Conrad Geißler

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Conrad Geißler, auch Geissler[1], (* 18. Mai 1825 in Eilenburg; † 24. Mai 1897 ebenda) war ein deutscher Orgelbaumeister. Geißler fertigte in 45 Arbeitsjahren 120 Orgeln hauptsächlich für Kirchen des mitteldeutschen Raumes.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Conrad Geißler wurde 1825 als Sohn des Seminardirektors Gottfried Geißler in Eilenburg geboren. Geißler erlernte das Orgelbauhandwerk bei Ludwig Weineck in Eilenburg. Da dieser jedoch bis spätestens 1845 nach Bayreuth umgezogen war, folgte ihm Geißler, um seine Ausbildung zu beenden. Während seiner anschließenden Wanderjahre lernte Geißler bei Johann Gottlob Mende in Leipzig (1846–1848), Franz Ullmann in Wien (1848–1850), Franz Borgias Maerz in München (1850/1851), Eberhard Friedrich Walcker in Ludwigsburg (1851) und Gustav Schlimbach in Speyer (1851/1852).

Nach dem Abschluss der Wanderjahre und dem Erwerb des Meisterbriefes gründete Geißler 1852 ein eigenes Orgelbauunternehmen in seiner Heimatstadt Eilenburg. Sein erstes Werk war eine Orgel für die katholische Kirche in Torgau. Zunächst wandte er das neue Bauprinzip der Kegellade an. Die 1853 gebaute Orgel für die Dorfkirche in Profen ist die älteste erhaltene Orgel mit Kegellade in Ostdeutschland. Nach vier in dieser Form gefertigten Orgeln kehrte Geißler 1857 zur klassischen Bauart mit mechanischer Schleiflade zurück. Nach einem wohlwollenden Beitrag in der Urania: Musik-Zeitschrift für Orgelbau, Orgel- und Harmoniumspiel im Jahr 1854 zu seinem Profener Opus besserte sich die Auftragslage Geißlers spürbar. Der Orgelbauer fertigte vorrangig mittlere und kleinere Orgeln für zahlreiche Dorfkirchen Mitteldeutschlands, die kleinste in Zemnick mit gerade vier Registern. Größere Orgeln baute er für die Stadtkirche Bad Schmiedeberg (1855), die Marienkirche in Eilenburg (1863), Hartenstein bei Zwickau (1870), Thonberg (1873) und Mühlberg/Elbe (1887). Seine größte Orgel baute er mit drei Manualen und 44 Registern für die Stadtkirche in Torgau (1871–1873). Während seine kleineren Werke in großer Zahl erhalten geblieben sind, verschwanden bis heute alle dreimanualigen Werke Geißlers durch Um- oder Neubauten.

Geißler beschäftigte in seiner Werkstatt 8 bis 15 Mitarbeiter. Dank seiner guten wirtschaftlichen Lage konnte er es sich im Allgemeinen leisten, auf Reparatur- und Umbauaufträge zu verzichten, so dass deren Zahl gering blieb. Größere Umbaumaßnahmen nahm er vor an den Orgeln der Stadtkirchen in Schkölen (1857), Sorau (1880), Eilenburg (1883) und Düben (1894).

Aus seiner Ehe mit Auguste Itelena Ernstina Kaldrack gingen fünf Kinder hervor, von denen drei den Vater nicht überlebten. Seine Tochter Margarete wurde Kantorin in Eilenburg. Nach dem Tod Geißlers 1897 scheiterte die Suche nach einem Nachfolger und die Werkstatt wurde geschlossen. Das Haus in der Rinckartstraße 7 wurde im April 1945 zerstört.

Werkliste (unvollständig)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Restaurierte Geißler-Orgel in der Marienkirche zu Eilenburg

Geißler baute in seinen 45 Berufsjahren insgesamt 120 Orgeln. Davon befinden sich 26 im Gebiet des Kirchenkreises Delitzsch-Torgau. Weitere Orgeln baute er für Kirchen in Brandenburg, Sachsen, Schlesien und Thüringen. Eines seiner Werke (1874) lieferte er nach Russland. Möglicherweise gibt es ein weiteres Werk (Op. 121), das ab 1890 als Leihorgel gedient haben könnte. Die Orgel (I+P/5) ohne Firmenschild steht heute in Mehlsdorf bei Ihlow.

Nicht genau zu datieren waren Geißler-Orgeln in Mockritz, Schöna, Hohenlubast, Gorsdorf, Gentha, Döbern, Staupitz, Dahlenberg, Mölkau, Knautnaundorf, Trajuhn (bei Wittenberg), Weidenhain, Wörblitz, Boragk, Dörstewitz, Priester und Zemnick.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geißler ist die in der Literatur vorrangig anzutreffende Schreibweise, unter anderem im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek. Zu Lebzeiten Geißlers wurde die Schreibweise Geissler verwendet, was unter anderem auf den Firmenschildern an seinen Werken nachvollziehbar ist.