Contra-Krieg

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Lage Nicaraguas in Mittelamerika
Nicaragua FDN
Smoke break el serrano 1987

Der Contra-Krieg war ein von 1981 bis 1990 mit maßgeblicher Unterstützung der Vereinigten Staaten geführter Guerilla-Krieg gegen die linksgerichtete sandinistische Regierung. Die Contra-Rebellen operierten vor allem von Stützpunkten im Nachbarland Honduras aus. Sie führten Anschläge gegen die öffentliche und wirtschaftliche Infrastruktur Nicaraguas aus und töteten im Laufe des Konflikts zehntausende von unbeteiligten Zivilisten, häufig auf äußerst grausame Weise.

Ab 1982 verabschiedete der US-Kongress die Boland-Amendments, welche der US-Regierung jegliche finanzielle oder sonstige Unterstützung der Contras gesetzlich untersagten.[1] Die Regierung unter Ronald Reagan setzte sich unter Einsatz verschiedener geheimer und illegaler Finanzierungsmethoden darüber hinweg. Diese illegale Unterstutzung der Contras wurde 1986 im Rahmen des Iran-Contra-Skandals öffentlich bekannt und führte zu einer Regierungskrise in den USA.

Die USA wurden 1986 vom Internationalen Gerichtshof in Den Haag für ihre direkte und indirekte militärische Teilnahme am Contra-Krieg zur Beendigung der ungesetzlichen Anwendung von Gewalt gegen Nicaragua und Zahlung von Reparationen verurteilt.[2] Sie erkannten das Urteil allerdings nicht an.

Hintergründe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der damalige sandinistische Präsident Daniel Ortega (2007)

Am 19. Juli 1979 wurde die von den USA unterstützte Somoza-Diktatur in Nicaragua durch die Sandinistas gestürzt und die „Sandinistische Befreiungsfront“ unter der Führung Daniel Ortegas übernahm die Regierungsgewalt.[3]

Gegen diese neue Regierung bildete sich eine Opposition, die vor allem aus der ehemaligen Nationalgarde und aus bürgerlich-konservativen Bevölkerungsgruppen bestand, die in den Maßnahmen der Regierung, wie etwa der Landreform, eine Gefahr für ihren Besitzstand sahen. Diese „Contras“ (vom spanischen contrarevolucionarioKonterrevolutionär) waren zu Beginn der sandinistischen Herrschaft unter der Bevölkerung weitgehend unpopulär. Sie wurden jedoch von den USA – vor allem in Form der CIA – unterstützt, welche in dem neuen Regime eine Gefahr für ihre strategische Sicherheit und auch ihre wirtschaftlichen Interessen sahen. Diese Unterstützung ermöglichte es letztlich, dass sich die politischen Differenzen zwischen Regierungsanhängern und Opposition zu einem Bürgerkrieg ausweiten konnten.

Im Rahmen der Dominotheorie und der Kirkpatrick-Doktrin wollte die US-amerikanische Regierung die Möglichkeit nicht hinnehmen, dass sich ein weiterer Staat in Lateinamerika nach kubanischen Vorbild mit dem Ostblock verbündete. Aus ehemals als geheim eingestuften, heute jedoch freigegebenen Planungsdokumenten der US-Regierungen der 1950er-Jahre geht hervor, dass US-Strategen schon frühzeitig Pläne entwickelten, um ihre Vormachtstellung in Lateinamerika zu sichern, wobei diesen Staaten eine Rolle als Rohstofflieferant und Dienstleister zugewiesen wurde. In den Dokumenten wird insbesondere auf Trends zur Bildung nationalistischer Regime in Lateinamerika verwiesen und die Notwendigkeit betont, Maßnahmen zur Sicherung der US-amerikanischen Interessen zu ergreifen, sei es durch wirtschaftliche Einflussnahme oder militärische Maßnahmen.[4][5][6] Die US-Regierung unter Präsident Jimmy Carter hatte bereits 1978 verdeckte CIA-Operationen zur Stärkung oppositioneller Gruppierungen autorisiert, um eine gemäßigte Alternative zu den Sandinisten zu schaffen.[7] Kritische Beobachter der US-Außenpolitik bewerten den Contra-Krieg daher als weiteres Beispiel für die seit 1945 von US-amerikanischen Regierungen durchgeführten Eingriffe in die staatliche Souveränität von Ländern wie Iran (Operation Ajax), Chile, Guatemala, Vietnam, Haiti, Kuba und weiteren Staaten.[8]

