Décret Crémieux

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Dekret 136

Das Décret Crémieux war ein Gesetz, das den etwa 35.000 Juden in der französischen Kolonie Algerien die französische Staatsbürgerschaft verlieh.

Es wurde als Dekret 136 von 1870 durch Adolphe Crémieux als Justizminister, Léon Gambetta als Innenminister, Alexandre Glais-Bizoin (Abgeordneter) und Martin Fourichon als Marine- und Kolonialminister unterzeichnet. Die Minister gehörten der Militärregierung in Tours an, dem Gouvernement de la Défense nationale, da sich Frankreich noch im Deutsch-Französischen Krieg befand und die vorläufige Regierung ihren Sitz in Tours hatte.

Gleichzeitig wurde in Dekret 137 das Einbürgerungsregime in der französischen Kolonie Algerien dekretiert. Mit dem Dekret 137 wurde so bestimmt, dass Muslime in der französischen Kolonie Algerien keine französischen Staatsbürger sind. Ziel war die Aufrechterhaltung des status quo, also der Herrschaft Frankreichs über seine nordafrikanischen Kolonien. Dies wurde 1875, fünf Jahre später, im Rahmen des Code de l’indigénat herausgearbeitet.

Die Dekrete 136 und 137 wurden im Amtsblatt der Stadt Tours (dem Bulletin officielle de la ville de Tours) am 7. November 1870 veröffentlicht.

Am 7. Oktober 1940 wurde das Décret Crémieux unter dem Vichy-Regime abgeschafft.[1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pierre Birnbaum: Décret Crémieux, in: Dan Diner (Hrsg.): Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur (EJGK). Band 2, Metzler, Stuttgart/Weimar 2012, S. 77–80

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sheryl Ochayon: Die Jüdinnen und Juden von Algerien, Marokko und Tunesien, bei Yad Vashem