Curt Sachs

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Curt Sachs 1935

Curt Sachs (* 29. Juni 1881 in Berlin; † 5. Februar 1959 in New York) war Musikethnologe und Begründer der wissenschaftlichen Musikinstrumentenkunde.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Curt Sachs erhielt in seiner Jugend unter anderem bei Kurt Johnen Klavierunterricht, lernte Musiktheorie und Komposition. Später, an der Universität Berlin, nahm er Musikgeschichte in seine Studien auf. Seine Dissertation schrieb er über ein Thema aus dem kunsthistorischen Bereich (1904). Nach einigen Jahren als Kunstkritiker und Historiker wurde er im Dezember 1919 als Nachfolger Oskar Fleischers zum Direktor der „Sammlung alter Musikinstrumente bei der Staatlichen Hochschule für Musik zu Berlin“ berufen. Er bemühte sich intensiv, die umfangreiche Kollektion der Öffentlichkeit und der Wissenschaft zugänglich zu machen. Hier begann auch seine Laufbahn als Musikinstrumentenkundler (Organologe). 1933 wurde Sachs als Jude von den Nationalsozialisten seines Amtes enthoben. Er floh daraufhin nach Paris und später in die Vereinigten Staaten. Dort lehrte er von 1937 bis 1953 an der New York University und arbeitete außerdem in der öffentlichen Bibliothek. Sachs starb 1959 in New York.

Sachs schrieb Bücher über Rhythmus, Tanz und Musikinstrumente. 1913 erschien sein Reallexicon der Musikinstrumente, das einflussreichste Lexikon über historische und weltweit verbreitete Musikinstrumente. Es wird als zuverlässiger als das von Rowland Wright 1941 veröffentlichte Dictionnaire des Instruments de Musique eingeschätzt und diente als Grundlage für das von Sibyl Marcuse 1964 verfasste, umfangreichere Lexikon Musical Instruments: A Comprehensive Dictionary. 1914 veröffentlichte er mit Erich von Hornbostel den Aufsatz Systematik der Musikinstrumente: Ein Versuch in der Zeitschrift für Ethnologie, für den beide berühmt wurden. Der Artikel enthielt auf der Grundlage des von Victor-Charles Mahillon 1880 veröffentlichten Katalogs des Brüsseler Musikinstrumentenmuseums ein ausgereiftes System zur Klassifikation von Musikinstrumenten. Diese wurde später um einen Gliederungspunkt ergänzt und ist heute als Hornbostel-Sachs-Systematik Standard. Dagegen gilt Geist und Werden der Musikinstrumente von 1929 als Sachs’ Hauptbeitrag zur damals verbreiteten Theorie des Diffusionismus heute als veraltet. Sein Buch The history of musical instruments (1940) ist ein bedeutendes Werk zum Thema. Darin werden die Instrumente nach Kulturen und die europäischen Instrumente gesondert nach Kulturperioden eingeteilt.

1956 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Freien Universität Berlin verliehen. Der Konzertsaal des Musikinstrumenten-Museums Berlin ist nach Curt Sachs benannt. Seit 1983 verleiht die American Musical Instrument Society den „The Curt Sachs Award“ an eine Person, die einen wichtigen Beitrag zu den Zielen der Gesellschaft gemacht hat.[1]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Reallexicon der Musikinstrumente. Berlin 1913
  • Die Musikinstrumente Indiens und Indonesiens. Zugleich eine Einführung in die Instrumentenkunde. Berlin 1915, 2. Aufl. 1923
  • Die Maultrommel. Eine typologische Vorstudie. 1917
  • Die Musikinstrumente. Breslau 1923
  • Musik des Altertums. Breslau 1924
  • Geist und Werden der Musikinstrumente. Berlin 1929
  • Vergleichende Musikwissenschaft in ihren Grundzügen. Leipzig 1930
  • World History of the Dance. New York 1937
  • Les Instruments de musique de Madagascar. Paris 1938
  • The history of musical instruments. New York 1940
  • The rise of music in the Ancient world: East and West. New York 1943
  • Rhythm and Tempo: A Study in Music History. New York 1953
  • The Wellsprings of Music. Herausgegeben von Jaap Kunst. Den Haag 1962

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. The Curt Sachs Award. The American Musical Instrument Society