CyberBunker

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CyberBunker ist ein kommerzieller Internet Service Provider mit Sitz in den Niederlanden, der mit hochsicheren Diensten wirbt. Bis auf den bekanntesten CyberBunker in den Niederlanden, sollen die anderen CyberBunker an geheimen Standorten betrieben werden.[1]+[2]

Eingangsbereich CyberBunker in Kloetinge, Niederlande
Eingangsbereich CyberBunker
CyberBunker Data Center

CyberBunker in den Niederlanden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

CyberBunker in den Niederlanden ist die Bezeichnung eines ehemaligen, fünfstöckigen, großteils unterirdischen und früher geheimen NATO-Kommandobunkers in der niederländischen Gemeinde Kloetinge in der Provinz Zeeland der dazu gebaut wurde, um empfindliche elektronische Ausrüstung unterzubringen und auch nach einem Atomschlag zu betreiben.

Der Bunker wurde 1955 gebaut und 1996 stillgelegt. Die Außenwände sollen aus Beton mit einer Dicke bis zu 5 Metern sein und einer nuklearen Explosion von 20 Megatonnen in einer Entfernung von fünf Kilometer standhalten. Zusätzlich sind besonders befestigte und biometrisch geschützte Türen vorhanden, zwei Notstromaggregate (2 MW) und genügend Kraftstoff etc., um den Betrieb der Anlage für zehn Jahre autark zu gewährleisten, Luftfilter um atomare, biologische und chemische Angriffe unbeschadet zu überstehen, hunderttausende Liter Trinkwasser und Lebensmittel.

Rechenzentrum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bunker wurde 1996 verkauft. Im Jahr 1998 wurde der militärische Bunker renoviert und das Datenzentrum namens CyberBunker eingerichtet, welches im Jahr 2000 in Betrieb ging.[3] Im CyberBunker wird seither ein privates hochsicheres Rechenzentrum mit EMP-Abschirmung betrieben. Die hochsicheren Server befinden sich lt. CyberBunker Webseite auf den Ebenen -3 bis -5. Es wird dabei von CyberBunker jede Information gehostet, sofern es sich nicht um Kinderpornographie und Terrorismus handelt.[4]

Die mit der kommunalen Behörde bestandenen Probleme bezüglich der Nutzung des Bunkers als privates Rechenzentrum seien laut CyberBunker inzwischen behoben.[5]

Kunden, Geschäftspolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

CyberBunker in den Niederlanden gibt auf der eigenen Webseite bekannt, dass sie keine besonderen schriftlichen Verträge mit ihren Kunden über die entsprechenden Leistungen abschließen und unterzeichnen. Der Vertrag mit einem Kunden wird solange aufrechterhalten, solange die Leistungen von CyberBunker vom Kunden vorab bezahlt werden.[6]

CyberBunker nimmt für sich in Anspruch, dass es die Daten der Kunden auch vor Ansprüche von Behörden und Regierungen, Forderungen gemäß dem Digital Millennium Copyright Act, von Konkurrenzunternehmen, Verbrechern sowie von Terroristen schützen wird.[7]

In diesem CyberBunker in den Niederlanden sollen Daten von The Pirate Bay[8] und Kopien von WikiLeaks gehostet werden. Es wird teilweise auch angenommen, dass von hier gezielt von einigen Kunden von CyberBunker Spamming betrieben wird bzw. wurde. CyberBunker verweist auf der eigenen Webseite darauf, dass ein einzigartiges Routing-System angeboten wird, um die Kundendaten zu schützen und Personen oder Systeme, die den physischen Standort der Server entdecken wollen zu verwirren. Es würden viele bekannte und unbekannte Kunden diese Dienstleistungen für ihre Online-Präsentation nützen um die tatsächliche Lage zu verschleiern.[9]

The Pirate Bay[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 2. Oktober 2009 soll der BitTorrent Tracker[10] von The Pirate Bay, welcher bereits mehrfach Gegenstand von Gerichtsverfahren mit Anti-Piraterie-Gruppen war[11] von Schweden zum CyberBunker bei Kloetinge transferiert worden sein.[12] Es ist nicht bekannt, ob die Daten von The Pirate Bay sich tatsächlich in CyberBunker befanden oder befinden oder ob der Service nur umgeleitet wird bzw. wurde.[13] Das Landgericht Hamburg erließ am 6. Mai 2010 eine einstweilige Verfügung (Beschluss vom 6. Mai 2010, Az. 310 O 154/10)[14] gegen den Routing-Betreiber CB3Rob Ltd & Co KG (Cyberbunker) mit Sitz in Berlin und Sven Olaf Kamphuis[15], und untersagte vorerst in Zusammenhang mit der Verbindung zu The Pirate Bay Webseiten im Internet weiterzuleiten.[16] Die einstweilige Verfügung war durch Motion Picture Associations (MPA) Mitgliedsunternehmen am 6. Mai eingebracht worden.

