Corps Rhenania Freiburg

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Corps Rhenania Freiburg

Wappen Zirkel
Coats of arms of None.svg
Basisdaten
Hochschule/n: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Gründungsort: Freiburg i. Br.
Stiftungsdatum: 21. September 1812
Korporationsverband: KSCV
Farben: Dunkelblau-Weiß-Rot
Art des Bundes: Männerbund
Stellung zur Mensur: schlagend
Wahlspruch: Concordia fideque Rhenania valebit!
Website: www.rhenania-freiburg.de
Rhenania Freiburg (1912)

Das Corps Rhenania Freiburg ist eine pflichtschlagende und farbentragende Studentenverbindung im Kösener Senioren-Convents-Verband (KSCV). Es ist das Corps mit den meisten lebenden Mitgliedern und vereint Studenten und Alumni der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Die Corpsmitglieder werden Freiburger Rhenanen genannt.

Couleur (Farben)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rhenanias altes Wappen (1820)

Rhenania hat die Farben dunkelblau-weiß-rot mit silberner Perkussion. Die rote Studentenmütze wird auf dem Hinterhaupt getragen. Zur Kneipe tragen die Corpsburschen blaue Kneipjacken, die mit weißen Kordeln ziseliert sind. Das Fuchsband ist weiß-rot.

Der Wahlspruch ist Concordia fideque Rhenania valebit![1] Der Wappenspruch ist Brudertreue trennt nur der Tod. Der Zirkelspruch lautet Circulus fratrum Rhenaniae vivat![2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altes Corpshaus der Rhenania (1892)
Neues Corpshaus (48° 0′ 5,2″ N, 7° 50′ 47″ O)

Das Corps Rhenania wurde am 21. September 1812[3] von den Studenten der Medizin Karl Joseph Beck aus Gengenbach und Karl Friedrich Brodhag aus Kandern gestiftet. Sie ist damit die älteste existierende Verbindung der Universität Freiburg.[4] Nach der durch die Befreiungskriege erzwungenen Suspendierung stiftete Karl Joseph Leo das Corps Rhenania Freiburg am 3. Mai 1815 erneut. Im Juni 1815 gründeten Rhenania und Suevia den Freiburger Senioren-Convent (SC), die älteste Vereinigung studentischer Korporationen in Freiburg.[5] Trotz der Repression infolge der Karlsbader Beschlüsse von 1819 entwickelte sich Rhenania schnell zu einer wichtigen studentischen Gruppierung an der Albert-Ludwigs-Universität.

Aufgrund Mitgliedermangels musste das Corps am 13. August 1843 suspendieren, konnte aber von Alfred Courtin am 22. November 1850 rekonstituiert werden.[6] Rhenania und Suevia bildeten 1850 wieder einen gemeinsamen SC. Seit 1856 gehört Rhenania über den Freiburger SC dem Kösener Senioren-Convents-Verband (KSCV) an.[7]

Seit dem Jahre 1888 wird eine bis heute regelmäßig halbjährlich erscheinende Corpszeitung herausgegeben. Seit 1923 erscheint sie unter dem Namen „Der Bote vom Oberrhein“. In den über 120 Jahren ihres Bestehens ist diese Zeitung von nur fünf Corpsbrüdern herausgegeben worden.

Wegen des Duells Vering–Salomon wurde Rhenania im Februar 1890 vom Senat der Universität suspendiert; zwei Monate firmierte sie unter dem Namen Helvetia (grün-rot-gold). 1889 wurde ein Alte Herren-Komitee gegründet, 1906 der Verein „Alter Freiburger Rhenanen“, der die Interessen der Altherrenschaft gegenüber den Aktiven und Inaktiven des Corps vertritt, größere, gemeinsame Veranstaltungen (Stiftungsfest, Rekonstitutionsfest) organisiert und die Aktiven des Corps finanziell unterstützt.

Im Jahre 1892 wurde mit Unterstützung der Alten Herren das erste Corpshaus der Freiburger Rhenanen gebaut.[8] Sehr bald stellte sich jedoch heraus, dass es für den aufwändigen Corpsbetrieb nicht groß genug war. 1912/1913 wurde daher das alte Corpshaus abgerissen und an derselben Stelle nach Plänen des Berliner Architekten Bruno Möhring ein größeres und schöneres Haus im Jugendstil errichtet. Carl Vering hatte es ermöglicht. Glasfenster für das neue Haus schuf 1913 Rudolf Linnemann aus Frankfurt (Unterlagen hierzu im Linnemann-Archiv).

Mit Beginn des Ersten Weltkriegs musste das Corps erneut schließen. Das Corpshaus wurde aufgrund der Frontnähe vom Deutschen Heer (Deutsches Kaiserreich) als Lazarett genutzt. 296 Rhenanen zogen in diesen Krieg, 56 davon kehrten nicht zurück. Kurz nach Kriegsende 1918 rekonstituierte Walter Roth das Corps.

Im Jahre 1931 erwarb die Altherrenschaft in Altglashütten eine Skihütte (47° 51′ 14,2″ N, 8° 6′ 47,6″ O). Um diese angemessen zu verwalten, wurde gleichzeitig der Verein Freiburger Rhenanenhütte e. V. gegründet.[9] Die Zeit der Weimarer Republik war für das Corps Rhenania eine sehr erfolgreiche Zeit. Die Mitgliederzahlen wuchsen stetig. Diese Entwicklung endete mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933.

Das Corps im Nationalsozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Politik der NSDAP führte zur „Gleichschaltung“ sprich zum Auflösen aller gesellschaftlichen Gruppen, die sie nicht ausreichend kontrollieren konnten. Am 28. September 1935 beschloss der Kösener Verband (KSCV) seine Selbstauflösung. Rhenania folgte dem und stellte am 12. Oktober 1935 den Aktivenbetrieb offiziell ein, hielt ihn aber faktisch bis in den Zweiten Weltkrieg hinein in vollem Umfang aufrecht und stellte noch im Wintersemester 1936/37 auf neun Mensurtagen rund 50 Partien, darunter rund 20 auf italienische Säbel, der Commentwaffe des NSDStB. Ende 1938 nahm sie die äußeren Formen einer Kameradschaft an, die den Namen Admiral Scheer erhielt. Der Corpsbetrieb wurde dennoch in der bisherigen Form weitergeführt. Bestimmungsmensuren fanden bis Anfang 1944 statt.[10]

Am 27. November 1944 wurde Freiburg im Breisgau durch einen Luftangriff britischer Bomber (Operation Tigerfish) stark zerstört. Das Corpshaus brannte vollkommen aus. Die gesamte Einrichtung und das Corpsarchiv gingen infolgedessen verloren. Über 80 Corpsmitglieder kamen im Verlauf des Zweiten Weltkrieges ums Leben.

Rekonstitution und Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Französische Militärregierung verbot zunächst sämtliche studentischen Organisationen und Studentenverbindungen.[11] Zudem waren viele Corpsbrüder nach dem Ende des Krieges damit beschäftigt, ihre Existenz neu zu organisieren. Trotzdem rekonstituierte sich Rhenania bereits am 20. Mai 1950 auf der Rhenanenhütte in Altglashütten unter Führung von Dieter Wengler wieder.[12] Auch ein neues Corpshaus konnte aufgrund großzügiger Spenden einzelner Corpsbrüder errichtet werden. Am 1. Februar 1957 bezogen die Aktiven das dritte Corpshaus an Stelle des zerbombten Hauses in der Albertstraße 32 (48° 0′ 5,2″ N, 7° 50′ 47″ O).

In der Nachkriegszeit in Deutschland florierte das Corps. Erst die studentischen Unruhen der 68er-Bewegung und das daraus resultierende Aufbrechen der gesellschaftlichen Strukturen in der alten Bundesrepublik führten zu erheblichen Problemen in der Mitgliederzahl sowie dem Verhältnis der jüngeren Generation und der Altherrenschaft. Doch auch diese schwierige Phase überstand das Corps unbeschadet.

