Corps Friso-Cheruskia Karlsruhe

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Corps Friso-Cheruskia

Wappen Zirkel
Coats of arms of None.svg {{{ZirkelAltText}}}
Basisdaten
Hochschulort: Karlsruhe
Hochschule/n: Karlsruher Institut für Technologie
Gründung: 14. Dezember 1860
Korporationsverband: Weinheimer Senioren-Convent
Farbenstatus: farbentragend
Farben:
Fuchsenfarben:
Art des Bundes: Männerbund
Stellung zur Mensur: pflichtschlagend
Website: www.friso-cheruskia.de

Das Corps Friso-Cheruskia ist eine farbentragende Studentenverbindung mit Sitz in Karlsruhe. Als Mitglied des Weinheimer Senioren-Convents (WSC) steht das Corps zur Bestimmungsmensur und vertritt das Toleranzprinzip. Eine Mitgliedschaft ist insbesondere unabhängig von Nationalität, Hautfarbe, Konfession und politischer Meinung. Das Corps Friso-Cheruskia ist eine generationenübergreifende akademische Gemeinschaft (Lebensbundprinzip). Das Demokratieprinzip betont das Bekenntnis zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung in Staat und Gesellschaft. Dies beginnt bei der eigenen Struktur: Alle Entscheidungen und Wahlen werden in demokratischen Gremien durchgeführt bzw. kontrolliert. Von Beginn des 1. Semesters der Mitgliedschaft an nimmt ein Mitglied an diesem demokratischen Prozess teil.

Zum Leitbild des Corps gehören das Einstehen für eine zukunftsorientierte Bildung und Wissenschaft sowie insbesondere Achtung der menschlichen Würde, Freiheit, Verantwortung, Führung, Mut und Leistung neben Freundschaft und Spaß. Auch die Familie der Mitglieder wird als Bestandteil der Corpsfamilie verstanden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Corps Friso-Cheruskia zu Karlsruhe entstand 1950 aus einem Zusammenschluss dreier Verbindungen und ist Mitglied im Weinheimer Senioren-Convent (WSC). Die älteste davon, die Landsmannschaft Teutonia, wurde am 14. Dezember 1860[1] in Zürich gegründet. Beim Umzug im Jahre 1865 nach Karlsruhe wurde sie wegen einer Namensgleichheit in Frisia umbenannt.​ ​​ Die zweite Verbindung, das Corps Cheruskia, ging aus einer Schülerverbindung gleichen Namens hervor, die sich 1870 in Karlsruhe gründete und dann über eine Akademische Verbindung zu einem Corps entwickelte.

Den dritten Part übernahm das Corps Cheruscia zu Danzig, dass am 17. Juli 1925 auf Initiative einiger Alter Herren der schwarzen Verbindung Cheruskia Karlsruhe von drei WSC-Mitgliedern (Radulf Schmidt, Ostfaliae Hannover; Georg Mössmer, Normanniae München; Wolfgang Heckmann, Germaniae München) als WSC-Corps gegründet wurde. Cheruskia Karlsruhe stellte am 28. Juli 1925 ein Aufnahmegesuch beim WSC, und nannte sich fortan Corps Cheruscia zu Danzig. Nach einer sogenannten Renonce-Zeit als nicht Vollmitglied wurde Cheruscia auf der Weinheimtagung am 17. Mai 1926 als vollgültiges Corps in den WSC aufgenommen.

Diese drei Verbindungen schlossen sich 1950 zum Corps Friso-Cheruskia mit den Farben hellblau-weiß-dunkelblau zusammen.[2]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Frisenhaus GmbH ist Badens älteste Gesellschaft mit beschränkter Haftung (Deutschland). Gründungszweck sind der Betrieb und die Erhaltung des Corpshauses in Karlsruhe. Mit ihrer Gründung konnte sich das Corps Frisia erfolgreich vor einer Enteignung im Nationalsozialismus schützen. Das Frisenhaus steht heute unter Denkmalschutz.

1993/94 stellte Friso-Cheruskia mit dem türkischstämmigen Aydin Karaduman den ersten Vorortsprecher des WSC und damit nach Angaben des Corps den ersten Vorsitzenden eines deutschen Korporationsverbandes mit einem nicht-deutschen Pass[3], siehe auch Geschichte der Studentenverbindungen.

Stefan Eberlein und Manuel Fenn drehten Ende der 90er Jahre eine Dokumentation über die Fuchsenzeit und begleiteten die Aktivitas des Corps ein Semester. Der Film wurde 1999 unter dem Titel Keine Schonzeit für Füchse veröffentlicht.[4]

Alljährlich im Frühjahr verleihen das Corps und die Universität Karlsruhe den Hermann-Billing-Preis für herausragende Diplom- oder Doktorarbeiten. Der Preis ist nach dem Karlsruher Corpsstudenten Hermann Billing benannt, der bei Cheruskia aktiv war und später als Professor an der Fridericiana und an der Kunstakademie Karlsruhe lehrte.

Bekannte Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In alphabetischer Reihenfolge

  • Hermann Billing (1867–1946), Architekt, Designer und Hochschullehrer, Mitglied der Cheruskia Karlsruhe
  • Alfred Friedrich Bluntschli (1842–1930), Architekt, Mitglied der Teutonia in Zürich
  • Friedrich Blochmann (1858–1931), Professor für Zoologie, Mitglied der Cheruskia Karlsruhe
  • Hugo Borbeck (1881–1956), Vorstandsmitglied der Vereinigten Deutschen Metallwerke, Mitglied der Cheruskia Karlsruhe
  • Otto Gruber (1883–1957), Professor für Baukonstruktionslehre, Baugefügelehre und Baustofflehre, Rektor der RWTH Aachen, Mitglied der Frisia
  • Ernst Heller (1848–1909), Industrieller, Generaldirektor der Hanomag, Mitglied der Frisia
  • Johann Mathias von Holst (1839–1905), baltisch-deutscher Architekt, Mitglied der Frisia
  • A. J. Georg Howaldt (1870–1937), Schiffbauer und Unternehmer, Mitglied der Frisia
  • Georg Howaldt (1841–1909), Schiffbauer, Mitglied der Landsmannschaft Teutonia in Zürich
  • Wilhelm Keppler (1882–1960), Ingenieur, Manager, 1938–1945 Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Aufsichtsratsvorsitzender der BRABAG, Initiator des Keppler-Kreises, Mitglied der Frisia
  • Reinhold Krohn (1852–1932), Ingenieur, Professor für Brückenbau, Rektor der TH Danzig, Mitglied der Frisia
  • Werner Leins (1912–1994), Leiter des Autobahnamtes Baden-Württemberg, Professor für Straßenwesen, Erd- und Tunnelbau
  • Wilhelm Platz (1866–1929), Schriftsteller
  • Julius Pohlig jun. (1870–1942), Direktor und Aufsichtsratsmitglied der Pohlig AG, Wegbereiter des Seilbahnbaus, Mitglied der Cheruskia Karlsruhe
  • Ernst Schiele (1865–1933), Industrieller des Heizungs- und Lüftungsanlagenbaus, Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft, Mitglied der Cheruskia Karlsruhe
  • Rudolf Schmick (1858–1934), Bauingenieur, Wasserkraftpionier, Mitglied der Cheruskia Karlsruhe
  • Otto Stromeyer (1881–1943), Tabakfabrikant, Zeitungsverleger, Aufsichtsratsvorsitzender der Bayerischen Flugzeugwerke AG und der Süddeutschen Terrain AG, Mitglied der Frisia

Verhältniscorps[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Corps Hubertia Freiburg im KSCV, Traditionsverhältnis seit 1920
  • Corps Bavaria Stuttgart, Freundschaftsverhältnis seit dem 21. Januar 2017 (davor Vorstellungsverhältnis seit 2013)

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Schüler: Weinheimer S.C.-Chronik, Darmstadt 1927
  • Michael Doeberl (Hg.): Das akademische Deutschland, Band 2: Die deutschen Hochschulen und ihre akademischen Bürger, Berlin 1931, S. 717, 882.
  • K. Geisinger: Chronik des Corps Friso-Cheruskia: Chronik des Corps "Frisia" Karlsruhe (ehemals Teutonia, Zürich), Karlsruhe 1974.
  • H. Schüler, Enno Hüchting: Chronik des Corps Friso-Cheruskia: Chronik des Corps Frisia, 1860-1900, Hamburg 1974.
  • K. Geisinger: Chronik des Corps Friso-Cheruskia: Chronik des Corps Cheruskia Karlsruhe, Karlsruhe, ca. 1981.
  • Paulgerhard Gladen: Geschichte der studentischen Korporationsverbände, Band 1, S. 49–63, Würzburg 1981.
  • Paulgerhard Gladen: Die Kösener und Weinheimer Corps. Ihre Darstellung in Einzelchroniken. WJK-Verlag, Hilden 2007. ISBN=978-3-933892-24-9, S. 209–211, 226-227.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. E. H. Eberhard: Handbuch des studentischen Verbindungswesens. Leipzig, 1924/25, S. 141.
  2. Geschichte des Corps Friso-Cheruskia.
  3. Badische Neueste Nachrichten (BNN) 28.Juni 1993, Nr. 145, S.4:
  4. Füchse. In: www.filmbuero-sued.de. Abgerufen am 4. April 2016.

Koordinaten: 49° 0′ 42,59″ N, 8° 25′ 23,77″ O