Unterstützung der USA für den Guerillakrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühphase[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits kurz nach der Machtübernahme der Sandinisten am 19. Juli 1979 bewilligte US-Präsident Jimmy Carter finanzielle und weitere Unterstützungen für Gegner der Sandinisten.[9] Gleichzeitig wurde Druck bezüglich der personellen Besetzung der Regierungsposten auf die nicaraguanische Regierung ausgeübt.[10] Die noch fließenden US-amerikanischen Hilfeleistungen unter Carter gingen fast ausschließlich an Nichtregierungs-Organisationen und private Einrichtungen wie die AIFLD (American Institute for Free Labor Development), die mit der CIA zusammenarbeitete.[11] Nach dem Amtsantritt von US-Präsident Ronald Reagan im Januar 1981 wurde die Hilfe an die Sandinisten fast vollständig eingestellt (siehe Reagan-Doktrin). Nicaragua wurde von US-Regierungsprogrammen zur Unterstützung von Investitionen und Handel ausgeschlossen. US-Importe von Zucker aus Nicaragua sanken daraufhin um 90 %. Washington übte weiterhin Druck auf den IMF, den IDB, die Weltbank und den europäischen Markt aus, Kredite an Nicaragua zurückzuhalten.[12][13][14] Um die Erdölversorgung des Landes zu stören, wurden im Rahmen von Contra/CIA-Operationen mehrere Angriffe gegen Öl-Depots gestartet, Pipelines gesprengt, Umladehäfen vermint und den Hafen anlaufenden Öltankern mit der Sprengung selbiger gedroht. Insbesondere Nicaraguas Häfen wurden mit Schnellbooten attackiert und aus der Luft bombardiert, um Exporte zu blockieren.[15] Im Oktober 1983 gab der Exxon-Konzern bekannt, dass seine Tanker keine weiteren Öl-Transporte von Mexiko, dem nicaraguanischen Hauptlieferanten, nach Nicaragua transportieren werden.[16] Ein weiteres bevorzugtes Ziel waren landwirtschaftliche Einrichtungen. Contra-Truppen zerstörten Getreidesilos und Tabaklager, Bewässerungsanlagen, Farmen, Straßen, Brücken, landwirtschaftliche Fahrzeuge und Transportfahrzeuge. Zahlreiche staatliche Farmen und Kooperativen wurden lahmgelegt. Viele noch intakte Farmen wurden daraufhin verlassen.[17] Die Standard Fruit Company (heute Dole Food Company) gab im Oktober 1982 unter Verletzung eines bis 1985 gültigen Vertrages mit der nicaraguanischen Regierung bekannt, alle Bananengeschäfte mit Nicaragua einzustellen.[18]

Verstärkung des US-Engagements[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1982 wurde die US-Infrastruktur für die Luftwaffe, Aufklärung und Kommunikation massiv ausgebaut. In Florida und Kalifornien wurden gleichzeitig tausende Contras trainiert.[19][20][21] Die Contras, auch „Freedom fighters“ genannt, rekrutierten sich hauptsächlich aus früheren Mitgliedern der gefürchteten Nationalgarde des gestürzten Diktators Somoza. Ab diesem Zeitpunkt waren auch US-Piloten direkt an Operationen gegen nicaraguanische Truppen sowie für Versorgungsflüge für die Contras im Einsatz. An Bord eines 1986 über Nicaragua abgeschossenen amerikanischen Frachtflugzeuges fand man Waffen und weitere militärische Ausrüstung. Eugene Hasenfus, der einzige Überlebende des Absturzes, sagte nach seiner Festnahme durch die nicaraguanische Regierung aus, für die CIA zu arbeiten.[22] Amerikanische Kongressabgeordnete wurden von einigen Contras informiert, dass sie Anweisung hatten, die Verantwortung für die von der CIA organisierten und Söldnern geflogenen Bombeneinsätze zu übernehmen.[23]

