Correctiv

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Correctiv (Eigenschreibung: CORRECTIV oder correctiv.org) ist ein journalistisches Portal und ein Verlag[1] in der Rechtsform einer gemeinnützigen GmbH. Es hat Büros in Essen und Berlin und bezeichnet sich selbst als „das erste gemeinnützige Recherchezentrum im deutschsprachigen Raum.“

Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Correctiv versteht sich als Antwort auf eine Medienkrise, in der Verlage und Zeitungen Etats kürzen müssen, um schwächelnde traditionelle Geschäftsmodelle aufzufangen, wodurch die Wächterfunktion der Medien gefährdet sei. Durch sein Modell will Correctiv investigativen, aufklärenden Journalismus für alle Verlage und Sender in Deutschland erschwinglich und zugänglich machen. Alle Recherchen und Geschichten würden an Zeitungen und Magazine oder auch an Radio- und Fernsehsender weitergereicht. Zudem werden Inhalte auch über das Internet veröffentlicht. Durch die Einsparung von Druck- und Vertriebskosten solle Correctiv in die Lage versetzt werden, aufwändige und investigative Recherchen zu finanzieren, die für andere Medien zu teuer seien.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen wurde im Juni 2014 als gemeinnützige GmbH gegründet. Die Anschubfinanzierung von 3 Millionen Euro wurde für drei Jahre durch die Essener Brost-Stiftung abgesichert.[2]

Von Juni 2015 bis August 2017 war der Markus Grill Chefredakteur von Correctiv.

2017 kündigte Facebook eine Kooperation mit Correctiv an: Bestimmte Beiträge, die von Nutzern als Falschmeldung gemeldet werden und sich stark verbreiten, würden von Correctiv überprüft. Gelangen deren „Factchecker“ zu dem Schluss, dass eine Fake News vorliege, werde der facebook-Beitrag zwar nicht gelöscht, aber mit einem Warnhinweis versehen, dass die Geschichte von unabhängiger Seite angezweifelt werde. Hinzu fügt Correctiv einen Link auf einen eigenen Text, der dem verfälschenden Beitrag die Fakten gegenüberstellt. Weiterhin werde die Sichtbarkeit dieser Beiträge durch technische Parameter in der Datenbank von Facebook ggf. reduziert. Laut Facebook fließt für die Kooperation kein Geld an Correctiv. Die Zusammenarbeit könnte dem kleinen Portal aber helfen, seine Bekanntheit zu steigern.[3]

Für die zweisprachige türkisch-deutsche journalistische Plattform „Özgürüz“ besteht eine Zusammenarbeit mit dem türkischen Journalisten Can Dündar.[4][5]

Leitung und Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

David Schraven leitet das Recherchezentrum Correctiv als Geschäftsführer. Die wirtschaftliche Arbeit wird durch den Aufsichtsrat überwacht, der von Lukas Beckmann (seit 2017), Dagmar Hovestädt (seit 2017) und Andrew Murphy (seit 2015) gebildet wird. Bis 2017 hatten Hedda von Wedel und Gerhard Winter dem Aufsichtsrat angehört. Die Qualität der journalistischen Arbeit wird durch einen Ethikrat unter Vorsitz von Oliver Schröm überwacht. Bis 2016 hatte Bodo Hombach diese Position inne.

Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Getragen wird Correctiv als eine Non-Profit-Organisation durch Mitgliedsbeiträge, private Spenden und Zuwendungen von Stiftungen und ist damit unabhängig von Anzeigen- und Verkaufserlösen. Förderer von Correctiv sind neben der Brost-Stiftung (Initialförderer mit 3Mio € für die ersten 3 Jahre) u.a. die Rudolf Augstein Stiftung, die Bundeszentrale für politische Bildung und Google (2016: 26.884 Euro).[6][7] Alle Geldgeber, die dem Büro mehr als 1000 Euro zukommen lassen, werden namentlich auf der Website ausgewiesen.[8] Nach einem Bericht des Handelsblatts erhielt Correctiv 2017 eine Spende der Open Society Foundations des US-Milliardärs George Soros von über 100.000 €. Gefördert werden soll der Kampf gegen sogenannte Fake News.[9]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2014 wurde das Team von Correctiv in der Kategorie „Newcomer“ als Journalist des Jahres ausgezeichnet. Das Büro probiere „neue Journalismus-Finanzierung“ und habe „eine Debatte über die Gemeinnützigkeit journalistischen Tuns“ entfacht.[10]
  • Für die umfangreiche Webreportage MH17 – Die Suche nach der Wahrheit zu den Hintergründen des Abschusses des Malaysia-Airlines-Flug 17 im Juli 2014 wurde Correctiv mit dem Grimme Online Award der Kategorie Information ausgezeichnet.[11][12] Die Jury würdigte die Reportage „als Beispiel für die zahlreichen Beiträge hoher publizistischer Qualität, die das gemeinnützige Recherchebüro Correctiv auszeichnen, und die es anderen Medien zur Verfügung stellt“.[13]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine im November 2014 von Correctiv veröffentlichte Reportage zum Thema multiresistente Krankenhauskeime wurde in der taz als unpräzise kritisiert, die zentrale Aussage sei nicht belegt worden. Andere große Zeitungen übernahmen die Reportagen und sahen keinen Grund, an den Ergebnissen zu zweifeln.[16] Correctiv antwortete auf die Kritik der taz und korrigierte ihren Bericht in einem Punkt.[17] In der Rückschau zeigte sich David Schraven darüber verärgert, „dass so eine unbedeutende Sache ein Gewicht kriegt, als wäre die ganze Recherche falsch“.[18]

Im Zusammenhang mit Recherchen zur abgestürzten Boeing 777, Malaysia-Airlines-Flug 17, über der umkämpften Ost-Ukraine im Sommer 2014 strengte Correctiv im April 2015 eine Klage gegen das Bundesaußenministerium auf Grundlage des Informationsfreiheitsgesetzes an, um Auskünfte zum Wissenstand des Auswärtigen Amtes zu erhalten.[19] Eine Klageankündigung in Verbindung mit der an Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier gerichteten Frage, warum trotz bekannter Gefahren für Passagierflugzeuge nicht vorab gewarnt worden sei, wurde durch Correctiv in sozialen Medien verbreitet und auch auf die Außenfassade des Auswärtigen Amtes projiziert. Dies veranlasste Kritiker zu der Frage, ob Correctiv nur Journalismus oder nicht auch Aktivismus und Selbstinszenierung betreibe. Volker Lilienthal bewertete, es sei dem Büro dabei „mehr um die Selbstinszenierung von Correctiv als Watchdog“ gegangen „und weniger um die journalistische Botschaft“.[20][18]

Im Frühjahr 2017 veröffentlichte Correctiv den Artikel „EXKLUSIV: Spitzenfrau der AfD in Nordrhein-Westfalen arbeitete als Prostituierte“, der einer AfD-Kandidatin für die unmittelbar bevorstehende Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen 2017 Hobby-Prostitution im Internet unterstellte. Die Autoren David Schraven und Georg Kontekakis begründeten die Veröffentlichung damit, eine solche Tätigkeit stehe im Gegensatz zu dem von der Partei propagierten Frauenbild und mache die Politikerin „erpressbar“. Der Artikel wurde in den sozialen Medien heftig kritisiert, auch zahlreiche Journalisten äußerten sich negativ. Das Landgericht Düsseldorf untersagte Correctiv, den Artikel weiter zu verbreiten. Michael Hanfeld schrieb in der FAZ: „Das von Facebook als Anti-Fake-News-Brigade angeheuerte Journalistenbüro „Correctiv“ befand es kürzlich für nötig, eine AfD-Politikerin bloßzustellen [...] Die Begründung dieses vermeintlichen Scoops, der nichts als Denunziation war, fiel „Correctiv“ ziemlich schwer. Dabei wäre es ganz einfach: Wer gegen ‚Hass‘ und ‚Fake News‘ anzutreten meint, sollte die Maßstäbe, die er an andere anlegt, auch gegen sich selbst und jedermann gelten lassen, auf keinem Auge blind sein und nicht nur in eine Richtung ‚recherchieren‘.“[21][22][23][24]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Verlagsprogramm Correctiv.org
  2. Journalismusprojekt Correct!V: Hoffnung durch Recherche. Zeit Online, 1. Juli 2014
  3. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/facebook-correctiv-soll-fake-news-richtigstellen-a-1130014.html
  4. „Wir sind frei“ – Correctiv bringt deutsch-türkisches Medium „Özgürüz“ online. heise online, 24. Januar 2017, abgerufen am 24. Januar 2017.
  5. Özgürüz Startseite. ozguruz.org, 24. Januar 2017, abgerufen am 24. Januar 2017.
  6. correctiv.org Finanzen und Jahresberichte (abgerufen am 4. Mai 2017)
  7. Correctiv soll Fake News auf Facebook richtigstellen. In: rbb. 17. Januar 2017, abgerufen am 4. Mai 2017.
  8. Jahresberichte auf correctiv.org
  9. Correctiv: Soros spendet für Kampf gegen Fake-News. (handelsblatt.com [abgerufen am 10. April 2017]).
  10. Begründung der Jury vom 19. Dezember 2014, abgerufen am 19. Juni 2015
  11. Grimme Online Award 2015. Ausgezeichnete Infos und Unterhaltung (Memento vom 19. Juni 2015 im Internet Archive). tagesschau.de, 19. Juni 2015.
  12. Grimme Online Award: „Tagesspiegel“-Chef für Newsletter ausgezeichnet. In: Der Tagesspiegel, 18. Juni 2015.
  13. Grimme Online Award 2015 - Preisträger.
  14. Reporterpreis 2016 - Das sind die Preisträger In: Spiegel Online, 6. Dezember 2016,
  15. Das sind die Journalisten des Jahres 2016 – Medium Magazin Beta. Abgerufen am 5. März 2017.
  16. Das Correctiv korrigiert sich. In: Die Tageszeitung, 25. November 2014.
  17. Kritik der taz - wir antworten. Correctiv, 25. November 2014.
  18. a b Ein Jahr Recherchebüro "Correctiv". In: Süddeutsche Zeitung, 15. Juli 2015.
  19. Recherchen zu Absturz von MH17. Journalisten verklagen Außenministerium. In: Rheinische Post, 14. April 2015.
  20. Kommunikation oder Pranger? Das Journalistenkollektiv "Correctiv" will Steinmeier zur Auskunft über Flug MH 17 zwingen. In: Der Tagesspiegel, 17. April 2015.
  21. Stefan Winterbauer: Wie das Recherchebüro Correctiv das Sexleben einer AfD-Politikerin enthüllte und sich einen Shitstorm fing, Meedia, 3. Mai 2017.
  22. Stefan Winterbauer: Der angebliche AfD-„Sex-Skandal“ hat für Correctiv ein juristisches Nachspiel – Gericht verbietet Verbreitung des Artikels, Meedia, 11. Mai 2017.
  23. Stefan Winterbauer: „AfD-Sex-Skandal“-Bericht auch innerhalb von Correctiv umstritten – Ethikrat befasst sich mit dem Fall, Meedia, 12. Mai 2017.
  24. Michael Hanfeld: Umgangsformen im Netz: Wer Hass sät, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13. Mai 2017.