Coronavirus-Update

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Mikrofon-Icon der Infobox
Das Coronavirus-Update
Talkshow aus Deutschland
Originalsprache Deutsch
Veröffentlichung 26. Feb. 2020–
Genre Wissenschaft, Wissenschaftskommunikation
Folgen 61 à 28–77 min
Produktion NDR
Mitwirkende
Autor Katharina Mahrenholtz
Moderation Anja Martini (seit 2. März), Korinna Hennig (seit 26. Februar 2020)
Sprecher

Christian Drosten, Sandra Ciesek

Website

Das Coronavirus-Update ist ein Podcast des Norddeutschen Rundfunks, der von Korinna Hennig, im Wechsel mit Anja Martini, moderiert wird. Die anfangs etwa 30-minütigen, später längeren Gespräche mit Christian Drosten, dem Leiter der Virologie der Berliner Charité, befassen sich wissenschaftlich mit verschiedenen Aspekten des Virus SARS-CoV-2 und der COVID-19-Pandemie. Während vom 26. Februar bis 8. April 2020 anfänglich montags bis freitags täglich Ausgaben erschienen sind, wurde die Sendefrequenz ab dem 14. April 2020 auf alle zwei Tage, ab dem 27. April 2020 auf zwei Ausgaben pro Woche und ab dem 16. Juni 2020 auf eine Ausgabe wöchentlich reduziert. Nachdem sich der Podcast von Juni bis Ende August 2020 ist einer Sommerpause befand, wechselt sich Christian Drosten wöchentlich mit der Virologin Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt als Gesprächsgast ab.[1] Es gab verschiedene Folgen mit anderen Gästen.

Ziel, fachlicher Horizont, Hörerservice[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erklärtes Ziel des Podcasts ist es, zu informieren, einzuordnen und Hintergründe zu liefern.[2][3] Der Podcast soll „so viele Menschen wie möglich so fundiert wie möglich informieren – ohne dabei unnötige Panik zu verbreiten“.[4] Ebenso soll der Podcast der Wissenschaft dienen.[5]

Die NDR-Info-Wissenschaftsredakteurinnen Anja Martini (Folgen 4, 5, 9–14, 17, 20, 22, 24, 27 und 60) und Korinna Hennig (die anderen Folgen bis 61) interviewen Christian Drosten und ab Folge 55 auch Sandra Ciesek zum Coronavirus SARS-CoV-2 und die durch das Virus verursachte Lungenkrankheit COVID-19. Epidemische Coronaviren sind das Forschungsfeld von Drosten.[6][7] Der Podcast wird inzwischen mit einem Team von über zehn Mitarbeitern produziert.[8] Für verschiedene Messenger werden etwa 10-minütige Kurzfassungen des Podcasts angeboten.[2]

Sonderfolgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. April 2020 wurde krankheitsbedingt eine Sonderfolge hinter den Kulissen eingeschoben. Am 21. Mai 2020 wurde das Format mit anderen Personen wiederholt.

An der Folge 30 nahm auch der Physiker Dirk Brockmann teil, der an der Modellierung von Epidemien in Computersimulationen forscht. Während der Sommerpause der Drosten-Interviews wurden drei Sonderfolgen (Folgen 51 – 53) produziert, in denen Anja Martini jeweils mit 4 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet.

Neben den reinen Podcastfolgen bietet das Produktionsteam inzwischen auch ein Transkript zu jeder Folge.[9] Zusätzlich gibt es ein Glossar, in dem viele der verwendeten Fachbegriffe erläutert werden,[10] sowie eine Bibliographie der im Podcast erwähnten Journal-Beiträge und Studien.[11]

Entstehung, Aufbau, Themen, Format[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Idee für den Podcast entstand auf Anregung von Norbert Grundei,[12] dem Leiter des Radiosenders N-Joy und des „NDR Audio-Labs Think Radio“, der Drosten in verschiedenen Sendungen als Gesprächspartner gesehen hatte. Nach der Zusage Drostens wurde die Sendung in der Wissenschaftsredaktion des Radiosenders NDR Info angesiedelt[8] und innerhalb weniger Tage gestartet.[12]

Die erste Folge des Podcasts erschien am 26. Februar 2020 und die gesendeten Folgen sind seitdem in der Regel so aufgebaut, dass Korinna Hennig oder Anja Martini, Wissenschaftsredakteurinnen von NDR Info, Christian Drosten vormittags anrufen und interviewen: zu SARS-CoV-2 bzw. COVID-19, zu Aspekten der laufenden Forschungstätigkeit und fachlichem Austausch mit Kollegen weltweit, zu den Aufgaben und der Bedeutung von Labordiagnostik in der aktuellen Situation, zur Trennung von Wissenschaft und Politik sowie zur Einschätzung der Lage in Deutschland und anderen Ländern. Gelegentlich greifen die Redakteurinnen Hörerfragen auf.[13]