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Eher aus Gründen der psychologischen Kriegsführung denn zur Aufklärung kam 1984 die Lockheed SR-71 "Blackbird" über Nicaragua zum Einsatz, die auf Spanisch populär als El pájaro negro (Der schwarze Vogel) bezeichnet wurde.

Systematische Menschenrechtsverletzungen der Contras[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Contras waren für ihre Brutalität bekannt. Menschen, die sie bei den zahlreichen Aktionen zur Zerstörung von Gesundheitszentren, Schulen, Landwirtschaftskooperativen oder Gemeindezentren aufgriffen, wurden oft gefoltert und auf grausame Weise getötet.[24] Die nicaraguanische Regierung gab 1984 bekannt, dass seit 1981 ca. 910 Staatsangestellte und 8.000 Zivilisten bei Anschlägen der Contras getötet wurden.[25] Geheimdienstkomitees des US-Kongresses wurden von damaligen und früheren Contra-Führern sowie anderen Zeugen informiert, dass die Contras tatsächlich unbewaffnete Zivilisten, darunter auch Frauen oder Kinder, folterten, zerstückelten, köpften oder ihnen die Augen ausstachen.[26] Im Oktober 1984 wurde aufgedeckt, dass die CIA ein Handbuch mit dem Titel Psychological Operations in Guerrilla Warfare für die Anleitung der Contras erstellt hatte, in welchem zur Anwendung von Gewalt gegen Zivilisten ermuntert wurde.[27] Das Handbuch enthält Hinweise für politische Anschläge, Erpressung von Zivilisten, Entführungen und zur Sprengung öffentlicher Gebäude. Es tauchte kurz darauf in leicht veränderter Form wieder in Honduras auf, angeblich herausgegeben von der privaten amerikanischen Organisation Soldier of Fortune magazine.[28] Ebenfalls 1984 wurde die Verteilung eines von der CIA erstellten Comic-Books mit dem Titel Freedom Fighters' Manual an die nicaraguanische Bevölkerung offengelegt, in welchem zur Sabotage aufgerufen wurde.[29][30] Die beschriebenen Sabotage-Techniken umfassen das Verstopfen von Toiletten, Zerstören von Stromkabeln, Verschmutzen von Benzintanks, das Umschlagen von Bäumen an Straßen, das Auslösen falscher Feueralarme, das exzessive Verschwenden von Strom und Wasser, das Stehlen von Post, das Krankmelden bei der Arbeit, das Kurzschließen von Anlagen und weitere.[31]

Iran-Contra-Affäre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oliver North organisierte im Weißen Haus die nach US-Recht illegale Unterstützung der Contras.

Die Contras erhielten während der Amtszeit von Ronald Reagan finanzielle und militärische Hilfen der USA. Sie operierten oft von Basen der angrenzenden Länder wie Honduras und El Salvador. Die US-Unterstützung wurde teilweise über El Salvador abgewickelt. Das Geld für die Hilfslieferungen an die nicaraguanischen Rebellen brachten die USA durch Waffenverkäufe an den Iran auf (Iran-Contra-Affäre). Weiterhin finanzierten sich die Contras erwiesenermaßen und in großem Stil durch den Schmuggel von Kokain in die USA (siehe Contra und Dark Alliance).

