Correctiv

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Correctiv (Eigenschreibung: CORRECTIV oder correctiv.org) ist ein journalistisches Portal und ein Verlag[1] in der Rechtsform einer gemeinnützigen GmbH. Es hat Büros in Essen und Berlin und bezeichnet sich selbst als „das erste gemeinnützige Recherchezentrum im deutschsprachigen Raum.“

Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst.

Correctiv versteht sich als Antwort auf eine Medienkrise, in der Verlage und Zeitungen Etats kürzen müssen, um schwächelnde traditionelle Geschäftsmodelle aufzufangen, wodurch die Wächterfunktion der Medien gefährdet sei. Durch sein Modell will Correctiv investigativen, aufklärenden Journalismus für alle Verlage und Sender in Deutschland erschwinglich und zugänglich machen. Alle Recherchen und Geschichten würden an Zeitungen und Magazine oder auch an Radio- und Fernsehsender weitergereicht. Zudem werden Inhalte auch über das Internet veröffentlicht. Durch die Einsparung von Druck- und Vertriebskosten solle Correctiv in die Lage versetzt werden, aufwändige und investigative Recherchen zu finanzieren, die für andere Medien zu teuer seien.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen wurde im Juni 2014 als gemeinnützige GmbH gegründet. Die Anschubfinanzierung von 3 Millionen Euro wurde für drei Jahre durch die Essener Brost-Stiftung abgesichert.[2]

2017 kündigte Facebook eine Kooperation mit Correctiv an: Bestimmte Beiträge, die von Nutzern als Falschmeldung gemeldet werden und sich stark verbreiten, würden von Correctiv überprüft. Gelangen deren "Factchecker" zu dem Schluss, dass eine Fake News vorliege, werde der facebook-Beitrag zwar nicht gelöscht, aber mit einem Warnhinweis versehen, dass die Geschichte von unabhängiger Seite angezweifelt werde. Hinzu fügt Correctiv einen Link auf einen eigenen Text, der dem verfälschenden Beitrag die Fakten gegenüberstellt. Weiterhin werde die Sichtbarkeit dieser Beiträge durch technische Parameter in der Datenbank von Facebook ggf. reduziert. Laut Facebook fließt für die Kooperation kein Geld an Correctiv. Die Zusammenarbeit könnte dem kleinen Portal aber helfen, seine Bekanntheit zu steigern.[3]

Für die zweisprachige türkisch-deutsche journalistische Plattform "Özgürüz" besteht eine Zusammenarbeit mit den türkischen Journalisten Can Dündar und Hayko Bağdat.[4][5]

Leitung und Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

David Schraven leitet das Recherchebüro Correctiv als inhaltlicher Geschäftsführer, als Chefredakteur fungiert Markus Grill. Die wirtschaftliche Arbeit wird durch den Aufsichtsrat überwacht, der von Gerhard A. Winter (zugleich Vorsitzender des Kuratoriums der Brost-Stiftung), Hedda von Wedel und Andrew Murphy (Vorstand der Murphy&Spitz Vermögensverwaltung) gebildet wird. Die Qualität der journalistischen Arbeit wird durch einen Ethikrat unter Vorsitz von Oliver Schröm überwacht. Bis 2016 hatte Bodo Hombach diese Position inne.

Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Getragen wird Correctiv als eine Non-Profit-Organisation durch Mitgliedsbeiträge, private Spenden und Zuwendungen von Stiftungen und ist damit unabhängig von Anzeigen- und Verkaufserlösen. Förderer von Correctiv sind neben der Brost-Stiftung (Initialförderer mit 3Mio € für die ersten 3 Jahre) auch die Rudolf Augstein Stiftung, die Bundeszentrale für politische Bildung, die Schöpflin-Stiftung und Google[6]. Alle Geldgeber, die dem Büro mehr als 1000 Euro zukommen lassen, werden namentlich auf der Website ausgewiesen[7].

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2014 wurde das Team von Correctiv in der Kategorie „Newcomer“ als Journalist des Jahres ausgezeichnet. Das Büro probiere „neue Journalismus-Finanzierung“ und habe „eine Debatte über die Gemeinnützigkeit journalistischen Tuns“ entfacht.[8]
  • Für die umfangreiche Webreportage MH17 – Die Suche nach der Wahrheit zu den Hintergründen des Abschusses des Malaysia-Airlines-Flug 17 im Juli 2014 wurde Correctiv mit dem Grimme Online Award der Kategorie Information ausgezeichnet.[9][10] Die Jury würdigte die Reportage „als Beispiel für die zahlreichen Beiträge hoher publizistischer Qualität, die das gemeinnützige Recherchebüro Correctiv auszeichnen, und die es anderen Medien zur Verfügung stellt“.[11]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zusammenhang mit den MH17-Recherchen strengte Correctiv eine Klage gegen das Bundesaußenministerium auf Grundlage des Informationsfreiheitsgesetzes an, um Auskünfte zum Wissenstand des Auswärtigen Amtes zu erhalten.[14] Eine Klageankündigung in Verbindung mit der an Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier gerichteten Frage, warum trotz bekannter Gefahren für Passagierflugzeuge, nicht vorab gewarnt worden sei, wurde durch Correctiv in sozialen Medien verbreitet und auch auf die Außenfassade des Auswärtigen Amtes projiziert. Dies veranlasste Kritiker zu der Frage, ob Correctiv nur Journalismus oder nicht auch Aktivismus und Selbstinszenierung betreibe. Volker Lilienthal bewertete, es sei dem Büro dabei „mehr um die Selbstinszenierung von Correctiv als Watchdog“ gegangen „und weniger um die journalistische Botschaft“.[15][16]

Eine von Correctiv veröffentlichte Reportage zum Thema multiresistente Krankenhauskeime wurde in der taz als unpräzise kritisiert, die zentrale Aussage sei nicht sauber belegt worden. Andere große Zeitungen übernahmen die Reportagen und sahen keinen Grund, an den Ergebnissen zu zweifeln.[17] Correctiv antwortete auf die Kritik der taz und korrigierte ihren Bericht in einem Punkt.[18] David Schraven zeigte sich verärgert, dass aufgrund einer so „unbedeutende[n] Sache“ so getan werden, „als wäre die ganze Recherche falsch“.[16]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Verlagsprogramm Correctiv.org
  2. Journalismusprojekt Correct!V: Hoffnung durch Recherche. Zeit Online, 1. Juli 2014
  3. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/facebook-correctiv-soll-fake-news-richtigstellen-a-1130014.html
  4. „Wir sind frei“ – Correctiv bringt deutsch-türkisches Medium „Özgürüz“ online. heise online, 24. Januar 2017, abgerufen am 24. Januar 2017.
  5. Özgürüz Startseite. ozguruz.org, 24. Januar 2017, abgerufen am 24. Januar 2017.
  6. Google Digital News Initiative: Liste der geförderten Projekte
  7. Jahresberichte auf correctiv.org
  8. Begründung der Jury vom 19. Dezember 2014, abgerufen am 19. Juni 2015
  9. Grimme Online Award 2015. Ausgezeichnete Infos und Unterhaltung (Memento vom 19. Juni 2015 im Internet Archive). tagesschau.de, 19. Juni 2015.
  10. Grimme Online Award: „Tagesspiegel“-Chef für Newsletter ausgezeichnet. In: Der Tagesspiegel, 18. Juni 2015.
  11. Grimme Online Award 2015 - Preisträger.
  12. Reporterpreis 2016 - Das sind die Preisträger In: Spiegel Online, 6. Dezember 2016,
  13. Das sind die Journalisten des Jahres 2016 – Medium Magazin Beta. Abgerufen am 5. März 2017.
  14. Recherchen zu Absturz von MH17. Journalisten verklagen Außenministerium. In: Rheinische Post, 14. April 2015.
  15. Kommunikation oder Pranger? Das Journalistenkollektiv "Correctiv" will Steinmeier zur Auskunft über Flug MH 17 zwingen. In: Der Tagesspiegel, 17. April 2015.
  16. a b Ein Jahr Recherchebüro "Correctiv". In: Süddeutsche Zeitung, 15. Juli 2015.
  17. Das Correctiv korrigiert sich. In: Die Tageszeitung, November 2014.
  18. Kritik der taz - wir antworten. Correctiv, 25. November 2014.