Człuchów

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Człuchów
Wappen von Człuchów
Człuchów (Polen)
Człuchów
Człuchów
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Pommern
Powiat: Człuchów
Fläche: 12,48 km²
Geographische Lage: 53° 39′ N, 17° 22′ OKoordinaten: 53° 39′ 0″ N, 17° 22′ 0″ O
Höhe: 160 m n.p.m
Einwohner: 14.148
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 77-300 bis 77-301
Telefonvorwahl: (+48) 59
Kfz-Kennzeichen: GCZ
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 22: Kostrzyn nad OdrąWałcz–Grzechotki/Russland
DK 25: BoboliceBydgoszczOleśnica
DW 188: PiłaZłotów–Człuchów
Schienenweg: PKP-Linie 210: Chojnice–Runowo Pomorskie
Nächster int. Flughafen: Danzig
Gmina
Gminatyp: Stadtgemeinde
Fläche: 12,48 km²
Einwohner: 14.148
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 1134 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2203011
Verwaltung (Stand: 2015)
Bürgermeister: Ryszard Szybajło[2]
Adresse: ul. Wojska Polskiego 1
77-300 Człuchów
Webpräsenz: www.czluchow.pl



Człuchów [ˈʧwuxuf] (deutsch Schlochau) ist eine Stadt in der polnischen Woiwodschaft Pommern. Sie ist Kreisstadt des Powiat Człuchowski (Schlochauer Distrikt). Człuchów ist außerdem Sitz einer Landgemeinde.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt in der historischen Landschaft Westpreußen, 15 Kilometer westsüdwestlich von Konitz (Chojnice) in waldreicher Umgebung.

Człuchów befindet sich am Schnittpunkt der Landesstraße 25 von Koszalin (Köslin) nach Bydgoszcz (Bromberg) und der Landesstraße 22 von Gorzów Wielkopolski (Landsberg an der Warthe) nach Elbląg (Elbing). Im Osten reihen sich drei Seen mit dem deutschen Namen Amtssee aneinander.

Blick vom Schlossturm auf die Stadt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schlochau westlich von Marienwerder und westsüdwestlich von Konitz auf einer Landkarte von 1908.
Stadtkirche
Schloss Schlochau

Bereits zum Anfang des 13. Jahrhunderts bestand Schlochau als pomoranische Siedlung im polnischen Herrschaftsbereich, günstig am Kreuzungspunkt zweier alter Handelswege gelegen. 1312 erwarb der Deutsche Orden Schlochau von Nikolaus von Poniec, einem Sohn des Kalischer Woiwoden, für 250 Silbermark. Der Orden errichtete auf dem östlich des Ortes gelegenen Schlossberg seine nach der Marienburg zweitgrößte Festung, die 1367 fertiggestellt war. Die gesamte Anlage umfasste drei Vorburgen und das Schlossgebäude. Bereits ab 1323 wurde die Burg als Komturei des Ordens genutzt. Die Burgsiedlung hatte sich inzwischen so weit entwickelt, dass ihr 1348 der Hochmeister des Ordens, Heinrich Dusemer, das Kulmer Stadtrecht verleihen konnte. Nachdem der Orden den Dreizehnjährigen Krieg verloren hatte, kam Schlochau durch den Zweiten Thorner Frieden 1466 zum polnischen Teil Preußens. Das hatte unter anderem den Zuzug vieler Juden zur Folge, so dass sich im Norden ein geschlossenes Judenviertel entwickelte.

Gefördert durch den polnischen Starosten Latal und bedingt durch die mehrheitlich deutsche Einwohnerschaft wurde 1550 in Schlochau die Reformation eingeführt. Im Rahmen der vom polnischen Staat zum Schutze seines Einflusses betriebenen Gegenreformation musste 1609 die Stadtkirche den Katholiken übergeben werden. Am Ende des 16. Jahrhunderts standen in Schlochau 45 Häuser. Im Schwedisch-Polnischen Krieg (1655–1657) nahmen die Schweden die als unbezwingbar geltende Burg ein und richteten in der Stadt schwere Zerstörungen an.

Durch die Erste Teilung Polen-Litauens 1772 wurde das westliche Preußen mit Schlochau unter Friedrich II. von Preußen mit dem östlichen Teil des Königreichs Preußen in dem Maße wiedervereinigt, wie diese Teile zur Zeit des Deutschordensstaats miteinander verbunden gewesen waren. Zwei Stadtbrände in den Jahren 1786 und 1793 vernichteten zahlreiche Häuser. Der Wiederaufbau der Stadt wurde durch König Friedrich Wilhelm II. in der Weise gefördert, dass er die Verwendung von Abbruchmaterial aus der Burg erlaubte. Daraufhin blieb von der Burg nur noch der Bergfried erhalten. Nach der 1818 erfolgten Reorganisation der preußischen Kreisverwaltung wurde Schlochau Kreisstadt des Kreises Schlochau im Regierungsbezirk Marienwerder der Provinz Westpreußen. Für die evangelische Gemeinde wurde in den Jahren 1826 bis 1828 im Bereich des alten Ordensschlosses nach einem Entwurf Karl Friedrich Schinkels ein eigenes Gotteshaus errichtet, das den alten Bergfried als Kirchturm einschloss. Von großer wirtschaftlicher Bedeutung waren 1838 die Fertigstellung des durch Schlochau führenden Abschnitts der Straße von Berlin nach Königsberg und der 1878 erfolgte Anschluss an die Bahnlinie NeustettinKonitz. Am östlich gelegenen Bahnhof siedelten sich daraufhin mehrere Gewerbebetriebe an. Bereits 1844 hatte Schlochaus Hauptstraße eine Straßenbeleuchtung erhalten, 1865 nahm das Stadtkrankenhaus seinen Betrieb auf und 1871 wurde die Kreissparkasse eröffnet.

Schlossturm (14. Jahrhundert)
Schlosspark

Um 1905 gab es in Schlochau eine evangelische und eine katholische Kirche, eine Synagoge, eine Schlossruine, ein Denkmal Kaiser Wilhelms I., eine Präparandenanstalt, eine landwirtschaftliche Winterschule, eine Taubstummenanstalt und ein Amtsgericht.[3]

Bei dem durch den Versailler Vertrag bestimmten Verlust der größeren Teile der preußischen Provinzen Posen und Westpreußen blieb Schlochau zwar bei Deutschland, geriet aber in das Grenzgebiet zu Polen. Die polnische Grenze lag nun etwa 10 Kilometer östlich der Stadt. Das fügte einerseits Wirtschaft und Handel, abgeschnitten von einem großen Teil seines Hinterlandes, schweren Schaden zu, andererseits bewirkte es einen erheblich Zuzug neuer Einwohner, die aus den verlorenengegangenen Gebieten kamen. In den 1920er Jahren entstanden durch die Zugewanderten entlang der Ausfallstraßen neue Stadtrandsiedlungen. Die Stadt ließ ein Sportzentrum und das Kreismuseum errichten. Administrativ gehörte der Kreis Schlochau ab 1922 zur neu gebildeten Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen und wurde nach deren Auflösung 1938 der Provinz Pommern zugeordnet.

Um das Jahr 1930 hatte die Gemarkung der Stadt Schlochau eine Flächengröße von 73,9 km², und in dem Stadtgebiet standen zusammen 603 Wohnhäuser an 25 verschiedenen Wohnorten:[4]

  1. Bahnhof Schlochau
  2. Buschwinkel
  3. Damrau
  4. Eichberge
  5. Elbing
  6. Forsthaus Borne
  7. Forsthaus Braunhirsch
  8. Forsthaus Lindenberg
  9. Forsthaus Mauersin
  10. Forsthaus Plittensee
  11. Forsthaus Pollnitz
  12. Forstsekretärgehöft Lindenberg
  13. Grünhof
  14. Kaldau
  15. Lindenhof
  16. Müggenburg
  17. Neuland
  18. Niederung
  19. Oberförstereigehöft Lindenberg
  20. Samendarre Lindenberg
  21. Sandung
  22. Schlochau
  23. Waldarbeitergehöft Mauersin
  24. Waldarbeitergehöft Pollnitz
  25. Wäldchen

Im Jahr 1925 wurden in Schlochau 5.237 Einwohner gezählt, die auf 1.196 Haushaltungen verteilt waren.[4]

In der Stadt wurde 1938 ein für 600 Jugendliche ausgelegtes Hitler-Jugend-Heim gebaut.

Im Herbst 1944 begannen die städtischen Behörden angesichts der immer näherrückenden Front mit der Evakuierung der Stadt. Ende Januar 1945 hatte die Rote Armee die Kreisgrenze erreicht, traf jedoch auf so großen Widerstand, dass sie erst am 17. Februar 1945 Schlochau erobern konnte. Dabei wurden 60 Prozent der Stadt zerstört. Nach Kriegsende wurde Schlochau unter polnische Verwaltung gestellt. Anschließend begann die Zuwanderung polnischer Zivilisten, die sich der Behausungen und Anwesen der eingesessenen deutschen Stadtbewohner bemächtigten. Schlochau wurde in Człuchów umbenannt. Die verbliebene deutsche Bevölkerung wurde von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben.[5]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Anmerkungen
1810 1.126 [5]
1831 1.675 teils katholische Polen, teils protestantische Deutsche, teils Juden[6]
1864 2.816 davon 1.313 Evangelische und 1.013 Katholiken[7]
1870 2.900 [5]
1875 3.083 [8]
1880 3.252 [8]
1890 3.249 davon 1.584 Evangelische, 1.227 Katholiken und 436 Juden[8]
1905 3.531 davon 1.499 Katholiken und 243 Juden[3]
1910 3.619 davon 222 Juden[5]
1924 5.279 nach der Eingemeindung von Kaldau und einschließlich der Flüchtlinge aus dem Osten, davon 183 Juden[5]
1925 5.237 davon 2.822 Protestanten, 2.195 Katholiken und 167 Juden[4]
1933 5.736 [8]
1937 ca. 6.200 davon 3.430 Protestanten, 2.671 Katholiken und 97 Juden[5]
1939 6.029 [8]

Partnerstädte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 18. März 1999 wurde mit der Stadt Uslar (Deutschland, Niedersachsen) ein Partnerschaftsvertrag geschlossen.[9]

Außerdem bestehen Partnerschaften mit:

Gmina Człuchów[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Landgemeinde Człuchów, zu der die Stadt selber nicht gehört, misst eine Fläche von 361,65 km², was 22,97 % der Fläche des gesamten Powiat Człuchowski ausmacht. Ihre Einwohnerzahl liegt bei 10.886 (Stand 30. Juni 2015).

Nachbargemeinden sind: Chojnice (Konitz), Czarne (Hammerstein), Człuchów Miasto (Stadt Schlochau), Debrzno (Preußisch Friedland), Kamień Krajeński (Kamin), Konarzyny, Przechlewo (Prechlau) und Rzeczenica (Stegers).

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen der Landgemeinde Człuchów

Zur Gmina Człuchów gehören folgende Ortschaften, die 24 Ortsteilen ("Schulzenämter") zugeordnet sind:

Polnischer Name Kaschubischer Name Deutscher Name
Barkowo Barkenfelde
Biskupnica Bischofswalde
Brzeźno Brzézno Deutsch Briesen
Bukowo Bahnhof Buchholz
Bukowo Człuchowskie Człëchòwsczé Bukòwò Buchholz
Chrząstówko Christfelder Mühle
Chrząstowo Christfelde
Czarnoszki Forsthaus Bergelau
Czarnoszyce Czarnoszëcé Bergelau
Czarze Czarsen
Dąbki Eichberge
Dębnica Dãbnica Damnitz
Dobojewo Friedrichshof
Dziewiątka
Gębarzewo Gãmbarzéwò Dunkershof
Ględowo Glãdòwò Lichtenhagen
Gostudź Gostuden
Gozdnica Braunhirsch
Grzybowo Aschenberg
Jaromierz Klausfelde
Jeziorno Plittensee
Jęczniki Małe Klein Jenznick
Jęczniki Wielkie Groß Jenznick
Kątki Forsthaus Pollnitz
Kiełpin Kiéłpën Woltersdorf
Kiełpinek Czełpinkò Hasseln
Kołdowo Koldau
Krępsk Kramsk
Krery Ottoshof
Krzyżanki Wiesenfelde
Kujanki Marienhof
Mąkowo Mankau
Mirogniew Adolfshof
Mosiny Mòsinë Mossin
Murzynowo Mauersin
Nieżywięć Niesewanz
Nowosiółki Neuland
Piaskowo Sandung
Płonica Platendienst
Polnica Królewskô Pòlnica Königlich Pollnitz (seit 192? Pollnitz)
Polniczka Szlacheckô Pòlnicô Adlig Pollnitz
Przytok Malzmühle
Rogowo Rodenwalde
Rychnowy Rëchnòwë Richnau
Sieroczyn Buschwinkel
Skarszewo Skarszewò Augusthof
Skórzewo Lindenberg
Śniaty Elbing
Sokole Sockel
Stara Rogoźnica Alt Rögnitz
Stołczno Stolzenfelde
Wierzchowo Człëchòwsczé Wierzchòwò Firchau
Wierzchowo-Dworzec Bahnhof Firchau
Zagórki Człëchòwsczé Zôgórki Helle
Zbrzyca Niederung
Zielątkowo Zielontkòwò Elsenhof

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Człuchów liegt am Schnittpunkt der Landesstraße 25 von Koszalin (Köslin) nach Bydgoszcz (Bromberg) und Landesstraße 22 von Gorzów Wielkopolski (Landsberg an der Warthe) nach Elbląg (Elbing).

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil II: Topographie von Westpreußen, Marienwerder 1789, S. 74-, Nr. 6.)
  • N. G. Benwitz: Die Komthureien Schlochau und Tuchel. In: Preußische Provinzial-Blätter, Band 3, Königsberg 1830, S. 5–39 und S. 287.
  • August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 379, Nr. 11.
  • Manfred Vollack, Heinrich Lemke: Der Kreis Schlochau – Ein Buch aus preußisch-pommerscher Heimat. Kiel 1974, ISBN 3-9800051-1-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Człuchów – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. Website der Stadt, Urząd Miejski, abgerufen am 12. März 2015
  3. a b Meyers Konversations-Lexikon. Sechste Auflage, Band 17, Leipzig und Wien 1909, S. 871.
  4. a b c Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft: Die Stadt Schlochau im ehemaligen Kreis Schlochau in Pommern (2011)
  5. a b c d e f Manfred Vollack, Heinrich Lemke: Der Kreis Schlochau – Ein Buch aus preußisch-pommerscher Heimat. Kiel 1974, ISBN 3-9800051-1-9 , S. 354.
  6. August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 379, Nr. 11.
  7. E. Jacobson: Topographisch-statistisches Handbuch für den Regierungsbezirk Marienwerder, Danzig 1868, S. 142–143, Nr. 277.
  8. a b c d e http://www.verwaltungsgeschichte.de/schlochau.html#ew39slocrschlsta
  9. Stadt Uslar: Partnerschaften. Abgerufen am 21. März 2011.