Hundszungen (Pflanzen)

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Hundszungen
Gewöhnliche Hundszunge (Cynoglossum officinale)

Gewöhnliche Hundszunge (Cynoglossum officinale)

Systematik
Asteriden
Euasteriden I
Familie: Raublattgewächse (Boraginaceae)
Unterfamilie: Boraginoideae
Tribus: Cynoglosseae
Gattung: Hundszungen
Wissenschaftlicher Name
Cynoglossum
L.

Die Hundszungen (Cynoglossum) sind eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Raublattgewächse (Boraginaceae).

Den Namen „Hundszunge“ für die Gattung stammt von ihren langen, schmalen, rauen Blättern, die an die heraushängende Zunge von Hunden erinnern. Die Pflanzen besitzen einen mehr oder weniger strengen Geruch, der an Mäuse erinnert.[1][2][3][4]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration der Gewöhnlichen Hundszunge (Cynoglossum officinale)

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hundszungen-Arten sind meist zweijährige oder ausdauernde, seltener einjährige, krautige Pflanzen. Die wechselständigen Laubblätter sind einfach und ganzrandig; sie sind meist gestielt bis sitzend oder halb-stängelumfassend.

Blüten der Deutschen Hundszunge (Cynoglossum germanicum)
Klausenfrucht der Kretischen Hundszunge (Cynoglossum creticum)

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Meist stehen viele Blüten in endständigen zymösen oder wickeligen Blütenständen, meist ohne Tragblätter, zusammen.

Die zwittrigen Blüten sind meist fünfzählig und radiärsymmetrisch mit doppelter Blütenhülle. Die meist fünf bei der Fruchtreife bleibenden Kelchblätter sind höchstens an ihrer Basis verwachsen und vergrößern sich nach der Anthese. Die meist fünf Kronblätter sind zu einer zylindrischen bis trichterförmigen Röhre mit einem radförmigen Saum verwachsen. Diese Kronröhre wird durch fünf Schlundschuppen verschlossen. Staubblätter und Griffel sind in der Kronröhre eingeschlossen. Es ist nur ein Kreis mit meist fünf fertilen Staubblättern vorhanden (pentazyklische Blüte). Die kurzen Staubblätter stehen in oder oberhalb der Mitte. Die zwei Fruchtblätter bilden den oberständigen Fruchtknoten; er ist durch falsche Scheidewände in vier Klausen geteilt. Der gynobasische (nahe der Anheftungsstelle der Fruchtblätter ansitzende), kurze Griffel ist bei reifen Früchten beständig.

Die Klausenfrucht zerfällt in meist vier Teilfrüchte. Die meist vier einsamigen nussartigen Klausen sind ei- bis kreisförmig, auf der Dorsalseite konvex, flach oder leicht konkav, sie sind zum Teil mit Randwulst und mit Widerhaken versehen.

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bestäubung erfolgt vorwiegend durch Schwebfliegen.

Blüte der Goldlackblättrigen Hundszunge (Cynoglossum cheirifolium)

Systematik und Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gattung Cynoglossum wurde durch Carl von Linné aufgestellt. Als Lectotypus-Art wurde 1913 Cynoglossum officinale L. festgelegt. Die Gattung Cynoglossum gehört zur Tribus Cynoglosseae in der Unterfamilie Boraginoideae innerhalb der Familie Boraginaceae.

Die etwa 75 Arten der Gattung Cynoglossum sind vorwiegend in den Tropen und Subtropen, fast weltweit, verbreitet. In Europa kommen elf und in Deutschland nur die zwei Arten Deutsche Hundszunge (Cynoglossum germanicum) und Gewöhnliche Hundszunge (Cynoglossum officinale) vor. In Österreich tritt zusätzlich noch Ungarn-Hundszunge (Cynoglossum hungaricum) auf.[5]

Es gibt etwa 75 Cynoglossum-Arten (hier eine Auswahl):

Die Abgrenzung der Arten innerhalb der Tribus Cynoglosseae ist problematisch und wird innerhalb der Botanik uneinheitlich gehandhabt. Traditionell haben Botaniker, gestützt überwiegend auf morphologische Merkmale, insbesondere der Früchte, hier eine Vielzahl von Gattungen, darunter Paracaryum, Solenanthus, Mattia, Mattiastrum, Rindera, Pardoglossum, Trachelanthus und Lindelofia unterschieden. Verschiedene Revisionen unterschiedlicher Bearbeiter im Laufe mehrerer Jahrzehnte synonymisierten jeweils einzelne davon miteinander, ohne dass sich eine befriedigende Lösung abzeichnete. Dies veranlasste Werner Greuter im Jahr 1981 dazu, die meisten dieser Gattungen, bis zur Klärung der Verhältnisse, in einer weit gefassten Gattung Cynoglossum zu vereinigen, also die anderen Gattungen mit dieser zu synonymisieren.[10] Dies wurde von einigen Botanikern akzeptiert, während andere an den traditionellen Gattungsnamen festhielten.

Phylogenomische Arbeiten, bei denen die Verwandtschaft anhand des Vergleichs homologer DNA-Sequenzen untersucht wird, haben klar erwiesen, dass die Gattung Cynoglossum paraphyletisch ist, wenn man diese Gattungen anerkennt.[11] Es fanden sich zudem Hinweise darauf, dass abweichende Fruchtformen (wie in Solenanthus und Pardoglossum) ökologische Gründe haben können (angepasst an Verbreitung durch Tiere, Epizoochorie) und als taxonomisches Merkmal weniger Gewicht besitzen könnten als früher gedacht.[12] Bis zu einer befriedigenden Klärung der Sachlage haben sich viele Botaniker aber entschlossen, die traditionellen Gattungsnamen weiter zu verwenden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Oskar Sebald, Siegmund Seybold, Georg Philippi, Arno Wörz (Hrsg.): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Band 5: Spezieller Teil (Spermatophyta, Unterklasse Asteridae): Buddlejaceae bis Caprifoliaceae. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1996, ISBN 3-8001-3342-3.
  • Miloslav Kovanda: Cynoglossum L. In: T. G. Tutin, V. H. Heywood, N. A. Burges, D. M. Moore, D. H. Valentine, S. M. Walters, D. A. Webb (Hrsg.): Flora Europaea. Volume 3: Diapensiaceae to Myoporaceae. Cambridge University Press, Cambridge 1972, ISBN 0-521-08489-X, S. 119–121 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  • Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mittel-Europa. V. Band, 3. Teil, J. F. Lehmanns, 1927, S. 2147.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jürgen Trott-Tschepe, Annekatrin Puhle, Birgit Möller: Heilpflanzen für die Gesundheit. Franckh-Kosmos, 2014, ISBN 978-3-440-14646-0, S. 166.
  2. Paul Bohrisch: Joh. Karl Königs Warenlexikon. 13. Auflage, Springer, 1920, ISBN 978-3-663-00695-4 (Reprint), S. 262.
  3. Hieronymus Bock: Kräutterbuch. Glaser, 1630, S. 185.
  4. Hermann Hager: Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. Erster Theil, Springer, 1876, S. 992 f.
  5. Manfred A. Fischer, Karl Oswald, Wolfgang Adler: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 3., verbesserte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2008, ISBN 978-3-85474-187-9, S. 701.
  6. a b c d e f g h i j k Boraginaceae im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 20. Februar 2014.
  7. a b c d Datenblatt Cynoglossum bei POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science.
  8. a b c d e f g h Benito Valdés: Boraginaceae. Cynoglossum. In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Berlin 2011.
  9. a b c d e f Gelin Zhu, Harald Riedl, Rudolf V. Kamelin: Boraginaceae. In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China. Volume 16: Gentianaceae through Boraginaceae. Science Press/Missouri Botanical Garden Press, Beijing/St. Louis 1995, ISBN 0-915279-33-9, S. 329 (englisch)., PDF-Datei.
  10. Werner Greuter (editor) (1981): Med-Checklist Notulae, 3. Willdenowia 11 (1): 23–43. JSTOR 3995788
  11. Maximilian Weigend, Federico Luebert, Federico Selvi, Grischa Brokamp, Hartmut H. Hilger (2013): Multiple origins for Hound’s tongues (Cynoglossum L.) and Navel seeds (Omphalodes Mill.) – The phylogeny of the borage family (Boraginaceae s. str.). Molecular Phylogenetics and Evolution 68: 604–618. doi:10.1016/j.ympev.2013.04.009
  12. Federico Selvi, Andrea Coppi, Lorenzo Cecchi (2011): High epizoochorous specialization and low DNA sequence divergence in Mediterranean Cynoglossum (Boraginaceae): Evidence from fruit traits and ITS region. Taxon 60(4): 969–985.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Hundszungen (Cynoglossum) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien