Copperbelt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Karte der DR Kongo
Karte Sambias
Zentralafrikanischer Kupfergürtel mit einigen Abbaugebieten
Carrollit (silbrig) und Chalkopyrit (messinggelb) auf Calcit (weiß) aus Katanga, Demokratische Republik Kongo (Größe: 5,3 cm × 3,8 cm × 3,0 cm)
Gediegen Kupfer aus dem Copperbelt (Größe: 3,1 cm × 2,9 cm × 1,1 cm)

Der Copperbelt (englisch, deutsch Kupfergürtel) ist eine Industrieregion in Sambia und der Demokratischen Republik Kongo. Er ist das bedeutendste Kupferabbaugebiet Afrikas und das größte Industriegebiet in Afrika südlich der Sahara außerhalb Südafrikas. Neben Kupfer werden auch Kobalt und weitere Metalle gewonnen.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Copperbelt zeichnet sich durch das Vorkommen von Kupfererzen aus. Er liegt auf einer Hochebene am östlichen Ende der Lundaschwelle etwa 1200 bis 1300 Meter über dem Meeresspiegel. Er liegt im Zentrum Sambias und im Südosten der Demokratischen Republik Kongo und ist ein etwa 800 Kilometer langes und 250 Kilometer breites Gebiet, das von Luanshya im Südosten bis nördlich von Kolwezi im Nordwesten reicht. Der sambische Teil gehört überwiegend zur Provinz Copperbelt, der kongolesische Teil zur ehemaligen Provinz Katanga. Dieser Teil reicht weit in sambisches Staatsgebiet hinein.

Wichtige Städte im sambischen Teil sind Ndola, Kitwe, Chingola, Luanshya und Mufulira, die zu den zehn größten sambischen Städten zählen. Bedeutende Verkehrswege sind hier die Eisenbahnstrecke zwischen Lusaka und Lubumbashi einschließlich abzweigender Nebenstrecken sowie die Fernstraßen T3 sowie T4.

Die größte kongolesische Stadt im Copperbelt ist Lubumbashi, welche die zweitgrößte Stadt des Landes darstellt. Der Teil nördlich von Lubumbashi ist nicht so stark durch den Kupferbergbau bestimmt und wird gelegentlich nicht zum Copperbelt gezählt.

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehr als ein Zehntel der weltweiten Kupfervorkommen befinden sich im Copperbelt. Sambia erzielte 1988 über 90 Prozent seiner Außenhandelserlöse durch den Export von Kupfer, die Demokratische Republik Kongo bis zu 40 Prozent.[1] Die DR Kongo ist Weltmarktführer bei der Produktion von Kobalt. Rund 53 Prozent des weltweit exportierten Kobalts stammten 2006 aus dem Copperbelt, davon fast drei Viertel aus der DR Kongo.[2]

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kupfererze lagern in späten präkambrischen Sedimenten. Es handelt sich um bis zu zwölf Meter dicke Erzhorizonte in Folgen von Sandstein, Konglomeraten, bituminösen Tonschiefern und Dolomiten eingelagert. Sie gehören dem Unteren Roan der Shaba-Formation an.[3] Teilweise kommt das Kupfer auch gediegen vor.

Der Copperbelt ist Bestandteil des Lufifian-Bogens.[4] Um 880 mya setzte intrakontinentales Rifting ein, das vom Magmatismus begleitet war. Die durch aulakogene, nicht zu ozeanische Spreizungen führende und relativ flache Grabenbrüche entstandenen Becken füllten sich mit Meereswasser und nahmen 5 bis 10 km dicke Sedimentschichten auf, die als Katanga Supergroup[5] bezeichnet werden. Als Sedimentquelle dienten die umliegenden Terrane und Orogene, insbesondere der noch zusammenhängende Kongo-São Francisco Kraton.

Die Katanga Supergroup wird standardmäßig in drei lithostratigraphischen Gruppen und mehrere Untergruppen unterteilt. Die Gruppen entsprechen den jeweiligen Grabenbrüchen, während die Untergruppen weitere, in den Grabenbrüchen entstandene Becken darstellen. Die unterste bildet die 880 mya alte Roan-Gruppe,[6] die ein Kontinentaldrift mit fluviatilen (Fluss) und lakrustinen (Binnensee) Sedimenten darstellt. Die Nguba-Gruppe[7] folgte ab 765 mya und war ein proto-ozeanisches Rift, ähnlich dem Afar-Dreieck/Rotem Meer. Ab 650 mya lagerte sich die Kundelungu-Gruppe[7] ab, die einer epi-kontinentalen Lagune entsprach.

