Crostwitz

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Crostwitz
Crostwitz
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Crostwitz hervorgehoben
Koordinaten: 51° 14′ N, 14° 15′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Bautzen
Verwaltungsverband: Am Klosterwasser
Höhe: 170 m ü. NHN
Fläche: 13,33 km2
Einwohner: 1017 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 76 Einwohner je km2
Postleitzahl: 01920
Vorwahl: 035796
Kfz-Kennzeichen: BZ, BIW, HY, KM
Gemeindeschlüssel: 14 6 25 080
Gemeindegliederung: 6 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Am Hirtenquell 4
01920 Crostwitz
Webpräsenz: www.crostwitz.de
Bürgermeister: Marko Kliemann (CDU)
Lage der Gemeinde Crostwitz im Landkreis Bautzen
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Crostwitz, obersorbisch Audio-Datei / Hörbeispiel Chrósćicy?/i, ist ein Ort und die zugehörige Gemeinde im Zentrum des ostsächsischen Landkreises Bautzen und befindet sich ca. 12 km östlich der Stadt Kamenz. Die Gemeinde zählt zur Oberlausitz und ist Mitglied im Verwaltungsverband Am Klosterwasser. Crostwitz ist eines der Zentren des sorbischen Siedlungsgebietes in Sachsen.

Der Ortsname ist – wie bei Crostau – vom altslawischen Wort chróst für „Gebüsch“ abgeleitet (vgl. obersorbisch chrósćina = Gestrüpp, Buschwerk).[2]

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort Crostwitz liegt zwischen 160 und 180 m ü. NN an beiden Seiten des Baches Satkula, der etwas nördlich des Ortes in das Klosterwasser mündet. Gemeinsam mit Panschwitz-Kuckau zählt die Gemeinde zum sogenannten „Oberland“ (sorb. Horjany) der ehemaligen Klosterpflege St. Marienstern. Im östlichen Teil der Siedlung, südlich und westlich umflossen vom Bach, befindet sich der Kirchberg mit der Katholischen Kirche, dem Crostwitzer Friedhof, der Schule und einigen älteren Wohn-, teils Fachwerkhäusern. Der größere Teil des Ortes erstreckt sich jedoch auf der Westseite der Satkula in Richtung Panschwitz-Kuckau. Die nächste höhere Erhebung ist der Galgenberg am nordöstlichen Ortsausgang in Richtung Jeßnitz (216 m).

Ortsgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Gemeinde gehören folgende Ortsteile:

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Crostwitz auf einem Meßtischblatt, Sekt. Kloster Marienstern, 1884

In der Nähe des Ortsteils Kopschin befinden sich die Reste einer alten slawischen Burgwallanlage, die sogenannte Kopschiner Schanze.

Der Ort wurde bereits 1225 als Herrensitz des Henricus de Crostiz urkundlich erwähnt. Die Pfarrkirche von Crostwitz hatte seit dem 13. Jahrhundert eine große Bedeutung für die Region zwischen Panschwitz, Storcha und Rosenthal. Die meisten anderen Kirchen in dieser Gegend wurden erst später errichtet.

Die Planungen für die Sächsische Nordostbahn sahen eine Streckenführung von Bautzen über Crostwitz in Richtung Kamenz vor. Mit dem ausbrechenden Ersten Weltkrieg und nicht zuletzt auch aufgrund heftiger Widerstände in der Bevölkerung wurde der Bau jedoch abgebrochen und nicht wieder aufgenommen.

Im Rahmen der nationalsozialistischen Volkszählung 1939 bekannten sich in der ganzen Lausitz insgesamt 595 Menschen zur „wendischen Volkszugehörigkeit“, obwohl dies aufgrund der propagierten Charakterisierung der Sorben als „deutscher Stamm“ ausdrücklich unerwünscht war. Von diesen sogenannten „Bekenntniswenden“, die im Unterschied zu jenen Sorben, die eine deutsche Volkszugehörigkeit angaben, ein politisches Problem für das Regime darstellten, kamen allein 364 aus Crostwitz. Hier hatte Pfarrer Jan Wjenka im Vorfeld dazu aufgerufen, sich ungeachtet der staatlichen Nationalitätenpolitik zum Sorbentum zu bekennen.[4]

Im April 1945, als anderswo der Zweite Weltkrieg bereits vorbei war, fanden in der Region schwere Gefechte zwischen der Heeresgruppe Süd, einigen SS-Verbänden, der 2. Polnischen Armee und der Roten Armee statt. Ein auf einem Hügel errichtetes Mahnmal erinnert an die vielen Opfer. In Crostwitz wurde am 10. Mai 1945 (nur fünf Tage nach Ende der letzten Kampfhandlungen) der Dachverband der sorbischen Vereine, die Domowina, neugegründet.

1957 wurde das benachbarte Caseritz, 1974 Horka und Nucknitz eingemeindet.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mehrheitssprache in Crostwitz ist Sorbisch.

Crostwitz liegt im Südosten des sorbischen Kernsiedlungsgebietes und ist eines von dessen Zentren. Im Jahr 2001 sprachen 85,4 % der Einwohner der Gemeinde Obersorbisch.[5] Die Bevölkerungsmehrheit ist zudem katholischen Glaubens.

Für seine Statistik über die sorbische Bevölkerung in der Oberlausitz hatte Arnošt Muka in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts für den Ort eine Bevölkerungszahl von 538 Einwohnern ermittelt, davon waren 523 Sorben (97 %) und 15 Deutsche.[6] Ernst Tschernik zählte 1956 in der Gemeinde Crostwitz einen sorbischsprachigen Bevölkerungsanteil von nur noch 73,9 %, bedingt v.a. durch den Zuzug von Umsiedlern aus den ehemaligen Ostgebieten.[7]

Laut der Volkszählung von 2011 waren zu diesem Zeitpunkt von 1.058 Einwohnern 984 römisch-katholisch (93 %), 15 evangelisch (1,4 %) und 59 gehörten einer anderen oder keiner Religionsgemeinschaft an (5,6 %).[8] Damit ist Crostwitz jene Gemeinde in Sachsen mit dem höchsten Anteil an Katholiken.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick über Crostwitz nach Westen
Katholische Kirche St. Simon und Juda
Pfarrhof
Typisches Wegkreuz an der Straße nach Siebitz

Überall an den Wegrändern zeugen Kreuze, Betsäulen und sorbische Beschriftungen (an Straßenschildern, Geschäften, Schulen etc.) davon, dass Crostwitz zu den Zentren der lebendigen sorbischen Sprache und Kultur, hier katholisch geprägt, zählt.

Im Ortsteil Nucknitz findet jeden Sommer das sorbische Rockmusikfestival Nukstock statt; in Crostwitz selbst zudem aller zwei Jahre das Internationale Folklorefestival Łužica/Lausitz.

Crostwitz liegt am Radwanderweg „Auf den Spuren des Krabat“.

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevor die Region unter Bischof Benno von Meißen christianisiert wurde, befand sich an der Stelle der jetzigen Kirche ein heidnischer Tempel. Nachdem der katholische Glaube Einzug hielt, wurde dort zu Ehren der heiligen Apostel Simon und Juda Thaddäus eine kleine Holzkirche errichtet.

Die Pfarrkirche „St. Simon und Juda Thaddäus“ (Swj. Symana a Judy Tadeja) wurde in ihrer heutigen Form von 1769 bis 1771 im Barockstil errichtet und am 27. Oktober 1771 durch den aus Crostwitz stammenden Bischof Jakob Wosky von Bärenstamm geweiht.[9]

Sie ist alljährlich der Ausgangspunkt einer Osterreiterprozession. Nachdem die Reiter gemeinsam am Ostergottesdienst teilgenommen haben, reiten sie über Siebitz in die Nachbargemeinde Panschwitz-Kuckau, wo sie von den Ordensschwestern des Klosters St. Marienstern empfangen werden.

Der aktuell leitende Pfarrer ist Clemens Rehor. Zu Fronleichnam 2010 übertrug die ARD die durch ihn gefeierte Messe live.

Auf dem Crostwitzer Kirchhof liegt der sorbische Schriftsteller Jurij Brězan begraben.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die in Crostwitz ansässige Sportgemeinschaft SG Crostwitz 1981 (Sportowa jednotka Chrósćicy) ging aus dem ältesten sorbischen Sportverein, der 1896 gegründeten Serbowka hervor und ist heute der größte Verein der Gemeinde. Ab den 1930er Jahren hatte Crostwitz mit Sokoł Chrósćicy eine eigene Fußballmannschaft. Heute spielt die Männermannschaft in der Landesklasse. Bis 2014 gab es auch eine Frauenmannschaft.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Crostwitzer Gemeinderat besteht aus zwölf Mitgliedern und tagt in sorbischer Sprache. Die Kommunalwahl 2014 ergab folgende Stimm- bzw. Sitzverteilung:

Parteien und Wählergemeinschaften 2014 2009
 % Sitze  % Sitze
Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU) 53,3 7 61,0 7
Freie Wählervereinigung Crostwitz/Prautitz (FWV) 46,7 5 39,0 5
gesamt 100,0 12 100,0 12
Wahlbeteiligung 60,6 % 54,6 %

Eine zum 1. Juli 2011 angestrebte Gemeindefusion mit der Nachbargemeinde Panschwitz-Kuckau scheiterte an Meinungsverschiedenheiten der Gemeinderäte, unter anderem die künftige Tagungssprache betreffend.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sorbische Schule Jurij Chěžka

Die Gemeinde Crostwitz verfügt über die sorbische Grundschule Jurij Chěžka mit 73 Schülern im Schuljahr 2008/09.[10]

Ungeachtet der Proteste seitens sorbischer und kirchlicher Organisationen, der Nachbarländer Tschechien und Polen und des Europarates schloss das Ministerium die Mittelschule Crostwitz zum Schuljahresende 2003.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Cornelius Gurlitt: Crostwitz. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 35. Heft: Amtshauptmannschaft Kamenz (Land). C. C. Meinhold, Dresden 1912, S. 12.

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2015 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Ernst Eichler, Hans Walther: Ortsnamenbuch der Oberlausitz – Studien zur Toponymie der Kreise Bautzen, Bischofswerda, Görlitz, Hoyerswerda, Kamenz, Löbau, Niesky, Senftenberg, Weißwasser und Zittau. I Namenbuch. In: Deutsch-slawische Forschungen zur Namenkunde und Siedlungsgeschichte. Band 28. Akademie-Verlag, Berlin 1975, S. 150.
  3. Stand: 31. Dezember 2016; Angaben von am-klosterwasser.de
  4. Frank Förster: Die „Wendenfrage“ in der deutschen Ostforschung 1933–1945. Schriften des Sorbischen Instituts 43, Domowina-Verlag, Bautzen 2007, S. 103f.
  5. Martin Walde: Demographisch-statistische Betrachtungen im Gemeindeverband „Am Klosterwasser“. In: Lětopis. Band 51, 2004, Heft 1
  6. Ernst Tschernik: Die Entwicklung der sorbischen Bevölkerung. Akademie-Verlag, Berlin 1954, S. 96.
  7. Ludwig Elle: Sprachenpolitik in der Lausitz. Domowina-Verlag, Bautzen 1995, S. 251.
  8. Zensusdatenbank auf zensus2011.de
  9. Internetseite der Gemeinde Crostwitz
  10. Angabe des Schulleiters

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Crostwitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien