Corps Bavaria München

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Corps Bavaria
Corps Bavaria Vollwappen.png Zirkel des Corps Bavaria München.png
Wappen Zirkel
Basisdaten
Hochschulort: München
Gründungsort: Landshut
Stiftungsdatum: 30. November 1806
Korporationsverband: KSCV
Zuständiger SC: MSC
Kartell / Kreis / AG: keine, Lebenscorps
Farbenstatus: farbentragend
Farben:
Fuchsenfarben:
Stellung zur Mensur: pflichtschlagend
Wahlspruch: Concordia fortes, virtute beati !
Mitglieder insgesamt: ca. 230
Aktive: ca. 10
Website: www.corpsbavaria.de

Das Corps Bavaria München ist eine Studentenverbindung im Münchner Senioren-Convent. Das Corps vereint männliche Studenten und Alumni der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie der Technischen Universität und ist pflichtschlagend. Die Corpsmitglieder werden Münchner Bayern oder einfach nur Bayern genannt.

Lebenscorps[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Corps Bavaria Landshut in München
Stiftungsfest des Corps Bavaria auf der Bayernruh in Landshut

Bavaria ist seit 1851 ein Lebenscorps. Somit gehört es keinem Kösener Kreis an, erlaubt keine Doppelmitgliedschaften der Mitglieder und steht in keinem Verhältnisvertrag. Seit seiner Stiftung hat das Corps fast 2.100 Mitglieder aufgenommen. Das Corps Bavaria hat derzeit um die 230 Mitglieder.

Couleur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bavaria hat die Farben weiß-blau-weißen mit goldener Perkussion. Dazu wird eine Mütze in Biedermeierform als Hinterhauptcouleur getragen. Die Füchse tragen ein zweifarbiges Band in den Farben weiß-blau, das ebenfalls mit goldener Perkussion versehen ist.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Joseph Ludwig von Armansperg
Lithographie des Stifters und erste Seniors Joseph von Armansperg (1833)
Carl Joseph Anton Mittermaier (1850)
Lithographie des ersten Sekretärs Carl Joseph Anton Mittermaier (1850)

Landshut[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gestiftet wurde das Corps Bavaria am 30. November 1806 an der Universität Landshut.[1] In jenem Wintersemester hatte das Corps nicht nur einen Senior, sondern auch einen Consenior. Das zeigt, dass Ehrenangelegenheiten über den Corpsburschen-Convent geregelt wurden – ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal zu den Nationes und den Studentenorden.

Gründungssenior der Bavaria im Wintersemester 1806 war Joseph von Armansperg.[2] Als Finanzminister des Königreiches Bayern garantierte er 20 Jahre später die Übersiedelung der Universität nach München. 1832 wurde Armansperg Regentschaftsratsvorsitzender für den minderjährigen Otto (Griechenland). Von 1835 bis 1837 bekleidete er das Amt des griechischen Erzkanzlers.

Zu den Gründungsburschen gehörte auch Carl Joseph Anton Mittermaier, später Rechtsgelehrter in Deutschland und 1848 Präsident des Vorparlaments in der Frankfurter Nationalversammlung. Ignaz Perner verhinderte 1815/16, dass das durch Maximilian von Montgelas zeitweilig verbotene Corps den aktiven Betrieb einstellte.

München[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juli 1848 vertrat der Senior Anton Freiherr von Lobkowitz das Corps bei der Gründung des KSCV, dem er mit den anderen Corps des Münchner SC 1862 endgültig beitrat.

Im 19. Jahrhundert waren (katholische) Adelige und über 100 Priester bei Bavaria.[3] Als bayerisches Landescorps stellte sie den Wittelsbachern viele Vertraute. Ein Beispiel ist Emil von Schauß, der den bayerischen Hausschatz hütete und die Finanzen Bayerns kontrollierte. Er leitete von 1893 bis 1895 den Verband Alter Corpsstudenten.

1860 trat das Corps mit dem MSC dem Kösener Senioren-Convents-Verband bei. Bavaria war 1897 und 1920 präsidierendes Vorortcorps und stellte die Vorsitzenden des oKC.

Bayerns Adel blieb im Kulturkampf katholisch und zog sich vom corpsstudentischen Leben zurück. Dafür wurde Bavaria für ihre vielen bedeutenden Mediziner bekannt.[3]

1933–1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde Bavaria als eines der ersten Corps verboten; denn die Altherrenschaft namens des AHV-Vorsitzenden Franz Ruhwandl weigerte sich, die Zusammenarbeit der Aktiven mit dem Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund zu billigen. Das Corps wurde bei der Gestapo denunziert und im Mai 1935 verboten.[4] Der aktive Betrieb wurde im selben Jahr geschlossen, das Corpshaus unter Zwang an den Gauleiter Wagner verkauft.[4]

Seit 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Betreut durch den Altherrenvorsitzenden Ruhwandl nahm das Corps Bavaria unter der Leitung des Seniors Otmar Schleich den aktiven Betrieb am 13. Juli 1947 wieder auf. Im Sommersemester 1951 wurde unter SC-Senior Hans-Georg Curtze der Münchner Senioren-Convent offiziell gegründet. Es handelt sich hier um den einzigen SC, in dem Weinheimer und Kösener Corps gleichberechtigt vertreten sind. Im Jahre 2006 feierte das Corps sein 200. Stiftungsfest mit einem Kommers im Hofbräukeller und einem Ball mit 830 Gästen im Hotel Bayerischer Hof.

Corpshäuser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kaulbachvilla, abgebildet als Corpshaus der Bavaria, um 1935

In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts hat sich bei den Münchener Bayern bereits eine starke beitragszahlende Altherrenschaft entwickelt. Schon beim 50. Bundesfest waren stattliche Spenden zusammengekommen. Im Jahr 1894 gründete sich erstmals ein Corpshausverein. Dieser konnte im Jahr 1899 ein Grundstück, des abgetragenen Kosttor, in direkter Nähe zum Hofbräuhaus erstehen. Im Jahre 1900 wurde hier das erste, durch die Firma Heilmann und Littmann erbaute, Corpshaus am Platzl 5 (München) bezogen. Bei der Einweihung am 19. Mai 1900 war der Rektor der Ludwig-Maximilians-Universität, der Theologe Bach, zugegen.[5]

1931 wechselte das Corps in die größere Kaulbach-Villa (München), die aber 1937 enteignet wurde. Von 1951 bis 1963 hatten sie eine Wohnung in der Arcostraße 5/III. Durch das 150. Stiftungsfest im Jahr 1956 wuchs das Vermögen des Corps durch Spenden an; 1963 konnte ein neues Haus in Alt-Bogenhausen bezogen werden[6]. Die 1912 erbaute Jugendstilvilla wurde seither mehrmals erweitert und an die Bedürfnisse des Corpsbetriebs angepasst. Von 1968 bis 2000 hatten die Bayern eine eigene Villa für Inaktive in Weßling, dieses wurde jedoch verkauft, da sie zu weit außerhalb lag.[7]

Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In chronologischer Reihenfolge

Wilhelm Specht, Mathematikprofessor (* 1907, † 1985, rezipiert 1926)

Staatsmänner


Mediziner

  • Joseph Gangkofner (1804–1862), Landgerichtsarzt, Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung
  • Sigmund Theodor Stein (1840–1891), Naturwissenschaftler und Mediziner, Erfinder des Vorläufers des EKG, Mitglied der Leopoldina
  • Karl Ritter von Seydel (1853–1939), Generalstabsarzt und Hochschullehrer in München
  • Georg Cornet (1858–1915), Mediziner, Pionier der Tuberkuloseforschung
  • Franz Bogner (1875–1956), Arzt und Oberbürgermeister von Selb
  • Otto Ullrich (1894–1957) Lehrstuhlinhaber in Bonn, Mediziner, Mitglied der Leopoldina
  • Karl Gebhardt (1897–1948), Mediziner, General
  • Ernst Derra (1901–1979), Chirurg, Mitglied der Leopoldina
  • Peter Holtz (1902–1970), Pharmakologe, Hochschullehrer, Lehrstuhlinhaber
  • Heinrich Schütz (1906–1986), KZ-Arzt
  • Karl Horatz (1913–1996), Pionier der deutschen Anästhesiologie
  • Lutz Jani (1935–2019), Orthopäde, Hochschullehrer in Basel und Mannheim
  • Karsten Ewert (* 1937), Generalarzt a. D.
  • Theodor Mantel (* 1942) Hochschullehrer, Präsident und Ehrenpräsident der Bundestierärztekammer
  • Gerd Hohlbach (* 1944) Chirurg, Hochschullehrer


Juristen


sonstige Geisteswissenschaftler

  • Max Haushofer (1811–1866), Landschaftsmaler, Professor an der Kunstakademie Prag
  • Anton Westermayer (1816–1894), Priester, Päpstlicher Hausprälät, MdR
  • Heinz Zirnbauer (1902–1982), Bibliothekar in München, Speyer und Salzburg
  • Axel Gering (* 1968), Professor für Klassische Archäologie


Unternehmer


Naturwissenschaftler

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Max Weigl: Gedenkbuch des Corps Bavaria an der Universität München zur Feier seines Jubilaeums in Landshut 1867, Wolf & Sohn, München 1868 (Digitalisat)
  • Ferdinand Kurz: Das Corps Bavaria zu Landshut und München, München 1910 [1]
  • Werner Ebermeier: Studentenleben vor 200 Jahren – Die Landshuter Jahre der Ludwig-Maximilians-Universität 1800 bis 1826, LMUniversum Band 5, München 2007, ISBN 9783926163516 [2]
  • Sebastian Sigler: Freundschaft und Toleranz. 200 Jahre Corps Bavaria zu Landshut und München, Akademischer Verlag, München 2006, ISBN 3-932965-86-8
  • Paulgerhard Gladen: Die Kösener und Weinheimer Corps: Ihre Darstellung in Einzelchroniken, WJK-Verlag Hilden 2007, ISBN 978-3-933892-24-9

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Corps Bavaria München – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sebastian Sigler: „Vivat der 30te November 1806“, in ders. (2006), S. 3 ff., S. 40, S. 46
  2. Kösener Korps-Listen 1910, 170, 1
  3. a b Peter Gering, Sebastian Sigler: Gesamtliste des Corps Bavaria. München 2006
  4. a b Rosco Weber, Wolfgang Wippermann: Die deutschen Corps im Dritten Reich. 1. Auflage. Band 1, Nr. 1. SH-Verlag, 1998, ISBN 3-89498-033-8, S. 171 f.
  5. Sebastian Sigler: Freundschaft und Toleranz. Hrsg.: Verein Alter Münchener Bayern. 1. Auflage. Band 1, Nr. 1. Akademischer Verlag, München 2006, ISBN 3-932965-86-8, S. 71 ff.
  6. Corpshäuser. Abgerufen am 23. Januar 2020.
  7. Sebastian Sigler: Freundschaft und Toleranz. Hrsg.: Verein Alter Münchener Bayern. 1. Auflage. Band 1, Nr. 1. Akademischer Verlag, München 2006, ISBN 3-932965-86-8, S. 80.
  8. Karl Geisenberger – RegioWiki Niederbayern. Abgerufen am 7. Juni 2020.
  9. Kösener Corpslisten 1970, 104/1770
  10. Wilhelm von Poschinger – Salzburgwiki. Abgerufen am 7. Juni 2020.
  11. Kösener Corpslisten 1970, 104/786
  12. Kösener Korpslisten 1960, 104/1686
  13. VAC: Kösener Corpslisten 2016. Hrsg.: VAC. Band 104/1950. Bad Kösen Januar 2016.
  14. Kösener Corpslisten 1996, 104/1925