Corps Concordia Rigensis

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Corps Concordia Rigensis

Wappen Zirkel
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Basisdaten
Hochschulort: Hamburg
Gründung: 29. November 1869
Gründungsort: Riga
Korporationsverband: Rigenser Chargierten-Convent (1870–1906, 1907–1914, 1922–1924)
Präsidenkonvent (1921–22, 1924–32)
KSCV (seit 1959)
Zuständiger SC: Hamburger SC
Kartell / Kreis / AG: Baltischer Philisterverband
Farbenstatus: farbentragend
Farben:
Mütze: dunkelblau, kleines Format mit Baltenstern
Art des Bundes: Männerbund
Stellung zur Mensur: pflichtschlagend
Wahlspruch: Wahr und treu – kühn und frei; Viribus unitis

Das Corps Concordia Rigensis ist eine deutsch-baltische Studentenverbindung in Hamburg. Seit 1956 ist sie in Hamburg ansässig und seit 1959 im Kösener Senioren-Convents-Verband (KSCV). Die Corpsmitglieder werden Concorden genannt.[1][2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Riga[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die baltische Landsmannschaft Concordia Rigensis wurde am 29. November 1869[3] in Riga durch ausgetretene Mitglieder der Fraternitas Baltica an der Universität Riga als zweite deutsche Studentenverbindung gegründet. Zusammen mit der 1875 gegründeten Rubonia und der Fraternitas Marcomannia (1902) stellten diese vier die ersten Verbindungen für die deutschen Studenten im damaligen russischen Riga.[4][5]

Am 24. Januar 1870 war Concordia Mitbegründerin des Rigenser Chargierten-Convents. Ein Teil der Mitglieder trat im Wintersemester 1880/81 zur Gründung der Selonia aus. Concordia trat am 27. Oktober 1906 aus dem Chargierten-Convent aus und wurde am 27. März 1907 wieder aufgenommen. Sie suspendierte kriegsbedingt im Sommersemester 1915 und rekonstituierte am 14. Oktober 1918. Anschließend wurde auch der Chargierten-Convent wiederbegründet. Vom 31. Januar 1919 bis September 1920 war Concordia wieder kriegsbedingt suspendiert.[6] 1921 wurde sie in den (lettischen) Präsidenkonvent aufgenommen. Sie trat am 30. Oktober 1922 aus dem Präsidenkonvent wieder aus und beteiligte sich am folgenden Tag an der Rekonstitution des Chargierten-Convents. Vom 6. Juli 1924 bis zum 14. Mai 1932 war sie auch wieder Mitglied des Präsidenkonvents. Sie musste aufgrund des Deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakts am 14. Oktober 1939 suspendieren und das Baltikum verlassen. Der Altherrenverein bildete seit 1941 die Altherrenschaft VI des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes in Posen.[7]

Hamburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Convents-Quartier in Hamburg

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kehrte Concordia nicht nach Riga zurück. Sie rekonstituierte am 13. Oktober 1956 als Corps in Hamburg. Seit dem 22. Mai 1958 renoncierte sie im Hamburger Senioren-Convent. Am 10. Juni 1959 in den SC recipiert und damit in den Kösener Senioren-Convents-Verband (KSCV) aufgenommen, steht Concordia Rigensis zu Mensur und Couleur. Vom 1. Dezember 1970 bis zum 29. November 1984 war das Corps suspendiert.[7] Aufwind brachte die Gründung der Helmut-Schmidt-Universität. Nach wie vor werden viele Offiziere bei Concordia aktiv.

Concordia Rigensis ist die einzige der damals zahlreichen deutsch-baltischen Studentenverbindungen, die bis heute überlebt hat. Alle anderen Verbindungen sind untergegangen oder haben sich in neuen Verbindungen zusammengeschlossen. Heute existieren insgesamt mit der Concordia Rigensis drei Studentenverbindungen, die die speziellen Traditionen der deutsch-baltischen Studentenverbindungen weiterführen: die Fraternitas Dorpatensis zu München (gegründet 1948) und das Corps Curonia Goettingensis (gegründet 1959). Alle drei Korporationen sind Mitglieder des Baltischen Philisterverbandes.

Wie die anderen beiden deutsch-baltischen Studentenverbindungen auch unterhält die Concordia Rigensis nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wieder rege Verbindungen ins Baltikum und beteiligt sich aktiv an den deutsch-baltischen Völkerkommersen[8], die sie 1996, 2005 und 2016 in Hamburg ausrichtete.

Farben und Wahlsprüche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Farbenband der Concordia Rigensis ist blau-gold-rot. Dazu wird eine kleine dunkelblaue Studentenmütze (Deckel) mit einem goldenen, gestickten Stern (Baltenstern) auf der Oberseite getragen. Wie schon im Baltikum üblich, tragen die Concordenfüchse kein Fuchsenband, sondern ausschließlich einen schwarzen Deckel (da sie noch farbenfrei sind). Die Wahlsprüche des Corps lauten Wahr und treu – kühn und frei sowie Viribus unitis.[9]

Baltische Besonderheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alle baltischen Corps weisen im Vergleich zu anderen in Deutschland ansässigen Studentenverbindungen zum Teil deutliche Unterschiede auf. Begriffe und Verhalten stammen noch aus den Frühzeiten des Verbindungswesens (18. und frühes 19. Jahrhundert), die sich im Baltikum (und damit fern der Fortentwicklungen der deutschen Verbindungen) mehr oder weniger erhalten haben. So bezeichnet man z. B. den Fuchsmajor als Oldermann, wohl angelehnt an den Ältermann der Gilden der Hansestädte. Es wird auch nicht vom Korporationshaus gesprochen, sondern vom „Conventsquartier“ („C!Q!“). Auch wird sehr viel Wert auf die Erhaltung der alten Studentenlieder gelegt. Auch die Kneipe der Balten kennt nicht den formalen Ablauf, wie er sich im Deutschen Kaiserreich herausgebildet hat. Zudem werden, aus russischem Einfluss herrührend, Wodka und baltische Spezialitäten wie Piroggen angeboten.

Nevania

1970 hat die Concordia Rigensis sich verpflichtet, das Gedenken an das deutsch-baltische Corps Nevania aus St. Petersburg (gegründet 1847) wachzuhalten. Seit 1910 waren beide Corps durch ein Kartell miteinander verbunden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Doeberl (Hrsg.): Das akademische Deutschland, Bd. 2: Die deutschen Hochschulen und ihre akademischen Bürger, Berlin 1931, S. 1085ff.
  • Baltische Gesellschaft in Deutschland (Hg.): Baltisches Burschentum. Die studentischen Korporationen der Deutschbalten, Esten und Letten einst und jetzt, redigiert von Hans von Rimscha. Heidelberger Gutenberg-Druckerei 1968.
  • Bernhard Grün, Christoph Vogel: Die Fuxenstunde. Handbuch des Korporationsstudententums. Bad Buchau 2014, S. 186–187, ISBN 978-3-925171-92-5.
  • Theodor Pernaux, Alexander Grosse, Arved Pussel: Album Concordiae Rigensis 1869–1909, Riga 1909.
  • Otto Kraus: Deutsch-baltische Corps. In: Handbuch des Kösener Corpsstudenten, Bd. I, Würzburg 1985.
  • Dietrich G. Kraus: Baltisches Burschentum in Dorpat und Riga. Jahrbuch des baltischen Deutschtums, Band XLV (1998).
  • Henry Schultz-Feegen: Geschichte der Concordia Rigensis 1869–1929. Berlin 1929. GoogleBooks
  • Roland Seeberg-Elverfeldt: Die baltische Genealogie. In: Georg von Rauch (Hrsg.): Geschichte der deutschbaltischen Geschichtsschreibung. Böhlau Köln Wien 1986. S. 164–168: Hochschule und Studenten. [erfasst sind alle Alben der Studentenverbindungen]
  • Wolfgang Wachsmuth: Wesen, Aufbau und Bedeutung der ehemaligen deutsch-baltischen studentischen Korporationen. Einst und Jetzt, Jahrbuch des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung, Bd. 1 (1956), S. 45–60.
  • Concordia Rigensis zu Hamburg. Deutschbaltisches Corps, 29.11.1869–1959. Festschrift zum neunzigjährigen Jubiläum. GoogleBooks
  • Philisterverband der Concordia Rigensis (Hrsg.): Concordia Rigensis. 29.11.1869–29.11.1969. Festschrift: Chronik, Album, Statistisches. Hamburg 1969
  • „50 years of Baltic Nationes’ Kommerses“, Tartu 2013, ISBN 978-9949 9417-1-1

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Corps Concordia Rigensis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Baltischer Philisterverband (Hrsg.): Die baltischen Ph! Ph!. Friedrichshafen 1973, S. 6: „Concordia Rigensis, gegr. Riga 13.11.1865, vertagt in Riga 1939, reaktiviert Hamburg 13.10.1956“
  2. Hans von Rimscha: Baltisches Burschentum – Die studentischen Korporationen der Deutschbalten, Esten und Letten einst und jetzt, S. 32: „So wurde im Herbst 1956 als erstes baltisches Corps die Concordia Rigensis an der Universität Hamburg reaktiviert.“
  3. Ernst Hans Eberhard: Handbuch des studentischen Verbindungswesens. Leipzig, 1924/25, S. 201.
  4. Die Grenzboten: Zeitschrift für Politik, Literatur und Kunst, Band 74, Ausgaben 3–4, S. 211
  5. Jürgen von Hehn, Wilhelm Lenz, Baltische Historische Kommission: Geschichte der deutschbaltischen Geschichtsschreibung 1986, S. 382
  6. Festschrift Fraternitas Baltica, 1865–1965S. 152
  7. a b Paulgerhard Gladen: Die Kösener und Weinheimer Corps. Ihre Darstellung in Einzelchroniken. WJK-Verlag, Hilden 2007, ISBN 978-3-933892-24-9, S. 46 f.
  8. Ex est! Schmollis! Fiduzit! Bericht über den Baltischen Völkerkommers in der FAZ vom 16. Juni 2008
  9. deutsch: „Mit vereinten Kräften“