugen von Kameraeigenheiten wie Grain oder Bildfehlern wie Chromatische Aberration, Verzeichnung oder Randlichtabfall sorgt für eine optimale Integration, wenn es an das originale Footage angepasst wird.

Software[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Anwendung des Compositings im professionellen Bereich existieren spezialisierte Programmlösungen. Diese lassen sich im groben in Bezug auf ihre Benutzeroberfläche in zwei Kategorien einordnen: Node-basierte Compositing-Software und layerbasierte Compositing-Software[4].

Zu Compositing-Programmen gehören beispielsweise:

sowie die quelloffenen Programme:

Das quelloffene Videoschnittprogramm Cinelerra für GNU/Linux besitzt ebenfalls Werkzeuge zum Compositing. Heute haben alle professionellen nichtlinearen Schnittprogramme (wie Avid, Media 100 oder Final Cut Pro) Compositingmöglichkeiten.

Wichtiger Bestandteil von Compositing-Programmen sind Erweiterungsmodule, welche die Funktionalität vergrößern. Dazu gehören unter anderem:

  • Boris/FX
  • Sapphire
  • Krokodove
  • Monster
  • Frischluft
  • REVision
  • Furnace

Volumengrafik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Front to back compositing: Die Farben werden aus Sicht des Betrachters in Abhängigkeit von der Transparenz schichtweise miteinander verrechnet.

In der direkten Volumenvisualisierung findet das Compositing Anwendung, um mehrere hintereinanderliegende Schichten eines Volumens zu einem 2D-Bild zusammenzufügen. Das gesamte Volumen kann man sich dabei als eine Vielzahl von Volumenzellen (Voxel) vorstellen, welche eine Transparenz haben und Licht einer bestimmten Farbe abstrahlen. Die Farb- und Transparenzwerte müssen entlang eines „Sichtstrahls“ miteinander verrechnet werden. Die dafür angewendeten Verfahren liefern unterschiedliche Ergebnisse:[5]

  • Average:[6] Es wird einfach der Durchschnitt der Farbe über alle Voxel gebildet, durch die der Sichtstrahl verläuft. Das Ergebnis ähnelt einem Röntgenbild.
  • Front to back:[5][7] Die Voxel werden vom Betrachter aus zum Hintergrund hin durchlaufen. Dabei wird die bisherige Transparenz entlang dieser Strecke immer mit der Transparenz des aktuellen Voxels multipliziert. Die Farbe des Voxels fließt dann abhängig von der Transparenz in die Gesamtfarbe ein. Da die Transparenz im Intervall liegt, wird diese immer kleiner. Die Farbe weiter hinten liegender Voxel geht entsprechend kaum noch in die Gesamtfarbe ein, so dass der Algorithmus bei Unterschreitung eines bestimmten Schwellenwertes abgebrochen werden kann. Dadurch wird die Geschwindigkeit des Renderings deutlich erhöht.[7]
  • Back to front[5][7]: Die Voxel werden vom Hintergrund zum Betrachter durchlaufen. Der für die vorherigen Voxel berechnete Farbwert muss jeweils mit der Transparenz und der Farbe des aktuellen Voxels verrechnet werden.

Außerdem kann bei allen Verfahren ein Binärbaum verwendet werden, der den Sichtstrahl in mehrere Segmente aufteilt. Diese können parallel gerechnet und später wieder zusammengefügt werden, um einen weiteren Geschwindigkeitsgewinn zu erzielen.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ron Brinkmann: The Art and Science of Digital Compositing. Morgan Kaufmann. ISBN 0121339602 (englisch)
  • Steve Wright: Digital Compositing for Film and Video. Focal Press. ISBN 0240804554 (englisch)
  • Patricia D. Netzley: Encyclopedia of Movie Special Effects. Oryx Press, Phoenix, Arizona 2000 ISBN 0-816-044929 (englisch, S. 47)
  • Thomas Mulack, Rolf Giesen: Special Visual Effects. Bleicher Verlag, Gerlingen ISBN 3-88350-911-6

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: compositing – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Compositing Artist. Abgerufen am 14. Februar 2017.
  2. optische Bank - Lexikon der Filmbegriffe. Abgerufen am 25. März 2017.
  3. Jeffrey A. Okun: The VES handbook of visual effects. S. 551.
  4. Steve Wright: Compositing Visual Effects.
  5. a b c Michael Bender und Manfred Brill: Computergrafik. Ein anwendungsorientiertes Lehrbuch. 2. Auflage. Hanser, München 2006, ISBN 3-446-40434-1.
  6. Stefan Gumhold: Wissenschaftliche Visualisierung. Volumenvisualisierung II. 2009 (Vorlesungsfolien).
  7. a b c Stefan Wesarg: Medical Visualization. 18. Mai 2009, abgerufen am 6. September 2009 (PDF; 2,4 MB).
  8. Charles D. Hansen und Chris R. Johnson: The Visualization Handbook. Elsevier, Burlington 2005, ISBN 0-12-387582-X.