Döttingen AG

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AG ist das Kürzel für den Kanton Aargau in der Schweiz und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Döttingenf zu vermeiden.
Döttingen
Wappen von Döttingen
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Zurzachw
BFS-Nr.: 4304i1f3f4
Postleitzahl: 5312
UN/LOCODE: CH DOT
Koordinaten: 661525 / 269245Koordinaten: 47° 34′ 16″ N, 8° 15′ 23″ O; CH1903: 661525 / 269245
Höhe: 328 m ü. M.
Fläche: 6,93 km²
Einwohner: 4054 (31. Dezember 2018)[1]
Einwohnerdichte: 585 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Bürgerrecht)
42,7 % (31. Dezember 2018)[2]
Website: www.doettingen.ch
Aarebrücke Döttingen – Kleindöttingen

Aarebrücke Döttingen – Kleindöttingen

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Döttingen (schweizerdeutsch: ˈtœtːigə)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Schweizer Kanton Aargau. Sie gehört zum Bezirk Zurzach und liegt im unteren Aaretal, rund fünf Kilometer südlich der Grenze zu Deutschland. Die Gemeinde ist bekannt als Standort des Kernkraftwerks Beznau.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Aare bildet die westliche Gemeindegrenze und fliesst in nördlicher Richtung. Im Südwesten liegt die durch einen Kanalbau künstlich geschaffene Insel Beznau mit dem Kernkraftwerk und dem Aarekraftwerk. Bei Beznau erstreckt sich das ausgedehnte Waldgebiet Unterwald. Das Dorfzentrum liegt unmittelbar nördlich der Mündung der Surb in die Aare. Die Bebauung ist vollständig mit jener der Nachbargemeinde Klingnau zusammengewachsen.[4]

Das Surbtal, das sich Ost-West-Richtung erstreckt, ist auf beiden Seiten durch steile Hänge begrenzt: Im Norden erhebt sich der 484 Meter hohe Hornbuck, der in den 515 Meter hohen Aemmeribuck übergeht. Beide sind Ausläufer des Achebergs, der zum Tafeljura gehört. Die Süd- und Südwesthänge sind mit Weinreben bepflanzt. Südlich der Surb liegt das Ruckfeld, eine ausgedehnte Hochebene, die an ihren Rändern durch sehr steile, bis zu 70 Meter hohe Hänge begrenzt ist.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 693 Hektaren, davon sind 244 Hektaren bewaldet und 185 Hektaren überbaut.[5] Der höchste Punkt liegt auf 515 Metern auf dem Aemmeribuck (Erhebung auf dem Achenberg-Plateau), der tiefste auf 318 Metern an der Aare. Nachbargemeinden sind Klingnau im Norden, Bad Zurzach im Nordosten, Tegerfelden im Osten, Würenlingen im Süden und Böttstein im Westen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tauschvertrag zwischen dem Kloster St. Blasien und dem Freiherr Ulrich von Klingen über die Insel Beznau und einen Hügel (die heutige Stadt Klingnau)
Luftansicht (1956)

Verschiedene Funde belegen eine Besiedlung in der Jungsteinzeit. Während der Zeit der Römer standen hier zwei Gutshöfe. Einer befand sich auf dem Sonnenberg, wo die Heerstrasse VindonissaTenedo verlief; die 1916 entdeckte Fundstelle enthielt ein breites Spektrum an Keramik. Der andere Gutshof kam 1930 bei Ausgrabungen in der Nähe des Friedhofs zum Vorschein. Beide waren um 260 von plündernden Alamannen zerstört worden.[6]

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes Totingen erfolgte im Jahr 1239, als Ulrich von Klingen die Insel Beznau gegen einen flussabwärts liegenden Schotterhügel eintauschte, auf dem heute das Städtchen Klingnau steht. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen Tettingun und bedeutet «bei den Leuten des Tetto».[3] Ein bedeutender Grundbesitzer war das Kloster St. Blasien. Das Bistum Konstanz übte ab 1269 die niedere Gerichtsbarkeit aus. 1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau, lösten die Habsburger als Landesherren ab und übernahmen von ihnen auch die Blutgerichtsbarkeit. Döttingen lag nun im Amt Klingnau der Grafschaft Baden, einer Gemeinen Herrschaft.

Im März 1798 nahmen die Franzosen die Schweiz ein und riefen die Helvetische Republik aus. Döttingen war zunächst eine Gemeinde im kurzlebigen Kanton Baden. Während des Zweiten Koalitionskrieges verlief die Frontlinie zwischen Franzosen und Österreichern mitten durch das Aaretal. Am 17. August 1799 versuchten österreichische Truppen, bei Döttingen die Aare zu überqueren. Von der Mündung der Surb aus nahmen sie die französische Armee auf der anderen Flussseite unter Artilleriebeschuss. Die Franzosen erwiderten das Feuer und konnten den Brückenschlag verhindern. Die Dörfer Kleindöttingen und Eien wurden vollständig zerstört und es gab mehrere Dutzend Tote.

Seit 1803 gehört Döttingen zum Kanton Aargau. Die Eröffnung der Bahnstrecke Turgi–Koblenz–Waldshut durch die Schweizerische Nordostbahn am 18. August 1859 hatte zur Folge, dass sich das Bauern- und Winzerdorf allmählich zu einem Industriestandort wandelte. Gleichwohl stagnierte die Bevölkerungszahl während des gesamten 19. Jahrhunderts, da viele Einwohner verarmten und zur Auswanderung gezwungen waren. Dann setzte jedoch ein konstantes Wachstum ein. Allein in den 1960er Jahren nahm die Bevölkerungszahl um über vierzig Prozent zu; von 1970 bis 2000 stagnierte die Entwicklung, seither ist wieder eine Zunahme feststellbar.

1902 wurde auf der Insel Beznau südlich des Dorfes das Aarekraftwerk Beznau in Betrieb genommen, dabei begradigte man einen Seitenarm der Aare und schuf eine künstliche Insel. 1948 folgte ein ölthermisches Kraftwerk. 1957 begannen die Planungen für das erste Kernkraftwerk der Schweiz. Nach vier Jahren Bauzeit nahm 1969 der Block 1 des Kernkraftwerks Beznau die Stromproduktion auf, der baugleiche Block Beznau 2 folgte 1972. Die daraus resultierenden Steuereinnahmen machten Döttingen für einige Jahre zu einer der steuergünstigsten Gemeinden des Kantons.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen der Familie von Tettingen

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «Geteilt und zweimal gespalten von Gelb und Schwarz.» Das Döttinger Gemeindewappen war ursprünglich das Wappen der Herren von Tettingen, die aus dem Bodenseeraum, bei Dettingen stammten und im Mittelalter Güter im unteren Aaretal besassen. Die genaue Bedeutung ist nicht überliefert. 1930 erfolgte die Einführung.[7]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung

Die Einwohnerzahlen entwickelten sich wie folgt:[8]

Jahr 1799 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 825 1098 974 1271 1738 2356 3380 3264 3298 3241 3749

Am 31. Dezember 2018 lebten 4054 Menschen in Döttingen, der Ausländeranteil betrug 42,7 %. Bei der Volkszählung 2015 bezeichneten sich 47,6 % als römisch-katholisch und 12,3 % als reformiert; 40,1 % waren konfessionslos oder gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[9] 75,9 % gaben bei der Volkszählung 2000 Deutsch als ihre Hauptsprache an, 7,8 % Italienisch, 4,4 % Albanisch, 3,2 % Türkisch, 3,0 % Serbokroatisch und 2,1 % Portugiesisch.[10]

Politik und Recht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Er wird im Majorzverfahren vom Volk gewählt, seine Amtsdauer beträgt vier Jahre. Der Gemeinderat führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm vom Kanton zugeteilt wurden. Für Rechtsstreitigkeiten ist in erster Instanz das Bezirksgericht Zurzach zuständig. Döttingen gehört zum Friedensrichterkreis XVII (Zurzach).[11]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Döttingen gibt es gemäss der im Jahr 2015 erhobenen Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT) rund 2150 Arbeitsplätze, davon 2 % in der Landwirtschaft, 51 % in der Industrie und 47 % im Dienstleistungssektor.[12] Der wichtigste Arbeitgeber ist das Kernkraftwerk Beznau. Ebenfalls bedeutend sind die Holzverarbeitung und die Herstellung von Möbeln. Zahlreiche Erwerbstätige sind Wegpendler und arbeiten in den Nachbargemeinden des unteren Aaretals oder in der Region Brugg/Baden.

Der früher dominierende Weinbau kam ab 1900 wegen der eingeschleppten Reblaus für mehr als zwei Jahrzehnte zum Erliegen. Danach wagte man jedoch einen bescheidenen Neuanfang. Heute ist am Westhang des Hornbucks und am Südhang des vorgelagerten Littibucks eine Fläche von 16,6 Hektaren mit Reben bestockt. Angebaut werden rund zwanzig verschiedene Sorten, wobei Blauburgunder, Pinot gris und Sauvignon Blanc am häufigsten sind.[13] Seit 1950 findet jedes Jahr im Oktober ein Winzerfest statt, das sich zum grössten der Deutschschweiz entwickelt hat.[14]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof Döttingen

Die viel befahrene Hauptstrasse 5 von Brugg durch das untere Aaretal nach Koblenz verläuft durch Döttingen, wobei seit 1987 eine Umfahrungsstrasse das Dorfzentrum vom Durchgangsverkehr entlastet. Sie kreuzt sich mit der Hauptstrasse 17 durch das Surbtal. Eine Brücke führt über die Aare nach Kleindöttingen.

Döttingen besitzt einen Bahnhof an der SBB-Bahnstrecke Turgi–Koblenz–Waldshut, mit direkten Zügen nach Baden, Waldshut und Bad Zurzach. Bis zum Bau der Bahnhaltestelle Klingnau hiess der Bahnhof Döttingen-Klingnau, seither Döttingen. Postautos verkehren vom Bahnhof aus nach Baden, Brugg, Laufenburg, Mandach und Niederweningen. An Wochenenden verkehrt ein Nachtbus von Baden über das Surbtal und Döttingen nach Bad Zurzach. 1915 war unter dem Arbeitstitel Surbtalbahn auch eine Eisenbahnverbindung nach Niederweningen geplant, kam aber nie zur Ausführung.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über zwei Kindergärten und drei Schulhäuser, in denen die Primarschule, die Realschule und die Sekundarschule unterrichtet werden. Die Bezirksschule kann in Klingnau besucht werden. Die nächstgelegenen Gymnasien sind die Kantonsschule Baden und die Kantonsschule Wettingen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Döttingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand nach Gemeinde, Nationalität und Geschlecht, per 31. Dezember 2018. (XLS, 233 kB) Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2019, abgerufen am 27. März 2019.
  2. Bevölkerungsbestand nach Gemeinde, Nationalität und Geschlecht, per 31. Dezember 2018. (XLS, 233 kB) Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2019, abgerufen am 27. März 2019.
  3. a b Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100. Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 250–253.
  4. a b Landeskarte der Schweiz, Blatt 1050, Swisstopo.
  5. Arealstatistik Standard – Gemeinden nach 4 Hauptbereichen. Bundesamt für Statistik, 26. November 2018, abgerufen am 14. Juni 2019.
  6. Martin Hartmann, Hans Weber: Die Römer im Aargau. Verlag Sauerländer, Aarau 1985, ISBN 3-7941-2539-8, S. 167.
  7. Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 143.
  8. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. (Excel) In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistik Aargau, 2001, archiviert vom Original am 8. Oktober 2018; abgerufen am 14. Juni 2019.
  9. Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit, 2015. (Excel) In: Bevölkerung und Haushalte, Gemeindetabellen 2015. Statistik Aargau, abgerufen am 14. Juni 2019.
  10. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. (Excel) Statistik Aargau, archiviert vom Original am 12. August 2018; abgerufen am 14. Juni 2019.
  11. Friedensrichterkreise. Kanton Aargau, abgerufen am 14. Juni 2019.
  12. Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT). (Excel, 157 kB) Statistik Aargau, 2016, abgerufen am 13. Juni 2019.
  13. Weinlesekontrolle 2018 Kanton Aargau. (PDF, 2,4 MB) Landwirtschaftliches Zentrum Liebegg, 2019, abgerufen am 14. Juni 2019.
  14. Winzerfest Döttingen. Verein Winzerfest Döttingen, 2019, abgerufen am 14. Juni 2019.