Verurteilung der USA[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die USA wurden am 27. Juni 1986 vom Internationalen Gerichtshof in Den Haag für ihre direkte und indirekte militärische Teilnahme am Contra-Krieg zur Beendigung der „ungesetzlichen Anwendung von Gewalt“ gegen Nicaragua und Zahlung von Reparationen verurteilt.[32] Die USA weigerten sich jedoch, das Urteil anzuerkennen. Nicaragua wandte sich daraufhin an den UNO-Sicherheitsrat, welcher eine Resolution verabschiedete, die alle Staaten dazu aufrief, das internationale Gesetz zu befolgen. Die USA legten ihr Veto gegen die Resolution ein.[33] Die USA sind damit das einzige Land, welches gleichzeitig vom Internationalen Gerichtshof verurteilt wurde und gegen eine an alle Staaten gerichtete Resolution des Sicherheitsrates zur Einhaltung internationaler Gesetze ein Veto einlegte.

Militärische Gegenmaßnahmen der sandinistischen Regierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits unmittelbar nach der Revolution wurde am 22. August 1979 das Sandinistische Volksheer (Ejército Popular Sandinista) gegründet. Bis zu seiner Auflösung 1994 unterstand es Humberto Ortega Saavedra (geb. 1947). Die Allgemeine Wehrpflicht (Servicio Militar Patriótico = Vaterländischer Militärdienst) von zwei Jahren Dauer wurde am 13. September 1983 eingeführt. Für den Anti-Guerillakampf wurden Spezialeinheiten aufgestellt, die BLI (Batallones para la lucha irregular = Bataillone für den irregulären Kampf), die nach bekannten nicaraguanischen und lateinamerikanischen Politikern bzw. Militärs benannt wurden:

  • BLI "Simón Bolívar"
  • BLI "Germán Pomares"
  • BLI "General Francisco Estrada"
  • BLI "Coronel Santos López"
  • BLI "General Miguel Ángel Ortez"
  • BLI "Coronel Rufo Marín"
  • BLI "General Juan Pablo Umanzor"
  • BLI "Farabundo Martí"
  • BLI "Coronel Sócrates Sandino"
  • BLI "Coronel Ramón Raudales"
  • BLI "General Juan Gregorio Colindres"
  • BLI "General Pedro Altamirano"

Zusätzlich wurde zu Beginn der 1980er-Jahre die Sandinistische Volksmiliz (MPS = Milicia Popular Sandinista) aufgestellt, die vorzugsweise Wach- und Sicherungsdienste im Kriegsgebiet wahrnahm und in Bataillone und Territorialbrigaden gegliedert war. Ihr erster Kommandeur war Edén Pastora Gómez.

Die Grenzsicherung oblag einer in sieben Bataillone gegliederten Grenzschutztruppe, der TGF (Tropas Guardafrontas), die 1988/89 ca. 7000 Angehörige umfasste.

Tropas Pablo Úbeda

Weiterhin unterlag die Contrabekämpfung den Truppen des Innenministeriums unter Tomás Borge und dem ihm unterstellten Inlandsgeheimdienst DGSE (Directorio General para la Seguridad del Estado = Allgemeines Direktorium für die Staatssicherheit). Der DGSE bekämpfte die Contras mit nachrichtendienstlichen Mitteln und Kommando-Operationen, verfügte aber auch über eine paramilitärische Spezialeinheit zur Guerillabekämpfung, die Tropas Pablo Úbeda. Bei einem Gefecht dieser Einheit mit ARDE-Contras am 5. November 1984 in der Nähe von Boaco kam der damalige Kommandeur, Subcommandante Enrique Schmidt, ums Leben.

Sowohl das EPS als auch das Innenministerium/DGSE wurden durch Militär- und Polizeieinheiten des Warschauer Pakts und Kubas ausgebildet. In der DDR wurden von der Nationalen Volksarmee bis Juli 1990 232 sandinistische Offizieranwärter an der Offiziershochschule für ausländische Militärkader Otto Winzer in Prora ausgebildet. Im Juli 1990 befanden sich noch 85 weitere Anwärter in der Ausbildung. Das Ministerium für Staatssicherheit war zuständig für die logistische Hilfe und Ausbildung des DGSE. Hierzu wurde eng mit dem kubanischen Geheimdienst Dirección de Inteligencia, der dem Innenministerium in Havanna (MININT) untersteht, kooperiert.

