Düdelsheim

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Düdelsheim
Stadt Büdingen
Wappen der ehemaligen Gemeinde Düdelsheim
Koordinaten: 50° 17′ 33″ N, 9° 1′ 44″ O
Höhe: 125 m ü. NHN
Fläche: 11,93 km²[1]
Einwohner: 2756 (30. Jun. 2016)[2]
Bevölkerungsdichte: 231 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. August 1972
Postleitzahl: 63654
Vorwahl: 06041
Karte
Übersichtskarte von Düdelsheim

Düdelsheim ist der zweitgrößte Stadtteil Büdingens im Wetteraukreis (Hessen).

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Düdelsheim liegt 5,5 km westlich von Büdingen am Seemenbach. Zur Gemarkung gehört auch der südöstlich von Düdelsheim gelegene Findörfer Hof.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Urkundlich wird Düdelsheim erstmals als Dudelesheim und Dudilesheim im Lorscher Codex (Codex Laureshamensis) in einer Urkunde vom 16. August 792 erwähnt, in der ein Hunolt in villa Dudilesheim durch Schenkung dem Kloster Lorsch Grundbesitz überträgt.[3][4] Damit gehört Düdelsheim zu den ältesten urkundlich erwähnten Siedlungen in der östlichen Wetterau.

Vermutlich leitet sich der Name von der Besiedlung des Landes durch einen fränkischen Adligen namens TutiloTutilosheim → Düdelsheim ab. Seit der staufischen Zeit ist mit den Herren von Düdelsheim ein Niederadligengeschlecht fassbar, dass sich nach dem Ort benannte.

  • 1602 lebten 74 Untertanen in Düdelsheim.
  • 1660 wurden in einem Grenzgang die Düdelsheimer Gemarkungsgrenzen erfasst.[5]
  • Bereits im 15. Jahrhundert braute man in Düdelsheim ein gehopftes Bier und betrieb Weinbau. 1695 schreibt Graf Carl August von Ysenburg-Büdingen zu Marienborn an seine Räte in Büdingen über den Düdelsheimer Wein: „Der Wein sei so rauh als er wolle, man muß ihn annehmen, wie ihn Gott gibt.“
  • 1722 wandern die ersten bekannten Düdelsheimer Auswanderer nach Ungarn aus.
  • 1766 wandern 21 Düdelsheimer und 5 Rohrbacher nach Russland aus.
  • Im 19. Jahrhundert ist von Auswanderern nach Brasilien und nach Nordamerika zu berichten.
  • Ein altes Sprichwort, das noch heute gilt: „Däi Beuringer konne kaan Märt haale, wann mir Dilsemer näit komme.“ (‚Die Büdinger können keinen Markt halten, wenn wir Düdelsheimer nicht kommen‘) – eine Anspielung auf die Größe des heutigen Büdinger Stadtteils.
  • Martin Knaus, vulgo Mühlarzt oder Kartoffel-Müller, war ein Räuber und Mitglied der Wetterauer und Vogelsberger Bande Er wurde ca. 1772 in Düdelsheim geboren.

Im Rahmen der Gebietsreform in Hessen wurde die Gemeinde Düdelsheim am 1. August 1972 kraft Gesetzes in die Stadt Büdingen eingegliedert,[6] da ein freiwilliger Grenzänderungsvertrag nicht zustande kam.

Düdelsheim, die evangelische Kirche
zwischen Düdelsheim und Lindheim, panorama

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1939 1465
1961 2017
1970 2097
1990 2302
2000 2777
2010 2756
2015 2760
2016 2742

Ortsvorsteher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Ortsvorsteher
1972 – 1981 Helmuth Knaf
1981 – 1985 Helmut Rabel
1985 – 1989 Helmuth Knaf
1989 – 1993 Gerhard Steiner
1993 – 1998 Dieter Hartig
1999 – 2006 Hermann Zinn
2006 – heute Robert Preußer

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 29. Februar 1968 wurde der Gemeinde Düdelsheim im damaligen Landkreis Büdingen ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: In schwarzem Schild ein goldener Schräglinks-Wellenbalken, beseitet von je einem stilisierten goldgekrönten und rotbezungten silbernem Löwenkopf.[7]

Das Wappen soll die beiden Ortsteile – Dilsem und Iwwerdorf – darstellen, die durch den Seemenbach getrennt sind.

Jüdische Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals wurde ein jüdischer Einwohner Düdelsheim am Ende des 16. Jahrhunderts erwähnt. Ein Betsaal in einem jüdischen Privathaus lässt sich seit 1722 nachweisen. 1860/61 wurde in Düdelsheim eine Synagoge errichtet, bei deren Bau auch der evangelische Pfarrer und die christlichen Mitbürger mithalfen. Die jüdische Gemeinde verfügte auch über eine Religionsschule, ein rituelles Bad und zwei Friedhöfe, den alten und den neuen.

1905 schlossen sich die Juden aus dem benachbarten Rohrbach der Gemeinde an.

Während des Pogroms vom 9. November 1938 wurde die Synagoge von SA-Männern verwüstet und ausgeraubt. Das Mobiliar verbrannte man unter großer Beteiligung auf einer Wiese.[8] Jüdische Einwohner wurden auf übelste Weise verhöhnt.[9] Das Gebäude wurde nach 1950 abgerissen.

Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das traditionell evangelisch geprägte Düdelsheim hat eine eigene evangelische Kirchengemeinde, die zum Dekanat Büdingen der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau gehört. Das Kirchengebäude mit dem hohen dachreiterartigen und schieferverkleideten achteckigen Zwiebelturm liegt in der Ortsmitte.[10]

Die katholische Kirchengemeinde St. Josef, der auch Katholiken aus den Nachbarorten Aulendiebach, Büches, Calbach, Dudenrod, Orleshausen, Rohrbach und Wolf angehören, steht in enger Verbindung mit der katholischen St. Bonifatius-Gemeinde in Büdingen. Die von außen recht unscheinbare Düdelsheimer Kirche St. Josef ist 1953 aus einer ehemaligen Lkw-Garage entstanden.[11]

Werkstattgemeinschaft der Keramik-Künstler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1956 besteht in Düdelsheim eine Werkstattgemeinschaft mehrerer Keramik-Künstler, die die Entwicklung der Keramik in Deutschland entscheidend geprägt haben und seit Jahrzehnten auch international sehr renommiert sind: Beate Kuhn (* 1927 in Düsseldorf), Karl Scheid (* 1929 in Lengfeld (Odenwald)) und, seit 1959, auch dessen Frau Ursula Scheid (1932–2008). In letzter Zeit ist auch der Sohn von Karl und Ursula Scheid, Sebastian Scheid, mit eigenen Arbeiten hervorgetreten. Außerdem gehört noch der Holzbildhauer Bernhard Vogler zur Gemeinschaft. 2006 wurde das 50-jährige Bestehen der Düdelsheimer Werkstattgemeinschaft mit einem großen Fest gefeiert. 2007 wurden Beate Kuhn zu ihrem 80. Geburtstag diverse Ausstellungen gewidmet (u. a. in der Stiftung Keramion in Frechen bei Köln). Alle Künstler wohnen und arbeiten im Zentrum von Düdelsheim.

Düdelsheimer Markt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Düdelsheimer Markt 2004

Die wichtigste Veranstaltung des Jahres ist der Düdelsheimer Markt (Dilsemer Määrt). Er findet jährlich jeweils am letzten August-Wochenende statt (Freitag bis Montag) und zählt zu den größten Veranstaltungen dieser Art in der Umgebung. Neben einem großen Festzelt erwartet die Besucher alljährlich ein großer Krammarkt sowie Fahrgeschäfte und Vergnügungsstände. Jeweils freitags findet ein Fußballspiel des SV Phönix Düdelsheim 1919 e. V. statt, samstags um 22 Uhr ein großes Feuerwerk.

Im Jahr 2013 findet der Düdelsheimer Markt zum 232. Mal statt.[12]

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straßennamen nach Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr und Wandern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Direkt durch Düdelsheim verläuft die B 521 in Richtung Frankfurt. Die Anschlussstelle Altenstadt (A 45) ist 5 km, die Anschlussstelle Gründau-Lieblos (A 66) 17 km entfernt. Die nächsten regionalen Bahnanschlüsse befinden sich in Büches (Bahnlinie 46: Gießen / Gelnhausen) sowie in Lindheim (Bahnlinie 34: Glauburg-Stockheim - Bad Vilbel - Frankfurt) in jeweils 3 km Entfernung. Dabei trägt der Haltepunkt in Büches den Namen Büches-Düdelsheim. Durch Düdelsheim verlaufen verschiedene Lokalbuslinien nach Büdingen, Limeshain, Altenstadt sowie in die Kreisstadt Friedberg.

Düdelsheim liegt an der Bonifatius-Route, einem 172 km langen Pilger- und Wanderweg, der von Mainz nach Fulda verläuft. Er führt von Himbach kommend auf den nördlich von Düdelsheim gelegenen 189,2 m[13] hohen Weinberg, wegen seiner Basaltfelsen auch Die Steinern genannt, und weiter nach Glauberg. Neben dem Weg befindet sich ein früher auf dem Glauberg stehender, sechs Meter hoher hölzerner Aussichtsturm, der dem dort errichteten Museum Keltenwelt am Glauberg weichen musste.[14]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Chronik Düdelsheim 1992 - 2017, Fortsetzung der Chronik Düdelsheim 792 - 1992. Festausschuss Düdelsheim und Magistrat der Stadt Büdingen, 2017.[15]
  • Chronik Düdelsheim 792–1992. Magistrat der Stadt Büdingen, 1991.
  • Hans Georg Ruppel: Historisches Ortsverzeichnis für das Gebiet des ehem. Großherzogtums und Volksstaats Hessen mit Nachweis der Kreis- und Gerichtszugehörigkeit von 1820 bis zu den Veränderungen im Zuge der kommunalen Gebietsreform (= Darmstädter Archivschriften. Bd. 2). 1976, S. 76.
  • Baudenkmale in Hessen. Denkmaltopographie Wetteraukreis I. Friedr. Vieweg & Sohn, Braunschweig/Wiesbaden 1982, ISBN 3528062312, S. 143–159.
  • Werner Wagner, Der alte Judenfriedhof in Düdelsheim, in: Büdinger Geschichtsblätter. Bd. XVII, 2001, S. 317–341.
  • Werner Wagner, Der alte Judenfriedhof in Düdelsheim, in: Büdinger Geschichtsblätter. Bd. XX, 2007/08, S. 205–208.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Düdelsheim – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistik im Internetauftritt der Stadt Büdingen (pdf; 21,5 KB), abgerufen im Januar 2016.
  2. Einwohnerzahlen im Internetauftritt der Stadt Büdingen, abgerufen im Juni 2016.
  3. Karl Glöckner, Codex Laureshamensis, Bd. 3, Darmstadt 1936, Nr. 2977 mit Nr. 3759b, S. 243
  4. durch Schenkung dem Kloster Lorsch Grundbesitz überträgt (vgl. Karl GLÖCKNER, Codex Laureshamensis, Bd. 3, Darmstadt 1936, Nr. 2977 mit Nr. 3759b, S. 243).
  5. Werner Wagner, Der Düdelsheimer Grenzgang von 1660. in: Büdinger Geschichtsblätter. Bd. XX, 2007/08, S. 209–224.
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 353.
  7. Genehmigung eines Wappens durch den Hessischen Minister des Innern vom 29. Februar 1968 (StAnz. S. 451) Seite 3 der PDF-Datei 5,57 MB
  8. Wilhelm Wagner, Synagogein Düdelsheim (Wetteraukreis). In Büdinger Geschichtsblätter XXII, 2011, S. 267–275.
  9. Alemannia Judaica: „Düdelsheim (Stadt Büdingen, Wetteraukreis) Jüdische Geschichte / Synagoge“
  10. Dekanat Büdingen über Düdelsheim (Memento des Originals vom 31. Mai 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.dekanat-buedingen.de
  11. Historie und Fotos zur Kirchengemeinde St. Josef in Düdelsheim
  12. Düdelsheimer Markt beim Touristikcenter Büdingen
  13. Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  14. Umzug vom Glauberg auf die Steinern im Kreis-Anzeiger vom 20. Mai 2010, abgerufen am 19. April 2017
  15. Düdelsheimer Chronikerweiterung erzählt vom letzten Vierteljahrhundert. 10. Juni 2017, abgerufen am 28. Juli 2017.