Crazy Horse Memorial

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Crazy Horse Memorial
Crazy Horse Memorial (Stand: 2014).
Crazy Horse Memorial (Stand: 2014).
Crazy Horse Memorial (USA)
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Koordinaten: 43° 50′ 12″ N, 103° 37′ 27″ W
Lage: South Dakota, Vereinigte Staaten
Nächste Stadt: Custer
Gründung: 3. Juni 1948[1]
Besucher: rund 1 Million[2] (jährlich)
Im Vordergrund das Modell und im Hintergrund die momentane Umsetzung.
Im Vordergrund das Modell und im Hintergrund die momentane Umsetzung.
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Das Crazy Horse Memorial ist eine im Bau befindliche monumentale Skulptur zu Ehren des Oglala-Lakota-Indianers Crazy Horse, die ähnlich wie das Mount Rushmore National Memorial in einen Berg gehauen wird, jedoch um ein Vielfaches größer. Es ist etwa 14 km südwestlich vom Mount Rushmore in den Black Hills, South Dakota, gelegen. Das Crazy Horse Memorial wird nicht mit staatlichen Geldern finanziert, sondern durch die gemeinnützige Crazy Horse Memorial Foundation, die ein Indianermuseum in der Nähe des Monuments betreibt. Der Bildhauer Korczak Ziolkowski, der auch schon am Mount Rushmore National Memorial mitgearbeitet hatte, wurde 1939 vom damaligen Häuptling der Sioux Henry Standing Bear eingeladen, ein Indianer-Denkmal zu gestalten. Mit dem Bau wurde dann 1948 begonnen, wohl 10 Millionen Tonnen Granit wurden seitdem aus der Felswand gesprengt. Trotzdem ist bisher seit 1998 nur das Gesicht fertiggestellt. Ein Termin zur Fertigstellung ist bisher nicht absehbar, es werden aber rund weitere 100 Jahre veranschlagt. Ziolkowski starb 1982, seine Arbeit wird durch seine Frau Ruth (sie starb im Mai 2014) und sieben seiner zehn Kinder fortgesetzt.

Viele Indianer stehen dem Projekt kritisch gegenüber. Sie beklagen die Entweihung ihrer heiligen Black Hills und weisen darauf hin, dass Crazy Horse sich nie fotografieren ließ, weil er nicht abgebildet werden wollte.

In fertiger Form wird die Skulptur Crazy Horse auf einem Pferd sitzend und mit ausgestrecktem Arm nach Osten weisend zeigen. Alle Präsidentenköpfe am Mount Rushmore zusammen sind in etwa so groß wie der Pferdekopf. Nach Fertigstellung der Skulptur soll diese 195 m lang und 172 m hoch sein.

Crazy Horse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Crazy Horse

Crazy Horse war ein Anführer der Oglala-Indianer. Er hob seine Waffe gegen die US-Regierung, da es zuvor zu Übergriffen auf dem Territorium sowie dessen Stammesmitglieder der Lakota kam. Seine bekanntesten Kämpfe gegen das US-Militär war die Schlacht der Hundert Erschlagenen am 21. Dezember 1866 und die Schlacht am Little Bighorn von 25. bis 26. Juni 1876. Am 8. Mai 1877 ergab sich Crazy Horse der Armee unter General George Crook in Fort Robinson in Nebraska. Er hatte eingesehen, dass sein Volk durch Kälte und Hunger geschwächt war und nicht mehr weiterkämpfen konnte. In Fort Robinson wurde er während eines Streits am 5. September 1877 vom Soldaten William Gentiles mit einem Bajonett in die Lunge und in die linke Niere gestochen. In der Nacht starb der Häuptling trotz sofortiger Hilfe durch den Armeearzt Valentine McGillycuddy. Er zählt zu einem der berühmtesten Stammesmitglieder amerikanischer Ureinwohner und wurde vom US Postal Service im Jahre 1982 mit einer 13-Cent-Briefmarke als Teil ihrer Briefmarkenserie Great Americans geehrt.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Oktober 1931 schrieb Luther Standing Bear, Henry älterer Bruder, einen Brief an den Bildhauer John Gutzon de la Mothe Borglum, der zu der Zeit gerade am Mount Rushmore arbeitete. Luther schlug Crazy Horse als das passende Porträtkopf vor, da er ein echter Patriot vom Stamm der Sioux sei. Zudem sei er an der Seite von Washington und Lincoln der einzig würdige Person. Borglum habe darauf nie geantwortet.[4] Danach startete Henry Standing Bear eine Kampagne, dass Borglum – ähnlich wie bei den vier Präsidenten – ein Bildnis von Crazy Horse am Mount Rushmore anfertigen soll.[5] Im Sommer 1935 war Standing Bear über das ins Stocken geratene „Crazy Horse“-Projekt frustriert und schrieb an James H. Cook, ein langjähriger Freund von Red Cloud, folgendes: „Ich bin in einem hoffnungslosen Kampf, weil ich keine Mittel habe, keine Arbeit und keine Unterstützung von Indianern oder Weiße erhalte.“[6]

1939 kam der polnisch-amerikanische Bildhauer Korczak Ziolkowski in den Black Hills, um an den Arbeiten am Mount Rushmore mitzuhelfen. Im selben Jahr erhielt Ziolkowski während der Weltausstellung in New York den ersten Preis für die Carraramarmor-BüstePaderewski, Study of an Immortal“. Henry Standing Bear las die Nachrichten über Ziolkowskis Arbeiten und lud ihn ein.[2] In der Einladung stand: "My fellow chiefs and I would like the white man to know that the red man has great heroes, too."[1] Standing Bear schrieb auch einen Brief an den stellvertretenden Innenminister Oscar L. Chapman und bot 900 Morgen eigenen fruchtbaren Boden als Austausch für den Berg in den Black Hills. Die Regierung reagierte positiv und das United States Forest Service genehmigte die Nutzung des Geländes. Standing Bear lehnte staatliche Mittel ab und verließ sich stattdessen auf einflussreiche Amerikaner, die sich für das Wohl der Indianer interessieren und das Projekt finanziell unterstützen.[7]

Ziolkowski traf sich kurz danach mit den Anführern. Im Frühling 1940 reiste er für drei Wochen nach Pine Ridge in South Dakota und traf sich dort mit Standing Bear. Dort lernte er die Biografie von Crazy Horses kennen, diskutierte über Landbesitz und die Lebensweise der Lakota. Nach der Aussage von Ziolkowski wurde Standing Bear sehr wütend, wenn er von der Missachtung des Vertrags von Fort Laramie sprach. Dabei soll Standing Bear Tränen in den Augen gehabt, seinen Kopf geschüttelt und danach sehr lange geschwiegen haben.[6][1] Im Laufe der nächsten Jahre forschte er weiter und begann mit dem Entwurf. Nach dem Angriff der Japaner auf Pearl Harbor und dem Kriegseintritt der USA legte er das Projekt auf Eis. Er entschloss sich, freiwillig in die US Army einzutreten und nahm später an der Landung der Normandie am Küstenabschnitt Omaha Beach teil. 1947 zog er wieder in die Black Hills zurück und konzentrierte sich wieder auf das Projekt. Am 3. Juni 1948 begannen die Arbeiten am Crazy Horse Memorial. Um die Indianer Nordamerikas zu ehren, schwor Korczak Ziolkowski, dass das Denkmal ein gemeinnütziges Bildungs- und Kulturprojekt, mit ausschließlich durch private Finanzierung und ohne staatliche Mittel, betreiben soll.[8]

Trägerstiftung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Crazy Horse Memorial Foundation ist eine non-profit Organisation, welche keine Bundes- oder Landesförderung erhält. Das Memorial Foundation erwirtschaftet seine Einnahmen aus dem Souvenirläden und dem Verkauf an Eintrittskarten. Die Stiftung fördert kulturelle Veranstaltungen und Bildungsprogramme für amerikanische Ureinwohner.[9]

Das fertiggestellte Gesicht von Crazy Horse

Nachdem Ziolkowski 1982 starb, übernahm seine Witwe Ruth Ziolkowski, bis zu ihrem Tod im Jahr 2014, die Arbeit. Ruth Ziolkowski beschloss, dass sie sich erst auf das Gesicht von Crazy Horse konzentriert, statt des Pferdes, wie ihr Mann es ursprünglich geplant hatte. Sie erhoffte sich dadurch eine höhere Attraktivität für Touristen und höhere Spendengelder.[9]

Im Jahr 1998 wurde das Gesicht von Crazy Horse fertiggestellt und eingeweiht.[9] Ruths Tochter Monique Ziolkowski, selbst Bildhauerin, modifizierte einige Pläne ihres Vaters, um sicherzustellen, dass das Gewicht der ausgestreckten Arm ausreichend unterstützt wird. 2009 beauftragte die Stiftung dazu zwei Ingenieurbüros, um das Projekt sicherzustellen.[10] Nach zwei Jahren sorgfältiger Planung und Messungen wurden die Arbeiten am Pferd begonnen. Die Arbeiten werden von sieben ihrer zehn Kinder fortgesetzt.[9]

Veranstaltungen und Fundraising[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit einigen Jahren veranstaltet die Stiftung im Sommer und im Herbst einen Volksmarsch. Das Crazy Horse Volksmarch ist laut Angaben des Veranstalters mit bis zu 15.000 Wanderern die populärste organisierte Wanderung in den Vereinigten Staaten.[11]

Ein Großteil der Baumaschinen werden von Unternehmen gespendet. Die Arbeit an dem Denkmal wird in erster Linie durch Einnahmen von Eintrittskarten finanziert, mit mehr als einer Million Menschen jährlich. Das Besucherzentrum enthält viele Gesteinsbrocken aus dem gesprengten Berg. Besucher können diese Gesteine als Souvenir erwerben.

Die Stiftung begann ihre erste nationale Spendenaktion im Oktober 2006. Ziel war es, bis zum Jahr 2011 16,5 Million US-Dollar Spendengelder einzunehmen. Das erste geplante Projekt war ein Schlafsaal im Wert von 1,4 Millionen US-Dollar. Darin sollen bis zu 40 indianische Studenten untergebracht werden, die als Praktikanten an der Gedenkstätte arbeiten.[12]

Kontroversen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die fragwürdige Fotografie von 1877

Es wird viel darüber diskutiert, ob das eine Foto, das Crazy Horse zeigen soll, wirklich ihn abbildet. Dr. Valentine McGillycuddy erklärte, dass Crazy Horse nicht auf dem Foto zu sehen sei und er bezweifelte, dass es überhaupt ein Foto von ihm gibt. Crazy Horse wollte nicht fotografiert werden. Möglicherweise handelt es sich bei der Person auf dem Foto um den Bruder von Crazy Horse, von dem bekannt war, dass er ihm sehr ähnelte und der sich auch hatte fotografieren lassen. Viele fragen sich daher, ob Ziolkowski überhaupt wisse, wie Crazy Horse tatsächlich aussah. Zeitgenossen wie John Gregory Bourke, die Crazy Horse persönlich getroffen hatten, berichteten auch von einer sehr großen Narbe im Gesicht, die er durch den Schuss von No Water im Streit um seine Frau bekommen hatte. Diese Narbe ist weder auf dem Foto noch auf dem Skulptur zu sehen. Ziolkowski stellte das Denkmal als Hommage an Crazy Horse und amerikanische Ureinwohner dar. Crazy Horse soll gesagt haben: „My lands are where my dead lie buried“. Der ausgestreckte Arm soll diese Aussage symbolisieren.[13]