Ab Folge 31 erschien der Podcast alle zwei Tage, ab Folge 36 zweimal pro Woche. Damit soll Drosten mehr Zeit haben, sowohl seiner Forschungsarbeit nachzugehen als auch Studien zu lesen, die im Podcast besprochen werden könnten.[5][14]

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Podcast gewann innerhalb kurzer Zeit sehr an Popularität. Laut Angaben von Grundei wurden bis zum 26. März 2020 die Folgen mehr als 15 Millionen Mal abgerufen,[8] bis zum 8. Mai 2020 waren es 41 Millionen Abrufe[15]. Zu den ersten 26 Folgen, also bis Ende April 2020, gab es ungefähr 14.000 Hörerzuschriften; jede der beiden Redakteurinnen erhielt in dieser Zeit etwa 50 Mails pro Tag.

Der NDR verbreitet den Podcast über verschiedene Wege, auch externe: Neben der ARD Audiothek, der ARD Mediathek und den NDR-Angeboten ist der Podcast unter anderem via RSS, iTunes, Spotify, YouTube, Telegram und Facebook Messenger zu beziehen. Des Weiteren läuft der Podcast im linearen Programm der NDR-Radiosender NDR Info und N-Joy sowie im NDR Fernsehen (mit Illustrationsbildern), jedoch teils gekürzt.[8] Der Podcast werde inzwischen in 60 Ländern gehört, so Grundei.[12]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund der hohen Verbreitung werden Inhalte des Podcasts regelmäßig in weiteren Medien rezipiert.[16][17][18][19][20]

Der Podcast selbst wurde als „Wissenschaftskommunikation im besten Sinne“ bezeichnet,[13] die Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit empfahl den Podcast als „verlässliche Quelle“.[21] Positiv hervorgehoben wird besonders Drostens informative, teils dozierende Art der Erklärung und dass er die Grenzen seines eigenen Wissens sowie seines Berufsfeldes aufzeige. Zudem beteilige er die Hörer an seinem Denkprozess, unter anderem indem er sich selbst hinterfrage und eigene Thesen revidiere.[22] Die Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim lobte den Podcast, Drosten beglücke Hörer mit einem wissenschaftlichen Niveau, das sonst nur selten in den Medien präsent sei.[23]

Medienjournalisten bezeichneten Christian Drosten aufgrund des Podcasts als den „Erklärer der Nation“;[24] der Medienpsychologe Schwab schrieb ihm die Funktion eines „Seelsorgers“ und eines „Fels in der Brandung“ zu.[25] Die Deutschlandfunk-Kultur-Redakteure Karla Kenya und Dennis Kogel bezeichneten den Podcast als den „deutschen Serial-Moment“ und spielten damit auf den Durchbruch von Podcasts im US-amerikanischen Markt durch die Serie Serial an.[13] Dennoch wird auch kritisch angemerkt, dass Drosten eine gleich gut informierte journalistische Fachwelt als hinterfragendes Gegenüber fehlt, denn er habe aufgrund seiner Spezialkenntnisse einen Sonderstatus inne.[13]

Der Musikkabarettist Bodo Wartke widmete Drosten und seinem Podcast ein Lied.[26]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Podcast wurde 2020 mit dem Grimme Online Award in der Kategorie „Information“ ausgezeichnet und gewann den Publikumspreis. Die Jury verwies auf das Potenzial der Wissensvermittlung via Podcast und erklärte, dass es „eine kompetente Redaktion und Moderation [braucht], damit sich Popularität und Fähigkeit zur Differenzierung nicht ausschließen“.[27][28][29]

Stellvertretend für das Team des Podcasts wurde den Moderatorinnen und Wissenschaftsjournalistinnen Korinna Hennig und Katharina Mahrenholtz der Preis der Bundespressekonferenz 2020 zuerkannt.[30]

Das Coronavirus-Update Team (Norbert Grundei, Korinna Hennig, Anja Martini und Katharina Mahrenholtz vom NDR zusammen mit Christian Drosten) wurde 2020 mit dem Georg von Holtzbrinck Preis für Wissenschaftsjournalismus in der Kategorie Elektronische Medien ausgezeichnet.[31]

Weitere Podcasts zum Thema[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Folge 1 vom 1. April, u. a. zur Entstehung und zu Hörerreaktionen
  • Folge 2 vom 21. Mai 2020, u. a. zur Technik, Verbreitung und zu Aufgaben

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Podcast mit Drosten kommt zurück - mit neuem Konzept. In: Thüringer Allgemeine. Thüringer Allgemeine, 27. August 2020, abgerufen am 27. August 2020.
  2. a b Coronavirus-Update: Virologe Christian Drosten informiert, Stand: 27. März 2020, 13:38 Uhr, abgerufen am 29. März 2020.
  3. https://www.ndr.de/nachrichten/info/coronaskript114.pdf Korinna Hennig, Christian Drosten: Coronavirus-Update. Folge 8. Stand 6. März 2020.
  4. Das Coronavirus-Update mit Christian Drosten, ndr.de, abgerufen am 29. März 2020.
  5. a b Korinna Hennig, Christian Drosten, Dirk Brockmann Skript zu Coronavirus-Update. Folge 30, ndr.de, 8. April 2020
  6. Christian Drosten im Skript zu Folge 24, ndr.de, 30. März 2020, S. 5.
  7. Christian Drosten im Skript zu Folge 11, ndr.de, 11. März 2020, S. 3.
  8. a b c d Über 15 Mio. Abrufe: Der gewaltige Erfolg des “Coronavirus Update” mit Professor Christian Drosten › Meedia. In: meedia.de. 27. März 2020, abgerufen am 29. März 2020.
  9. Coronavirus-Update – Die Podcast-Folgen als Skript, ndr.de, abgerufen am 30. März 2020.
  10. Das Glossar zum Corona-Podcast, abgerufen am 29. März 2020.
  11. Anja Martini, Christian Drosten: Skript zu Coronavirus-Update. Folge 22, Stand 26. März 2020, ndr.de, S. 8, abgerufen am 29. März 2020.
  12. a b c NDR: Behind the Scenes I - Talk mit dem Podcast-Team. 1. April 2020, abgerufen am 22. Oktober 2020.
  13. a b c d Karla Kenya, Dennis Kogel und Hagen Terschüren: Christian Drosten – Wie ein Virologe zum erfolgreichen Podcaster wurde. In: Über Podcast – Das Podcastmagazin. Deutschlandfunk Kultur, 27. März 2020, abgerufen am 2. April 2020.
  14. Skript Folge 35. In: ndr.de. Abgerufen am 24. April 2020.
  15. NDR: Behind the Scenes II - Talk mit dem Podcast-Team. Abgerufen am 22. Mai 2020.
  16. Marc Bartl: Wissenschaftler Christian Drosten fordert in der Corona-Krise: Politischer Journalismus muss sich zurücknehmen. In: kress.de. 12. März 2020, abgerufen am 29. März 2020.
  17. Der Virologe, der den Deutschen in der Corona-Krise Flaschenbier empfiehlt. In: Welt.de. 17. März 2020, abgerufen am 29. März 2020.
  18. Tim Sönder: Christian Drosten: Der Mann der Stunde in der Coronakrise. In: gala.de. 28. März 2020, abgerufen am 29. März 2020.
  19. Drosten erklärt die gefragtesten Substanzen. In: n-tv.de. 26. März 2020, abgerufen am 29. März 2020.
  20. Alexander Kaindl: Corona: Medikament gegen das Virus gefunden? Virologe Drosten zerpflückt Studie. In: merkur.de. 29. März 2020, abgerufen am 29. März 2020.
  21. Updates zum Corona-Virus. In: blz.bayern.de. Abgerufen am 24. April 2020.
  22. Matthias Dell: Medien in der Corona-Krise – Verdrostet! In: @mediasres. Deutschlandfunk, 25. März 2020, abgerufen am 29. März 2020.
  23. Mai Thi Nguyen-Kim: Virologen-Vergleich. In: maiLab. Youtube.com, 19. April 2020, abgerufen am 27. April 2020.
  24. Barbara Gillmann: Virologe: Plötzlich ist Christian Drosten der Corona-Aufklärer der Nation. In: handelsblatt.com. 18. März 2020, abgerufen am 29. März 2020.
  25. Marc Bartl: Medienpsychologe: Warum Christian Drosten der Gandalf der Nation ist. In: kress.de. 27. März 2020, abgerufen am 29. März 2020.
  26. Bodo Wartke: Bodo Wartke - Christian Drosten (live bei "aus meinem Wohnzimmer" von TV Noir). In: TV Noir. 30. April 2020, abgerufen am 20. Juni 2020.
  27. Nominierte - Grimme Online Award. In: grimme-online-award.de. Abgerufen am 24. April 2020.
  28. Statement der Jury - Grimme Online Award. Abgerufen am 25. Juni 2020.
  29. Grimme Online Award für NDR-Corona-Podcast mit Virologe Drosten. In: tagesschau.de. 25. Juni 2020, abgerufen am 25. Juni 2020.
  30. Bundespresseball wegen Corona abgesagt. In: Deutschlandfunk Kultur. Abgerufen am 5. Juni 2020.
  31. 25 Jahre Auszeichnung von Qualitätsjournalismus - Georg von Holtzbrinck Preise für Wissenschaftsjournalismus verliehen. In: Veranstaltungsforum, Presseinformationen. Holtzbrinck Publishing Group, abgerufen am 20. Oktober 2020.