Cyberfeminismus

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Mit Cyberfeminismus wird eine postmoderne Philosophie sowie ein Ensemble von Theorien und Praktiken benannt, die sich auf im Internet stattfindende Interaktionen zwischen Feminismus und Cyberspace beziehen.

Gebrauch des Begriffs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Cyberfeminismus entstand durch die Verbreitung der neuen Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) und die gleichzeitig stattfindende Dritte Welle des Feminismus und ist besonders mit dem Namen Donna Haraway verknüpft, die 1985 A Cyborg Manifesto veröffentlichte. Inspiriert von diesem Manifest, waren die ersten, die den Begriff Cyberfeminismus prägten, die australische Künstlerinnengruppe VNS Matrix in ihrem Cyberfeminist Manifesto for the 21st Century (1991).[1] In diesem Manifest proklamieren VNS Matrix: Die Klitoris ist eine direkte Verbindung zur Matrix.[2]

Für Cyberfeministinnen beinhaltet die Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) nicht nur einen subversiven Umgang mit maskuliner Identität, sondern die Kreation einer Vielzahl neuer Subjektivitäten, in denen die Technologie nicht nur die Gesellschaft und die Technologie selbst verändern kann, sondern auch die herkömmlichen Gender-Rollen. In diesem Sinne fordern die cyberfeministischen Theorien und Praxen die hierarchischen Machtbeziehungen zwischen Männern und Frauen in den IKT heraus, erforschen das wechselseitige Verhältnis von Frauen und digitalen Medien und verweisen auf die Schaffung von Netzwerken und die Eroberung von Räumen im Cyberspace, die aus der Entwicklung neuer Partizipationsformen hervorgehen.[3][4][5]

Eine aktuelle (2021) Zusammenfassung cyberfeministischer Debatten und Theorieansätze der 1980er und 1990er Jahre findet sich in Francesca Schmidts Buch Netzpolitik. Eine feministische Einführung, in welchem die Autorin „einen neuen Gesellschaftsvertrag des Digitalen“ entwirft und anhand der Themen „Digitale Gewalt“ und „Überwachung versus Privatheit“ aufzeigt, wie eine digitale Welt aussehen könnte, die unter dem Zeichen der Geschlechtergerechtigkeit steht.[6][7]

Cyberfeministische Kunst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cyberfeminismus benötigt notwendigerweise eine dezentralisierte, vielschichtige und mitbestimmungsorientierte Praxis, in welcher viele verschiedene Strömungen nebeneinander existieren können.[8] Pionierin in Europa war die französische Medientheoretikerin und Medienkünstlerin Nathalie Magnan. Die Praxis der cyberfeministischen Kunst ist eng verbunden mit der Gendertheorie.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sue V. Rosser: Through the Lenses of Feminist Theory: Focus on Women and Information Technology. In: Frontiers: A Journal of Women Studies. 26.1, 2005, ISSN 0160-9009, S. 1–23.
  2. VNS Matrix: Cyberfeminist Manifesto for the 21st Century, abgerufen am 10. Dezember 2014.
  3. Nuria Vergés Bosch, Alex Hache, Eva Cruells López: Colectivo Donestech: Ciberfeminismo de investigación, abgerufen am 10. Dezember 2014.
  4. Susan Hawthorne, Renate Klein (Hrsg.): CyberFeminism: Connectivity, Critique, and Creativity. Spinifex Press, Melbourne 1999, ISBN 1-875559-68-X.
  5. Mary Flanagan, Austin Booth (Hrsg.): Reload. Rethinking Women + Cyberculture. MIT Press, Cambridge 2002, ISBN 0-262-56150-6.
  6. Übersicht und Inhaltsverzeichnis des Buchs Netzpolitik von Francesca Schmidt, Heinrich-Böll-Stiftung - Publikationen
  7. Francesca Schmidt: Netzpolitik. Eine feministische Einführung, Leverkusen 2021, ISBN 978-3-8474-2216-7
  8. Alex Galloway: A Report on Cyberfeminism: Sadie Plant relative to VNS Matrix. (Memento des Originals vom 4. Juni 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/switch.sjsu.edu Switch 4 (1), abgerufen am 10. Dezember 2014.