Die Erze waren wahrscheinlich in hydrothermalen, metallhaltigen Flüssigkeiten enthalten, die sich wiederum aus Solen während der Beckenbildungen und tektonischen Vorgängen entwickelten. Die Ausbreitung der Metallfluide erfolgte entlang der Hauptschubzonen und anderer strukturellen Diskontinuitäten, wie Verwerfungen, Brekzien oder Karste. In diesen Bereichen schieden sich die Erze bevorzugt in Form des Minerals Chalkopyrit aus, dessen Kupfergehalt bis etwa 34 % betragen kann.

Die Erzvorkommen in dem etwa 600 bis 800 km langen kongolesischen Katanga Copperbelt[8] entwickelten sich in Karbonat-reichen Metasedimentgesteinen eines ursprünglichen Evaporitmilieus mit häufigen Meerwassertransgressionen und Regressionen. Lithostratigraphisch gehören sie zu den drei oberen Untergruppen, Mines (R2), Dipeta (R3) und Mwashya (R4) der Roan-Gruppe sowie zur basalen Schicht der Nguba-Gruppe. Bedeutende Minen sind Lonshi im Süden, Shinkolobwe [Shinkolobwe Mine/Shinkolobwe] in der Mitte und Tenke-Fungurume[9] im Norden.

Im sambischen Copperbelt,[10] der etwa 160 km lang ist und parallel zum unteren Bereich des Katanga Copperbelt verläuft, entstanden die Erzvorkommen in Siliclastenlagen eines Riftbeckens ohne Evaporitbedingungen. Lithostratigraphisch liegen sie in der obersten Schicht der Nkana-Mindola-Formation[11] und dem Copperbelt Orebody Member.[12] Letztere bildet die unterste Lage in der Kitwe-Formation der Unteren Roan-Untergruppe in der Sambia-speziellen Lithographiefolge. Diese sind stratigraphisch vergleichbar mit den Subgruppen R.A.T. (R1) und der Mines (R2) der Roan-Gruppe des Katanga Copperbelt. Ergiebige Minen liegen um Luanshya im Süden, Kitwe in der Mitte und Chingola im Norden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die afrikanischen Einwohner im Gebiet des heutigen Copperbelts hatten schon seit Jahrhunderten die Fähigkeit, Kupfer aus den Erzen zu gewinnen und mit den daraus gefertigten Gütern Handel zu betreiben. 1895 stellte der US-Amerikaner Frederick Russell Burnham im Rahmen einer Expedition fest, dass es in dem Gebiet große Kupfervorkommen geben müsse. Damals gehörte der Nordteil des Gebiets zu Belgien, der Südteil zum Vereinigten Königreich. Die British South Africa Company übernahm die Ausbeutung dieser Vorkommen im südlichen Teil. Unter anderem entstanden ab Beginn des 20. Jahrhunderts Eisenbahnstrecken, die ein Verschiffen des Kupfers bis zu den Häfen am Atlantischen und Indischen Ozean ermöglichten. Innerhalb des damaligen Belgisch-Kongo entstand eine Bahnstrecke nach Kalemie am Tanganjika-See. Von 1960 bis 1963 war das damalige Katanga nach einem Sezessionskrieg faktisch unabhängig. In den 1960er Jahren wurden in Sambia rund 750.000 Tonnen Kupfer gewonnen.[13] Von 1971 bis 1999 hieß die DR Kongo Zaïre; die Provinz Katanga wurde Shaba genannt.

Die Benguelabahn nach Lobito am Atlantik war durch den angolanischen Bürgerkrieg zerstört, die Verbindung nach Beira am Indischen Ozean konnte wegen des Boykotts des damaligen Minderheitenregimes in Rhodesien ebenfalls nicht genutzt werden. 1976 wurde die TAZARA als Verbindung des Copperbelts mit dem Hafen in Daressalam eröffnet.

