Confederación Nacional del Trabajo

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Logo der Confederación Nacional del Trabajo
Ein Lokal der CNT in Barcelona.

Die Confederación Nacional del Trabajo (CNT) ist eine Konföderation anarchosyndikalistischer Gewerkschaften in Spanien und Mitglied der Internationalen ArbeiterInnen-Assoziation (AIT). Sie war mit rund 2 Millionen Mitgliedern eine der wichtigsten Protagonistinnen des Widerstandes gegen den General Francisco Franco im Spanischen Bürgerkrieg. Im Zuge dessen initiierte sie maßgeblich eine libertäre Revolution in den Regionen in denen sie über eine entsprechende Mitgliederbasis verfügte. Nach dem Sieg Francos 1939 wurde die Organisation zerschlagen. Sie reorganisierte ihren Widerstand gegen den Franquismus im Untergrund und im Exil, letzteres vor allem in Frankreich. Nach dem Tode Francos formierte sie sich ab 1976 erneut, ohne allerdings an die vorherige Bedeutung anknüpfen zu können. Sie präsentiert sich heute als Alternative innerhalb der spanischen Gewerkschaftslandschaft mit dem Slogan: "Eine kämpferische Gewerkschaft! – ohne Subventionen, ohne Freigestellte".

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründungskongress der CNT 1910.

Die CNT wurde am 1. November 1910 in Barcelona gegründet. Es war der erfolgreiche Versuch die anarchosyndikalistischen Einzelgewerkschaften auf nationaler Ebene zu föderieren und damit ein Gegengewicht zur sozialistischen Unión General de Trabajadores (UGT) zu bilden. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie etwa 30.000 Mitglieder, und ihr Organisationsschwerpunkt lag in Katalonien. Eines der Gründungsmitglieder der CNT war Anselmo Lorenzo. Auf dem ersten Kongress im Jahre 1911 wurde ein Generalstreik ausgerufen, der zum Verbot der CNT bis 1914 führte. Nach der Aufhebung des Verbotes bildete sie eine Aktionseinheit mit der UGT. 1917 riefen beide Gewerkschaften gemeinsam zu einem Generalstreik auf.

Ein Rückgang der Nachfrage mit dem Ende des ersten Weltkrieges 1918, bewirkte eine Krise in der katalanischen Industrie und eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen, was einen Aufschwung der CNT zur Folge hatte. Die Delegierten des Kongresses, der im Dezember 1919 in Madrid stattfand, vertraten 705.512 Arbeiterinnen und Arbeiter, davon alleine 424.578 aus Katalonien, dem industriellen Zentrum Spaniens. Bereits im Frühjahr 1919 mündete ein Streik in einem Energieversorgungsunternehmen in Barcelona, das umgangssprachlich La Canadiense genannt wurde, in einen Generalstreik, der 70 % der industriellen Produktion in Katalonien zum Erliegen brachte und der Züge einer sozialen Revolution annahm. Im Zuge dieses Konflikts konnte u.a. der Achtstundentag in Spanien durchgesetzt werden. Die Unternehmerverbände reagierten darauf mit der Bildung von Pistolero-Gruppen, die Attentate auf Gewerkschafter und Arbeiter verübten. Zahlreiche Führungspersönlichkeiten der CNT wurden in den folgenden Jahren von Pistoleros ermordet, so zum Beispiel am 10. März 1923 der Generalsekretär der Regionalföderation von Katalonien Salvador Seguí. Die anarchistische Bewegung begegnete dem u.a. mit der Gründung von bewaffneten grupos de afinidad (Affinitätsgruppen) die ihrerseits Mitglieder der politischen Klasse Spaniens ermordeten. Der Zeitraum zwischen 1919 und 1923 wird vor diesem Hintergrund als die bleierenden Jahre bezeichnet.

Auf dem CNT-Kongress 1919 wurde eine provisorische Mitgliedschaft in der Dritten Internationalen befürwortet. Nach dem Besuch des CNT-Delegierten Ángel Pestaña in der Sowjetunion und auf seinen Rat hin, trat die CNT 1922 jedoch wieder aus der Dritten Internationale aus. Die CNT nahm im gleichen Jahr am Gründungskongress der Internationalen Arbeiter-Assoziation in Berlin teil.

Gedenktafel für Salvador Seguí in Barcelona.

Diktatur Primo de Rivera[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 1923 durch einen Militärputsch an die Macht gelangte Regierung des Generals Miguel Primo de Rivera wählte eine Strategie der Spaltung gegenüber den beiden großen spanischen Gewerkschaftsdachverbänden. Während sie die UGT gemeinsam mit den Unternehmerverbänden in sozialpartnerschaftliche Institutionen (Comités Paritarios) einband, verfolgte sie gegenüber der CNT eine Linie der Repression. Die Mandatsträger des Nationalkomitee wurden mehrfach verhaftet und die landesweite Struktur dadurch in die Illegalität gedrängt. 1924 wurde auch die Lokalföderation der CNT in Barcelona und ihre Zeitung Solidaridad Obrera verboten.

Die anhaltenden Repression beeinträchtigte erheblich die Diskussion und demokratische Willensbildung der Basismitglieder über verschiedene Taktiken und ideologische Vorstellungen. In diesem Kontext kam es innerhalb der Organisation zu immer deutlicheren Spannungen zwischen den herausragenden Verfechtern eines gewaltsamen Widerstandes im Untergrund und denen die dafür plädierten eine offene gewerkschaftliche Praxis unter den Bedingungen dieser "sanften" Diktatur zu etablieren. Zwischen diesen syndikalistischen Anarchisten gab es wiederum Uneinigkeit über die Frage welche Kompromisse man eingehen müsse. So plädierte Ángel Pestaña für eine Teilnahme der CNT an den Wahlen zu den Comités Paritarios, um dadurch eine Legalisierung der gewerkschaftlichen Arbeit zu erreichen. Eine Mehrheitsfraktion um den Generalsekretär des Nationalkomitee Juan Peiró lehnte dies als Abkehr von den apolitischen Prinzipien des spanischen Syndikalismus ab.

1927 schlossen sich grupos de afinidad der reinen Anarchisten zusammen und gründeten die Federación Anarquista Ibérica (FAI). Sie wollten verhindern, dass die CNT sich von den anarchistischen Prinzipien entfernt und auf einen moderateren Kurs einschwenkt. Der Taktik der trabazón (Verbindung) folgend, die u.a. von Diego Abad de Santillán vertreten wurde, organisierte sich die FAI parallel zu den Strukturen der CNT auf allen Ebenen und versuchte deren Politik über Aktionskomitees die jeweils aus Mitgliedern beider Organisationen bestanden zu beeinflussen.

Zweite Spanische Republik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mitgliederzahl der CNT zwischen 1911 und 1937.

Nach dem Sturz der Diktatur positionierte sich die CNT zunächst wohlwollend passiv gegenüber der Zweiten Spanischen Republik. Dies änderte sich als die neue Mitte-links Regierung versuchte per Dekret kooporativistische Institutionen zu etablieren, wie sie bereits während der Militärdiktatur existierten. Die Zeit von 1931 bis 1933 war geprägt durch zahlreiche Branchenstreiks und einige Generalstreiks. Im Januar und Dezember 1933 kam es zu Aufständen, die von der Regierung rasch und mitunter brutal niedergeschlagen wurden, so etwa am 10. Januar 1933 in dem andalusischen Dorf Casas Viejas, wo 22 Dorfbewohner nach einem anarchistischen Aufstandsversuch durch die Guardia de Asalto getötet wurden.

