Oberkassel (Düsseldorf)

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Wappen der Landeshauptstadt Düsseldorf
Oberkassel

Stadtteil der Landeshauptstadt Düsseldorf
Führt kein Wappen.svg
Lage im Stadtgebiet
Basisdaten[1]
Geographische Lage: 51° 14′ N, 6° 45′ OKoordinaten: 51° 14′ N, 6° 45′ O
Fläche: 3,87 km²
Einwohner: 17.669 (31. Dezember 2013)
Bevölkerungsdichte: 4.566 Einwohner je km²
Eingemeindung: 1. April 1909
Stadtbezirk: Stadtbezirk 4
Stadtteilnummer: 041
Verkehrsanbindung
Bundesstraße: B7
Stadtbahn: U 70 U 74 U 75 U 76 U 77
Buslinie: 828 833 834 835 836 862 863
Nachtverkehr: 805 809
Die Luegallee in Oberkassel
Kyffhäuserblock an der Luegallee

Oberkassel ist seit dem Jahr 1909 ein linksrheinischer Stadtteil Düsseldorfs, der zum Stadtbezirk 4 gehört. Häufig wird der gesamte Stadtbezirk fälschlicherweise als Oberkassel bezeichnet. Zwei Brücken verbinden Oberkassel mit dem rechtsrheinischen Düsseldorfer Stadtgebiet. Die Oberkasseler Brücke führt in Richtung Altstadt und Stadtmitte, die Rheinkniebrücke nach Unterbilk und Friedrichstadt.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aussicht von der Oberkassler Brücke

Oberkassel erhält durch einen Rheinbogen namens Rheinknie die Form einer Halbinsel. Außen vorgelagert sind die weitläufigen Wiesen der Flusslandschaft. Der Stadtteil liegt innerhalb des Düsseldorfer Innenstadtrings und ist dicht besiedelt. Eine Blockrandbebauung aus der Zeit zwischen 1900 und 1914 ist vorherrschend. Die Kriegsschäden fielen in Oberkassel deutlich geringer aus als in anderen Stadtteilen. Als Wohnstandort ist Oberkassel äußerst beliebt, da es hier viele der in Düsseldorf begehrten großen Altbauwohnungen gibt und der Stadtteil zugleich eine gute und gehobene Infrastruktur bietet. Die in Rheinlage liegenden Wohnungen bieten zum Teil schöne Ausblicke auf die Düsseldorfer Skyline und gehören zu den teuersten Wohnlagen der Landeshauptstadt. Oberkassel hat, wie das benachbarte Niederkassel, einen hohen Anteil an japanischen Einwohnern. Die starke, auch internationale, Nachfrage nach Oberkasseler Wohnimmobilien führte in den letzten Jahrzehnten zu einem starken Preisanstieg mit einhergehender Gentrifizierung.

Mit einem jährlichen Durchschnittseinkommen von 76.902 Euro gehört Oberkassel zu den reichsten Stadtteilen Düsseldorfs (Stand 31. Dezember 2007).

Die Luegallee ist Magistrale und Haupteinkaufsstraße des Stadtteils. Neben dem Angebot des täglichen Bedarfs finden sich hier auch viele inhabergeführte Fachgeschäfte und Boutiquen. Ein reiches gastronomisches Angebot sowohl auf der Luegallee als auch in den angrenzenden Seitenstraßen zieht Besucher aus anderen Stadtteilen nach Oberkassel.

Oberkassel ist als Standort bei Freiberuflern, insbesondere Rechtsanwälten, Grafikern, Designern und Werbefachleuten beliebt. Viele Künstler hatten oder haben in Oberkassel ihre Ateliers, darunter Joseph Beuys, Gotthard Graubner, Walter Ophey, Günther Uecker und Jörg Wiele.

Oberkassel ist Sitz des Handelshauses Grondmet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pontonbrücke zwischen Oberkassel und Düsseldorf, Stich um 1850
Drakeplatz 1905

Im Bereich Hansaallee – etwa 750 m vom mittelalterlichen Ortskern von Oberkassel entfernt – liegt ein größeres frühmittelalterliches Gräberfeld, von dem gelegentlich Ausschnitte untersucht wurden. Bei einer Grabung 1929 wurden 14 Gräber freigelegt, die Funde kamen in das Düsseldorf Stadtmuseum. Sie zeigen eine lange Benutzung von etwa 500–700 n. Chr. an.[2] In den Schriftquellen wird der Ort erstmals zum Jahr 1218 erwähnt.[3] Oberkassel war dann Teil der erstmals im 9. Jahrhundert erwähnten Landgemeinde Heerdt. Getrennt durch den Rhein und aufgrund der politischen Zugehörigkeit zu Kurköln orientierte sich das kleine Dorf eher zum linksrheinischen Hinterland als zur rechtsrheinisch gelegenen Stadt Düsseldorf, die zum Herzogtum Berg gehörte. Allerdings erbaute Kurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz (Jan Wellem) am Oberkasseler Rheinufer 1689 mit der Fort Düsselburg einen Schutz für die Stadt Düsseldorf. Ab 1699 gab es eine regelmäßige Verbindung nach Düsseldorf in Form einer Gierponte. Von 1794 bis 1815 gehörte Oberkassel als Teil des Linken Rheinufers zu Frankreich. Mit Beginn der preußischen Herrschaft wurde die Landgemeinde Heerdt 1816 dem Landkreis Neuß zugeschlagen. 1839 wurde dann mit einer Pontonbrücke die erste halbwegs feste Verbindung zwischen Düsseldorf und Oberkassel errichtet. 1854 wurde Oberkassel an die Bahnstrecke Aachen–Düsseldorf angeschlossen, wobei der Personenverkehr am Belsenplatz in Oberkassel endete. Die Güter konnten per Bahn noch bis zur Pontonbrücke geführt werden, wo sie umgeladen wurden. In der Nähe des Bahnhofs kam es 1861 auch zur Gründung der Rheinischen Porzellanmanufaktur Oberkassel.[4] Das Unternehmen bestand dort bis 1890.

Heinrich Lueg, Franz Haniel junior, August Bagel und Friedrich Vohwinkel hatten 1895 ein Konsortium gebildet, welches sich zur Aufgabe machte, eine feste Rheinbrücke sowie eine Kleinbahnstrecke von Düsseldorf nach Krefeld zu errichten. Weiterhin sollten Grundstücke in Oberkassel angekauft und zur Bebauung entwickelt werden; diese Grundstücke wurden für 30 Pfennig pro m² angekauft und für 30 Mark pro m² nach Erbauung der Oberkassler Brücke verkauft. 1896 wurde die Rheinische Bahngesellschaft als Projektgesellschaft gegründet. Am 12. November 1898 war mit der Oberkasseler Brücke die erste feste Straßenbrücke zwischen Düsseldorf und seinen linksrheinischen Nachbargemeinden hergestellt, über die die erste elektrische Schnellbahn Europas nach Krefeld fuhr, die Mautgebühr kostete zusätzlich einen Groschen pro Fahrtrichtung.

Die Rheinische Bahngesellschaft errichtete einen neuen, starken Deich und durchzog Oberkassel mit einem Netz von Straßen. Die Entwicklung von Grundstücken entlang der neuen Bahntrasse war zur Finanzierung der Bahnbaus vorgesehen. Ab 1906 bis 1914 erfolgte eine rege Bautätigkeit. Bis zum Ersten Weltkrieg war Oskar Rosendahl einer der wichtigsten Architekten für Oberkassel.[5] Er baute die Reihenhäuser Siegfriedstraße 5–23, mehrere Wohn- und Geschäftshäuser in der Dominikanerstraße, Mehrfamilienhäuser sowie Einfamilienhäuser. Durchschnittlich wurden in jedem Jahr hundert neue Häuser gebaut und die Einwohnerzahl stieg von 4400 im Jahr 1895 auf 11.400 im Jahr 1907. Am 1. April 1909 wurden Oberkassel gemeinsam mit den anderen Orten der alten Landgemeinde Heerdt, Niederkassel, Lörick und Heerdt nach Düsseldorf eingemeindet.

Am 1. August 1942 fielen beim ersten Großangriff auf Düsseldorf auch auf Oberkassel zahlreiche Bomben, und die St.-Antonius-Kirche wurde erheblich beschädigt.[6] Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs war der ehemalige Gauleiter der NSDAP Friedrich Karl Florian dafür verantwortlich, dass noch kurz vor Sprengung der Oberkasseler Rheinbrücke/Skagerrak-Brücke am 3. März 1945 in Düsseldorf minderjährige Hitlerjungen aus dem linksrheinischen Stadtteil Oberkassel geholt wurden und anschließend völlig unzureichend bewaffnet und aussichtslos südöstlich von Düsseldorf gegen amerikanische Panzertruppen eingesetzt wurden. Nur zwei Jugendliche aus der dortigen Hitlerjugend überlebten.

Nachdem die Amerikaner Oberkassel im Laufe des 3. März besetzt hatten und sämtliche Brückenverbindungen in das rechtsrheinische Stadtgebiet gekappt waren, wurde der Rhein zur Frontlinie. Es folgten sieben Wochen gegenseitigen Beschusses, dem auf Oberkasseler Seite etwa 200 Zivilisten zum Opfer fielen. Mangels schwerer Munition auf Seiten der Wehrmacht hielten sich die Gebäudeschäden im linksrheinischen Düsseldorf jedoch in Grenzen. Auch waren die Bombenschäden vergleichsweise gering, sodass Oberkassel noch heute ein weitgehend geschlossenes Bild einer Bürgerhausbebauung aus der späten Gründerzeit und dem Jugendstil aufweist. 1992 wurden weite Teile des Stadtteils geschlossen unter Denkmalschutz gestellt. Das Denkmalschutzgebiet Oberkassel umfasst fast die Hälfte der bebauten Fläche des gesamten Stadtteils, überwiegend südlich der Luegallee[7] mit insgesamt 326 denkmalgeschützten Häusern.

Im Jahre 2011 wurde mit den Bauarbeiten für den so genannten Belsenpark begonnen, ein 15,2 Hektar großes Stadtentwicklungsgebiet auf dem Gelände des bis in die 1970er Jahre betriebenen Güterbahnhofs.[8] Die ersten Wohnungen und Einzelhandelsgeschäfte sowie eine zweigeschossige Tiefgarage wurden 2014 in Betrieb genommen.[9]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Größte Kirmes am Rhein: Einmal im Jahr, in der dritten Juli-Woche, findet zu Ehren des Düsseldorfer Stadtpatrons Apollinaris von Ravenna auf den Oberkasseler Rheinwiesen mit der Größten Kirmes am Rhein eines der großen Volksfeste in Deutschland statt. Gut vier Millionen Besucher machen sich in zehn Tagen auf den Weg nach Oberkassel.

Tourismus, Freizeit, Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jugendherberge Düsseldorf: die 2006 neu erbaute Düsseldorfer Jugendherberge befindet sich an der Rheinkniebrücke
  • Rheinwiesen: Die weitläufigen Rheinwiesen mit ihren Deichen bieten Spaziergängern, Radfahren, Joggern und anderen Freizeitsportlern gute Bedingungen mitten in der Stadt. Auch finden hier Drachenfreunde den nötigen Freiraum und Wind, da der Rheinverlauf eine Frischluftschneise durch die Stadt bildet.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • In Oberkassel gibt es zwei Grundschulen, ein Gymnasium sowie die private Japanische Internationale Schule. Im benachbarten Stadtteil Niederkassel befinden sich ein weiteres Gymnasium, eine Realschule sowie eine katholische Grundschule.
  • Stadtteilbibliothek: Die Stadt Düsseldorf unterhält in Oberkassel eine von 13 Stadtteilbibliotheken der Stadt. Es handelt sich um den einzigen linksrheinischen Standort.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Feuer- und Rettungswache 2: im Stadtteil Oberkassel, an der Quirinstraße 49, ist die Feuer- und Rettungswache 2 der Berufsfeuerwehr Düsseldorf stationiert.[10]
  • Neben der St.-Antonius-Kirche hat auch die Polizei einen Standort.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Günter Elbin: Düsseldorf und die Lande zwischen Maas und Rhein. Prestel-Verlag, München 1989, ISBN 3-7913-0895-5.
  • Roland Kanz und Jürgen Wiener: Architekturführer Düsseldorf. Dietrich Reimer Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-496-01232-3.
  • Verkehrs- und Verschönerungs-Verein für den linksrheinischen Teil der Stadt Düsseldorf e. V. (Hrsg.): Unser Jahrhundert. Chronik einer Halbinsel, Düsseldorf – Linksrheinisch 1904–2004. Grupello Verlag, Düsseldorf 2004, ISBN 3-89978-017-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Düsseldorf-Oberkassel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Amt für Statistik und Wahlen der Landeshauptstadt Düsseldorf: Statistiken für den Stadtteil 041 – Oberkassel
  2. Frank Siegmund: Merowingerzeit am Niederrhein. Rheinische Ausgrabungen 34. Rheinland-Verlag, Köln 1998, S. 336–341.
  3. Th. J. Lacomblet: Archiv für die Geschichte des Niederrheins VI. Köln 1868, § 8. – H. Mosler: Bemerkenswerte Höfe in der alten Gemeinde Heertdt. Düsseldorfer Jahrbuch 48, 1956, S. 165–192.
  4. Hans Seeling: Düsseldorfer Heimatblätter. Das Tor. Heft 1/1984. Düsseldorfer Porzellanfabriken, S. 12–13.
  5. Wolfram Hagspiel: Oskar Rosendahl. In: Köln und seine jüdischen Architekten. J. P. Bachem Verlag, Köln 2010, ISBN 978-3-7616-2294-0, S. 349.
  6. Benedikt Mauer: Düsseldorf im Bombenkrieg.
  7. Satzung zum Schutz des Denkmalbereichs Düsseldorf-Oberkassel in der Landeshauptstadt Düsseldorf
  8. Entwicklungsgebiet „Ehemaliger Güterbahnhof Oberkassel“ (Belsenpark - Oberkassel) Stadtplanungsamt Landeshauptstadt Düsseldorf, abgerufen am 14. April 2015.
  9. Düsseldorf. Belsenpark: Wohnen auf der Baustelle. Bei: RP-ONLINE.de. 7. November 2014.
  10. Stadt Düsseldorf: Feuerwehr - Übersicht Feuerwachen, abgefragt am 7. August 2012.