Cotton made in Africa

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Cotton made in Africa (CmiA) ist eine Initiative der Aid by Trade Foundation (AbTF)[1] mit Sitz in Hamburg, die durch Handel Hilfe zur Selbsthilfe leistet und so zur Armutsbekämpfung in Subsahara-Afrika beiträgt. Die Initiative erhebt den Anspruch, den Baumwollanbau ökologisch, sozial und ökonomisch nachhaltiger zu gestalten.

Die Stiftung wurde 2005 vom Hamburger Unternehmer und Aufsichtsratsvorsitzenden der Otto Group, Michael Otto, gegründet. Unterstützt und gefördert wird sie von privaten und öffentlichen Partnern, darunter Nichtregierungsorganisationen und Unternehmen, die die CmiA-Baumwolle gegen eine Lizenzgebühr pro Volumen abnehmen.

Die Initiative[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stiftung strebt an, die sozialen, ökonomischen und ökologischen Lebensbedingungen von Baumwollkleinbauern und ihren Familien in Subsahara-Afrika zu verbessern. Dabei sollen nachhaltige und effiziente Anbaumethoden der Baumwolle gemäß einem eigenen Standard gefördert werden. In den Zielländern sollen strategische Partnerschaften, eine Nachfrageallianz und das Zertifikat Cotton made in Africa aufgebaut werden, um afrikanischer Baumwolle im internationalen Handel eine „angemessene Wertschätzung“ zukommen zu lassen und die Nachfrage nach afrikanischer Baumwolle auf den Absatzmärkten zu steigern.[2]

Die Initiative setzt darauf, Marktkräfte zu aktivieren, statt Spendengelder einzusetzen: Eine von CmiA aufgebaute Nachfrageallianz von internationalen Textilunternehmern kauft nachhaltig erzeugte Baumwolle ein und führt eine Lizenzgebühr an die Stiftung dafür ab, mit dem Zertifikat werben zu dürfen. Im Jahr 2012 nahmen auf der einen Seite über 20 Textilunternehmen, zum Beispiel Puma, C&A, Rewe Group, Tchibo, Engelbert Strauss, s.Oliver sowie die Otto Group, und auf der anderen Seite rund 475.000 Kleinbauern aus den Ländern Elfenbeinküste, Mosambik, Malawi, Sambia und Simbabwe an dem Programm teil.[3] 2012 kamen weltweit 20 Millionen Textilien mit dem Label in den Handel.[4]

Mit den Lizenzeinnahmen finanziert die Stiftung neben den anfallenden Verwaltungsgebühren die landwirtschaftliche Schulungen in Subsahara Afrika, in denen die Kleinbauern effiziente und umweltschonende Anbaumethoden nach den CmiA-Verifizierungskriterien erlernen können, um Ernteerträge und damit das verfügbare Einkommen zu verbessern. Darüber hinaus werden betriebswirtschaftliche Schulungen („Farmer Business Schools“) finanziert, die Kleinbauern einfache betriebswirtschaftliche Kenntnisse vermitteln. Gemeinsam mit Unternehmenspartnern, Baumwollgesellschaften und der öffentlichen Hand investiert die Stiftung auch in Projekte, die zum Beispiel die schulische Infrastruktur in den Projektregionen verbessern oder Frauenkooperativen unterstützen.[5]

Das Kuratorium unter dem Vorsitz von Michael Otto ist mit führenden Persönlichkeiten aus Umweltorganisationen, der öffentlichen Hand und der Wirtschaft international besetzt. Ein Beirat der Aid by Trade Foundation aus Vertretern internationaler Textilunternehmen, den afrikanischen Baumwollgesellschaften und staatlichen und privaten Förderorganisationen berät die Initiative mit Expertenwissen.

CmiA-Standard[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die stiftungseigenen Standards setzt Nachhaltigkeitskriterien, deren Umsetzung regelmäßig überprüft wird und deren Umsetzung sie kontinuierlich verbessern müssen.

Die Organisation überprüft, ob die Versprechen, Kleinbauern und ihren Familien in Afrika zu einem besseren Leben zu verhelfen einerseits und den Baumwollanbau umweltverträglicher zu gestalten andererseits, eingehalten wurden. Dazu wurden gemeinsam mit der niederländischen Universität Wageningen, der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers und mit den afrikanischen Baumwollgesellschaften Kriterien entwickelt. Die Kontrolle beginnt bei den Baumwollgesellschaften. Zu Beginn der Zusammenarbeit müssen diese Unternehmen eine Selbstverpflichtung über die Befolgung der CmiA-Kriterien abgeben. Die Selbstauskunft der Baumwollgesellschaften wird mit stichprobenartigen Befragungen der Bauern abgeglichen. Zusätzlich führen externe Fachleute Kontrollbesuche durch.

Vervollständigt werden die Kontrollen durch einen Kriterienkatalog, der zweistufig aufgebaut ist und alle zwei Jahre durch unabhängige Organisation (AfriCert und EcoCert) überprüft wird: Er enthält Ausschlusskriterien, die darüber entscheiden, ob Kleinbauern und Baumwollgesellschaften überhaupt an der Initiative teilnehmen können. Zu diesen Mindestanforderungen gehören etwa der Ausschluss von Sklaverei, Menschenhandel, ausbeuterischer Kinderarbeit (nach ILO Konventionen 138 und 182) oder die Abholzung von Primärwäldern. Weiterhin gilt das Verbot der Nutzung gefährlicher Pestizide und des Einsatzes von genverändertem Saatgut.

Darüber hinaus müssen CmiA-Kleinbauern und Baumwollgesellschaften eine Reihe so genannter Nachhaltigkeitsindikatoren wie Maßnahmen zum Erhalt der Bodenfruchtbarkeit, Fruchtwechsel oder Pflanzenschutzmethoden nach dem Schadschwellenprinzip beachten. Diese Kriterien müssen nicht alle von Anfang an zu 100 % erfüllt werden, aber Kleinbauern und Produzenten müssen Pläne zu Verbesserungen erarbeiten und nachweisen, dass sie diese Richtlinien zunehmend besser erfüllen. Die Einhaltung der Indikatoren wird nach einem Ampelsystem mit "rot", "gelb" oder "grün" bewertet, wobei grün für eine nachhaltige Bewirtschaftung steht.[6]

Hilfe zur Selbsthilfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Schulungen vor Ort können afrikanischen Kleinbauern ressourcenschonende und effiziente Anbaumethoden erlernen. Die Bauern sollen sich durch diese Qualifizierung langfristig aus eigener Kraft aus der Armutsspirale befreien.

Strategische Allianz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erfolgreiche Pilotphase (2005–2008) überzeugte die Bill & Melinda Gates Foundation aus den USA und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, für einen Zeitraum von vier Jahren finanzielle Mittel bereitzustellen, um das Programm im Rahmen der Competitive African Cotton Initiative (COMPACI) ab 2009 auf mehr als eine Viertelmillion Kleinbauern sowie Aktivitäten in sechs verschiedenen afrikanischen Ländern auszuweiten.

Mit der Implementierung wurden die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft, KfW-Bankengruppe und die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit beauftragt. Implementierungspartner sind in Afrika tätige private Baumwollunternehmen. Aufgrund der erfolgreichen ersten Projektphase von COMPACI (2009–2012) wird das Programm seit Januar 2013 in einer zweiten Phase fortgesetzt und für weitere drei Jahre durch die Bill and Melinda Gates Foundation, das BMZ, die Aid by Trade Foundation sowie durch die britische Gatsby Foundation gefördert. In jährlichen Stakeholder Workshops diskutiert die Aid by Trade Foundation mit Experten und Partnern aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft über die wichtigsten Themen und Entwicklungen. Sie finden abwechselnd in Europa und in Afrika statt.[7]

Resultate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die steigende Zahl der beteiligten Bauern und die große geographische Reichweite hat sich die Initiative als ein wesentlicher Akteur im Baumwollsektor in Sub Sahara Afrika etabliert. 2013 nahmen ca. 475.000 Kleinbauern an der Initiative teil. Mit Familienangehörigen wurden über 3 Millionen Menschen erreicht. 2015 sind es bereits 650.000 Kleinbauern in 10 Ländern. Inklusive ihrer Familienangehörigen profitieren jetzt über 5,5 Millionen Menschen. Durch die Schulungen der teilnehmenden Kleinbauern in nachhaltigen Anbaumethoden konnten die CmiA-zertifizierten Kleinbauern ihre Ernteergebnisse um durchschnittlich 30 Prozent steigern.