Der Verfall der Kupferpreise auf dem Weltmarkt ab 1974 und besonders ab Ende der 1990er Jahre traf den Copperbelt besonders hart. 2000 betrug die Fördermenge in Sambia nur noch 256.900 Tonnen Kupfer.[13] Zusätzlich schaffte die einseitige Abhängigkeit vom Kupferbergbau schwerwiegende Umweltprobleme. So werden beim Raffinieren der Kupfererze große Mengen an Arsenverbindungen und Kohlenmonoxid frei. Auch wurde die Landschaft durch den Tagebau großflächig zerstört. Die Siedlungsbau wurde von den Interessen der Bergbaukonzerne bestimmt, so dass großflächige, städtische Ortschaften ohne ausreichende Infrastruktur entstanden.[14]

Von 2003 bis 2007 vervierfachte sich der Kupferpreis, so dass die Fördermenge zunahm. 2006 sind in Sambia 497.000 Tonnen Kupfer gewonnen worden.[13] 2009 wurde mit der Lumwana Mine westlich von Solwezi, bei Chisasa, die größte sambische Kupfermine durch den Betreiber Barrick Gold in Betrieb genommen.[15][16] In diesem Zusammenhang ist eine neue Eisenbahnstrecke geplant, die von Chingola in Richtung Angola projektierte North-Western Railway Line.[17][18]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Francis L. Coleman: Northern Rhodesia Copperbelt, 1899-1962: Technological Development Up to the End of the Central African Federation. Manchester University Press, Manchester 1971, ISBN 0719004195
  • James Ferguson: Expectations of Modernity: Myths and Meanings of Urban Life on the Zambian copperbelt. University of California Press, Los Angeles 1999, ISBN 0520217020

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Fischer Weltalmanach ’95. Fischer, Frankfurt am Main 1994
  2. Website zu Mineralien der US-Regierung (englisch, PDF-Datei; 62 kB), abgerufen am 27. September 2010
  3. Hans Kramer et al.: Haack Kartenbuch Afrika. VEB Hermann Haack Geographisch-kartographische Anstalt, Gotha 1989, ISBN 3-7301-0092-0, S. 91
  4. Mwabanwa Louis Kipata, Damien Delvaux, Mwene Ntabwoba Sebagenzi, Jacques Cailteux, Manuel Sintubin: Brittle tectonic and stress field evolution in the Pan-African Lufilian arc and its foreland (Katanga, DRC): from orogenic compression to extensional collapse, transpressional inversion and transition to rifting. In: Geologica Belgica. Band 16, Nr. 1/2, 2013, S. 1–17 (PDF).
  5. Katanga Supergroup WENDORFF, Marek, Geology Department, Univ of Botswana
  6. Roan-Gruppe USGS Scientific Investigations Report 2010–5090–T
  7. a b M. J. Batumike, A. B. Kampunzu, J. H. Cailteux: Petrology and geochemistry of the Neoproterozoic Nguba and Kundelungu Groups, Katangan Supergroup, southeast Congo: Implications for provenance, paleoweathering and geotectonic setting. In: Journal of African Earth Sciences. Band 44, Nr. 1, Januar 2006, S. 97–115, doi:10.1016/j.jafrearsci.2005.11.007 (PDF).
  8. Katanga Copperbelt Porter Geo Consultancy
  9. Tenke-Fungurume Tenke Fungurume Mining
  10. Sambia Copperbelt Porter Geo Consultancy
  11. Nkana-Mindola Formation eprints.utas.edu.au Chap3
  12. Copperbelt Orebody Member eprints.utas.edu.au Chap6
  13. a b c Website zur Industrie weltweit (Memento vom 3. Mai 2012 im Internet Archive), abgerufen am 27. September 2010
  14. Analyse des Kupferbergbaus in Sambia (englisch), abgerufen am 24. September 2010
  15. Informationen zur Lumwana-Mine (Memento vom 26. Juli 2011 im Internet Archive) (englisch), abgerufen am 27. September 2010
  16. Barrick: Lumwana copper mine. auf www.barrick.com (englisch)
  17. The Post: Government to construct Solwezi-Walvis Bay railway link. Meldung vom 19. August 2011 aus The Post auf www.trademarksa.org (englisch)
  18. Times of Zambia: Govt’s move on RSZ issue bold. Meldung vom 11. September 2012 der Times of Zambia auf www.ukzambians.co.uk (englisch)

Koordinaten: 12° S, 28° O