Cornelia, Mutter der Gracchen

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Cornelia, Mutter der Gracchen, Gemälde von Joseph-Benoît Suvée

Cornelia (* um 190 v. Chr.; † um 100 v. Chr.) war die zweite Tochter des Scipio Africanus, der zur Familie der Cornelier gehörte, und der Aemilia Paulla. Sie wurde die Ehefrau des älteren Tiberius Sempronius Gracchus, dem Konsul der Jahre 177 v. Chr. und 163 v. Chr., und Mutter der Gracchen. Sie war eine der bedeutendsten Frauen im Rom des 2. Jahrhunderts v. Chr.

Cornelia weist die Krone der Ptolemäer zurück; historisierendes Gemälde von Laurent de La Hyre (1606–1656)

Sie heiratete Gracchus, als sie für die Eheschließung bereits in relativ hohem Alter war. Die Ehe war glücklich, sie hatten zusammen zwölf Kinder, weit über dem römischen Standard. Allerdings überlebten nur drei dieser Kinder ihre Kindheit: Sempronia, die mit ihrem Adoptivvetter Publius Cornelius Scipio Aemilianus Africanus verheiratet wurde, und die Brüder Tiberius und Gaius, die sich mit ihren Reformversuchen den politischen Institutionen Roms widersetzen sollten. Nach dem frühen Tod ihres Mannes im Jahr 154 v. Chr. blieb sie Witwe (auch wenn ein Bewerber der ägyptische König Ptolemaios VII. gewesen sein soll) und widmete sich ausschließlich der Erziehung ihrer beiden Söhne. Nach deren gewaltsamem Tod zog sie sich aus Rom in eine Villa in Misenum zurück.

Die Quellen und die heutige Forschung streiten sich, ob Cornelia ihre Söhne, deren Aktivitäten die konservativen patrizischen Familien, in die sie hineingeboren worden war, empörten, unterstützte oder mit ihnen nicht einverstanden war. In zwei Brieffragmenten, die unter ihrem Namen bei Cornelius Nepos überliefert sind, äußert sie sich dagegen; die Echtheit dieser Briefe ist allerdings umstritten.

Rom verehrte sie als Inbegriff der tugendhaften Matrona, und nachdem sie in hohem Alter gestorben war, wurde ihr als erster Frau in Rom eine Statue errichtet. Bei Ausgrabungen wurde die Basis gefunden, die wohl zu dieser Statue gehört hatte. Die Inschrift darauf lautet: Cornelia Africani f(ilia) Gracchorum (Cornelia, Tochter des Africanus, (Mutter) der Gracchen).[1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Ulrich Instinsky: Zur Echtheitsfrage der Brieffragmente der Cornelia, Mutter der Gracchen. In: Chiron. Band 1, 1971, S. 177–189 (Instinsky kommt zum Schluss, dass die Fragmente in dieser Form sicherlich nicht als echt anzusehen sind).
  • Leonhard Burckhardt, Jürgen von Ungern-Sternberg: Cornelia, Mutter der Gracchen. In: Maria H. Dettenhofer (Hrsg.): Reine Männersache? Frauen in Männerdomänen der antiken Welt. dtv, München 1996, ISBN 3-423-04689-9, S. 97–132.
  • Eva-Tabea Meineke: Cornelia. In: Peter von Möllendorff, Annette Simonis, Linda Simonis (Hrsg.): Historische Gestalten der Antike. Rezeption in Literatur, Kunst und Musik (= Der Neue Pauly. Supplemente. Band 8). Metzler, Stuttgart/Weimar 2013, ISBN 978-3-476-02468-8, Sp. 329–336.
  • Werner Suerbaum: Cornelia, die Mutter der Gracchen. In: Werner Suerbaum (Hrsg.): Die archaische Literatur. Von den Anfängen bis Sullas Tod (= Handbuch der lateinischen Literatur der Antike, Band 1). C. H. Beck, München 2002, ISBN 3-406-48134-5, S. 456–458

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. CIL 6, 31610.