Involvierung anderer Staaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben den USA waren auch Polen und die Volksrepublik China an Waffenlieferungen an die Contras beteiligt.[34] Nicaragua erhielt militärische Unterstützung aus der Sowjetunion, die vor allem Waffen und Munition lieferte, sowie aus Kuba, das zahlreiche Militärberater und Ausbilder entsandte.[35] Der damalige sowjetische Präsident Michail Gorbatschow unterbreitete den USA 1987 das Angebot, die militärische Hilfe an Nicaragua einzustellen, wenn die USA ihre Hilfe an die Contras ebenfalls einstellen würden. Reagan bestätigte, das Angebot erhalten zu haben, ging jedoch nicht darauf ein.[36]

Von Costa Rica aus kämpfte zwischen 1982 und 1986 mit der ARDE eine weitere bewaffnete antisandinistische Gruppe gegen die Sandinisten, die ein Zusammenschluss aus der FRS des Ex-Sandinisten Edén Pastora Gómez, der UDN-FARN der Brüder Chamorro, der MDN Robelos und der MISURASATA unter Führung Brooklyn Riveras war.

Internationale Solidarität mit Nicaragua[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stamps of Germany (DDR) 1983, MiNr 2834

Mit den aufkommenden Gerüchten um eine mögliche Invasion der USA in Nicaragua kam es innerhalb von linken und christlichen Gruppierungen zu größeren Solidaritätsbekundungen. Es wurden internationale Arbeiterbrigaden gebildet, die in Nicaragua Hilfe leisteten und gleichzeitig durch ihre Anwesenheit einen verdeckten Einfall der USA in das Land möglicherweise verhinderten. Gleichzeitig hatte die Bewegung auch im Sinn, einen medialen Gegenpol zur von den USA verbreiteten anti-sandinistischen Propaganda zu schaffen.

Alleine aus der Schweiz kamen 800 Leute in Solidaritätsbrigaden nach Nicaragua, um dort vor Ort zu helfen. 1986 wurden mit Maurice Demierre und Yvan Leyvraz zwei Schweizer von den Contras ermordet, woraufhin die Schweiz den Einsatz von Schweizer Staatsangehörigen bei subventionierten Entwicklungsprojekten in bestimmten Gebieten Nicaraguas untersagte. Das Schweizer Außenministerium äußerte sich zwar bedauernd über den Tod von Leyvraz, verzichtete aber auf einen Protest gegenüber den USA. Ein Staatssekretär sagte, dass er den Amerikanern habe zugestehen müssen, dass es sich bei den ermordeten Schweizern um „links ausgerichtete Leute“ gehandelt habe.[37] Trotz all ihres Einsatzes konnten die Solidaritätsbrigaden aber nicht verhindern, dass eine Gruppe rechtsgerichteter Parlamentarier, die das Land besuchte, die sandinistische Regierung später in der Öffentlichkeit als „kommunistisches und totalitäres Land“ bezeichnete.[38]

Wirtschaftsentwicklung während des Contra-Krieges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe Hauptartikel: Wirtschafts- und Sozialpolitik der Sandinisten

Kriegsende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Vermittlung der zentralamerikanischen Staaten wurden 1989 die zweiten freien Wahlen vorbereitet. Außerdem wurde die Entwaffnung der Contra-Rebellen und Sandinisten-Milizen bis zum 8. Dezember 1989 beschlossen. Bei den Wahlen 1990 gewann die vereinigte nicaraguanische Opposition („UNO“) unter der Führung von Violeta Barrios de Chamorro mit 54,7 % der Stimmen und besiegelte so das Ende der sandinistischen Regierung.

Als es zu Friedensvereinbarungen und Entwaffnung kam, wurden den Contras und Sandinisten, die ihre Waffen abgegeben hatten, Land, Werkzeug und Saatgut versprochen. Diese Versprechen wurden in allzu vielen Fällen nicht eingehalten, und deshalb haben seit dieser Zeit Contras und Sandinisten der Chamorro- und der Alemán-Regierung immer wieder zugesetzt.

Die Präsidentin Chamorro behielt den Bruder des ehemaligen sandinistischen Präsidenten Daniel Ortega, Humberto Ortega, als Oberbefehlshaber der Armee im Amt. Dies provozierte 1993 einen Widerstand bei den Contras. Um Ortegas Rücktritt zu erzwingen, nahmen sie 38 Geiseln. Die Sandinisten reagierten mit der Entführung des Vizepräsidenten und weiterer Personen. Noch im gleichen Jahr wurden die Geiseln wieder freigelassen, und Humberto Ortega verließ die Armee.

Auswirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Krieg forderte ca. 60.000 Menschenleben – hauptsächlich Zivilisten.[39] Der von den USA verdeckt geführte Krieg, die Fehlschläge bei den Reformen der Sandinisten und die Intervention der USA (u. a. Wirtschaftsboykott) hatten die Wirtschaft Nicaraguas ruiniert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Roxanne Dunbar-Ortiz: Blood on the border. A memoir of the Contra War, Cambridge, MASS (South End Press) 2005. ISBN 0-89608-741-7
  • Klaas Voß: Washingtons Söldner. Verdeckte US-Interventionen im Kalten Krieg und ihre Folgen, Hamburg (Hamburger Edition) 2014. ISBN 978-3-86854-274-5
  • William Blum: Killing Hope – U.S. Military and CIA Interventions Since World War II Black Rose Books, Montreal/New York/London, ISBN 1-55164-097-X.
  • Bob Woodward: Geheimcode VEIL. Reagan und die geheimen Kriege der CIA. Droemer Knaur, München 1987, ISBN 3426263408.
  • N.N.: MANUALES de sabotaje y guerra psicológica de la CIA para derrocar al GOBIERNO SANDINISTA. Introducción de Philip Agee (Handbuch der Sabotage und der psychologischen Kriegführung der CIA zum Sturz der sandinistischen Regierung. Mit einer Einführung von Philip Agee), Editorial Fundamentos, Madrid/Espana 1985.
  • Leslie Cockburn: Out of control. The story of the Reagan administration's secret war in Nicaragua, the illegal arms pipeline, and the contra drug connection, London 1988.
  • Timothy Charles Brown: The real Contra War. Highlander peasant resistance in Nicaragua, Norman, OKLA 2001.
  • Sam Dillon: Comandos. The CIA and Nicaragua's contra rebels, New York 1991.
  • Stephen Kinzer: Blood of brothers. Life and war in Nicaragua, Cambridge, MASS. 2007.
  • Carlos Caballero Jurado/Nigel Thomas: Central American Wars 1959-89, Oxford 1990, Reprint 1998, 2000.
  • Michael T. Klare/Peter Kornbluh (Hg.): Low-intensity warfare. Counterinsurgency, proinsurgency, and antiterrorism in the eighties, New York, N.Y. (Pantheon Books) 1988. ISBN 0-394-55579-1
  • Dirk Kruijt: Guerrillas. War and Peace in Central America, London/New York 2008.
  • Roger Miranda Bengoechea/William E. Ratliff: The civil war in Nicaragua. Inside the Sandinistas, New Brunswick, NJ/London (Transaction Publ.) 1993. ISBN 1-560-00064-3
  • Hal Brands: Latin America's Cold War, Cambridge, Mass. u.a. (Harvard University Press) 2010. ISBN 978-0-674-05528-5
  • Juan Sobalvarro: PERRA VIDA. Memorias de un Recluta del Servicio Militar, Managua (Lea Grupo Editoral) 2005. ISBN 99924-904-2-X
  • Odd Arne Westad: The global Cold War. Third world interventions and the making of our times, 7. Aufl. Cambridge (Cambridge University Press) 2010. ISBN 978-0-521-70314-7
  • Roger C. Peace: A call to conscience. The anti Contra War campaign, Amherst, MA/Boston, MA (University of Massachusetts Press) 2012. ISBN 9781558499324
  • Greg Grandin: Empire's workshop. Latin America, the United States, and the rise of the new imperalism, New York, NY (Metropolitan Books) 2006. ISBN 978-0-8050-7738-4
  • William R. Meara: Contra cross. Insurgency and tyranny in Central America, 1979-1989, Annapolis, MD (Naval Institute Press) 2006. ISBN 1-591-14518-X
  • Todd Greentree: Crossroads of intervention. Insurgency and counterinsurgency lessons from Central America, Annapolis, MD (Naval Institute Press) 2008. ISBN 978-1-591-14343-7
  • Robert Kagan: A twilight struggle. American power and Nicaragua, 1977-1990, New York u.a. (Free Press) 1996. ISBN 0-02-874057-2
  • Jochen Staadt/Tobias Voigt/Gerhard Ehlert: Die Zusammenarbeit zwischen dem Ministerium für Staatssicherheit der DDR (MfS) und dem Ministerium des Inneren Kubas (MININT), Arbeitspapiere des Forschungsverbundes SED-Staat Nr. 33, Berlin 2002.
  • Klaus Storkmann: Geheime Solidarität. Militärbeziehungen und Militärhilfen der DDR in die »Dritte Welt«, Berlin (Ch. Links Verlag) 2012. ISBN 978-3-86153-676-5
  • Francisco José Barbosa Miranda: Historia militar de Nicaragua. Antes del siglo XVI al XXI, 2. Aufl. Managua (Hispamer) 2010. ISBN 978-999-247-946-9
  • Gaby Gottwald: Die Contra Connection. Die internationalen Contramacher und ihre bundesdeutschen Helfer, Hamburg (Konkret-Literatur-Verlag) 1988. ISBN 3-922144-72-1
  • Steven Emerson: Secret Warriors. Inside the Covert Military Operations of the Reagan Era, New York (G.P. Putnam's Sons) 1988. ISBN 0-399-13360-7
  • Ariel C. Armony: Argentina, the United States, and the anti-communist crusade in Central America, 1977-1984, Athens, Ohio (Ohio University Center for International Studies) 1997. ISBN 0-89680-196-9
  • Sam Dillon: Comandos. The CIA and Nicaragua's Contra Rebels, New York (Holt) 1991. ISBN 0-8050-1475-6
  • Tomothy C. Brown (Hg.): When the AK-47s fall silent. Revolutionaries, guerrillas, and the dangers of peace, Stanford, CAL (Hoover Institution Press, Stanford University) 2000. ISBN 0-8179-9842-X
  • Saul Landau: The guerrilla wars of Central America. Nicaragua, El Salvador and Guatemala, London (Weidenfeld and Nicolson) 1993. ISBN 0-297-82114-8
  • Juli Marie Bunck/Michael Ross Fowler: Bribes, bullets, and intimidation. Drug trafficking and the law in Central America, University Park, PA (Pennsylvania State University Press) 2012. ISBN 978-0-271-04866-6
  • René de la Pedraja Tomán: Wars of Latin America, 1982-2013. The path to peace, Jefferson, NC (McFarland & Company, Inc., Publishers) 2013. ISBN 978-0-7864-7016-7

Dokumentationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Angriffsziel Nicaragua: Berichte von einem geheimen Krieg, unter Verwendung von Dokumentarmaterialien von Saul Landau und Peter Torbiörnsson, ausgestrahlt am 22. April 1983 auf NDR III.
  • Die nackten Füße Nicaraguas (BRD 1983, Regie: Rolf Neddermann, Manfred Vosz, Drehbuch: Günter Wallraff).
  • Ballade vom kleinen Soldaten (BRD 1984, Regie: Werner Herzog).
  • Reyno, 11 Jahre, Soldat: Kindheit in Nicaragua (Schweden 1988, Regie: Peter Torbiörnsson, Carl Ibe).
  • Nicaragua - Die gestohlene Revolution (TV BRD/F 2014, Regie: Clara Ott/Gilles Bataillon).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. THOMAS: Amendments For H.R.2968. Library of Congress, 1982, abgerufen am 10. September 2015.
  2. Fall Nicaragua v. United States of America
  3. Margarete Häßel, Paul Kamphusmann: Die sandinistische Revolution und die Reaktion der USA (1962-1979). Neue Welt Reisen, abgerufen am 9. Januar 2015.
  4. N.S.C. [National Security Council Memorandum] 144/1, „United States Objectives and Courses of Action With Respect to Latin America,“ March 18, 1953
  5. Foreign Relations of the United States, 1952–1954, Vol. IV („The American Republics“), Washington: United States Government Printing Office, 1983
  6. Noam Chomsky: Understanding Power, 2.Kapitel, Fußnote 52
  7. Newsweek 8. November 1982, S. 44
  8. William Blum: Killing Hope – U.S. Military and CIA Interventions Since World War II Black Rose Books, Montreal/New York/London, ISBN 1-55164-097-X
  9. Bob Woodward: VEIL: The Secret Wars of the CIA 1981–1987. New York, 1987, S. 113
  10. George Black: Triumph of the People: The Sandinista Revolution in Nicaragua. Zed Books Ltd, London 1981, S. 177
  11. New York Times 15. Januar 1981, S. 10
  12. The Times (London): Economic measures. 1. Oktober 1984
  13. New York Times 11. Oktober 1984
  14. The Guardian (London) 1. Juli 1983/30. Mai 1984/8. März 1985, 1. Mai 1985
  15. The Guardian (London) 8. Oktober 1983/13. Oktober 1984/9. März 1984/22. März 1984/9. April 1984
  16. The Guardian (London) 17. Oktober 1983
  17. The Guardian (London) 18. Mai 1983/6. Juni 1983/30. Mai 1984
  18. Barricada International (englischsprachige Wochenzeitschrift der SNLF Managua) 8. November 1982, S. 12
  19. The Guardian (London) 12. Mai 1984, Covert Action Information Bulletin (Washington DC) Nr. 22, Herbst 1984
  20. Eddie Adams: How Latin Guerrillas Train on Our Soil. Parade Magazine (Washington Post), 15. März 1981, S. 5ff
  21. New York Times 17. März 1981
  22. Northwest Citizen: Where are they now: Eugene Hasenfus
  23. The Guardian (London) 4. Mai 1984
  24. Peter Rosset, John Vandermeer: The Nicaragua Reader: Documents of a Revolution under Fire. New York 1983, S. 228–236
  25. The Guardian (London) 15. November 1984
  26. New York Times 27. Dezember 1984, S. 1
  27. CIA-Manual: Psychological Operations in Guerrilla Warfare (Memento vom 5. Februar 2008 im Internet Archive)
  28. The Guardian (London) 25. Januar 1985
  29. New York Times 19. Oktober 1984, S. 8
  30. Covert Action Information Bulletin (Washington, DC) Nr. 22, Herbst 1984, S. 28
  31. CIA-Manual: Freedom Fighters Manual
  32. International Court of Justice: Case concerning military and paramilitary activities in and against Nicaragua (Memento vom 9. März 2007 im Internet Archive) 27. Juni 1986
  33. List of UN Security Council resolutions vetoed by the USA, 1972 – 2002
  34. New York Times 2. Mai 1987
  35. William R. Long: Sandinistas Get More Cuba Aid, Havana Says. In: Los Angeles Times vom 29. Juli 1986, abgerufen am 19. Januar 2015 (englisch)
  36. Los Angeles Times 16./18. Dezember 1987
  37. Verlorene Hoffnung, bleibende Erinnerung, Lateinamerika Nachrichten Juni 2006
  38. http://www.swissinfo.ch/ger/Home/Archiv/Als_der_Traum_von_Solidaritaet_ueber_Nicaragua_wehte.html?cid=5319594
  39. Universität Hamburg: Nicaragua – Contra-Krieg