Düppeler Schanzen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Düppeler Schanzen
Sicherung des Alsensunds
Sicherung des Alsensunds
Datum 1864
Ort Düppel westlich Sonderburg
Ausgang Preußischer Sieg
Konfliktparteien

Preussen KonigreichKönigreich Preußen Preußen

DanemarkDänemark Dänemark

Befehlshaber

Prinz Friedrich Karl

Georg Daniel Gerlach

Truppenstärke
37.000 Mann 11.000 Mann
Verluste

1.201
(263 Gefallene
909 Verwundete
29 Vermisste)[1]

4.834
(700 Tote
554 Verwundete
3.534 Gefangene)

Die Düppeler Schanzen (dänisch Dybbøl skanser) waren eine dänische Wehranlage bei Düppel in Südjütland. Hier entschied sich der deutsch-dänische Krieg. Nach fast fünfwöchiger Belagerung wurden die zehn Schanzen am 18. April 1864 von den Preußen unter Prinz Friedrich Karl erstürmt.

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Herzogtum Schleswig sicherten die Schanzen den Übergang über den Alsensund nach Sonderburg auf der strategisch wichtigen Insel Alsen. Dass die Preußische Armee den Sturmangriff wagen würde, hielt die dänische Seite für ausgeschlossen. Da er gelang, ist in Deutschland die Bezeichnung Erstürmung der Düppeler Schanzen üblich. In Dänemark spricht man von der Slaget ved Dybbøl, der Schlacht bei Düppel. Nachdem das preußische Denkmal 1945 gesprengt worden war, gewann die Dybbøl Banke im 20. Jahrhundert als Gedenkort Dänemarks große Bedeutung. Das Museum Historiecenter Dybbøl Banke präsentiert seit 1992 das Kriegsgeschehen und die davon beeinflusste dänische Mentalitätsgeschichte. Auch in der Düppeler Mühle wird seit 1995 eine Ausstellung gezeigt.

Erstürmung der Schanzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits 1849, in der Schleswig-Holsteinischen Erhebung, waren die Schanzen Schauplatz eines Gefechtes zwischen deutschen und dänischen Truppen gewesen. Niemand kannte sie besser als Franz Geerz, Kartograph und Generalstabsoffizier der Preußischen Armee. Ihre strategische Bedeutung hatten sie nicht verloren. Die Anlagen waren daher stark befestigt; allerdings hatte ihr Ausbau 1864 noch nicht den geplanten Endzustand erreicht. Dänemark setzte 11.000 Mann zur Verteidigung der zehn Schanzen ein. Am 18. April bezogen 37.000 Mann der preußischen Sturmkolonnen gegen 02:00 Uhr morgens ihre Stellungen, die nur etwa 200 Meter von den ersten dänischen Schanzen entfernt lagen. Nach stundenlanger Artillerievorbereitung begann um 10:00 Uhr der Sturmangriff. Auch das Eingreifen des dänischen Panzerschiffs Rolf Krake mit seiner schweren Artillerie konnte die preußische Attacke nicht wirksam behindern. In einer zweiten Stellungsreihe (nur rund 400 Meter von den dänischen Stellungen entfernt) hatten die Preußen vier Musikkorps unter Führung des preußischen Musikdirektors Gottfried Piefke zusammengezogen. Diese Musikkorps unterstützten die angreifenden Truppen durch das Spielen bekannter Märsche, u. a. wurde der von Piefke persönlich komponierte Düppeler Schanzen-Marsch gespielt, wobei Piefke der Taktstock durch eine Kanonenkugel entrissen worden sein soll.

Albrecht Adam: „Die Erstürmung der Düppeler Schanzen 1849“
Preußische Soldaten nach der Schlacht auf den Schanzen (1864)

Schon 13 Minuten nach Angriffsbeginn hatte die preußische Infanterie die Schanzen der ersten Linie eingenommen. Die folgenden drei Stunden waren von verbissenen Kämpfen geprägt. Gegen 13:30 Uhr brach der letzte dänische Widerstand am Brückenkopf vor Sonderburg zusammen. In der Schlacht betrugen die Verluste an Gefallenen und Verwundeten etwa 1670 Soldaten auf dänischer und 1200 auf preußischer Seite, 3601 Dänen gerieten in Kriegsgefangenschaft.[2] Unter den Toten war auch der preußische Generalmajor Eduard von Raven, dem Wilhelm I. noch auf dem Sterbebett den Orden pour le merite verlieh.[3] Auch einer der dänischen Befehlshaber, der Generalmajor Claude du Plat, fiel bei Düppel.[4]

Während der Schlacht an den Düppeler Schanzen nahmen erstmals Beobachter des Internationalen Roten Kreuzes an Kriegshandlungen teil, der Schweizer Chirurg Louis Appia auf preußischer, der niederländische Marinekapitän Charles van de Velde auf dänischer Seite.

Nach einer unbestätigten, im wilhelminischen Deutschland aber sehr populären Legende soll der Pionier Carl Klinke den Preußen zum Sieg verholfen haben, indem er – beladen mit einer Sprengladung und unter Ausrufen von „Ick bin Klinke. Ick öffne dit Tor.“ – auf die Befestigung zugestürmt sei und dann sich selbst mit der ersten Schanze in die Luft gesprengt habe.

Die dänischen erlitten eine schwere Niederlage gegen die zahlenmäßig weit überlegenen preußischen Truppen.[5][6][7] Die dänische Hauptstreitmacht musste sich auf die Insel Alsen zurückziehen und konnte nicht mehr in die Kämpfe um Jütland eingreifen. Damit war die Entscheidung zugunsten der verbündeten Preußen und Österreicher gefallen, auch wenn der Krieg noch einige Monate fortgesetzt wurde. Im Frieden von Wien (1864) musste Dänemark das Herzogtum Schleswig, das Herzogtum Holstein und das Herzogtum Sachsen-Lauenburg an Preußen und Österreich abtreten.

Erinnerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Modell der Schanzen in der Düppeler Mühle

Ab dem 13. Januar 1865 trugen Forst und Rittergut des Prinzen Friedrich Karl bei Zehlendorf (heute zu Berlin) den Namen „Düppel“.[8]

Von den erbeuteten 119 dänischen Geschützen hängen 20 seit 1873 an der untersten Trommel der Berliner Siegessäule.[9]

Jedes Jahr am 18. April findet an den Düppeler Schanzen eine nationale Gedenkveranstaltung, Dybbøldagen, statt. Neben einer Kranzniederlegung treten dänische Soldaten in historischen Uniformen von 1864 auf. Seit 2002 nehmen neben Soldaten der Unteroffizierschule des dänischen Heeres auch deutsche Soldaten an der Gedenkveranstaltung in Form einer Ehrenformation teil. Bereits am Sonnabend, dem 17. April, wird auf einer großen Veranstaltung der legendären heimlichen Verbrüderung der gegnerischen Soldaten Dänemarks und Preußens am Vorabend der Schlacht gedacht. Bereits der 140. Jahrestag der Schlacht im Jahr 2004 war ein besonderes Ereignis in Dänemark. Dies wurde 2014 noch durch einen Staatsakt überboten, als Dänemark am 18. April in Düppel im Beisein der dänischen Königin und internationaler Staatsgäste der Schlacht und der Opfer gedachte. An der Feier nahmen über 15.000 Menschen teil.

Vielerorts in Dänemark und in mehr als vierzig deutschen Städten und Gemeinden erinnern Namen von Straßen, Plätzen und gastronomischen Betrieben an Ort und Ereignis der Schlacht.

Deutsche Sicht [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siegesdenkmal von 1864 auf einer Ansichtskarte (1915)

Einem königlichen Erlass vom 18. Dezember 1864 folgend, wurde am 21. April 1865 im Beisein zahlreicher Ehrengäste feierlich der Grundstein für das Siegesdenkmal bei Düppel gelegt. Den Entwurf zum Denkmal erstellte der Berliner Oberbaurat Heinrich Strack. Der Deutsche Krieg verzögerte den Baubeginn bis ins Jahr 1868. Nach der deutschen Reichsgründung wurde das 20 m hohe Denkmal im August 1871 in der Form einer gotischen Fiale vollendet. An der Spitze des aus Granit und Obernkirchener Sandstein geschaffenen Denkmals war ein Reliefmedaillon von Wilhelm I. zu sehen. Die feierliche Enthüllung des Siegesdenkmals wurde am 30. September 1872 vom preußischen Regierungskommissar vollzogen. Ein zweites, ganz ähnliches Siegesdenkmal entstand bei Arnkiel auf Alsen.

Seit der Abtretung Nordschleswigs im Jahr 1920 lag das Denkmal in Dänemark. Im Mai 1945, acht Tage nach Ende des Zweiten Weltkriegs und der deutschen Besatzung Dänemarks, sprengten Dänen das Denkmal. Im Juni 1945 folgte das Arnkiel-Denkmal. Die Trümmer des Düppeler Denkmals wurden in einer nahegelegenen Mergelgrube vergraben. Ein Gerichtsbeschluss untersagte den damaligen und zukünftigen Besitzern der Grube, die Trümmer jemals wieder auszugraben.[10] Erhalten blieb ein Sockelrelief, das im Museum Schloss Sonderburg ausgestellt ist.

Der Bismarckturm auf dem Knivsberg wurde schon 1919 – vor der Volksabstimmung in Schleswig – auf den Aschberg (Schleswig-Holstein) verbracht.[10]

Dänische Sicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historiecenter Dybbøl Banke

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Inge Adriansen: Erindringssteder i Danmark. Monumenter, mindesmærker og mødesteder, Museum Tusculanum, Kopenhagen 2011, ISBN 978-87-635-3173-3.
  • Klaus Alberts: Düppel 1864, Schleswig-Holstein zwischen Dänemark und Preußen, Boyens Buchverlag 2013, ISBN 978-3-8042-1384-5.
  • Tom Buk-Swienty: Schlachtbank Düppel. 18. April 1864. Die Geschichte einer Schlacht. Aus dem Dänischen von Ulrich Sonnenberg. Osburg, Berlin 2011, ISBN 978-3-940731-72-2.
  • Jan Ganschow, Olaf Haselhorst, Maik Ohnezeit: Der Deutsch-Dänische Krieg 1864. Vorgeschichte – Verlauf – Folgen. Ares, Graz 2013, ISBN 978-3-902732-16-3.
  • Frank Jung: 1864 - der Krieg um Schleswig-Holstein. Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag, Flensburg / Ellert & Richter, Hamburg 2014, ISBN 978-3-8319-0566-9.
  • Klaus Müller: Tegetthoffs Marsch in die Nordsee. Oeversee, Düppeler Schanzen, Helgoland im deutsch-dänischen Krieg 1864. Styria, Graz [u. a.] 1991, ISBN 3-222-12007-2.
  • Ferdinand Pflug: Der Deutsch-Dänische Krieg. Rockstuhl, Bad Langensalza 1865/2009, ISBN 978-3-86777-090-3.
  • Gerd Stolz: Das deutsch-dänische Schicksalsjahr 1864. Husum, Husum 2010, ISBN 978-3-89876-499-5.
  • Winfried Vogel: Entscheidung 1864. Das Gefecht bei Düppel im Deutsch-Dänischen Krieg und seine Bedeutung für die Lösung der deutschen Frage. Bernard & Graefe, Koblenz 1987, ISBN 3-7637-5840-2.
  • Caroline Elisabeth Weber: Der Wiener Frieden von 1864: Wahrnehmungen durch die Zeitgenossen in den Herzogtümern Schleswig und Holstein bis 1871 (= Kieler Werkstücke: Reihe A: Beiträge zur schleswig-holsteinischen und skandinavischen Geschichte, Band 41). Lang, Frankfurt am Main 2015, ISBN 978-3-631-66729-3 (Magisterarbeit Universität Kiel [2015] 164 Seiten).

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Düppeler Schanzen – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der Deutsch-Dänische Krieg 1864. Herausgegeben vom Großen Generalstab. Berlin 1887, Band 2, Anlage Nr. 61.
  2. Düppel. In: Brockhaus Konversations-Lexikon 1894–1896, 5. Band, S. 614–615 (hier S. 615).
  3. Theodor Fontane: Der Schleswig-Holsteinsche Krieg im Jahre 1864, Baltica-Verlag, Flensburg, 1999, ISBN 3-934097-02-2
  4. Theodor Fontane: Der Schleswig-Holsteinsche Krieg im Jahre 1864, S. 249.
  5. Jürgen Müller: Der Deutsche Bund 1815–1866. Oldenbourg, München 2006, ISBN 978-3-486-55028-3, S. 46.
  6. Schleswigsche Kriege. Gesellschaft für schleswig-holsteinische Geschichte, abgerufen am 24. März 2013.
  7. Krigen i 1864. Grænseforeningen, abgerufen am 24. März 2013.
  8. Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Band 5 Fünf Schlösser, „Dreilinden“.
  9. Stefan Jacobs: Viktorias neue Kleider, Der Tagesspiegel, 16. Februar 2010, abgerufen am 9. August 2015.
  10. a b Nordschleswig – Grenzziehungen und Grenzgänge. Denkmäler und ihre Geschichte im deutsch-dänischen Grenzgebiet (Deutschlandradio Kultur 2014)

Koordinaten: 54° 54′ 25″ N, 9° 45′ 29″ O