Die Seiten von The Pirate Bay waren jedoch lediglich einen Tag offline und wurden sodann vermutlich über die Ukraine wieder aufgeschaltet.[17]

Ein Berufungsgericht in Den Haag (Gerichtshof den Haag) hat am 28. Januar 2014 hingegen entschieden[18], dass der Zugang zur Filesharing-Plattform The Pirate Bay durch zwei niederländische Provider nicht gesperrt werden müsse, weil IP- und DNS-Blockaden keineswegs effektiv gegen Online-Piraterie helfen würden. Man könne daher Provider nicht zu ineffektiven Maßnahmen verpflichten.[19]

CyberBunker und Spamhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

CyberBunker in den Niederlanden kümmert sich nach eigenen Angaben nicht um Spamhaus[20] und nimmt auch Kunden an, welche auf der Schwarzen Liste (Blacklist) von Spamhaus aufscheinen.[21]

CyberBunker hat seit 2011 mit Spamhaus Probleme.[22]+[23]

Nachdem im März 2013 Spamhaus CyberBunker auf seine Blacklist setzte, begann ein Distributed-Denial-of-Service-Angriff[24] neuer Dimension gegen den Spamhaus-Server und DNS, der eine Woche dauerte.[25]+[26] Der Angriff wurde von fünf nationalen Polizeibehörden untersucht. Mit einer Pressemitteilung vom 29. März 2013 wurde von Bunkerinfra Datacenters (BIDC), welche den CyberBunker in Kloetinge seit 2010 betreibe, festgehalten, dass sie mit diesem DDOS Angriff nichts zu tun hätten. Der CyberBunker bei Kloetinge sei die letzten zehn Jahre nicht aktiviert gewesen.[27]+[28]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: CyberBunker – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. FAQ Cyberbunker Webseite. Abgerufen am 14. August 2014.
  2. Press statement vom 29. März 2013. Abgerufen am 14. August 2014.
  3. FAQ Cyberbunker Webseite.
  4. Angaben gemäß: CyberBunker. Siehe auch
     Commons: CyberBunker – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
    .
  5. City Hall strikes back
  6. FAQ Cyberbunker Webseite.
  7. CyberBunker stay-online-policy.
  8. The Pirate Bay relocates to a nuclear bunker. Abgerufen am 14. August 2014.
  9. CyberBunker stay-online-policy. Abgefragt am 14. August 2014.
  10. Gemäß eigenen Angaben ist The Pirate Bay der weltweit größte BitTorrent-Tracker.
  11. The Pirate Bay Back Online With New Web Host In The Netherlands, 7 October 2009
  12. the-pirate-bay-relocates-to-a-nuclear-bunker.
  13. Siehe eigene Angaben von torrentfreak.com.
  14. Beschluss 310 O 154/10 online.
  15. Sven Olaf Kamphuis soll einer der Eigentümer von CyberBunker in den Niederlanden (gewesen) sein The Pirate Bay relocates to a nuclear bunker. Abgerufen am 14. August 2014.
  16. Cyberbunker prohibited from providing Internet access to the Pirate Bay.
  17. Siehe: Spiegel.de – Filmindustrie scheitert, Pirate Bay ist zurück am Netz.
  18. Zaaknummer: 200.105.418/01.
  19. Urteil (niederländisch).
  20. Siehe: Spamhaus.org. Die Domain Spamhaus.org ist bei Tucows registriert.
  21. FAQ Cyberbunker Webseite
  22. Dutch ISP Hits Spamhaus With Police Complaints.
  23. TPB Causes Argument Between Dutch ISP and Anti-Spam Organization.
  24. Rob Williams for Hot Hardware (2013), DDoS Attack Against Spamhaus Exposes Huge Security Threat On DNS Servers.
  25. How Spamhaus’ attackers turned DNS into a weapon of mass destruction, 28 March 2013
  26. BBC: Global internet slows after 'biggest attack in history', 27 March 2013
  27. Press statement vom 29. März 2013. Abgerufen am 14. August 2014.
  28. Hacking as Performance Art.