Département Ain

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Ain
Wappen des Departements Ain
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Über dieses Bild
Region Auvergne-Rhône-Alpes
Präfektur Bourg-en-Bresse
Unterpräfektur(en) Belley
Gex
Nantua
Einwohner 631.877 (1. Jan. 2015)
Bevölkerungsdichte 110 Einw. pro km²
Fläche 5.756,44 km²
Arrondissements 4
Gemeindeverbände 18
Kantone 23
Gemeinden 407
Präsident des
Départementrats
Jean Deguerry[1]
ISO-3166-2-Code FR-01
Lage des Ain
Lage des Départements Ain in der
Region Auvergne-Rhône-Alpes

Das Département Ain [ɛ̃] (offiziell Département de l’Ain) ist das französische Département mit der Ordnungsnummer 01. Es liegt im Osten des Landes in der Region Auvergne-Rhône-Alpes und wurde nach dem Fluss Ain benannt.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Département Ain ist umgeben von den Départements Jura, Saône-et-Loire, Rhône, Isère, Savoie und Haute-Savoie und grenzt darüber hinaus an die Schweiz.

Ain ist ein Département der geographischen Kontraste: Im Nordwesten erstreckt sich die Bresse, eine leicht nach Nordosten ansteigende und von der Saône begrenzte Ebene, im Südwesten die Teich- und Seenlandschaft Dombes, die von über tausend Weihern bedeckt wird. Im Osten erheben sich die Berge des südlichen Jura brüsk über die bressanische Ebene und bilden den Bugey. In den Tälern der Bergketten des Jura verlaufen die vielbefahrenen Transportachsen nach Italien oder in die Schweiz. Die Gegend um Gex wird durch die letzte östliche Bergkette des Jura vom Rest des Départements getrennt. Sie erstreckt sich bis zum Genfersee und gehört geographisch zu dessen Becken. Die Saône stellt die westliche Grenze des Départements dar. Sie wird im Wesentlichen von drei Zuflüssen gespeist: von der Reyssouze (75 km), von der Veyle (67 km) und der Chalaronne (52 km). Hauptzuflüsse der das Département im Osten und Süden begrenzenden Rhône sind neben dem Séran (42 km) vor allem der Ain (190 km), der seinerseits von 118 Zuflüssen gespeist wird.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beschreibung: Auf dem gevierten Wappen liegt ein weißes Kleeblattkreuz auf.

  • Feld eins in Blau ein nach links stehender hermelingefärbter Löwe
  • Feld zwei in Blau drei goldene Zahnschienen und weißem Schildhaupt mit einem roten wachsenden Löwen,
  • Feld drei in Blau drei (2;1) goldene Lilien zwischen denen ein roter schräglinker Einbruch liegt
  • Feld vier in Rot ein hermelingefärbter Löwe

Symbolik: Löwe mit Hermelinmuster auf Blau = Gex
roter Löwe und Mauern = Familie Joinville
Fleur de Lys und Schrägbalken = Dombes
Löwe mit Hermelinmuster auf Rot = Herren von Bugey
silbernes Kreuz

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten Einwohner ließen sich im heutigen Ain im Jahre 15.000 v. Chr. nieder. Aus dieser Zeit stammt der Menhir von Simandre-sur-Suran. Im Jahre 58 v. Chr. markierte Cäsars militärisches Vorgehen gegen die nach Gallien vorrückenden Helveten auf dem Gebiet des heutigen Ain den Beginn der Gallischen Kriege.

Unter den Merowingern gehörte Ain zum Königreich Burgund. Zu Beginn des 6. Jh. entstand hier die Diözese Belley. Große Benediktinerabteien ließen sich in den Tälern nieder. Im Jahre 843 wurde Ain durch den Vertrag von Verdun dem Königreich Lothars I. zugeschlagen. Die ersten großen Lehen („Seigneuries“) entstanden um 895 bis 900 in Bâgé und Coligny. Zahlreiche feudale Schlösser und Hügelburgen wurden errichtet. Im 12. Jh. erlebte die romanische Baukunst ihre Blütezeit.

Klosterkirche Brou

Bereits im 11. Jh. ließen sich die Grafen von Savoyen in Valromey und der Region von Belley nieder. Anno 1272 erhielten sie die Bresse und – durch die Verträge von Paris von 1355 – die am rechten Ufer der Rhône gelegenen Gebiete der Dauphiné sowie die Region Gex. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts war fast ganz Ain unter savoyischer Flagge vereint. In den Städten wurden neue Klöster gegründet, Kirchen wurden nach gotischer Bauweise errichtet oder umgestaltet. Anfang des 16. Jahrhunderts – das Herzogtum Savoyen war auf dem Höhepunkt seiner Macht – fiel Ain als Erbteil an Margarete von Österreich, die Witwe Philibert II. von Savoyen. Die Herrscherin errichtete eine spätgotische Kirche samt Kloster. Bourg-en-Bresse wurde Bischofssitz.

Nach Margaretes Tod beanspruchte der französische König Franz I., ein Neffe der Herzöge von Savoyen, das Herzogtum für sich und eroberte 1536 Savoyen. Das künftige Département Ain wurde zum ersten Mal französisch. Infolge eines anno 1559 geschlossenen Vertrags wurde Savoyen mitsamt dem Gebiet der Ain jedoch an den Herzog zurückgegeben, der sogleich mit der Befestigung seiner Hoheitsgebiete beginnt.

Nur kurze Zeit später eroberte Heinrich IV. die Region erneut, doch die Zitadelle von Bourg blieb uneinnehmbar. Der Vertrag von Lyon vom 17. Januar 1601 beendete schließlich den Konflikt: Ain gehörte nun zur Provinz Burgund innerhalb des Königreichs Frankreich. Im 17. Jahrhundert erlebten Bildhauerei, Malerei und Literatur eine Blütezeit. Im 18. Jahrhundert entwickelten sich Straßen und die Kleinindustrie. Am 28. März 1762 trat der Graf von Eu, Sohn des Herzogs von Maine, die Region Dombes an Ludwig XV. ab.

Das Département Ain ist eines der 83 Départements, die am 4. März 1790 während der Französischen Revolution gebildet wurden. In Anwendung eines Gesetzes vom 22. Dezember 1789 wurden vier Gebiete Burgunds: die Bresse, der Bugey, das Fürstentum Dombes und das Pays de Gex, sowie ein Teil der Provinz Franc-Lyonnais zusammengefasst. Das Pays de Gex gehörte von 1798 bis 1814 zum Département Léman. Ain wurde in 9 Bezirke, 49 Kantone und 501 Gemeinden unterteilt. Die Französische Revolution forderte im Département nicht viele Opfer, doch wurden zahlreiche außerordentlich wertvolle historische Monumente zerstört. Während des ersten Konsulats (1802) wurden die Bezirke gesetzlich abgeschafft. Der Wiener Kongress löste das Département Léman auf und schlug das Arrondissement Gex dem Département Ain zu.

Wurden während der Revolution und dem ersten Empire noch zahlreiche Gotteshäuser zerstört, wurde 1823 im Département die Diözese von Belley neu begründet. Der Pfarrer von Ars erlangte Berühmtheit. Während des zweiten Empire wurden zahlreiche Kirchen wiederaufgebaut, die Landwirtschaft erlebte einen tiefgreifenden Wandel, die Eisenbahn entwickelte sich. Diese wirtschaftlichen Entwicklungen setzten sich auch in der Dritten Republik fort.

Seine Entfernung von der Front verschonte das Département von den Zerstörungen des Ersten Weltkriegs 1914–1918. Jedoch konnte die Mehrzahl der Weinberge nicht mehr kultiviert werden und verschwand. Die Industrialisierung des Départements begann in Oyonnax und Bellegarde-sur-Valserine. Der Staudamm von Genissiat wurde 1936 errichtet. Der Zweite Weltkrieg 1939–1945 traf das Département Ain mit voller Wucht. Der Tribut an den Krieg war hoch: 600 Personen wurden deportiert, die Hälfte von ihnen kehrte nicht zurück. Das Monument des Maquis in Cerdon, die Gedächtnisstätte der Kinder von Izieu und das Museum der Résistance und Deportation in Nantua erinnern an diese tragische Epoche.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts schritt die Industrialisierung im Département voran, begünstigt durch ein enges Straßen- und Schienennetz. Sechs Gemeinden aus dem Umland von Lyon wurden 1967 dem Département Rhône zugeschlagen.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Städte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die nach der Einwohnerzahl größten Städte sind Bourg-en-Bresse (40.819 Einwohner), Oyonnax (22.392 Einwohner), Ambérieu-en-Bugey (14.127 Einwohner) und Bellegarde-sur-Valserine (11.809 Einwohner, Stand 1. Januar 2015, INSEE).

Demographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Département Ain besitzt keine große Stadt, aber ein dichtes Netz von Gemeinden und Ortschaften. Die Zahl der Einwohner sank nach der Mitte des 19. Jahrhunderts aufgrund von Landflucht ein wenig, wesentlich stärker dann während des Ersten Weltkriegs. Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Zahl der Einwohner wieder an. Durch die Nähe zu Lyon, dessen Vororte den Südwesten des Départements berühren, und Genf, dessen Umland sich bis in das Pays de Gex hinein erstreckt, hat das Département ein starkes Anwachsen seiner Bevölkerung erfahren, vor allem in den letzten dreißig Jahren: von 339.262 Einwohner (1968) auf 471.019 Einwohnern (1990), 515.270 (1999) und 565.000 Einwohner (2006). Heute ist das Département durch eine äußerst dynamische Demographie gekennzeichnet. Der jährliche Bevölkerungszuwachs lag zwischen 1999 und 2006 laut französischem Statistikamt INSEE bei 1,35 % (gegenüber 0,9 % in der Region Rhône-Alpes und 0,7 % in Frankreich). Diese Steigerung geht in erster Linie auf einen positiven Migrationssaldo zurück, der von der Anziehungskraft und Attraktivität des Départements zeugt.

Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte liegt bei 97 Einwohnern/km² (Rhône-Alpes: 136; Frankreich: 112). Das Saône-Tal, die Côtière, Bourg-en-Bresse und die Region Gex weisen die höchste Bevölkerungsdichte auf. Im bergigen Kanton Hauteville-Lompnes mit der niedrigsten Bevölkerungsdichte leben 35 Einwohner/km².

Als eine Besonderheit hat das Département im Französischen keine Herkunftsbezeichnung für seine Bewohner, stattdessen wird auf die historischen Provinzen zurückgegriffen und je nach Herkunft Bressans, Bugistes, Dombistes oder Gessiens verwendet.[2]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verwaltungsaufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinden und Arrondissemente im Département Ain
Präfektur

Das Département Ain besteht aus 4 Arrondissements, 23 Kantonen und 407 Gemeinden. Seit 2016 werden die Arrondissements Gex und Nantua nur noch von einem Sous-Präfekt geführt.

Arrondissement Kantone Gemeinden Einwohner
1. Januar 2015
Fläche
km²
Dichte
Einw./km²
Code
INSEE
Belley 5 115 000000000120134.0000000000120.134 1.587,24 000000000000076.000000000076 011
Bourg-en-Bresse 12 200 000000000328474.0000000000328.474 2.864,74 000000000000115.0000000000115 012
Gex 3 27 000000000090151.000000000090.151 404,85 000000000000223.0000000000223 013
Nantua 5 65 000000000093118.000000000093.118 899,61 000000000000104.0000000000104 014
Département Ain 23 407 000000000631877.0000000000631.877 5.756,44 000000000000110.0000000000110 01

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Präfektencorps[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arnaud Cochet Präfekt seit August 2016
Philippe Beuzelin Generalsekretär, Unterpräfekt des Arrondissement Bourg-en-Bresse seit April 2017
Julien Kerdoncuf Kabinettschef und Unterpräfekt seit Juli 2006
Pascale Preveirault Unterpräfekt des Arrondissement Belley seit September 2015
Benoît Huber Unterpräfekt des Arrondissement Gex seit September 2015
Benoît Huber[3] Unterpräfekt des Arrondissement Nantua seit September 2016

Bürgermeister der größten Städte und der Hauptorte der Arrondissements[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadt Bürgermeister (Partei)
Bourg-en-Bresse Jean-François Debat (PS)
Oyonnax Michel Perraud (DVD)
Ambérieu-en-Bugey Daniel Fabre (DVD)
Bellegarde-sur-Valserine Régis Petit (UMP)
Belley Pierre Berthet (DVD)
Gex Patrice Dunand (DVD)
Nantua Jean-Pierre Carminati (DVD)


Conseil départemental (Departementsrat)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Conseil départemental ist das gewählte Parlament eines französischen Départements und teilt sich wichtige Kompetenzen mit dem von der Zentralregierung entsandten Präfekt.

Obwohl das Departement strukturell konservativ ist, ist es der Mitte-Links-Politiker Jean Saint-Cyr, der nach dem 2. Weltkrieg fast zwei Jahrzehnte lang dem Conseil départemental vorsteht. 1976 gelingt der Rechten der Machtwechsel. Ihre Hegemonie hält an, bis die PS unter Rachel Mazuir 2008 das Département zurückerobern kann.

Bei den Kantonalwahlen im März 2011 konnten die Linken ihre Mehrheit auf 27 Sitze ausbauen (19 divers gauche, 7 PS, 1 PRG) gegenüber 18 der konservativen Opposition (8 UMP, 4 Groupe indépendants et démocrates, 4 divers droite).

Bei den jüngsten Wahlen im November 2015 kam es zu politischen Machtverschiebungen wie auch zu einer neuen Benennung der lokalen Institutionen. Wie in ganz Frankreich heißt das wichtigste Gremium des Departements nun conseil départemental statt conseil géneral, die Wahlen, in denen diese Gremien bestimmt werden, élections départementales statt élections cantonales. Die konservativen Listen (Union de la Droite et du Centre) gewannen 42 von 46 Sitzen (24 UMP, 11 divers droite, 7 UDI), der linken Opposition blieben lediglich 4 (2 PS, 2 divers gauche). Aktueller Präsident des Generalrates ist Jean Deguerry (LR).

Conseil régional (Regionalrat)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der letzten Verwaltungsreform wurden die Kompetenzen der Region ausgebaut, etwa im Verkehr oder in der Wirtschaftsförderung, und die Region Rhône-Alpes mit der Region Auvergne fusioniert. Bei der darauffolgenden Regionalwahl 2015 ging im Département Ain die republikanische Rechte klar als Sieger hervor, 7 der 14 Regionräte gehören LR oder UDI an. Die Linke stellt noch 4, der Front National 3. Damit verkehren sich die Verhältnisse aus der vorangegangenen Wahl.

Die wichtigsten gewählten Vertreter des Conseil régional sind auf Seiten der Konservativen Étienne Blanc, seit 27 Jahren Bürgermeister von Divonne-les-Bains und erster Vizepräsident der Region. Auf Seiten der Linken ist insbesondere Jean-François Débat, seit 10 Jahren Bürgermeister von Bourg-en-Bresse zu nennen.

Abgeordnete im Senat und der Nationalversammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Département Ain entsendet nach einem Neuzuschnitt 2012 statt 4 nun 5 Abgeordnete in die französische Nationalversammlung. Vor 2017 konnte 1997 das letzte Mal ein Abgeordneter ein Mandat erringen, der nicht der republikanischen Rechten angehörte. Die gelbe Welle Emmanuel Macrons machte sich aber auch im Département Ain bemerkbar, mit den zwei ehemaligen Sozialisten Olga Givernet und Stéphane Trompille fielen zwei Wahlkreise an LREM. Die drei Abgeordneten der Republikaner sind Xavier Breton, Charles de La Verpillière und - am bekanntesten - der Vizevorsitzende der Republikaner, Damien Abad.

Die drei Senatoren des Départements sind Sylvie Goy-Chavent (UDI), Patrick Chaize (LR) und Rachel Mazuir (PS).

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit einer Arbeitslosigkeit von 5 % (gegenüber 7 % in der Region Rhône-Alpes und landesweiten 8 %), einem engmaschigen Netz von rund 11.500 kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) und einer überdurchschnittlich stark wachsenden, exportorientierten Wirtschaft (Hauptabnehmer: Deutschland, Italien und Spanien) zählt das Département Ain zu den wirtschaftlich dynamischsten Regionen Frankreichs.

Industrie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ganz im Gegensatz zu seinem ländlichen Image ist das Département Ain hoch industrialisiert. Neben einer Vielzahl von KMU sind mehrere Großunternehmen von internationalem Renommee in Ain ansässig (z. B. Roset-Cinna, Grosfillex, Carrier, Smoby-Berchet, CIAT, Renault Trucks, Tréfileurope). Mit mehr als einem Drittel Beschäftigten in Industrie und Baugewerbe, liegt Ain landesweit auf dem 6. Platz der industrialisierten Départements. Innerhalb der Region Rhône-Alpes hat es den Spitzenplatz inne. Den größten Beitrag zur industriellen Entwicklung des Départements leisten die kleinen und mittleren Unternehmen. Während die Unternehmen mit mehr als 500 Angestellten nur 27 % der in der Industrie Beschäftigten auf sich vereinen, stehen die Unternehmen mit weniger als 100 Angestellten für 47 % der Beschäftigten.

Die Hälfte der in der Industrie Beschäftigten, Baugewerbe ausgenommen, arbeiten in einer der drei großen Branchen des Départements: der kunststoffverarbeitenden Industrie, der Agroindustrie und dem Maschinenbau.

Mit der kunststoffverarbeitenden Industrie, die sich hauptsächlich um die Stadt Oyonnax niedergelassen hat, verfügt das Département über einen leistungsfähigen Wirtschaftszweig, dem seit vielen Jahren ein ausgezeichneter Ruf vorausgeht. Das „Plastics Valley“ umfasst 10 % der kunststoffverarbeitenden Industrie Frankreichs und weist damit die höchste Konzentration kunststoffverarbeitender Unternehmen in Europa auf. 349 Unternehmen sind hier angesiedelt. Sie beschäftigen etwa 11.000 Personen, mehr als ein Viertel der Beschäftigten des sekundären Sektors (ohne öffentliches Baugewerbe). Im Becken von Oyonnax sind drei von vier Arbeitsplätzen direkt oder indirekt mit der Kunststoffindustrie verbunden.

Die insbesondere im geographischen Becken der Bresse konzentrierte Agrarindustrie zählt 5.056 Beschäftigte (Zahlen aus 2006). Im Gebiet von Bourg-en-Bresse steht sie für ein Fünftel der industriellen Beschäftigten, die in Schlachthöfen, der Fleischindustrie im weiteren Sinne und in Konservenfabriken arbeiten. Stützpfeiler der Agroindustrie ist eine leistungsfähige Landwirtschaft, die in der Region zahlreiche Qualitätsprodukte hervorbringt, sowie die Präsenz einiger führender Unternehmen des Wirtschaftszweigs. Die für die Bresse so charakteristische Geflügelindustrie beschäftigt lediglich 350 Personen, während der größte Teil der Agroindustrie die industrielle Fleischverarbeitung betrifft. Im Jahre 1992 haben die Stadt Bourg-en-Bresse, das Département Ain sowie die örtliche Industrie- und Handelskammer die Technologie-Plattform „Alimentec“ gegründet. Zu ihren Aufgaben zählen die angewandte Forschung, technische Unterstützung, der Technologietransfer und die Fachhochschulausbildung im Bereich Agroindustrie. Die Tätigkeit von Alimentec konzentriert sich insbesondere auf drei Achsen: Belüftungssysteme, Plastikverpackungen und angewandte Hygiene.

Sein industrielles Geflecht verdankt das Département auch der metallverarbeitenden Industrie (Kabel, Drahtzieherei, Elektrodrähte) sowie dem Maschinenbau (Automobilkarosserien, wichtigster Pol Frankreichs im Bereich der Lastwagenherstellung). Hiervon zeugen bedeutende Unternehmen wie Tréfileurope, Alcatel Cables, Renault Trucks. Das Gießereigewerbe, die metallverarbeitende Industrie und die Elektroindustrie beschäftigen etwa 8.200 Arbeitnehmer. Aufgrund der Verschiedenheit der ausgeübten Aktivitäten und ihrer Verteilung über das ganze Gebiet des Départements sind Polarisierungseffekte wie im Bereich der Kunststoffindustrie bislang ausgeblieben.

Mit mehr als 12.900 Arbeitnehmern steht das öffentliche Baugewerbe für einen beträchtlichen Anteil der Wirtschaft. Hier arbeitet rund ein Viertel der in der Industrie Beschäftigten. Die zukünftige Entwicklung des Bausektors wird durch den wirtschaftlichen und demographischen Aufschwung im Département begünstigt.

Dank des großen Waldbestandes (über ein Drittel der Fläche des Départements) beschäftigte die Holzwirtschaft im September 2007 ca. 4.500 Arbeiter.

Die Atomindustrie ist im Département ebenfalls präsent. Die Atomkraftanlage Bugey produziert rund 4,2 % der französischen Elektrizität, beschäftigt mehr als 1.350 Arbeitnehmer und sichert zudem zahlreiche Arbeitsplätze bei den zuliefernden Unternehmen. Jeden Tag arbeiten zwischen 300 und 1000 auswärtige Arbeitskräfte in der Atomanlage. Ihre Bedeutung für die örtliche Wirtschaft ist nicht zu unterschätzen. Nebenbei gibt es noch wirtschaftliche Beziehungen zu dem CERN in der benachbarten Schweiz.

Schließlich verfügt Ain über mehrere Industriezonen. Neben dem „Plastics Valley“ und zahlreichen kleineren Gewerbegebiete, die auf lokale Initiative hin gegründet wurden, ist vor allem der 700 ha große Industriepark der Ebene des Ain zu erwähnen, der mit Sicherheit zu einem der schwerindustriellen Zentren der Region Rhône-Alpes werden wird.

Landwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die diversifizierte Landwirtschaft (Vieh- und Geflügelzucht, Milchwirtschaft, Getreidewirtschaft, Gemüse- und Weinanbau), die 3,6 Prozent aller Arbeitnehmer im Département beschäftigt, bringt Produkte von nationalem und internationalem Renommee hervor. Hier sind vor allem die Bressehühner, der Blaukäse aus Gex, Grièges und der Bresse, Karpfen und Hechte aus der Dombes sowie der Wein aus dem Bugey zu nennen.

Die Gesamtzahl der landwirtschaftlichen Betriebe im Département beläuft sich auf 5.170, darunter 2.750 Vollerwerbsbetriebe. In den letzten 25 Jahren ist die Zahl landwirtschaftlicher Betriebe stetig gesunken. Waren es anno 1979 noch 14.600 Betriebe, wurden im Jahre 1988 noch 11.320 und anno 2000 noch 6.320 Betriebe gezählt. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche erstreckt sich auf 268.361 ha, darunter 150.917 ha Ackerland und 118.000 Pflanzenkultur (Weideland, Weinbau, Obstwiesen und Baumschulen). Der Wert der landwirtschaftlichen Produktion im Département beläuft sich auf 545 Mio. €. 52 % hiervon (274 Mio. €) entfallen auf tierische Produkte (Rinder, Schafe, Schweine, Bressehühner, Karpfen, Milch), 44 % (240 Mio. €) auf die pflanzliche Produktion (Getreide, Ölpflanzen, Wein, Gemüse und Blumen) (Quelle: Landwirtschaftskammer Ain, 2006).

Handel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Handelssektor umfasst 5861 Unternehmen. Darunter finden sich 717 Groß- und Zwischenhändler (12,2 %), 539 Automobilhändler und -werkstätten sowie 1643 Einzelhändler und Reparaturbetriebe (28 %) Mit 22.973 abhängig Beschäftigten und weiteren 9000 Selbstständigen leistet der Handel einen wichtigen Beitrag zur Beschäftigung im Département (Quelle: Industrie- und Handelskammer Ain, 2006). Mehr als drei Viertel der jährlichen Ausgaben der privaten Haushalte i.H.v. 4,4 Milliarden € fließen dem Handel innerhalb des Départements zu. Dieser vermag sich im Großen und Ganzen gut gegenüber auswärtiger Konkurrenz zu behaupten.

Dienstleistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der stark expandierende Dienstleistungssektor repräsentiert 46,6 % der Unternehmen und beschäftigt etwa 55.000 Arbeitnehmer (Quelle: Industrie- und Handelskammer Ain, 2006). Seit 2003 weist die Dienstleistungsbranche die meisten Beschäftigten auf. Innerhalb des Dienstleistungssektors repräsentieren die Dienstleistungen für Unternehmen 33,2 % der Arbeitnehmer. Wachsende Bedeutung kommt hierbei der IT-Beratung und den IT-Dienstleistungen zu. Auch Dienstleistungen im Bereich Erziehung, Gesundheit und Soziales sind gefragt. Sie stehen für etwa ein Viertel der im Dienstleistungssektor Beschäftigten.

Handwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehr als 9.000 handwerkliche Betriebe zeugen von der besonderen Bedeutung dieses Sektors für das Département. Seit jeher ist das Handwerk eine essenzielle Komponente der lokalen Wirtschaft. Es beschäftigt schätzungsweise 29.000 Arbeitnehmer. Innerhalb des Handwerks ist der Produktionssektor vorherrschend. Es folgen die Baubranche, der Dienstleistungs- und der Ernährungssektor.

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In ökonomischer Hinsicht steht der Tourismus im Département Ain für 300 Mio. € jährlichen Umsatz und 10.000 direkte Arbeitsplätze (davon 6.665 abhängig Beschäftigte). Hinzu kommen rund 10.000 indirekte Arbeitsplätze. Im Dezember 2006 waren 2,9 % aller Beschäftigten im Département im Tourismusgewerbe tätig (Quelle: Komitee für Tourismus im Département Ain, 2006).

Anno 2006 haben 700.000 Touristen die Sehenswürdigkeiten des Département Ain (346 klassifizierte Monumente, darunter die berühmte Kirche von Brou in Bourg-en-Bresse, zahlreiche Museen, Naturparks und Wandergebiete) besucht. Während des Winters 2006/2007 hat der fehlende Schneefall die Wintersportaktivitäten stark eingeschränkt. Die Anzahl von Skitagesausflüglern lag bei 238.200 (180.500 Ski alpin und 57.700 Skilanglauf). Zuvor lag der Durchschnitt bei 465.000 Tagesausflüglern pro Winter.

Der Angler- und Fahrradtourismus (27 Rundwege mit insgesamt 1.500 km) zieht jedes Jahr zahlreiche Besucher an. Die touristische Infrastruktur ist gut und vielseitig. Das Beherbergungsgewerbe zählt etwa 1.100 Einrichtungen (Hotels, Campingplätze, Landgasthäuser (sog. „Gîtes“), Ferienappartements und Gästezimmer etc.). Ihre Kapazität liegt bei insgesamt 40.850 Betten. Während der Saison 2006 wurden im Beherbergungsgewerbe 2.500.000 Übernachtungen registriert gegenüber 2.700.000 im Jahr 2002 (Quelle: Komitee für Tourismus im Département Ain, 2006).

Das Département zählt 15.000 registrierte Jäger, von denen etwa 3.500 bis 4.000 in den Dombes jagen, eine der besten Regionen Frankreichs für die Jagd auf Wasservögel.

Zu den zusätzlichen touristischen Angeboten zählt ein Besuch des CERN's in der benachbarten Schweiz, was dem Département zusätzlich Geld erbringt.

Schließlich ist auch der gastronomische Tourismus zu erwähnen. Im Département sind eine Reihe vorzüglicher Restaurants von internationalem Renommee anzutreffen, so etwa das Restaurant des französischen Starkochs Georges Blanc in Vonnas.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehr als 4.000 km Transportwege bedienen das Département Ain. Es liegt auf dem Weg der großen nationalen und europäischen Warenströme und ist damit eine wichtige Transitregion. Neben einem gut ausgebauten Netz von ehemaligen Nationalstraßen, die im Jahre 2007 auf das Département übertragen wurden, wird das Département von 220 km Autobahn durchzogen. Für Flüge ins In- und Ausland stehen die internationalen Flughäfen von Lyon (Saint-Exupéry) und Genf (Cointrin) zur Verfügung. Darüber hinaus weist Ain mit der Rhone und Saône auch Wasserstraßen auf, über die hauptsächlich Baumaterialien (z. B. Kies) transportiert werden. Der wichtigste Hafen liegt an der Saône in Jassans-Riottier. Drei TGV-Linien des französischen Eisenbahnnetzes durchqueren das Département: die Verbindung Paris-Genf mit Halt in Bourg-en-Bresse und Bellegarde, die Verbindung Paris-Lyon über das Saône-Tal ohne Halt im Département und die Strecke Lyon-Genf mit Halt in Bellegarde-en-Valserine. Das regionale TER-Netz ist vor allem für die Anbindung nach Lyon von Bedeutung.

Forschung und Lehre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Département Ain zählt mehrere Hochschulen und Forschungseinrichtungen, die sich in Bourg-en-Bresse und in Bellignat niedergelassen haben. Im Zentrum für universitäre Studien, das von der Universität Jean Moulin Lyon III nach Bourg-en-Bresse verlagert wurde, gehen 540 Studenten sechs verschiedenen Studienzweigen nach : 4 DEUG (diplôme d’études universitaires générales = 2 Jahre Studium) in den Bereichen Recht, moderne Fremdsprachen (englisch-deutsch; englisch-spanisch), Wirtschafts- und Sozialverwaltung und Betriebswirtschaft sowie eine Licence (= 3 Jahre Studium) und eine Maîtrise (= 4 Jahre) im Fachbereich Recht, letztere mit einer Spezialisierung im Handels- und Wirtschaftsrecht.

Weitere 700 Studenten werden am ernährungswissenschaftlichen Forschungs- und Technologiezentrum Alimentec in Bourg-en-Bresse zum FH-Ingenieur (Fachbereiche: Biologie, Energiewissenschaft, Informatik und Biotechnologie) oder an der Handelshochschule der Industrie- und Handelskammer in Bourg-en-Bresse ausgebildet. Des Weiteren ist in Bourg-en-Bresse auch eine Zweigstelle der pädagogischen Fakultät Lyon angesiedelt, die 450 Studienplätze für zukünftige Lehrer ausweist.

In Bellignat, im Herzen des « Plastics Valley » wurde anno 1992 eine Ingenieurshochschule errichtet, die dem Ministerium für Jugend, Bildung und Forschung untersteht. Die „Ecole Supérieure de Plasturgie“ bietet 140 zukünftigen Kunststoffingenieuren Platz und besitzt ein pluridisziplinäres Forschungslabor. Dieses ist seit 1999 vom Ministerium anerkannt und bildet fortgeschrittene Studenten und Doktoranden aus.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Département Ain – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. "Ain : Jean Deguerry remplace Damien Abad à la présidence du Département", France 3, 10. Juli 2017.
  2. Faut-il trouver un nom pour les habitants de l’Ain? In: Regionalzeitung „Le Progrès“. Abgerufen am 5. Juni 2015 (französisch).
  3. Plus de sous-préfet à Nantua : qu’est ce que ça change ? (leprogres.fr [abgerufen am 6. Februar 2018]).

Koordinaten: 46° 2′ N, 5° 18′ O