Nachdem Rhenania schon 1867 und 1905 den Kösener Vorortsprecher gestellt hatte, stellte sie 1992 die gesamte Vorortmannschaft.[13] Unter dem Vorsitz von René Lohs wurde zum ersten Mal nach der deutschen Vereinigung eine offizielle Veranstaltung des KSCV – eine Arbeitstagung – in Bad Kösen durchgeführt.

Im Juni 2012 wurde mit über 400 Teilnehmern das 200. Stiftungsfest begangen.

Auswärtige Beziehungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rhenania zählt zum blauen Kreis und bildet mit Teutonia Marburg, Rhenania Tübingen und Rheno-Guestphalia das Eiserne Kartell, früher bekannt als „Kohlekartell“.

Kartelle
1852 Corps Guestphalia Bonn
1858 Corps Teutonia Marburg
1908 Corps Rheno-Guestphalia
1954 Corps Rhenania Tübingen
Befreundete Corps
1885 Corps Palaiomarchia Halle (innig befreundet)
1889 Corps Guestfalia Greifswald
1892 Corps Starkenburgia
1921 Corps Onoldia
1950 Corps Palaiomarchia-Masovia Kiel

Bekannte Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grab von Wilhelm Blos auf dem Pragfriedhof Stuttgart

In alphabetischer Reihenfolge

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Geschichte des Corps Rhenania in Freiburg im Breisgau. Eine Festschrift zur Feier des siebenzigjährigen Stiftungsfestes des Corps. Freiburg i. Br. 1885
  • Carl A. Hammann: 160 Jahre Corps Rhenania zu Freiburg. 1812–1972. Freiburg i. Br. 1972
  • Werner Meissner: Corps Rhenania Freiburg im Breisgau. Mitglieder 1815–1903. Freiburg i. Br. 1903

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. dt. Durch Eintracht und Treue wird Rhenania stark sein!
  2. dt. Der Kreis der Brüder der Rhenania soll leben!
  3. Ernst Hans Eberhard: Handbuch des studentischen Verbindungswesens. Leipzig, 1924/25, S. 42.
  4. Martin Dossmann: Freiburgs Schönheit lacht uns wieder … – Die Studentenverbindungen in Freiburg im Breisgau, Hilden 2017, ISBN 978-3-944052-99-1, S. 35.
  5. Martin Dossmann: Freiburgs Schönheit lacht uns wieder … – Die Studentenverbindungen in Freiburg im Breisgau, Hilden 2017, ISBN 978-3-944052-99-1, S. 39.
  6. Martin Dossmann: Freiburgs Schönheit lacht uns wieder … – Die Studentenverbindungen in Freiburg im Breisgau, Hilden 2017, ISBN 978-3-944052-99-1, S. 55 (Fn. 240), 64 (Fn. 280).
  7. Martin Dossmann: Freiburgs Schönheit lacht uns wieder … – Die Studentenverbindungen in Freiburg im Breisgau, Hilden 2017, ISBN 978-3-944052-99-1, S. 65.
  8. Feier des 77-jährigen Stiftungsfestes und der Corpshauseinweihung der Rhenania zu Freiburg. In: Academische Monatshefte 9 (1892/93), S. 106–109
  9. Rhenania-Freiburg-Schwarzwaldhuette
  10. Erich Bauer: Die Kameradschaften im Bereiche des Kösener SC in den Jahren 1937-1945. In: Einst und Jetzt. Jahrbuch des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung 1 (1956), S. 23.
  11. Martin Dossmann: Freiburgs Schönheit lacht uns wieder … – Die Studentenverbindungen in Freiburg im Breisgau, Hilden 2017, ISBN 978-3-944052-99-1, S. 221.
  12. Martin Dossmann: Freiburgs Schönheit lacht uns wieder … – Die Studentenverbindungen in Freiburg im Breisgau, Hilden 2017, ISBN 978-3-944052-99-1, S. 230.
  13. Martin Dossmann: Freiburgs Schönheit lacht uns wieder … – Die Studentenverbindungen in Freiburg im Breisgau, Hilden 2017, ISBN 978-3-944052-99-1, S. 333.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Corps Rhenania Freiburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien