DAStietz

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Kulturkaufhaus DAStietz
Versteinerte Bäume im Innenhof
Veranstaltungssaal

DAStietz (gesprochen „Das Tietz“) ist ein Kulturzentrum in Chemnitz, das auch den Titel „Kulturkaufhaus“ trägt. In dem 1913 von Wilhelm Kreis erbauten ehemaligen Kaufhaus Tietz sind seit 2004 auf rund 20.000 Quadratmetern Gewerbefläche eine Volkshochschule, die Stadtbibliothek Chemnitz, das Museum für Naturkunde Chemnitz, die Neue Sächsische Galerie sowie einige Geschäfte und Cafés untergebracht. Die städtischen Mieter belegen rund 17.000 Quadratmeter. Im großen Lichthof befindet sich der Versteinerte Wald. Das Haus wird als Eigenbetrieb der Stadt Chemnitz geführt. „DAStietz“ ist eine seit Januar 2004 eingetragene Wortmarke der Stadt Chemnitz.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebäude wurde 1912 bis 1913 von Wilhelm Kreis als Warenhaus der H. & C. Tietz AG errichtet. Der Stahlbeton-Skelettbau mit seinen drei Lichthöfen war für damalige Verhältnisse sehr modern und besaß ein aufwändiges Interieur. Der Konzerngründer Oscar Tietz ließ seine Frau mit einer Skulptur an der Fassade verewigen. Zu Spitzenzeiten beschäftigte das Warenhaus bis zu 1200 Angestellte und Arbeiter. Daher wurde bereits 1926–1927 ein von Erich Basarke entworfener Erweiterungsbau errichtet.

Das Warenhaus wurde am 8. November 1938 von den Nazis geschlossen, da die Eigentümer-Familie Tietz und ihre leitenden Mitarbeiter Juden waren. Der Direktor Hermann Fürstenheim wurde während der Novemberpogrome 1938 von SA- und SS-Leuten in seinem Wohnhaus erschossen.[1]

In der folgenden Zeit wurde das Innere des Warenhauses umgebaut und hauptsächlich zu Lagerzwecken genutzt. In den Kellerräumen befand sich während des Zweiten Weltkriegs ein Marinelager der Wehrmacht. Bei den alliierten Bombenangriffen auf Chemnitz am 5. März 1945 wurde das Gebäude getroffen und brannte weitgehend aus, nur Basarkes Erweiterungsbau blieb unversehrt. Das Marinelager im Keller, in dem sich hauptsächlich Kleidung befand, und das vom Brand verschont blieb, wurde anschließend durch die Zivilbevölkerung geplündert.[2]

Nach Kriegsende wurde der verbliebene Erweiterungsbau als Konsum-Kaufhaus genutzt. 1957 wurde vom Rat des Bezirks und Rat der Stadt Karl-Marx-Stadt unter Max Müller und Walter Buchheim der Wiederaufbau der ausgebrannten Ruine beschlossen. Geplant waren die Rekonstruktion und der Umbau zu einem modernen Volkseigenen Kaufhaus bis 1961. Ausgeführt wurde das Bauvorhaben mit einem Volumen von 13,2 Millionen Mark jedoch erst von 1960 bis 1963. Am 28. März 1963 wurde das HO-Warenhaus „Zentrum“ als Centrum Warenhaus der HO eröffnet. Mit 10.500 m² Verkaufsfläche, die sich auf 24 Abteilungen in vier Etagen verteilten, gehörte es zu den größten und modernsten Kaufhäusern der DDR. Die zweite Filiale in Chemnitz wurde das ehemalige Chemnitzer Kaufhaus Schocken, das Sortiment wurde auf beide Filialen verteilt.

Mit der Wende wurde das Kaufhaus von der Kaufhof AG erworben und bis 2001 gemeinsam mit dem Schocken als Kaufhaus weitergeführt. Die Aufteilung der Abteilungen auf die beiden Filialen wurde nahezu unverändert übernommen. Bis 2004 wurde das Gebäude aufwändig saniert und dient heute als Kulturkaufhaus.[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Susanne Heim (Red.): Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945, Band 2: Deutsches Reich 1938 – August 1939. De Gruyter Oldenbourg, Berlin / Boston 2009, ISBN 978-3-486-70872-1, S. 520.
  2. kulturkaufhaus-tietz.de: Leser berichten über ihre Erinnerungen an das Tietz - Plünderungen im Mai 1945. Abgerufen am 18. Januar 2013.
  3. kulturkaufhaus-tietz.de: Geschichte des Kaufhauses. Abgerufen am 18. Januar 2013.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kaufhaus Tietz (Chemnitz) – Sammlung von Bildern

Koordinaten: 50° 49′ 51,2″ N, 12° 55′ 24″ O