Flingern

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Wappen der Landeshauptstadt Düsseldorf
Flingern

Stadtteil der Landeshauptstadt Düsseldorf
Führt kein Wappen.svg
Lage im Stadtgebiet
Basisdaten
Geographische Lage: 51° 14′ N, 6° 49′ OKoordinaten: 51° 14′ N, 6° 49′ O
Höhe: 44 m ü, NN
Fläche: 4,20 km²
Einwohner: 31.038 (31. Dezember 2013)
Bevölkerungsdichte: 7.390 Einwohner je km²
Stadtbezirk: Stadtbezirk 2
Verkehrsanbindung
Bundesstraße: B8
S-Bahn: S 1 S 6 S 8 S 11 S 28 S 68
Stadtbahn: U 71 U 72 U 73 U 75 U 83
Straßenbahn: 706 708 709
Buslinie: 725 734 736 737 738 834
Nachtverkehr: NE 2 NE 3 NE 4 NE 5 810 815

Flingern ist ein traditionelles Arbeiterwohnquartier östlich der Düsseldorfer Innenstadt im Düsseldorfer Stadtbezirk 2.

Flingern setzt sich aus den Stadtteilen Flingern-Nord und Flingern-Süd zusammen, die seit der Industrialisierung eine unterschiedliche Entwicklung genommen haben. Ab den 1980er Jahren hat sich dieser Unterschied vertieft. Heute ist Flingern-Nord mit seinem alten Baubestand ein vorwiegend von jüngerem städtischen Publikum geprägter Stadtteil, der einem zunehmenden Gentrifikationsprozess unterliegt.[1] Flingern-Süd dagegen hat auch heute noch seine industrielle Prägung bewahrt und ist weiterhin ein Arbeiterviertel mit hohem Migrantenanteil.

Trotz dieser Unterschiede werden die beiden Stadtteile in der Praxis als einer wahrgenommen. Selbst die städtischen Verkehrsschilder weisen nur auf „Flingern“ hin.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flingern liegt südlich von Düsseltal, nordöstlich von Oberbilk, nördlich von Lierenfeld, südwestlich von Grafenberg und östlich der Stadtmitte. Die Bahnlinie Düsseldorf–Wuppertal trennt die Stadtteile Flingern Nord und Flingern Süd.[2][3]

Flingern-Nord hat eine Fläche von 2,7 km², Flingern-Süd von 1,5 km².

Demographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flingern-Nord[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Flingern-Nord leben 21.056 Menschen (Stand: 30. November 2007) in etwa 12.000 Haushalten. Der größte Teil der Bewohner (über 9.000) gehört der Altersgruppe der 18- bis 49-Jährigen an. Der Altersdurchschnitt liegt bei 42 Jahren. Jugendliche stellen 8,9 % der Gesamtbevölkerung. Alle Schulformen mit Ausnahme von Gesamtschulen sind im Stadtteil angesiedelt. Der Anteil nichtdeutscher Staatsbürger liegt mit 18,9 % leicht über dem städtischen Durchschnitt, die Arbeitslosenquote mit 19,1 % deutlich über dem Schnitt.

Flingern-Süd[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Flingern-Süd leben etwas weniger, nämlich 9.522, Menschen (Stand: 30. November 2007) in etwa 5.200 Haushalten. Die Bevölkerungsdichte ist etwas geringer als im Norden. Der größte Teil der Bewohner gehört auch in Flingern-Süd der Altersgruppe der 18- bis 49-Jährigen an, der Relativanteil ist geringfügig höher (47 %) als im Norden Flingerns, der relative Anteil Jugendlicher ebenfalls höher (10 %). Der Altersdurchschnitt liegt bei nur 39 Jahren, also 3 Jahre unter dem städtischen Schnitt. Der Anteil nichtdeutscher Staatsbürger liegt mit 34,2 % deutlich über dem Durchschnitt, die Arbeitslosenquote mit 26,6 % deutlich über dem Schnitt der Stadt und auch der ohnehin schon über dem städtischen Mittel liegenden Quote des nördlichen Flingern.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Peter Kürten, der „Vampir von Düsseldorf“, 1931

