Corte

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Corte (Begriffsklärung) aufgeführt.
Corte
Wappen von Corte
Corte (Frankreich)
Corte
Region Korsika
Département Haute-Corse
Arrondissement Corte
Kanton Corte
Gemeindeverband Communauté de communes du Centre Corse
Koordinaten 42° 18′ N, 9° 9′ OKoordinaten: 42° 18′ N, 9° 9′ O
Höhe 299–2.626 m
Fläche 149,27 km2
Einwohner 7.355 (1. Januar 2014)
Bevölkerungsdichte 49 Einw./km2
Postleitzahl 20250
INSEE-Code

Corte (korsisch Corti) ist eine Gemeinde und die einzige bedeutende Stadt und Unterpräfektur des gleichnamigen Arrondissements im Inneren der französischen Insel Korsika am Zusammenfluss von Restonica und Tavignano. Sie liegt auf einem Hochplateau auf 436 m Höhe und hat 7355 Einwohner (Stand 1. Januar 2014). Durch den korsischen Staatsmann Pascal Paoli war Corte von 1755 bis 1769 die Hauptstadt der Insel.

Die Kämpfe des Mittelalters sowie die Kriege um die Unabhängigkeit haben ihre Spuren in dieser Hochburg der Geschichte hinterlassen. Heute ist Corte mit seiner malerischen Altstadt ein touristischer Höhepunkt auf der Insel und hat besonders im oberen Teil seinen strengen und ernsten, teilweise sogar feindlichen Charakter erhalten, mit seinen engen, steilen Gässchen zwischen den schiefergedeckten Häusern.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Statue von Jean-Pierre Gaffori auf der Place Gaffori
Ansicht des Ortskerns

Mit seinen Schluchten und Bergen hat Corte schon immer eine bedeutende militärische Rolle gespielt. Im 9. Jahrhundert war der Ort eine wichtige Stadt und wurde von der Republik Genua im 13. Jahrhundert erobert. 1419 eroberte der Lehnsherr Vincentello d'Istria den Ort und errichtete die Zitadelle. Später erhielt die Bank des Hl. Georg (das militärische Finanzinstitut der Genuesen) die Stadt aus den Händen der Lehnsherren von Campo Fregosso.

Während der kurzen französischen Zugehörigkeit schickte 1553 der Marschall von Thermes den Adligen Sampiero Corso in die Stadt; er wurde ihr Befreier, die Bewohner übergaben ihm freiwillig die Schlüssel. Nach der Unterzeichnung des Friedensvertrags von Cateau-Cambresis 1559 fiel Korsika jedoch wieder an Genua zurück.

Im Jahre 1734 bemächtigten sich die Franzosen jedoch wieder der Stadt. Aber 1745 eroberten die Korsen unter Jean-Pierre Gaffori („Schützer der Nation“) die Stadt erneut. 1751 betraut die „Consulta von Orezza“ ihn mit der Exekutivgewalt.

Zwischen 1755 und 1769 war Corte die Hauptstadt des unabhängigen Teils von Korsika unter Pascal Paoli. Dieser „aufgeschlossene Despot“, Freund von Jean-Jacques Rousseau und James Boswell, reorganisierte Korsika als Staat und gab ihm eine demokratische Verfassung. In ihr waren bereits Gewaltenteilung und Volkssouveränität verankert. Gleichzeitig gründete er die erste (und bis heute einzige) Universität Korsikas im Nationalpalast. Genua behielt jedoch die Vormachtstellung an der Küste.

Da sich Paoli weigerte, mit Genua zu verhandeln, wandte sich diese Republik an Frankreich. Unter Choiseul, einem Minister von Ludwig XV., wurde die Insel im Vertrag von Versailles (1768) an Frankreich „verkauft“. Dieser „Verkauf“ veranlasste Paoli und seine Landsleute zu einem neuen Aufstand. Nach der Niederlage in der Schlacht bei Ponte Novu im Mai 1769 zog sich Paoli nach Corte zurück, doch nach vergeblichem Widerstand fiel die Stadt wieder in die Hände der Franzosen.

Die Zitadelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zitadelle von Corte

Die Zitadelle von Corte ist die einzige größere militärische Festung im Landesinnern. Der Felsvorsprung wurde bereits im 9. Jahrhundert befestigt. Allerdings wurde erst 1419 die Burg unter dem korsischen Abenteurer Vincentello d'Istria, Vizekönig von Aragonien, gebaut. Besonders beeindruckend ist das „Adlernest“, die Südspitze des Felssporns. Es ist über eine Treppe aus „Restonica-Marmor“ zu erreichen. Im Innern der Zitadelle gab es ursprünglich kleine Häuser und eine Kapelle. Ludwig XV. und schließlich Ludwig XVI. veränderten diesen Teil und begannen mit dem Bau der Kaserne.

Doch erst unter Louis Philippe erhielt die Festung ihr endgültiges Aussehen. Die Häuser und die Kapelle wurden zerstört und die Bewohner im „Lubiacce“, dem „Gebäude der 100 Bewohner“, untergebracht. Die militärischen Gebäude boten zunächst der Garnison Unterkunft und wurden anschließend zu einem Gefängnis für politische Gefangene umgebaut.

Im Ersten Weltkrieg waren deutsche Kriegsgefangene dort untergebracht, im Zweiten Weltkrieg wurden unter der italienischen Besatzung korsische Patrioten gefangen gehalten.

Ab 1962, nach dem Ende des Algerienkriegs, war dort die Fremdenlegion stationiert. Seit dem Abzug der Legionäre 1983 gehört das Gelände der Stadt Corte.

Die Einrichtungen können besichtigt werden: Vom „Adlernest“ aus hat man einen wunderbaren Blick auf die Umgebung. Heute beherbergt die Zitadelle das Nationalparkbüro, ein Museum über korsische Geschichte sowie Einrichtungen der Universität.

Blick ins Ortszentrum

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt beherbergt die 1980 wieder gegründete, einzige Universität Korsikas, die Universität Pascal Paoli Korsika, und in der Zitadelle befindet sich das korsische Völkerkundemuseum.

Corte hat über Nationalstraßen (N 193 BastiaAjaccio und N 200 nach Aléria) sowie über die Korsische Eisenbahn eine gute Verkehrsanbindung an die Häfen der Insel.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Gemeindegebiet gelten kontrollierte Herkunftsbezeichnungen (AOC) für

  • Brocciu-Käse,
  • Honig (frz. Miel de Corse, korsisch Mele di Corsica)
  • Olivenöl (frz. Huile d’olive de Corse, korsisch Oliu di Corsica)
  • Kastanienmehl (frz. Farine de châtaigne corse, korsisch Farina castagnina corsa)

sowie geschützte geographische Angaben (IGP) für Wein (Ile de Beauté und Méditerranée, jeweils blanc, rosé oder rouge).[1]

Panorama der Stadt Corte, Blick von der Brücke über die Restonica (pont vieux)

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Corte – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. La ville de Corte. In: Annuaire-Mairie.fr. Abgerufen am 17. Juli 2012 (französisch).