Curevac

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
CureVac AG

Logo
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 2000
Sitz Tübingen, DeutschlandDeutschland Deutschland
Leitung
Mitarbeiterzahl > 450[2]
Umsatz 12,6 Mio. Euro (2018)[3]
Branche Biopharmazie, Biotechnologie[4]
Website curevac.com

CureVac in der Paul-Ehrlich-Straße 15 in Tübingen

Die Curevac AG (Eigenschreibweise CureVac) mit Sitz in Tübingen ist ein biopharmazeutisches Unternehmen, das sich auf die Erforschung und die Entwicklung von Arzneimitteln auf der Grundlage des Botenmoleküls messenger RNA (mRNA) spezialisiert hat.

Geschichte

2000 wurde Curevac an der Universität Tübingen aus den Arbeitskreisen von Hans-Georg Rammensee und Günther Jung gegründet.[5] 2003 zog das Unternehmen mit 18 Mitarbeitern ins Biotechnologiezentrum Tübingen.[6] Im selben Jahr wurde zum weltweit ersten Mal ein Krebspatient in Tübingen direkt mit mRNA behandelt.[7] 2006 erhielt Curevac die Genehmigung für die erste GMP-Produktionsstätte.[8] 2013 veranstaltete Curevac erstmals die International mRNA Health Conference in Tübingen, die seither jährlich stattfindet.[9] Gemeinsam mit dem Museum der Universität Tübingen eröffnete Curevac 2015 eine Dauerausstellung im Tübinger Schlosslabor.[10]

Im Mai 2018 wechselte Gründer und Vorstandsvorsitzender Ingmar Hoerr in den Vorsitz des Aufsichtsrats. Daniel L. Menichella, zuvor Chief Business Officer und Chief Executive Officer der US-amerikanischen Tochter, wurde zum neuen Vorstandsvorsitzenden ernannt.[11]

Im Februar 2019 wurde zwischen der internationalen Impfstoffallianz CEPI und Curevac eine Vereinbarung in Höhe von 34 Mio. US-Dollar zur weiteren Entwicklung von Curevacs Vakzinierungsplattform bekanntgegeben. Die Plattform soll eine schnelle Versorgung mit Vakzinen gegen bekannte Erkrankungen wie Lassafieber, Gelbfieber und Tollwut ermöglichen.[12][13] Ende Januar 2020 erhielt Curevac von CEPI eine weitere Förderung in Höhe von bis zu 8,3 Mio. Euro für die beschleunigte Impfstoffentwicklung und -herstellung sowie für klinische Studien gegen das kurz zuvor erstmals aufgetretene Coronavirus SARS-CoV-2.[14] Anfang März 2020 begannen Versuche an Mäusen. Von zunächst sieben Kandidaten wurden zunächst vier und anschließend zwei weiterverfolgt.[15] Die beiden Varianten befinden sich in Produktion und sollen ab Frühsommer klinischen Tests unterzogen werden, um die Variante mit der besten Wirkung zu finden (Stand: 20. März 2020).[16] Im Juni 2020 sollen Versuche am Universitätsklinikum Tübingen beginnen.[17] Anschließend steht ein Zulassungsprozess an.[16] Das Unternehmen arbeite an einer Weiterentwicklung der Produktionskapazität, um ggf. Milliarden von Impfdosen herstellen zu können.[18]

Aufgrund der COVID-19-Pandemie traf sich am 2. März 2020 der damalige Vorstandsvorsitzende Menichella mit US-Präsident Donald Trump.[19] Trump habe sich dabei bemüht, die Rechte an dem Impfstoff exklusiv für die USA zu sichern und wissenschaftliche Mitarbeiter abzuwerben.[20][21] Am 11. März 2020 übernahm Hoerr erneut den Vorstandsvorsitz.[1][22] In einer Stellungnahme wurde am 15. März 2020 bekannt gegeben, dass ein möglicher Coronavirusimpfstoff nicht einer Nation, sondern der ganzen Welt zur Verfügung stehen soll.[23][24] Mehrheitseigner Dietmar Hopp sagte: „Für mich ist das selbstverständlich, es kann gar nicht sein, dass eine deutsche Firma den Impfstoff entwickelt und dieser in den USA exklusiv genutzt wird. Das war für mich keine Option.“ Er ergänzte, dass er persönlich nicht mit Trump gesprochen habe.[25] Am 16. März 2020 wies das Unternehmen die Presseberichte zurück und erklärte, die Firma habe weder vor, noch während, noch nach dem Treffen der Task Force im Weißen Haus am 2. März ein Angebot von der US-Regierung oder verwandten Stellen erhalten.[26][27]

Finanzierung

Curevac wurde von 2006 bis 2014 alleinig von der dievini Hopp BioTech holding, einer Biotech-Venture Capital-Gesellschaft von SAP-Gründer Dietmar Hopp, finanziert, darunter 80 Mio. Euro im September 2012. Das Kapital des Tübinger Unternehmens wuchs durch dieses Investment auf insgesamt 145 Mio. Euro;[28] Hopp war zu dem Zeitpunkt damit zu rund 90 % an Curevac beteiligt.[29]

Im Februar 2015 wurde die Bill & Melinda Gates Foundation als neuer Investor gewonnen und im Oktober 2015 wurde ein Private Placement mit fünf weiteren Investoren (Baillie Gifford, Chartwave Ltd., Coppel Familie, Northview und Sigma Group) und einem Volumen von 98,7 Mio. Euro durchgeführt. In 2016 erbrachte die dievini Hopp BioTech holding eine weitere Einzahlung von 20,7 Mio. Euro. 2016 wurden im Zuge einer weiteren Kapitalerhöhung zwei neue Investoren, die baden-württembergische Investitionsbank L-Bank und die Baden-Württembergische Versorgungsanstalt für Ärzte, Zahnärzte und Tierärzte, hinzugewonnen, die insgesamt 26,5 Mio. Euro investierten. 2017 erfolgte eine weitere Kapitalerhöhung unter Beteiligung des US-Pharmakonzerns Eli Lilly & Co. in Höhe von 45,0 Mio. Euro. Seit ihrer Gründung im Jahr 2000 hat die Curevac über die Ausgabe von Anteilen Finanzmittel in Höhe von über 360 Mio. Euro eingeworben.[3]

Standorte

Neben dem Hauptsitz in Tübingen betreibt das Unternehmen einen Standort in Frankfurt am Main, wo an der klinischen Entwicklung gearbeitet wird.[30] Eine US-amerikanische Tochtergesellschaft ist seit 2015 in Boston aktiv.[31]

Forschungsgebiete

Das Unternehmen ist in drei Forschungsgebieten aktiv.

In der Onkologie konzentriert sich Curevac auf neue therapeutische Ansätze zur Behandlung solider Tumoren[32] durch den Einsatz von sequenz-optimierter mRNA („RNActive“). Weltweit zum ersten Mal wurden in Phase-I/IIa-Studien in mehreren Ländern (Italien, Schweiz, Deutschland und USA) in den Indikationen Prostatakrebs und Lungenkrebs Patienten mit mRNA behandelt.[33] Für Patienten mit kastrationsresistentem Prostatakrebs wurde eine randomisierte klinische Phase-IIb-Studie mit bis zu 200 Patienten in mehreren europäischen Ländern im März 2013 begonnen.[34] Im September 2014 vereinbarten Boehringer Ingelheim und Curevac eine Kooperation zur Weiterentwicklung des Wirkstoffs CV9202 (BI 1361849), einem therapeutischen Impfstoff von Curevac zur Behandlung des nichtkleinzelligen Bronchialkarzinoms (NSCLC).[35]

Weiterhin entwickelt Curevac auf mRNA-Grundlage prophylaktische Impfstoffe gegen Infektionen. Hier kooperiert die Tübinger Firma mit Sanofi-Pasteur (Sanofi-Aventis-Gruppe), einem der Weltmarktführer für Impfstoffe.[36] Darüber hinaus entwickelt Curevac ein Immunstimulans (Adjuvans) auf RNA-Basis zur Verstärkung der Wirkung von prophylaktischen und therapeutischen Impfstoffen. Im November 2012 hat Curevac zusammen mit dem Friedrich-Löffler-Institut Daten zu einem mRNA-basierten Grippeimpfstoff in der Zeitschrift Nature Biotechnology veröffentlicht.[37] Dieser Impfstoff könnte einen lebenslangen Schutz hervorrufen, allerdings muss er erst noch in umfangreichen klinischen Studien getestet werden.[38] Im Oktober 2013 ist Curevac eine Kooperation zur Entwicklung eines Grippeimpfstoffes mit dem Pharmaunternehmen Johnson & Johnson eingegangen.[39]

Im Bereich der molekularen Therapien kollaboriert Curevac unter anderem mit der Firma Arcturus Therapeutics zur Entwicklung von Wirkstoffen gegen seltene Krankheiten wie das Defizit an Ornithin-Transcarbamylase.[40]

Auszeichnungen

Im Jahr 2007 erhielt Curevac den Innovationspreis des Landes Baden-Württemberg[41] und war ebenso Preisträger des bundesweiten Weconomy-Wettbewerbes, der gemeinsam vom Handelsblatt und der Wissensfabrik vergeben wird.[42] Ebenfalls erhielt Curevac zusammen mit dem Forschungspartner NMI den bundesweiten Kooperationspreis der VBU DECHEMA für neuartige Ansätze zur Immuntherapie.[43]

Am 10. März 2014 erhielt das Unternehmen den erstmals verliehenen und mit 2 Mio. Euro dotierten Innovationspreis der Europäischen Kommission für eine neue Impftechnologie auf Basis der mRNA.[44]

Weblinks

Commons: Curevac – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Wechsel im Vorstand von CureVac: Unternehmensgründer Ingmar Hoerr folgt auf CEO Daniel Menichella. Pressemitteilung vom 11. März 2020, abgerufen am 15. März 2020
  2. Über uns. In: curevac.com. Abgerufen am 4. März 2020.
  3. a b Konzernjahresbericht zum 31. Dezember 2018; abgerufen am 15. März 2020 bei www.unternehmensregister.de
  4. Helga Einecke: Pioniere der Biotechnologie. In: sueddeutsche.de. 2. September 2015, abgerufen am 13. Oktober 2018.
  5. Erfolgreiche Kooperation: Curevac und Universität Tübingen – BioRegio STERN – Wirtschaft weiterdenken. In: bioregio-stern.de. 6. November 2006, abgerufen am 11. August 2015.
  6. Martina Behm: Haste mal ‘ne Million? In: zeit.de. 27. Mai 2004, abgerufen am 11. Februar 2015.
  7. Hoffnung für mRNA-Impfstoffe trotz Dämpfer - Gesundheitsindustrie BW. Abgerufen am 15. März 2020.
  8. Curevac AG baut mRNA-Wirkstoffproduktion am Standort Tübingen aus | BioRegio STERN | Thinking business forward. Abgerufen am 15. März 2020.
  9. Home. Abgerufen am 15. März 2020 (amerikanisches Englisch).
  10. Schlossküche, Labor und jetzt Museum. Abgerufen am 15. März 2020.
  11. Veränderung an der Spitze von Curevac. Pressemitteilung Curevac, 8. Mai 2018, abgerufen am 18. März 2020
  12. Seraina Gross: Coronavirus-Medikamente: So läuft das Rennen gegen die Zeit. In: handelszeitung.ch. 11. März 2020, abgerufen am 15. März 2020.
  13. CEPI vergibt einen Vertrag über 34 Millionen US-Dollar an Curevac zur weiteren Entwicklung des The RNA Printer™. In: curevac.com. 27. Februar 2019, abgerufen am 15. März 2020.
  14. Svenja Jambo: Curevac und CEPI bauen Kooperation zur Entwicklung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus nCoV-2019 aus. In: bmbf.de. 31. Januar 2020, abgerufen am 15. März 2020.
  15. Michael Barbaro, Katrin Bennhold: The Race for a Vaccine. In: nytimes.com. The New York Times, 1. April 2020, abgerufen am 2. April 2020 (englisch).
  16. a b Annika Jahn, Celia Knott: Corona-Virus: Kampf um den Impfstoff | Zur Sache Extra. Südwestrundfunk, 20. März 2020, abgerufen am 21. März 2020.
  17. Corona-Virus: Die Belastung, die auf deutsche Kliniken zu kommt. Südwestrundfunk, 27. März 2020, abgerufen am 30. März 2020.
  18. Andreas Geldner: Impfstoff-Kooperation mit China. In: Stuttgarter Nachrichten. Band 75, 17. März 2020 (online).
  19. Markus Bär: Das Rennen um den Corona-Impfstoff läuft auf Hochtouren. In: Main-Post. 6. März 2020, abgerufen am 15. März 2020.
  20. Jan Dams: Corona: USA will Zugriff auf deutsche Impfstoff-Firma. In: Die Welt. 14. März 2020, abgerufen am 15. März 2020.
  21. Donald Trumps Test auf Coronavirus negativ ausgefallen. In: Spiegel Online. 15. März 2020, abgerufen am 15. März 2020.
  22. Curevac AG: Wechsel im Vorstand von Curevac: Unternehmensgründer Ingmar Hoerr folgt auf CEO Daniel Menichella. In: finanznachrichten.de. 11. März 2020, abgerufen am 15. März 2020.
  23. Germany tries to stop US from luring away firm seeking coronavirus vaccine. 15. März 2020, abgerufen am 15. März 2020 (englisch).
  24. Deutscher Corona-Impfstoff nicht nur für die USA – DW – 15.03.2020. In: dw.com. Abgerufen am 15. März 2020.
  25. Elisabeth Dostert: Curevac-Eigner Hopp äußert sich zur Trump-Offerte. In: sueddeutsche.de. 16. März 2020, abgerufen am 16. März 2020.
  26. @CureVacAG: CureVac. In: twitter.com. 16. März 2020, abgerufen am 17. März 2020.
  27. Susanne Preuß: Dementi des Unternehmens: „Curevac hat kein Angebot von der US-Regierung erhalten“. In: www.faz.net. 17. März 2020, abgerufen am 17. März 2020.
  28. Maike Telgheder: Dietmar Hopp steckt 80 Millionen Euro in Curevac. In: Handelsblatt. 18. September 2012, abgerufen am 11. Februar 2015.
  29. Impfstoffhersteller soll an die Börse. In: handelsblatt.com. 6. März 2015, abgerufen am 11. August 2015.
  30. Kontakt/ CureVac. In: curevac.com. Abgerufen am 27. März 2020.
  31. https://labiotech.eu/curevac-the-mrna-therapy-leader-is-invading-modernas-homeland/
  32. Ingmar Hoerr: More Than a Messenger: A New Class of Drugs – mRNA-Based Therapeutics. In: Genetic Engineering & Biotechnology News.
  33. Erste Resultate der Curevac-Studie bei Lungenkrebs. In: tagblatt.de. 8. November 2011, abgerufen am 11. Februar 2015.
  34. CureVac beginnt klinische Phase 2b Studie seines mRNA-basierten Krebsimpfstoffs bei Patienten mit kastrationsresistentem Prostatakrebs (PDF-Datei; 89 kB) In: curevac.com vom 27. März 2013.
  35. Pressemitteilung: Boehringer Ingelheim und Curevac entwickeln gemeinsam Immuntherapie gegen Lungenkrebs. oncotrends.de, abgerufen am 4. März 2020
  36. Sanofi Pasteur marshals biotech forces behind €150M vax program. In: fiercebiotech.com. 15. November 2011, abgerufen am 11. Februar 2015 (englisch).
  37. New vaccine may give lifelong protection from flu - health - 25 November 2012 – New Scientist. In: newscientist.com. 25. November 2012, abgerufen am 11. Februar 2015 (englisch).
  38. German research points way to faster flu vaccines. In: uk.reuters.com. 25. November 2012, abgerufen am 11. Februar 2015.
  39. Johnson & Johnson beißt bei Curevac an. In: transkript.de. 4. Oktober 2013, archiviert vom Original am 25. Dezember 2014; abgerufen am 11. Februar 2015.
  40. BIOCOM AG: Curevac setzt auf Lipide. Abgerufen am 15. März 2020.
  41. Curevac GmbH erhält den Innovationspreis des Lands Baden-Württemberg auf bionity.com
  42. 2007–2011 – Ausgezeichnete Jungunternehmen. (Memento vom 23. Februar 2016 im Internet Archive) auf wissensfabrik-deutschland.de, abgerufen am 23. Februar 2016, S. 11.
  43. Auszeichnung für Biotechnologie-Unternehmen Curevac (Memento vom 23. September 2015 im Internet Archive), Presse-Information, dechema.de, 31. Mai 2007.
  44. European Commission: Deutsches Unternehmen erhält den mit 2 Mio. EUR dotierten EU-Preis für innovative Impftechnologie, Pressemitteilung vom 10. März 2014.