Credit Valuation Adjustment

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Unter dem Credit Valuation Adjustment (CVA) ist im Bankwesen das Risiko zu verstehen, dass sich der positive Wiederbeschaffungswert für derivative Finanzinstrumente mindert, weil sich die Risikoprämie für die Gegenpartei erhöht hat, ohne dass diese ausfällt.

Allgemeines[Bearbeiten]

Das Gegenparteiausfallrisiko ist spätestens seit der Insolvenz der Herstatt-Bank im Juni 1974 im Bankwesen von Bedeutung. Als am 26. Juni 1974 das Bundesaufsichtsamt (heute: BaFin) die der Herstatt-Bank erteilte Banklizenz nach § 35 Abs. 2 Nr. 4 KWG zurücknahm, ordnete es gleichzeitig die Abwicklung der Gesellschaft an und gab ihr auf, sofort bis auf weiteres ihre Zahlungen einzustellen. Dieses so genannte Aufbringungsmoratorium führte dazu, dass die Herstatt-Bank fällige Zahlungen an Kreditinstitute (Gegenparteien) selbst dann nicht mehr leisten durfte, wenn diese Gegenparteien ihre Gegenleistungen bereits erbracht hatten.

In der Finanzkrise ab 2007 hatte sich deutlich gezeigt, dass Institute das Gegenparteiausfallrisiko bei Derivaten im außerbörslichen Handel (OTC) erheblich unterschätzten. Deshalb wurde auf dem G20-Gipfel im September 2009 für Derivate ein Clearing über eine zentrale Gegenpartei (CCP) gefordert.[1] In einem grundlegenden Werk befasste sich Jon Gregory im August 2012 mit der Thematik des Gegenparteiausfallrisikos („counterparty risk“). Er sieht dieses Risiko seit der Finanzkrise 2007 als das entscheidende Finanzrisiko in Banken an.[2] Beim Gegenparteiausfallrisiko handelt es sich nach Gregory um die Kombination eines Marktrisikos mit einem Kreditrisiko. Das Marktrisiko reflektiere sich im Marktwert, während das Kreditrisiko die Kreditqualität wiedergibt. Demnach scheine eine Gegenpartei mit einer hohen Ausfallwahrscheinlichkeit bei niedrigem Marktwert gegenüber einer solchen mit höherem Marktwert und niedrigerer Ausfallwahrscheinlichkeit. vorzuziehen sein.[3] Die BaFin kommentierte im BaFin Journal 01/2014[4] einige Grundfragen zum CVA.

Inhalt[Bearbeiten]

Die seit Januar 2014 geltende Capital Requirement Regulation (CRR) versteht unter dem CVA „die Anpassung der Bewertung eines Portfolios mit einer Gegenpartei an die Bewertung zum mittleren Marktwert“ (Art. 381 CRR). Diese Anpassung spiegelt den Marktwert des Kreditrisikos der Gegenpartei gegenüber dem bewertenden Institut wieder. Es handelt sich also um Wertanpassungen von Forderungen auf Derivate aufgrund des Gegenparteiausfallrisikos. Dieses Risiko entsteht aufgrund potenzieller Marktwertverluste durch erhöhte Credit Spreads bei der Gegenpartei. Der aktuelle Marktwert kann anhand des Spreads aus einem hypothetischen Credit Default Swap zu Gunsten der Gegenpartei errechnet werden. Der CVA ist solange von Bedeutung, wie die Gegenpartei nicht ausfällt, sondern lediglich deren Bonität schlechter wird. Man spricht von CVA, wenn das Ausfallrisiko der Gegenpartei (bei positiven Marktwerten) zu berücksichtigen ist, und von DVA (Debit Valuation Adjustment), wenn das eigene Bonitätsrisiko (bei negativen Marktwerten) zu berücksichtigen ist. Das DVA spielt beim Gegenparteiausfallrisiko keine Rolle.

Umfang[Bearbeiten]

Der CVA betrifft alle Kontrakte, bei denen die Lieferung des Basiswerts und die Zahlung über zwei Handelstage hinaus verschoben wird. Dazu gehören Termingeschäfte, Swaps, Derivate oder ähnliche Geschäfte. Diese Geschäfte sind in eine bankinterne Kreditlinie einzubuchen, die „pre-settlement limit“ genannt wird, weil die Gegenpartei noch vor dem Erfüllungstag ausfallen kann. Diese Kreditlinie ist das Ergebnis einer positiven Kreditentscheidung, da Kreditinstitute keine Geschäftsverbindung mit einer Gegenpartei eingehen dürfen, ohne sie einer Kreditwürdigkeitsprüfung unterzogen zu haben (Art. 286 Abs. 2a CRR). Bewertet werden die Geschäfte mit dem voraussichtlichen Wiedereindeckungsaufwand zum mittleren Marktwert.

Nicht zum CVA-Risiko gehören Geschäfte mit zentralen Gegenüparteien (Art. 382 Nr. 3 CCR), nicht-finanziellen Gegenparteien (Art. 382 Nr. 4a CRR) und mit Gegenparteien, denen ein Risikogewicht von 0 % beigemessen wird (Art. 382 Nr. 4d CRR).

Bilanzrecht[Bearbeiten]

Der CVA hat auch im Januar 2013 Eingang in das internationale Bilanzrecht gefunden. Nach IFRS 13 handelt es sich um Wertanpassungen im Rahmen des Fair Value bei derivativen Finanzinstrumenten. Dabei sind die Charakteristika des zu bemessenden Vermögenswerts zu berücksichtigen, die ein Marktteilnehmer bei der Bepreisung des Vermögenswerts am Bemessungsstichtag berücksichtigen würde (IFRS 13:11).

Literatur[Bearbeiten]

  • Sven Ludwig/Marcus R. W. Martin/Carsten S. Wehn: "Kontrahentenrisiko : Bewertung, Steuerung, Unterlegung nach Basel III und IFRS" (ISBN 978-3-7910-3176-7)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorbemerkungen Ziffer 81 der CCR
  2. Jon Gregory, Counterparty Credit Risk and Credit Value Adjustment, 2012, o. S.
  3. Jon Gregory, a.a.O., o. S.
  4. BaFin Journal 01/2014 vom Januar 2014, CRD IV, S. 22 f.
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