Constanze (Zeitschrift)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Constanze

Beschreibung Frauenzeitschrift
Verlag Constanze – Verlag, Gruner + Jahr
Erstausgabe März 1948
Einstellung 22. Dezember 1969
Erscheinungsweise monatlich/zweiwöchentlich
Verkaufte Auflage 550000 Exemplare
Chefredakteur Hans Huffzky, Ewald Struwe
Herausgeber John Jahr
ZDB 40523-1

Constanze war eine zeitweise marktführende deutsche Frauenzeitschrift, die von 1948 bis 1969 in Hamburg erschien. Trotz hoher Auflagenzahl musste sie am Ende wegen gestiegener Verluste eingestellt werden.

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg war für die Herausgabe von Zeitungen und Zeitschriften in Deutschland die Genehmigung der Besatzungsmächte vorgeschrieben. Die seinerzeit befreundeten Verleger John Jahr senior und Axel Springer erhielten 1947 von der englischen Militärregierung die Lizenz Nummer 150 für die Herausgabe einer Frauenzeitschrift namens Constanze und gründeten den Constanze-Verlag. Im März 1948 erschien die erste Ausgabe des Blattes in einer Auflage von 60000 Exemplaren. Axel Springer schied 1960 aus dem Verlag aus. Jahr gründete mit Gerd Bucerius und Richard Gruner den Verlag Gruner + Jahr, in dem Constanze weiterhin erschien.

Erste Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das inhaltliche Konzept stammte im Wesentlichen von Chefredakteur Hans Huffzky, der seit 1939 für den Verleger John Jahr sen. die Frauenzeitschrift Die junge Dame geleitet hatte. Mit ihm kam eine Reihe von Mitarbeitern aus Redaktion und Verlag mit zur Constanze. Als Layouter holte er seinen Schulfreund Henry Reinhard Möller. Stellvertreter (und später sein Nachfolger als Chefredakteur) wurde Helmut Grömmer. Huffzky blieb bis 1957.[1] Die Ressorteinteilung von Mode über Kosmetik und Kochrezepten bis zu Einrichtungstipps und Partnerschaftsfragen gereichte vielen später gegründeten Blättern zum Vorbild. Verleger John Jahr senior nahm an der Arbeit der fast nur aus Männern bestehenden Redaktion regen Anteil. Laut Spiegel heizte er zeitweise die Kohleöfen der Redaktionsräume höchstpersönlich an.

Erfolg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Constanze hatte Erfolg. Während die erste Ausgabe des Blattes 24 Seiten umfasste, darunter zwei Anzeigenseiten, stieg der Gesamtumfang 1949 durchschnittlich auf 36, davon 10 Anzeigenseiten (= 27,8 Prozent). Bereits im Dezember 1948 erreichte sie eine Auflage von über 300 000 Exemplaren pro Druckausgabe.[2] Bis in die sechziger Jahre war sie unangefochtene Marktführerin ihrer Branche. Laut einer Leserbefragung des Instituts für Demoskopie Allensbach besaß Constanze die stärkste Leser-Blatt-Bindung aller Publikumszeitschriften.[3] Zur Verblüffung nicht nur des Verlages stellten die Meinungsforscher 1956 fest, dass die Leserschaft der Frauenzeitschrift zu 41,8 Prozent aus Männern bestand.[4]

Mitarbeiter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Probleme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit wachsendem Erfolg tauchten Probleme auf: dank der wachsenden Zahl von Anzeigen wurden die einzelnen Hefte immer umfangreicher. 1955 machten die an sich lukrativen Anzeigen rund 45 Prozent des inzwischen 114 Seiten dicken Magazins aus. Das ergab höhere Transportkosten, nicht nur für den Verlag. Vertrieb und Lesezirkel protestierten gegen die umfangreichen Hefte.

Um die Schwierigkeiten zu meistern, stellte Jahr die Zeitschrift auf wöchentliche Erscheinungsweise um. Das stellte sich als Fehler heraus, der nicht mehr rückgängig gemacht werden konnte. Leserinnen wollten nicht jede Woche ein neues Magazin kaufen. Zudem hatte sich der Verlag mit dem wöchentlichen Erscheinungstermin in verstärkte Konkurrenz zu den in gleichem Rhythmus erscheinenden Magazinen Stern, Quick und Spiegel begeben. Auflage und Anzeigenaufkommen sanken.

Das Ende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Rat von Mitgesellschafter Richard Gruner setzte der Verlag 1968 Ewald Struwe als Chefredakteur ein. Struwe, in der Branche gern Sexpapst genannt, kam von der Neuen Revue. Hohe finanzielle Investitionen und neue inhaltliche Konzepte in Richtung Boulevard brachten keinen Erfolg. Die Auflage sank weiter. Als sich für das Jahr 1970 ein Defizit von fast 17 Millionen abzeichnete, beschloss John Jahr senior, die mit ihren Leserinnen gealterte Constanze zum Ende des Jahres 1969 einzustellen. Formal wurde sie mit der im selben Verlag erscheinenden Frauenzeitschrift Brigitte zusammengelegt. Mit ihrem auf jüngere Leserinnen zugeschnittenen Konzept schien Brigitte für die Zukunft erfolgversprechender. Jahr behielt recht. Der Name Constanze wurde gestrichen, Brigitte bekam auf einen Schlag 400 000 neue Leserinnen und erscheint noch heute. Die letzte Auflage von Constanze betrug 550.000.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sylvia Lott: Die Frauenzeitschriften von Hans Huffzky und John Jahr. Zur Geschichte der deutschen Frauenzeitschriften zwischen 1933 und 1970. Dissertation. Wissenschaftsverlag Volker Spiess, Berlin 1985. ISBN 3-89166-011-1
  • Wolf Schneider: Die Gruner + Jahr Story. Ein Stück deutscher Pressegeschichte. Verlag Piper, München 2000, ISBN 3-492-04265-1, S. 11f, 44f, 58, 72, 76f, 101, 113.
  • Alexander Rost: Adieu Constanze. Abschied von einem gefallenen Mädchen, das eine große Dame war. In: Die Zeit, 26. Dezember 1969 (online)
  • „Constanze“ In der Erden. Mit 13 wurde „Constanze“ zu fett. In: Der Spiegel, Nr. 51/69 (online)
  • Sylvia Lott-Almstadt: Brigitte 1886–1986. Die ersten 100 Jahre. Chronik einer Frauenzeitschrift. Gruner + Jahr, Hamburg 1986, ISBN 3-570-04930-2 (Inhalt).
  • Kurt Otto und Jens J. Meyer: Zeitreise durch 128 Jahre Brigitte – Geschichte  mediatribune.de, 29. April 2014

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sylvia Lott: Die Frauenzeitschriften von Hans Huffzky und John Jahr Wissenschaftsverlag Volker Spiess, Berlin 1985. S. 2f.
  2. Sylvia Lott: Die Frauenzeitschriften von Hans Huffzky und John Jahr, S. 79
  3. Sylvia Lott-Almstadt: Brigitte 1886–1986. Die ersten 100 Jahre. Chronik einer Frauenzeitschrift. S. 183.
  4. Sylvia Lott-Almstadt: Brigitte 1886–1986. Die ersten 100 Jahre. Chronik einer Frauenzeitschrift. S. 184.
  5. Die schöne Inge und ihre Rolleiflex Der Spiegel vom 10. Mai 2010 (Memento des Originals vom 4. Januar 2017 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.spiegel.de