Viele Indianer stehen dem Projekt kritisch gegenüber. Der Lakota-Medizinmann John Lame Deer bemerkte in seiner 1972 veröffentlichen Autobiografie, dass die Idee, "einen schönen wilden Berg zu seiner Statue zu verwandeln", eine Verschmutzung der Landschaft sei und dem Geist des Crazy Horse widerspreche.[14] In einem Interview im Jahr 2001 sagte der Aktivist und Schauspieler Russell Means: „Stell dir vor, du reist ins heilige Land Israel, unabhängig davon, ob du ein Christ oder Jude oder Muslim bist, und beginnst damit, den Berg Zion zu zerstückeln. Es ist eine Beleidigung für uns alle.“[15] Das Problem, so Elaine Quive – ein Nachkomme von Crazy Horse – in einem Interview im Jahr 2003, sei, dass Henry Standing Bear von vornherein kein Recht habe, Ziolkowski für eine Felsenbaukunst zu ersuchen. Laut der Lakota-Kultur muss bei großen Projekten von allen Familienmitgliedern ein gemeinsamer Konsens herrschen. Quive fügte hinzu, dass niemand vor der ersten Sprengung im Jahr 1948 die Mühe gemacht habe, die Nachkommen von Crazy Horse zu befragen, ob sie dem Projekt wohlwollend gegenüberstehen.[16] Bis heute ist das Denkmal immer noch ein kontroverses Thema unter der indianischen Bevölkerung.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Crazy Horse Memorial – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Executive Proclamation. State of South Dakota. Office of the Governor. Crazy Horse Memorial, archiviert vom Original am 13. April 2015, abgerufen am 10. Dezember 2015 (englisch).
  2. a b Crazy Horse Memorial Quick Facts. Crazy Horse Memorial, abgerufen am 10. Dezember 2015 (englisch).
  3. Great Americans Issue (1980–1999): 13-cent Crazy Horse. Smithsonian National Postal Museum, abgerufen am 10. Dezember 2015 (englisch).
  4.  Joseph Agonito: Lakota Portraits: Lives of the Legendary Plains People. 1 Auflage. TwoDot, Guilford 2011, ISBN 9780762772124, S. 251, LCCN 2011-021823.
  5.  John Taliaferro: Great White Fathers: The Story of the Obsessive Quest to Create Mount Rushmore. 1 Auflage. PublicAffairs, New York 2002, ISBN 1891620983, S. 328, LCCN 2002-069681.
  6. a b John Swanson: Henry Standing Bear (Mato Najen), Lakota Sioux Intancan. In: aaanativearts.com. Abgerufen am 10. Dezember 2015 (englisch).
  7.  Mighty Memorial for Crazyhorse In: Nevada State Journal. 23. November 1947, S. 19.
  8. Expressing the sense of the Senate that a commemorative postage stamp should be issued to honor sculptor Korczak Ziolkowski. 106. Kongress der Vereinigten Staaten, 22. September 2000, abgerufen am 10. Dezember 2015 (englisch).
  9. a b c d Brian Unwin: Ruth Ziolkowski obituary. In: The Guardian. 27. Mai 2014, abgerufen am 12. Dezember 2015 (englisch).
  10. Barbara Soderlin: Progress quiets Crazy Horse doubts. In: rapidcityjournal.com. 29. November 2009, abgerufen am 12. Dezember 2015 (englisch).
  11. Volksmarch. Crazy Horse Memorial, abgerufen am 12. Dezember 2015 (englisch).
  12.  The Associated Press: Crazy Horse Memorial fund drive to begin In: The Southeast Missourian. 27. August 2006, S. 12 (Archiv).
  13. Frequently asked questions about Crazy Horse Memorial. Crazy Horse Memorial, archiviert vom Original am 22. Dezember 2008, abgerufen am 12. Dezember 2015 (englisch).
  14.  John Lame Deer und Richard Erdoes: Lame Deer, Seeker of Visions. 1 Auflage. Simon and Schuster, New York 1972, ISBN 0671211978, LCCN 79-190730.
  15. Chris Roberts: Russell Means, in Memoriam. In: The Progressive. 24. Oktober 2012, abgerufen am 12. Dezember 2015 (englisch): „Imagine going to the holy land in Israel, whether you're a Christian or a Jew or a Muslim, and start carving up the mountain of Zion. It's an insult to our entire being.“
  16. Crazy Horse Memorial Generates Mixed Feelings. In: voanews.com. 13. September 2003, abgerufen am 12. Dezember 2015 (englisch).