Die CNT erreichte in den frühen 30er Jahren neben Katalonien auch in Aragonien und Andalusien eine herausragende Position innerhalb der Arbeiterbewegung. Innerhalb der Gewerkschaft spitzten sich jedoch die Auseinandersetzungen zwischen den Vertretern eines reinen und denen eines syndikalistischen Anarchismus zu. Nach dem Erscheinen des Manifests der Dreißig 1931, in dem die syndikalistische Fraktion sowohl die Regierung als auch die insurrektionalistische Politik der reinen Anarchisten kritisierte, eskalierten diese Konflikte. Die der FAI nahe stehende Fraktion setzte sich schließlich durch und es kam zu Ausschlüssen und zu Austritten der sogenannten Treintistas aus der CNT. Diese Oppositionssyndikate gründeten 1933 die Federación Sindicalista Libertaria (FSL).

In den schwarzen Jahren 1934 und 1935, nach dem Wahlsieg der rechtsgerichteten Parteien, änderte die UGT ihre Politik radikal und strebte nun ebenfalls eine soziale Revolution an. In diesem Zusammenhang propagierte sie eine Einheitsfront gegen den Faschismus in Spanien. Das Angebot zur Zusammenarbeit wurde durch die meisten Regionalföderationen der CNT ausgeschlagen, da man sich für stark genug hielt eine libertäre Revolution ohne die Sozialisten durchzuführen. Nur in Asturien kam es zu einer intensiven Zusammenarbeit, die im Oktober 1934 in der Kommune von Asturien mündete. Der Aufstand wurde schließlich durch das Militär niedergeschlagen, rund 1500 Aufständische starben, 30.000 Personen wurden in ganz Spanien inhaftiert.

Für den Wahlsieg des rechten Bündnisses 1933 wurde allgemein die CNT verantwortlich gemacht, da sie dazu aufgerufen hatte die Wahlen zu boykottieren. Nachdem die Regierung von Alejandro Lerroux auseinandergefallen war, änderte sie ihre Position in Bezug auf die Wahlen im Februar 1936. Es gelang aber nicht sich auf eine gemeinsame Linie zu verständigen. Neben den überzeugten Nichtwählern, waren andere der Meinung, es sei der individuellen Entscheidung der Mitglieder zu überlassen, ob sie wählen oder nicht, während wiederum andere offen für die Volksfront warben. Die Volksfront versprach bei einem Wahlsieg u.a. eine Amnestie für die politischen Gefangenen. Sie gewann die Wahlen von 1936 schließlich knapp. Die Zeit nach dem Wahlsieg der Volksfront war geprägt durch intensive Kämpfe zwischen linken und rechten Kräften, wobei die unterlegene Rechte offen einen Militärputsch plante.

Auf dem Kongress der CNT, der zwischen dem 1. und 15. Mai 1936 in Saragossa stattfand, beschloss die Organisation ein u.a. von Federica Montseny vorgeschlagenes anarchokommunistisches Rahmenprogramm, in dem den Freien Kommunen die Rolle des politischen Fundaments nach einer libertären Revolution zugesprochen wurde. Auf diesem Kongress wurde gleichzeitig ein u.a. von Diego Abad de Santillán eingebrachter anarchokollektivistischer Alternativvorschlag abgelehnt, der das Fundament der angestrebten libertären Gesellschaft in den Betrieben identifizierte. Die Syndikate der FSL schlossen sich mit diesem Kongress erneut der CNT an. Im Zuge dessen kam es zu einer selbstkritischen Auseinandersetzung mit der insurrektionalistischen Taktik der vorherigen Jahre. Der Kongress beschloss im Ergebnis die gewerkschaftlichen Kräfte zukünftig vermehrt auf konkrete Forderungen nach einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu fokussieren. Auf diesem Kongress vertraten die Delegierten 548.693 CNT-Mitglieder. Die stärksten Regionalföderationen waren Andalusien (150.210) und Katalonien (178.085).

Die libertären Bewegung Spaniens bestand im Sommer 1936 aus CNT, FAI, der Frauenorganisation Mujeres Libres und der Jugendorganisation Federación Ibérica de Juventudes Libertarias (FIJL).

Revolution und Bürgerkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Plakat der kollektivierten Textilindustrie (1937)

Nachdem sich das Militär am 17. Juli 1936 gegen die Republik erhob, rief die CNT am 18. Juli zu einem landesweiten Generalstreik auf, der in eine soziale Revolution überging. Nach blutigen Auseinandersetzungen wurden die aufständischen Militärs am 19. Juli in Barcelona durch organisierte Arbeitergruppen und republiktreuen Einheiten der Guardia de Asalto und der Guardia Civil besiegt. Am folgenden Tag endeten die Kämpfe in Madrid mit dem gleichen Ergebnis. Der Militärputsch war ebenso wenig in Valencia erfolgreich. In anderen Landesteilen obsiegte jedoch das Militär. Die Strukturen der CNT und anderer antifaschistischer Organisationen wurden in diesen Regionen unmittelbar zerschlagen, die aktiven Mitglieder der antifaschistischen Organisationen zu Tausenden hingerichtet.

Bereits 1934 nach dem gescheiterten Aufstandsversuch in Asturien wurden in jedem Stadtviertel und in jedem Dorf in denen CNT und FAI präsent waren clandestine Verteidigungskomitees (Comité de Defensa) gegründet deren Aufgabe darin bestand die Revolution in ihrem Bereich minutiös vorzubereiten. Bei der Niederschlagung des Militärputsches spielten sie eine wichtige Rolle. Aus diesen Strukturen heraus bildeten sich mit dem Beginn des Krieges die Milizen der CNT-FAI. Gemeinsam mit den Milizen anderer antifaschistischer Organisationen kämpften sie an der Front gegen die aufständischen Militärs. Die bekannteste Miliz war die Kolonne Durruti.

Im Gegensatz zu den republikanischen und kommunistischen Kräften, die zuerst den Krieg gewinnen wollten, vertraten die Mitglieder der CNT die Losung, dass der Krieg und die Revolution untrennbar miteinander verbunden seien. In Regionen, in denen die CNT eine starke Mitgliederbasis hatte, wurde die Kollektive Selbstverwaltung der Industrie und der Landwirtschaft vorangetrieben. Ob und wie sich die Fabrikbelegschaften und (Klein-) Bauern an den Kollektivierungen beteiligen, wurde in der Regel ihnen überlassen. In der Konsequenz wurden verschiedene libertäre und sozialistische Kollektivierungskonzepte in den einzelnen Kommunen umgesetzt. Überregional wurden Agrar- und Industrieföderationen gegründet, die die Kollektivierungen koordinierten und u.a. Ausgleichskassen (Cajas de Compensación) verwalteten, aus denen weniger rentable Kollektive Unterstützung erhielten. Komitees in denen Vertreter der antifaschistischen Organisationen saßen, übernahmen die Koordination der politischen Prozesse in den Dörfern und Städten. In den kollektivierten Gegenden wurde Arbeit und Konsum nach dem Motto geregelt: „Jeder nach seinen Möglichkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen.“

Die CNT hatte während des Bürgerkrieges zwischen 1,5 und 2 Millionen Mitglieder. In Katalonien, seinerzeit die Hochburg des revolutionären Syndikalismus in Spanien, wurde ihr im Juli 1936 die Regierungsübernahme durch den Präsidenten Lluís Companys i Jover angeboten. Sie lehnte zunächst ab, stellte jedoch ab November des gleichen Jahres vier Minister in der Zentralregierung unter Regierungschef Largo Caballero (Juan Peiró, Federica Montseny, Juan García Oliver, Juan López Sánchez) und beteiligte sich auch an der Generalitat de Catalunya (u.a. Diego Abad de Santillán). Der Eintritt in die Regierung war ein Bruch mit den apolitischen Prinzipien der CNT, wurde aber als notwendig angesehen, da es im Kontext des Bürgerkrieges nicht in ausreichendem Maße gelang wirkungsmächtige basisdemokratische Strukturen zu etablieren, die den Zentralstaat ersetzen konnten. Unterstützt und politisch beeinflusst durch die Sowjetunion gewannen die staatlichen Strukturen wieder zunehmend an Einfluss. Die Regierung Caballeros ging vermehrt auf Konfrontationskurs zur CNT, was seinen Höhepunkt in den Maiereignissen fand. Nach der Machtübernahme von Juan Negrín wurde die spanische Revolution beendet. Trotz ihrer stetig wachsenden Mitgliederbasis verloren CNT und FAI im Laufe des Bürgerkrieges kontinuierlich an politischer Handlungsmacht.

Franquismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Sieg des Franquismus 1939 wurde die CNT verboten und ihr gesamter Besitz konfisziert. Hunderttausende antifaschistische Spanierinnen und Spanier gingen nach Frankreich ins Exil. Im selben Jahr konstituierte sich in Paris die Exil-CNT und das Movimiento Libertario Español (MLE), dem außerdem die Exil-FAI und die Exil-FIJL angehörten. Die MLE musste während der Besetzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg im Untergrund agieren, konnte aber ab 1945 wieder offen auftreten. Im Inland wurde zwischen 1939 und 1951 jeder Versuch eines Neuaufbaus der Organisation in der Illegalität vereitelt. Jedes Nationalkomitee das sich in diesem Zeitraum konstituierte wurde verhaftet. Anfang der 50er Jahre war die CNT in Spanien kaum noch existent.

Aus dem Umfeld des MLE heraus bildeten sich in den 1940er Jahren verschiedene Guerillagruppen. Sie beteiligten sich an der Résistance und schließlich an der Befreiung Frankreichs. Ab 1945 organisierte das MLE den bewaffneten Widerstand in Spanien. Zu diesem Zeitpunkt bestand die Hoffnung, die Alliierten würden auch das Regime in Spanien beseitigen. Guerilleros wie Josep Lluís Facerías und Francesc Sabaté überfielen Banken und Fabriken und ermordeten Repräsentanten der franquistischen Institutionen. Ende der 40er Jahre wurden die meisten libertären Guerillagruppen in Spanien zerschlagen und die Westmächte arrangierten sich im Kontext des beginnenden Kalten Krieges mit dem Franco-Regime. Das MLE beendete daraufhin den bewaffneten Kampf.

Transición[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Federica Montseny spricht am 2. Juli 1977 auf einer Kundgebung der CNT in Barcelona

Mit dem Tod des Diktators Franco im November 1975 begann die Transición, die Übergangsphase vom Franquismus hin zu einer parlamentarischen Monarchie. Am 29. Februar 1976 fand die erste CNT-Versammlung in Barcelona statt. Sie markierte den Beginn der Rekonstruktion der Organisation in ganz Spanien, zu der u.a. Luis Andrés Edo einen wichtigen Beitrag leistete. Im Laufe der Jahre 1976 und 1977 organisierte die CNT Massenkundgebungen in verschiedenen Städten. Alleine am 2. Juli 1977 beteiligten sich über 200.000 Menschen an einer Kundgebung am Montjuic in Barcelona. Zwischen 1976 und 1979 war die CNT insbesondere in Katalonien in der Lage betriebsübergreifende Streiks zu organisieren. Sie war in diesem Zeitraum zudem die einflussreichste Organisation der radikalen Opposition gegen den durch die politische Klasse angestrebten bruchlosen Übergang von der Militärdiktatur zur parlamentarischen Monarchie. Als solche stellte sie sich unter anderem gegen den Pakt von Moncloa.

Nach den Jahrzehnten der Diktatur, in denen sich die libertäre Bewegung in Spanien nicht frei betätigen konnte, trat nun keine einheitliche Bewegung an die Öffentlichkeit. Vielmehr bildeten sich verschiedene, zueinander widersprüchliche Strömungen innerhalb der CNT. Die Einflüsse der Neuen Sozialen Bewegungen nach 1968, standen einem traditionellen libertären Denken gegenüber, das vor allem von der älteren Generation im Exil all die Jahre gepflegt worden war. Der sich neu konstituierenden Bewegung fehlte die Erfahrung, mit diesen Widersprüchen konstruktiv umzugehen. Erschwert wurde dies zusätzlich durch eine Strategie der Spannung seitens des spanischen Staates. Das bekannteste Beispiel hierfür ist der sogenannte Caso Scala, ein öffentlichkeitswirksamer juristischer Prozess gegen Mitglieder der CNT, denen vorgeworfen wurde 1978 einen Brandanschlag auf den Festsaal Scala in Barcelona begangen zu haben. Bei dem Brand kamen vier Arbeiter ums Leben, von denen zwei Mitglieder der CNT waren. Erst 1981 wurde bekannt, dass ein Agent Provocateur der Polizei für die Tat verantwortlich war.

Der erste post-franquistische Kongress der CNT im Dezember 1979 in Madrid stand bereits deutlich im Zeichen des Niedergangs, zwischen inneren Spannungen und öffentlicher Diskreditierung. Die Delegierten sprachen für 30.288 Mitglieder. Die Stärkste Region war nach wie vor Katalonien (16.795), gefolgt von der Provinz Valencia (3614). Noch im September 1977 hatten 116.900 Mitglieder der Konföderation angehört. Die CNT war allerdings nicht die einzige gewerkschaftliche oder politische Organisation, die in diesem Zeitraum massiv Mitglieder verlor. Generell war ein starker Prozess der Entpolitisierung innerhalb der spanischen Gesellschaft zu verzeichnen. Die internen Konflikte kulminierten auf dem Kongress an der Frage, ob sich die CNT an den Wahlen zu den neu installierten Betriebskomitees beteiligen und die damit verbundenen staatlichen Subventionen in Anspruch nehmen sollte. Der Kongress sprach sich dagegen aus, was die unterlegene Fraktion zum Anlass nahm eine eigene Organisation zu gründen. Diese hieß bis 1989 ebenfalls CNT (Kongress von Valencia), bis ein Gericht entschied, dass nur die ursprüngliche CNT einen Anspruch auf den Namen, die Entschädigungszahlungen für die Enteignungen von 1939 und das historische Archiv der Gewerkschaft erheben kann, welches sich im Internationalen Institut für Sozialgeschichte in Amsterdam befindet. Daraufhin änderte die Abspaltung ihren Namen in Confederación General del Trabajo (CGT).

Heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Demonstration am 1. Mai 2010 in Bilbao
Ausgabe vom April 2008 der Zeitung CNT

Das Alleinstellungsmerkmal der CNT gegenüber anderen spanischen Gewerkschaften ist nach wie vor ihre Weigerung sich an den Wahlen zu den Betriebskommitees zu beteiligen, staatliche Subventionen in Anspruch zu nehmen und Funktionsträger von der Arbeit freistellen zu lassen. Stattdessen setzt sie auf gewerkschaftliche Basisaktivitäten in Betriebsgruppen. Sie bezeichnet sich vor diesem Hintergrund als die einzige von der politischen Klasse unabhängige Gewerkschaft in Spanien. Ihre gewerkschaftlichen Aktivitäten entfaltet die CNT heute insbesondere in kleinen und mittleren Betrieben. Sie fördert die Gründung und Vernetzung von selbstverwalteten Betrieben.

Es existiert eine der CNT nahestehende Stiftung namens Fundación Anselmo Lorenzo (FAL). Die landesweite Zeitung der Gewerkschaft erscheint monatlich und heißt ebenfalls CNT. Außerdem gibt sie jährlich die Zeitschrift Estudios heraus, in der theoretische Fragestellungen behandelt weren. Die Zeitung der katalanischen CNT ist die Soli oder Solidaridad Obrera. Deutsche Schwesterorganisation ist die Freie Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union (FAU). In Frankreich existiert eine gleichnamige anarchosyndikalistische Gewerkschaft, die Confédération nationale du travail.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Diego Abad de Santillán/ Juan Peiró: Ökonomie und Revolution (Hrsg. Thomas Kleinspehn). Wien 1986, ISBN 3-900-434-09-3.
  • Walther L. Bernecker: Anarchismus und Bürgerkrieg. Zur Geschichte der Sozialen Revolution in Spanien 1936–1939. Verlag Graswurzelrevolution, Nettersheim 2006. ISBN 3-939045-03-9.
  • Walther L. Bernecker: ‚Reiner‘ oder ‚syndikalistischer‘ Anarchismus? Zum Spannungsverhältnis libertärer Organisationen in Spanien. In: Wolfgang Braunschädel (Hrsg.): Archiv des Widerstandes und der Arbeit. Nr. 8, Verlag Germinal, Bochum 1987. ISSN 0177-9400 und ISBN 3-88663-408-6.
  • Pablo César Carmona Pascual: Transiciones – De la Asamblea Obrera al proceso de Pacto Social. CNT (1976-1981). Madrid 2004, ISBN 84-86864-63-1.
  • CNT-AIT (Hrsg.): Solidaridad Obrera - 100 años de anarcosindicalismos. Barcelona 2010. ISSN 1887-8660.
  • Bernd Drücke, Luz Kerkeling, Martin Baxmeyer (Hrsg.): Abel Paz und die Spanische Revolution. Verlag Edition AV, Frankfurt/M. 2004, S. 13–32. ISBN 3-936049-33-5
  • FAU Bremen (Hrsg.): Die CNT als Vortrupp des internationalen Anarcho-Syndikalismus. Die Spanische Revolution 1936 – Nachbetrachtungen und Biographien. Verlag Edition AV, Lich 2006. ISBN 978-3-936049-69-5
  • FAU-IAA (Hrsg.): 75 Jahre C.N.T.-A.I.T. Die Entwicklung der Anarcho-Syndikalistischen Bewegung in Spanien 1910–1985. Köln 1985.
  • Beltrán Roca Martínez: Renaissance des Anarcho-Syndikalismus. Eine Untersuchung am Beispiel der CNT Sevilla. FAU Moers, Syndikat A Medienvertrieb, Moers 2007.
  • José Peirats: The CNT in the Spanish Revolution. Christie Books, Hastings 2005 / 2006.
  • Heleno Saña: Die libertäre Revolution. Die Anarchisten im spanischen Bürgerkrieg. Edition Nautilus, Hamburg 2001. ISBN 3-89401-378-8.
  • Dietrich Peters: Der spanische Anarcho-Syndikalismus. Ulm 1989.
  • Augustin Souchy: Nacht über Spanien. Anarcho-Syndikalisten in Revolution und Bürgerkrieg. Ein Tatsachenbericht. Trotzdem Verlag, Frankfurt am Main 2004. ISBN 3-922209-51-3.
  • Horst Stowasser: Anti-Aging für die Anarchie? Das libertäre Barcelona, 70 Jahre nach der Spanischen Revolution. Eine Reportage. Edition AV, Lich/Hessen 2007. ISBN 978-3-936049-72-5.

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Un Pueblo en Armas – Volk in Waffen von John Pallejá und Louis Frank. 48 Minuten, Produktion: S.I.E. (Sindicato de la Industria del Espectáculo de Barcelona), Spanien 1937.
  • Vivir la Utopia. El anarquismo en Espana – Die Utopie leben! von Juan Gamero. TVE, Spanien 1997.

Der Film wurde auf ARTE gezeigt, 30 überlebende Aktive der CNT-FAI schildern dort zusammen mit dokumentarischem Filmmaterial die Entstehung des spanischen Anarchismus, die Rolle von Kultur und Erziehung, die Vielfalt der Ideen und Aktivitäten im Vorfeld der Zweiten Republik, den franquistischen Staatsstreich, den Spanischen Bürgerkrieg, Konterrevolution und vor allem die konstruktiven Seiten der Sozialen Revolution. Musik von: El Cabrero/Paco del Gastor.

  • Durruti in der spanischen Revolution von Paco Rios und Abel Paz. 55 Minuten, Produktion: Fundación Anselmo Lorenzo, Madrid 1998.
  • Economia col·lectiva. L'última revolució d'Europa von Eulàlia Comas. 66 Minuten, Spanien 2014.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Confederación Nacional del Trabajo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien