Currency Carry Trade

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Currency Carry Trade (auch CCT, deutsch Zinsdifferenzgeschäft) ist der Anglizismus für eine Spekulationsstrategie, bei der ein Trader einen Kredit in einer Fremdwährung mit vergleichsweise niedrigem Zinsniveau aufnimmt, um davon zinstragende Wertpapiere oder andere Finanzprodukte zu kaufen, die in einer anderen Währung mit höherem Zinsniveau notiert sind.

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er hofft dabei, dass durch die höheren Zinserträge nach Rückzahlung des Kredits durch die niedrigeren Kapitalkosten ein Gewinn verbleibt. Die Risiken bei dieser Spekulation bestehen in Wechselkursschwankungen und in Zinsänderungen. Abgesehen vom Währungsrisiko lohnt sich ein Currency Carry Trade, wenn der Zinsaufwand niedriger ist als der Zinsertrag :

Um das Währungsrisiko auszuschalten, müsste das Wechselkursrisiko durch ein Sicherungsgeschäft eliminiert werden, was jedoch Transaktionskosten verursacht, die im Regelfall der Zinsdifferenz entsprechen.

Mechanismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Rendite der Currency Carry Trades setzt sich entsprechend aus zwei Komponenten zusammen:

Um die genannten Risiken zu reduzieren, können Zinsschwankungen über festverzinsliche Geschäfte eliminiert und das Wechselkursrisiko über Terminmarktgeschäfte reduziert werden. Diese Absicherungen reduzieren jedoch die erwartete Rendite. Bei einer vollständigen Kurssicherung der Risiken wäre der Ertrag „Null“, weil durch Herdenverhalten aller Arbitrageure die vorhandenen Spreads ausgeglichen werden, so dass die Zinsdifferenz so lange sinkt, bis sich die Arbitrage nicht mehr lohnt.[1]

Beispiel
Ein Trader leiht sich Geld in Yen, weil er dort nur 0,5 % Zinsen zahlt, und legt in US-Dollar an, da er hier 4 % erhält. Solange die Wechselkurse stabil sind oder, wie meist üblich, sich in schmalen Korridoren bewegen, ist das Geschäft profitabel. Wenn der Yen aber wie im Oktober-Crash 2008 innerhalb weniger Tage um mehr als 10 % steigt, dann verliert der Trader Geld, da er den Kredit in Yen zurückzahlen muss. Er versucht daher, möglichst schnell aus dem Geschäft auszusteigen, um seine Verluste zu begrenzen. Dies führt aber dazu, dass er Yen für USD kauft und hierdurch der Yen weiter steigt.

Relevanz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemäß der von Keynes entwickelten Zinsparitätentheorie dürften sich derartige Anlageformen aufgrund der einsetzenden Arbitrage nicht rechnen. Entgegen der von der Theorie vorhergesagten fehlenden Rentabilität haben sich Currency Carry Trades in den letzten Jahren jedoch als hochprofitabel erwiesen. Die Deutsche Bundesbank hat für den Zeitraum von Januar 1999 bis Juni 2005 eine theoretische, durchschnittliche, annualisierte Rendite von 15 % für eine Carry-Trade-Strategie zwischen Euro und US-Dollar errechnet.[2]

In Bulletin 2008/2 geht Luxemburgs Zentralbank davon aus, dass die koordinierten Zinssatzsenkungen der Zentralbanken Anfang Oktober 2008 den Carry Trade gebremst und zur Auflösung spekulativer Positionen geführt haben.[3][4]

Die Zinsspekulationsgeschäfte, bei denen Anleger in Ländern mit niedrigen Zinsen und schwächelnder Währung Geld leihen und dies in höher verzinslichen Ländern anlegen, belief sich in der Zeit von März bis Dezember 2009, als der Euro von 1,23 auf 1,51 US-Dollar stieg, auf 1,5 Billionen Dollar. Diese Summe hatte starke Auswirkungen auf Risikotransaktionen wie Aktien, Öl und Rohstoffe. Nachdem der Dollar wieder höher geschätzt werde, sei das Volumen dieses Handels rapide zurückgegangen.[5]

Abgrenzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Currency Carry Trades sind nicht mit Arbitrage-Geschäften zu verwechseln. Bei diesen (die das weitaus größte Volumen des Fremdwährungsmarktes ausmachen) kaufen und verkaufen Marktteilnehmer Währungen an verschiedenen Börsen zum selben Zeitpunkt, um (selbst minimale) Preisunterschiede auszunutzen. Wesentlich ist, dass die Händler bei Arbitrage-Geschäften die Positionen unverzüglich wieder ausgleichen (und damit keine Marktrisiken eingehen), während die Spekulanten bei Currency Carry Trade während der Dauer des Geschäftes offene Positionen in den jeweiligen Währungen halten und damit Risiken übernehmen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Markus K. Brunnermeier, Stefan Nagel, Lasse H.Pedersen: Carry Trades and Currency Crashes. (April 2009). National Bureau of Economic Research (nber.org PDF; 919 kB).
  • Heiner Flassbeck: Carry Trade – Der Devisenmarkt führt die Ökonomie ad absurdum und die Ökonomen schweigen. (flassbeck.de PDF; 48 kB) FTD, 8. Februar 2007.
  • Jylha, Petri T., Suominen, Matti J. and Lyytinen, Jussi-Pekka: Arbitrage Capital and Currency Carry Trade Returns (November 5, 2008). Verfügbar auf Social Science Research Network: Das Papier „liefert starke Hinweise, dass Carry-Trades tatsächlich von Arbitrageuren eingesetzt werden“ („...providing strong evidence that carry trades are indeed used by arbitrageurs“). (ssrn.com).
  • Erik Heinrich: The Carry Trade: Betting on Bad Currencies. In: Time. 11. Februar 2010 (content.time.com).
  • Marko Gränitz: So funktionieren Carry-Trades. In: TRADERS´. Nr. 5, Mai 2020, S. 60–61.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. John Maynard Keynes: A Tract on Monetary Reform. 1923, S. 127.
  2. Deutsche Bundesbank: Monatsbericht Juli 2005, abgerufen am 1. Oktober 2012.
  3. BCL Bulletin 02/2008
  4. Anna Sleegers: Das Kartenhaus stürzt ein. In: Frankfurter Rundschau. 25. Oktober 2008 (fr.de).
  5. Christian Schnell: Wichtige Währungen laufen dem Euro weltweit davon. In: Handelsblatt. (handelsblatt.com) abgerufen am 19. Februar 2010.