Conrad Electronic

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Conrad Electronic

Rechtsform Societas Europaea
Gründung 1923
Sitz Hirschau, Deutschland Deutschland
Leitung Geschäftsführende Direktoren: Ralf Bühler, Jürgen Groth Vorsitzender des Verwaltungsrates: Werner Conrad[1]
Mitarbeiterzahl 1400 (2019)[2]
Umsatz 946 Mio. Euro (2019)[2]
Branche Einzel- und Versandhandel
Website conrad.de
Conrad-Electronic-Filiale und -Logistikzentrum in Wernberg-Köblitz (2011)
Conrad-Electronic-Filiale in Mannheim (2013)
Logo bis 2022

Die Conrad Electronic SE ist ein deutsches Familienunternehmen im Elektronik-Versandhandel. Sie ist eine Handelsgesellschaft und vertreibt über Distanzhandel (online und Kataloge) sowie über Außendienst und Key-Account-Management vorwiegend Artikel aus dem Elektronikbereich.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1923 wurde das Unternehmen von Max Conrad in Berlin gegründet. 1946 zog es, geführt durch dessen Sohn Werner Conrad (Senior), nach Hirschau in die Oberpfalz.[3]

Werner Conrads Sohn Klaus Conrad wurde 1973 mit 37 Jahren Gesellschafter.[4] In Süddeutschland wurden im Laufe der Jahre 18 weitere Technik-Kaufhäuser errichtet. 1976 wurden 220 Mitarbeiter beschäftigt. 1979 wurden zum ersten Mal Modellbauartikel angeboten. Das Unternehmen war einer der Vorreiter des privaten Rundfunks und betrieb ab 1984 den aus Bozen in Südtirol nach Bayern sendenden Privatsender Radio C.

Im Juli 1990 übernahm Conrad von Kaufhof die Völkner Electronic GmbH und Co. KG in Braunschweig. 2000 wurden die Versandaktivitäten der Marke Völkner eingestellt und die Kunden mit einem Conrad-Katalog angeschrieben. 1991 übernahm Conrad das Unternehmen Radio Rim.

1995 wurde in der Oberpfalz in Wernberg-Köblitz ein Logistikzentrum gebaut; im April 2012 erfolgte der Spatenstich zur Erweiterung des Logistikzentrums.[5] 1997 wurde Werner Conrad (Junior), der Sohn von Klaus Conrad, Sprecher der Geschäftsleitung[4] und forcierte den Versandhandel.

2006 waren mehr als 3000 Mitarbeiter weltweit bei dem Unternehmen beschäftigt, 2017 waren es 2100 Mitarbeiter. Bis 2019 sank die Zahl auf 1400. 2007 erhielt das Unternehmen vom Bundesverband des Deutschen Versandhandels und der Fachzeitschrift Der Versandhausberater den Branchenpreis „Versender des Jahres 2007“.

Die Website von Conrad Electronic befand sich, gemessen an den Besucherzahlen, im Jahre 2002 auf Platz 8 in Deutschland.[6] Im April 2022 rangierte die Seite zwischen Platz 300 und 400 für Deutschland.[7]

Seit 2008 gehört zur Conrad-Unternehmensfamilie auch die Nürnberger Re-In Retail International GmbH, die die Online-Shops voelkner.de,[8] digitalo.de und smdv.de betreibt.[9]

Am 4. Dezember 2013 kaufte Conrad Electronic den insolventen Onlineversender getgoods.de und schloss dessen Standort Frankfurt/Oder.[10] Die Marken getgoods.de und hoh.de wurden weitergeführt;[11] Ende 2015 wurde die get-it-quick GmbH, unter der diese Marken geführt wurden, geschlossen.[12] Mit dem Start des sogenannten Conrad Marketplaces im Frühjahr 2017 wandte sich Conrad Electronic vermehrt an Geschäftskunden (B2B) und bediente im Jahr 2020 2,3 Millionen Unternehmenskunden in Deutschland.[13]

Niederlassungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Conrad Electronic (Deutschland)
Filialen von Conrad Electronic in Deutschland
Blue pog.svg Privatkundenfiliale Green pog.svg B2B-Filiale Red pog.svg ehemalige Privatkundenfiliale

Neben dem Versandgeschäft betrieb das Unternehmen 25 Filialen und eine B2B-Filiale in Deutschland,[14] fünf in Österreich (Wien-Stadlau, Wien Meiselmarkt, Vösendorf, Linz, Salzburg) und eine in Ungarn (Budapest). Die zwei Filialen in der Schweiz wurden bis Ende September 2021 geschlossen.[15] Vier der fünf österreichischen Filialen sperren bis Jahresende 2022 zu.[16]

Von 2017[17] bis zum Frühjahr 2022 wurden viele Filialen wieder geschlossen.[18] Im April 2022 gab Conrad bekannt, dass noch 2022 neun von zehn verbliebenen Privatkunden-Filialen in Berlin-Kreuzberg, Bonn, Bremen, Frankfurt am Main, Hamburg-Wandsbek, Hannover, Mannheim, München-Tal und Regensburg für Endkunden geschlossen werden sollen, mit Ausnahme der Filiale in Wernberg-Köblitz, Bayern, in der Nähe des Unternehmenssitzes Hirschau,[19] um sich auf das Online-Geschäft und im stationären Handel auf Geschäftskunden zu konzentrieren. Dafür sollen Filialen für Geschäftskunden eröffnet werden.[20] Die erste B2B-Filiale wurde bereits am 1. Juli 2020 in Hürth eröffnet.[21] Vorbei seien die Zeiten, als Conrad als „blauer Mediamarkt“ um private Kunden buhlte, die Fernseher, Handys oder Unterhaltungselektronik begehren, erklärte Vorstandsvorsitzender Ralf Bühler im November 2022. Heute sei Conrad weitgehend eine „führende europäische Beschaffungsplattform für technischen Bedarf“ von Geschäftskunden.[22]

Versandgeschäft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2012 versendete das Unternehmen rund 7,2 Mio. Lieferungen (120 Mio. Artikel) in über 150 Länder und verfügte über eine maximale Versandkapazität von 75.000 Paketen pro Tag.[23] Im selben Jahr kauften in Deutschland 3,51 Millionen Personen in den letzten sechs Monaten bei Conrad Electronic ein.[24]

Sortiment[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Sortiment für Privatkunden umfasst 700.000 Artikel (Stand 2015),[25] darunter Produkte aus den Bereichen PC-Technik, Telefonie, HiFi, Haustechnik, Bauelemente, Modellbahn und Modellbau, Unterhaltungselektronik, Bürotechnik, Kfz-Technik, Navigation, Car-HiFi, Sicherheitstechnik, Installationstechnik, Akkus, Batterien, Ladegeräte, Werkzeug, Löttechnik, Elektronik und Messtechnik. Das Sortiment für Businesskunden auf der Conrad Sourcing Platform umfasste Ende 2017 mehr als eine Million Artikel[26] und war im Sommer 2020 auf mehr als sechs Millionen Artikel gewachsen.[27]

Handelsmarken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Voltcraft Multimeter
Voltcraft Datenlogger

Conrad ist und war Inhaber einiger Marken,[28] darunter die Mikrocontroller-Serie C-Control, Mess- und Ladetechnik der Marke Voltcraft (die 1982 die Marke Noris ablöste), Modellbauprodukte unter REELY, Batterien und Akkus unter Conrad Energy, Haustechnik unter sygonix, Werkzeuge unter Toolcraft, diverse Einsteigerprodukte unter RIM und BASETECH sowie Marken wie Renkforce (ursprünglich nur Audioprodukte), die heute für eine breite Produktpalette verwendet werden.[29]

IoT-Plattform Conrad Connect[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Conrad Connect war eine 2016 ins Leben gerufene IoT-Plattform. Die Plattform sollte kleine und mittelständische Unternehmen bei der Automation, Überwachung und Optimierung ihrer Prozesse durch Vernetzung von smarten Geräten, Services und Apps unterstützen.

Die Privatanwender konnten ihre smarten Geräte oder Dienste verschiedener Hersteller miteinander vernetzen. So konnten z. B. Automationen mit vielen nicht miteinander kompatiblen smarten Geräten erstellt werden.[30]

Im Sommer 2021 wurden die Preise für die Nutzung der Plattform stark gesenkt: Der Preis des Premium-Pakets sank von 6 auf 2 Euro und der des Power-Pakets von 25 auf 5 Euro.[31] Im November 2021 kündigte Conrad Electronic die Einstellung des Dienstes zum 16. Dezember 2021 an.[32]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2015 wurde Kritik im Zusammenhang mit unlauterem Wettbewerb in Hinblick auf Mydealz laut. Conrad Electronic wurde vorgeworfen, mit sogenannten Fake-Accounts Eigenwerbung betrieben zu haben. Zeitweise wurde Conrad deswegen als Händler auf der Plattform gesperrt.[33] Conrad entschuldigte sich und beteuerte, dass es sich um die Aktionen eines einzelnen Mitarbeiters gehandelt habe.[34] Mittlerweile ist die Sperrung aufgehoben.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Conrad Electronic – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Impressum. Abgerufen am 9. März 2020 (deutsch).
  2. a b Bundesanzeiger.de - Conrad Electronic SE Hirschau: Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 2019
  3. Unternehmen. Abgerufen am 22. Oktober 2021 (deutsch).
  4. a b Onetz. Abgerufen am 29. September 2022.
  5. Onetz. Abgerufen am 29. September 2022.
  6. Annette Bohlmann: Multi-Channel-Retailing und Kaufbarrieren, bei Books on Demand, 26. Apr. 2007, 456 Seiten, Seite 36
  7. https://www.similarweb.com/de/website/conrad.de/#overview
  8. Ein-Marken- oder Multishop-Strategie? Die verwirrende Online-Aufstellung von Conrad. In: channelpartner.de. 5. Dezember 2013, abgerufen am 1. April 2018.
  9. Matthias Hell: Conrad bleibt auf Wachstumskurs. ChannelPartner, 22. Januar 2014, abgerufen am 14. August 2016.
  10. Michael Schäfer: Conrad schließt getgoods-Standorte in Frankfurt (Oder). ComputerBase, 24. Januar 2014, abgerufen am 14. August 2016.
  11. Conrad Electronic übernimmt getgood-Shops. MOZ, 4. Dezember 2013, archiviert vom Original;.
  12. Daniel Kurbjuhn: Getgoods und HoH schließen zum Jahresende. ComputerBase, 30. September 2015, abgerufen am 14. August 2016.
  13. Wir setzen auf Menschen und Maschinen. 15. Oktober 2020, abgerufen am 30. Oktober 2020 (deutsch).
  14. Willkommen in den Conrad-Filialen. Conrad, abgerufen am 14. Dezember 2021.
  15. Nathan Keusch: Fehlender Umsatz: Conrad schliesst Schweizer Filialen. In: 20min,ch. 23. Oktober 2020, abgerufen am 14. April 2022.
  16. Elektronikhändler Conrad sperrt fünf von sechs Filialen in Österreich zu. Abgerufen am 29. September 2022 (österreichisches Deutsch).
  17. "Wirtschaftliche Erwägungen": Conrad Electronic schließt drei Filialen. 7. Juli 2017, abgerufen am 14. April 2022 (deutsch).
  18. Conrad Electronic in Essen will im Frühjahr 2022 schliessen. Abgerufen am 27. Oktober 2021 (deutsch).
  19. Conrad schließt alle Filialen für Privatkunden – bis auf eine. In: Der Spiegel. 13. April 2022, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 29. September 2022]).
  20. Conrad Electronic macht fast alle Filialen dicht. golem.de, abgerufen am 13. April 2022 (deutsch).
  21. Neueröffnung in Hürth: Conrad eröffnet erstes reines B2B-Geschäft. Abgerufen am 29. September 2022.
  22. Bernhard Fleischmann: Aus für Ladengeschäfte: Elektronik-Riese geht neue Wege: Conrad versorgt nun vor allem Unternehmen. In: mittelbayerische.de. 21. November 2022, abgerufen am 22. November 2022.
  23. Conrad-Selbstdarstellung – Logistikzentrum. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 27. März 2012; abgerufen am 14. Januar 2013.
  24. Technische Fachmärkte – Anzahl der Kunden Abgerufen am 10. April 2013.
  25. Das Unternehmen Conrad. (Nicht mehr online verfügbar.) 23. September 2015, archiviert vom Original am 23. September 2015; abgerufen am 15. April 2022.
  26. Über eine Million Produkte. Abgerufen am 27. Oktober 2017.
  27. B2B-Plattform: Conrad knackt die Grenze von sechs Millionen Artikeln im Sortiment. 11. August 2020, abgerufen am 30. Oktober 2020.
  28. Suchergebnis Deutsches Patent- und Markenamt. Abgerufen am 8. November 2021 (deutsch).
  29. Premium Qualität bei Conrad. Abgerufen am 30. Oktober 2020 (deutsch).
  30. Conrad Connect - Internet of Things Plattform von Conrad. In: SmartHomeChecker. 27. Juni 2018, abgerufen am 29. September 2022 (deutsch).
  31. Daniel Herbig: Smart Home: Conrad Connect stellt Dienst im Dezember ein. In: Heise online. 9. November 2021. Abgerufen am 10. November 2021.
  32. Conrad Connect wird zum 16. Dezember 2021 eingestellt. In: SmarthomeAssistent. 8. November 2021, abgerufen am 9. November 2021 (deutsch).
  33. Jochen Krisch: Conrad Electronic handelt sich eine Sperre bei myDealZ ein. 23. April 2015, abgerufen am 28. September 2021 (deutsch).
  34. Stefan Jänisch: Elektrohändler Conrad trickst bei myDealz und wird gesperrt. In: Looking Forward. 24. Mai 2015, abgerufen am 28. September 2021 (deutsch).