Coquimbit

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Coquimbit
Coquimbite, Voltaite-256099.jpg
Coquimbit aus dem Bergwerk Dexter Nr. 7, Calf Mesa, San Rafael, Emery County, Utah, USA
Allgemeines und Klassifikation
Chemische Formel Fe23+[SO4]3·(6+3)H2O[1]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Sulfate
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
7.CB.55 (8. Auflage: VI/C.08)
29.08.03.01
Ähnliche Minerale Quenstedtit
Kristallographische Daten
Kristallsystem trigonal
Kristallklasse; Symbol ditrigonal-skalenoedrisch; 3 2/m[2]
Raumgruppe P31c (Nr. 163)Vorlage:Raumgruppe/163[1]
Gitterparameter a = 10,92 Å; c = 17,08 Å[1]
Formeleinheiten Z = 4[1]
Häufige Kristallflächen {1010}, {1120}, {1011}, {0001}[3]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 2,5[3]
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,11(1); berechnet: [2,12][3]
Spaltbarkeit undeutlich
Bruch; Tenazität muschelig bis uneben
Farbe farblos, violett, gelb, grün, blau
Strichfarbe weiß
Transparenz durchsichtig
Glanz Glasglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nω = 1,536 bis 1,539[4]
nε = 1,548 bis 1,572[4]
Doppelbrechung δ = 0,012[4]
Optischer Charakter einachsig positiv
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten wasserlöslich; bitterer, metallischer Geschmack

Coquimbit ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfate“ mit der Zusammensetzung Fe23+[SO4]3·(6+3)H2O[1] und ist damit chemisch gesehen ein wasserhaltiges Eisen(III)-sulfat.

Coquimbit kristallisiert im trigonalen Kristallsystem und entwickelt meist tafelige, kurzprismatische oder pyramidale Kristalle mit glasähnlichem Glanz auf den Oberflächen, tritt aber auch in Form körniger bis massiger Aggregate auf. Reiner Coquimbit ist farblos und durchsichtig. In der Natur nimmt er jedoch durch Fremdbeimengungen meist eine rosa bis violette, selten auch gelbe, grüne oder blaue Farbe an. Zudem zeigen sich gelegentlich anomale Interferenzfarben.

Mit einer Mohshärte von 2,5 liegt Coquimbit zwischen den Referenzmineralen Gips (2) und Calcit (3) und gehört damit noch zu den weichen Mineralen, die sich mit dem Fingernagel nicht mehr, mit einer Kupfermünze jedoch leicht ritzen lassen.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Coquimbit wurde von Johann Friedrich August Breithaupt 1841 in einer Lagerstätte von grünlichem Jaspis bei Copiapó in der damaligen chilenischen Provinz Coquimbo aufgefunden und entsprechend seiner Typlokalität benannt. Typmaterial des Minerals wird im Mineralogischen Institut der Technischen Universität Bergakademie Freiberg in Deutschland (Nr. 18558) aufbewahrt.[5]

Klassifikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Coquimbit zur Mineralklasse der „Sulfate, Selenate, Tellurate, Chromate, Molybdate, Wolframate“ und dort zur Abteilung der „Wasserhaltigen Sulfate ohne fremde Anionen“, wo er zusammen mit Alunogen, Kornelit, Lausenit, Meta-Alunogen, Paracoquimbit, Quenstedtit und Rhomboklas eine eigenständige Gruppe bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz'schen Mineralsystematik ordnet den Coquimbit in die Klasse der „Sulfate (Selenate, Tellurate, Chromate, Molybdate und Wolframate)“ und dort in die Abteilung der „Sulfate (Selenate usw.) ohne zusätzliche Anionen, mit H2O“ ein. Diese Abteilung ist allerdings weiter unterteilt nach der Größe der beteiligten Kationen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit ausschließlich mittelgroßen Kationen“ zu finden ist, wo es nur noch zusammen mit Rhomboklas die „Rhomboklasgruppe“ mit der System-Nr. 7.CB.55 bildet.

Die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Coquimbit in die Klasse der „Sulfate, Chromate und Molybdate“ und dort in die Abteilung der „Wasserhaltigen Säuren und Sulfate“ ein. Hier ist er als einziges Mitglied in der unbenannten Gruppe 29.08.03 innerhalb der Unterabteilung der „Wasserhaltigen Säuren und Sulfate mit (A)2(XO4)3 × x(H2O)“ zu finden.

Kristallstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Coquimbit kristallisiert trigonal in der Raumgruppe P31c (Raumgruppen-Nr. 163)Vorlage:Raumgruppe/163 mit den Gitterparametern a = 10,92 Å und c = 17,08 Å sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1]

Paracoquimbit, eine Modifikation von Coquimbit, weist bei gleicher chemischer Zusammensetzung, gleichem Kristallsystem und ähnlichen Eigenschaften eine andere Raumgruppe auf, nämlich R3 (Nr. 148)Vorlage:Raumgruppe/148 (trigonal-rhomboedrisch) mit den Gitterparametern a = 10,93 Å und c = 51,3 Å sowie 12 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[6]

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da das Mineral bereits in kaltem Wasser löslich ist, muss es vor Feuchtigkeit geschützt aufbewahrt werden.[7]

Bildung und Fundorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Coquimbit und Voltait (grün) aus dem Bergwerk Dexter Nr. 7, Calf Mesa, San Rafael, Emery County, Utah, USA

Coquimbit bildet sich als typisches Sekundärmineral vorwiegend durch Oxidation in Eisensulfid-Lagerstätten (meist aus Pyrit), kann aber auch direkt durch Sublimation aus Vulkandämpfen oder brennenden Halden entstehen. Er tritt in Paragenese mit verschiedenen anderen Sulfat-Mineralen wie beispielsweise Copiapit, Paracoquimbit, Voltait, Szomolnokit und Römerit auf.[3]

Als eher seltene Mineralbildung kann Coquimbit an verschiedenen Fundorten zum Teil reichlich vorkommen, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Bisher (Stand: 2016) sind rund 130 Fundorte bekannt.[8] Neben seiner Typlokalität Copiapó in der Region Coquimbo trat das Mineral in Chile noch in mehreren Minen auf Mejillones, in Caracoles und Calama in der Región de Antofagasta sowie Tierra Amarilla bei Copiapó in der Región de Atacama auf.

In Deutschland fand sich Coquimbit bisher in der Grube Clara bei Oberwolfach in Baden-Württemberg, am Rammelsberg bei Goslar in Niedersachsen, in der Zeche Julia bei Herne in Nordrhein-Westfalen sowie auf der inzwischen geschlossenen Absetzerhalde des Tagebaus Lichtenberg bei Ronneburg in Thüringen.

In Österreich wurde das Mineral bisher nur im Galgenberger Eisenbahntunnel bei Leoben sowie im Steinbruch Spitzmühle bei Leutschach in der Steiermark gefunden und in der Schweiz trat Coquimbit nur bei Brissago TI im Kanton Tessin sowie am Mont Chemin bei Martigny im Kanton Wallis auf.

Weitere Fundorte liegen unter anderem in Argentinien, Australien, Belgien, Bolivien, China, der Mongolei, Frankreich, in Griechenland, Iran, Italien, Japan, Marokko, Peru, Portugal, Russland, Slowakei, Südafrika, Spanien, Tschechien, Ungarn, den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) sowie auf Zypern.[9]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie. Dörfler Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S. 144.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Coquimbite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 385.
  2. Webmineral – Coquimbite (englisch)
  3. a b c d Coquimbite, In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 64,5 kB)
  4. a b c Mindat – Coquimbite
  5. Commission on Museums (IMA) - Catalogue of Type Mineral Specimens – C (PDF 130 kB)
  6. Webmineral - Paracoquimbite (englisch)
  7. Friedrich Klockmann: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. Hrsg.: Paul Ramdohr, Hugo Strunz. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 608 (Erstausgabe: 1891).
  8. Mindat - Anzahl der Fundorte für Coquimbit
  9. Fundortliste für Coquimbit beim Mineralienatlas und bei Mindat