Die CmiA-zertifizierte Baumwolle hat einen erheblich geringeren ökologischen Fußabdruck als konventionell erzeugte Baumwolle. Die letzte Studie zeigte, dass CmiA-Baumwolle pro Kilogramm Baumwollfaser im Vergleich zum globalen Durchschnitt mehr als 2100 Liter Wasser spart und bis zu 40 % weniger Treibhausgase als konventionelle Baumwolle emittiert.[8]

Die Stiftung beteiligt sich auch am Aufbau der schulischen Infrastruktur (Benin, Sambia und Burkina Faso) und Frauenrechte zu stärken (Elfenbeinküste, Sambia). In Benin wurden 5 Schulblöcke gebaut und eingeweiht, Schulgebäude renoviert, Schulgärten zur besseren Nahrungsmittelversorgung der Schüler angelegt, 600 Stipendien bis Ende 2013 vergeben und 20.000 Schuluniformen verteilt. Zusätzlich zu den Investitionen in die Primarschulbildung erlernten in einer Abendschule mehr als 5000 Erwachsene Lesen, Schreiben und Rechnen. Im Rahmen des Projektes zum Empowerment der Baumwollbäuerinnen in dem Land Elfenbeinküste profitierten bereits 12 Clubs mit jeweils 40 Mitgliedern von einer finanziellen Starthilfe zur wirtschaftlichen Unabhängigkeit ermöglichte. Insgesamt wurden 26 Clubs für eine finanzielle Förderung identifiziert, wodurch einschließlich der Familienangehörigen durch das Projekt bis zu 5.600 Menschen erreicht werden (Stand: November 2013).[9][10]

Vermarktung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Baumwolle wird zu durchschnittlichen Marktpreisen gehandelt. Für die Nutzung der Rechte am Cotton-made-in-Africa-Zertifikat wird bei den Vertriebspartnern eine Lizenzgebühr für die Baumwolle erhoben, die in den afrikanischen Projektgebieten reinvestiert wird.[11]

CmiA ist als Qualitätsmerkmal konzipiert und wird von Markenanbietern als „Zusatzqualität“ zum jeweiligen Produkt verwendet und beworben.[12][13][14]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.cottonmadeinafrica.org/de/ueber-uns/die-stiftung
  2. Projektziele (Memento des Originals vom 13. April 2012 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.cotton-made-in-africa.com: Quelle: CimA
  3. CmiA-Projektländer@1@2Vorlage:Toter Link/www.cotton-made-in-africa.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. Quelle: CmiA
  4. CmiA Fakten (Memento des Originals vom 3. Dezember 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.cotton-made-in-africa.com (PDF; 318 kB) Quelle: CmiA
  5. Aufgabenfelder von Cotton made in Africa (Memento des Originals vom 5. Februar 2011 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.cotton-made-in-africa.com Quelle: CmiA
  6. Kriterien des Cotton made in Africa Standards@1@2Vorlage:Toter Link/www.cotton-made-in-africa.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. Quelle: CmiA
  7. Cotton made in Africa & Compaci Stakeholder Conference 2013 auf ftt-online.net
  8. Studie: Life Cycle Assessment of Cotton made in Africa (CmiA) (PDF, 3,0 MB)
  9. Grundstein für Erfolgsmessung von Cotton made in Africa gelegt UmweltDialog, 5. September 2011.
  10. Cotton made in Africa: Von der Nische zum Massenmarkt (Memento des Originals vom 3. Dezember 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.cotton-made-in-africa.com (PDF; 903 kB) Weltwirtschaft und Entwicklung, Oktober 2013.
  11. textile Kette (Memento des Originals vom 26. April 2009 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.cotton-made-in-africa.com: Quelle: CimA
  12. Cotton made in Africa auf Oeko-fair.de
  13. „Cotton made in Africa“ auf Umwelthauptstadt.de
  14. „Cotton made in Africa“ in der Brigitte.de