Im Jahre 1193 wurde erstmals Flingern zusammen mit Lintorf, Saarn, Stockum, Ratingen und Derendorf erwähnt. Dieses Gebiet war weitgehend mit Wald bedeckt und die „Waldgrafschaft“ dafür wurde dem Stift Kaiserswerth von Kaiser Heinrich VI. in einer Urkunde bestätigt.[4] Der nordöstliche Bereich zwischen Düsseldorf und Gerresheim war nur dünn besiedelt. Beherrscht wurde das Gebiet spätestens ab der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts vom Rittergeschlecht Hayc von Flingern, welche als Holz- und Markgrafen dienten. Die Stadt Düsseldorf wuchs im 13. und 14. Jahrhundert weitgehend auf Grund und Boden der Flinger Ritter, deren Besitztümer zum Teil auch in der heutigen Altstadt lagen. Ihren Hof hatten sie auf dem Mühlenplatz. Das Geschlecht der Ritter von Flingern verlor bereits im 14. Jahrhundert an Bedeutung. Aus den ursprünglich im Flinger Wald gelegenen Speckerhöfen entstand das Kloster Düsselthal und rundherum der Stadtteil Düsseltal, der im Volksmund den Namen Zooviertel hat und sich nördlich an Flingern anschließt.

Kurfürst Jan Wellem erbaute den Flinger Steinweg (die heutige Schadowstraße in der Düsseldorfer Innenstadt), indem er den Weg von der Düsseldorfer Kernstadt nach Flingern pflastern ließ. Eine wichtige Verbindungsstraße bis hinaus zu den Gerresheimer Höhen war auch schon in früherer Zeit der durch Flingern führende Hellweg.

Flingern entwickelte sich während der Industrialisierung zu einem Arbeiterwohnviertel. Die industrielle Struktur ist in Flingern-Süd auch heute noch deutlich sichtbar. Die Müllverbrennungsanlage und das Heizkraftwerk Flingern mit der Zentrale der Düsseldorfer Stadtwerke und ein städtischer Recyclinghof sowie mittelständisches Gewerbe, ein Baumarkt und ein Schrottplatz prägen den Stadtteil. Das neue Spaßbad an der Stelle des alten Bades an der Kettwiger Straße (Außenfassade des Vorgängerbaus von Anfang der 1930er Jahre[5]), die neue „Automeile“ sowie die Umgestaltung der Stadtwerkezentrale zeigen aber auch den beginnenden Wandel, so etwa der 2005 eröffnete Stadtwerkepark. Auch Kleingartenanlagen im an Grünflächen armen Flingern stellen einen Ausgleich dar.

Flingern-Süd war Heimat und Wirkungsstätte des Serienmörders Peter Kürten, der in den 1920er und frühen 1930er Jahren in der Mettmanner Straße 71 wohnte.[6] Das Paul-Janes-Stadion am „Flinger Broich“, Spielstätte von Fußballlegenden wie Toni Turek, Jupp Derwall, Klaus Allofs und Paul Janes, ist die Keimzelle des Fußballvereins Fortuna Düsseldorf.

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fortuna-Fankultur
Wohnbebauung Hoffeldstraße, im Hintergrund das Heizkraftwerk Flingern
Stoffwerke an der Ackerstraße bei Flingern at night

Im Gegensatz zum südlichen Teil ist Flingern-Nord zu einem Kultur- und Einkaufsviertel geworden. Die Birkenstraße deckt als Einkaufsstraße den Bedarf des täglichen Lebens ab, während die Gegend um Ackerstraße und Hermannplatz die Gastronomieszene, junge Designermodeläden und Kunstgalerien angezogen hat.[7] Besondere Aufmerksamkeit erzielen die Veranstaltungen Flingern at night und Kunstpunkte (Öffnung von Künstlerateliers für die Öffentlichkeit).[8][9] Die Galerien und Ausstellungshäuser des Viertels, darunter die Sammlung Philara in der Birkenstraße 47a, die Galerie Konrad Fischer in der Platanenstraße 7 und die Galerie plan.d. in der Dorotheenstraße 59, etablierten sich als ein gefragter Standort des internationalen Kunsthandels.[10] Im Zusammenhang mit dem Strukturwandel und der gesteigerten Attraktivität wird der Stadtteil, der vor 20 Jahren noch als heruntergekommen galt, mit hochwertigem Wohnungsbau ergänzt. Der Bau- und Modernisierungsboom, der Flingerns aktuelle Entwicklung kennzeichnet, soll dem Stadtteil in den kommenden Jahren mehrere Tausend neue Bewohner bringen.[11] Dieser Boom führt auch zu Verdrängungseffekten.[12]

Bekannt ist das in Flingern-Süd in der Fichtenstraße liegende Zakk, das Zentrum für aktuelle Kunst, geprägt von urbaner Alternativ-Kultur. Die Veranstaltungen reichen von Disco, Tanzabenden und Live-Auftritten gefragter Bands bis zu mehr oder weniger bekannten Kleindarstellern. Es liegt in unmittelbarer Nähe der Kiefernstraße, die in den 1980er Jahren während der Hochzeit der Hausbesetzungen bundesweite Aufmerksamkeit erlangte. An der Ronsdorfer Straße im zum Stadtbezirk 8 gehörenden Lierenfeld hat in den 1980er und 1990er Jahren die aktuelle Musik- und Diskoszene, insbesondere die Techno-Szene (1990er), eine Heimat in Form der Großraumdiskotheken Stahlwerk und Tor 3 gefunden. Hier war auch bis Ende 2008 das „Café Rosa Mond“, ein autonomes Lesben- und Schwulenzentrum, in den ehemaligen Räumen des „Lesben- und Schwulenzentrums Düsseldorf (LuSZD)“ beheimatet. Das Musicalhaus Capitol sowie das benachbarte Tanzhaus NRW fanden beide in umgebauten Hallen und Häusern eines aufgegebenen Straßenbahndepots am östlichen Rand des Stadtteils unweit des Hauptbahnhofs ihre Räumlichkeiten.

Bei einem Sprengstoffanschlag am 27. Juli 2000 explodierte eine mit TNT gefüllte Rohrbombe am Zugang Ackerstraße des S-Bahnhofs Wehrhahn. Dabei wurden zehn Menschen zum Teil lebensgefährlich verletzt, eine im fünften Monat schwangere Frau verlor ihr ungeborenes Kind.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flingern ist an die S-Bahn Rhein-Ruhr durch die S-Bahnhöfe Düsseldorf-Flingern und Düsseldorf-Wehrhahn angeschlossen. Am Bahnhof Flingern verkehren die Linien S 8 nach Mönchengladbach, Wuppertal und Hagen, ab Hagen als S 5 auch nach Dortmund, S 28 nach Kaarst und Mettmann sowie zeitweise die S 68 nach Wuppertal-Vohwinkel und Langenfeld (Rheinland). Am Bahnhof Wehrhahn verkehren die Linien S 1 nach Solingen und in Richtung Ruhrgebiet über Duisburg, Essen, Bochum nach Dortmund, S 6 nach Köln und Essen, S 11 zum Düsseldorfer Flughafen und Bergisch Gladbach über Köln. Alle Linien führen über den Düsseldorfer Hauptbahnhof. Von Flingern-Süd aus ist der Hauptbahnhof sehr schnell zu erreichen.

Die Stadtbahnlinien U71, U72, U73, U 75 und U83 sowie die Straßenbahnlinien 706, 708 und 709 verbinden Flingern mit der Innenstadt, Oberkassel, Düsseltal, Grafenberg, Eller, Bilk und weiteren Stadtteilen sowie Neuss und Ratingen.

Die Bundesstraße 8 führt durch Flingern.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bärbel Hanenberg-Kranz: FLINGERN Kiez, Kunst & Kultur, Droste Verlag 2011, ISBN 9783770014385

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Martin Teigeler: Gentrifizierung in Großstädten: Vom Malocher-Viertel zur Top-Lage. Artikel vom 24. Juli 2013 im Portal www1.wdr.de, abgerufen am 10. August 2013
  2. OpenStreetMap / Relation / Flingern Nord (91146). Abgerufen am 6. August 2009.
  3. OpenStreetMap / Relation / Flingern Süd (91145). Abgerufen am 6. August 2009.
  4. Theodor Joseph Lacomblet, in: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheines und des Erzstiftes Cöln, Urkunde 540, 1840, Teil 1, S. [393]377. Online-Ausgabe 2009[1]
  5. Landeshauptstadt Düsseldorf - Düsseldorfer Stadtchronik 1930
  6. Der Vampyr von Düsseldorf. Die Akte Kürten. Die Akte (18): Maria Budlies (14. Mai 1931), Website vom 9. März 2011, abgerufen am 7. August 2013
  7. einkaufen-duesseldorf-flingern.de, Webseite
  8. http://www.einkaufen-duesseldorf-flingern.de/flingern-night
  9. duesseldorf.de: Kulturamt der Landeshauptstadt Düsseldorf
  10. Holger Lodahl: Kunst-Szene in Flingern feiert Superjahr. Artikel vom 20. Dezember 2014 im Portal rp-online.de, abgerufen am 20. Dezember 2014
  11. rp-online.de: Wie der Wandel in Flingern weitergeht, 28. November 2013
  12. Semiha Ünlü: „Trinkhalle“ feiert am 2. Januar Abschiedsparty. Artikel vom 20. Dezember 2014 im Portal rp-online.de, abgerufen am 21. Dezember 2014

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Düsseldorf-Flingern Nord – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Düsseldorf-Flingern Süd – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien