DB-Baureihe 490

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DB-Baureihe 490
Baureihe 490
Baureihe 490
Nummerierung: 490 001–051 (Einsystem)
490 100–130 (Zweisystem)[1]
Anzahl: 82 ausgeliefert (davon 8 Vorserie)
64 bestellt
Hersteller: Bombardier, Alstom
Baujahr(e): 2013–2020, 2025–2026
Achsformel: 2’Bo’+Bo’Bo’+Bo’2’
Bauart: Elektrotriebwagen
Gattung: ET – elektrischer Triebzug
Spurweite: 1435 mm
Länge über Kupplung: 66 000 mm
Höhe: 3,760 m[2]
Breite: 3,014 m[2]
Drehgestellachsstand: 2,2 m
Dienstmasse: 128 t (490.1);
135 t (490.2)
Höchstgeschwindigkeit: 140 km/h
Dauerleistung: 8 × 200 kW
Stromsystem: 1200 V =
15 kV, 16,7 Hz ~
(nur 490.2)
Stromübertragung: Stromschiene
Oberleitung
(nur 490.2)
Anzahl der Fahrmotoren: 8
Betriebsart: S-Bahn
Kupplungstyp: Scharfenbergkupplung
Sitzplätze: 172 + 18 Klappsitze[2]
Stehplätze: 279[2]
Fußbodenhöhe: 1020 mm
Klassen: 2. Klasse
Besonderheiten: Klimaanlage vorhanden

Bei der Baureihe 490 handelt es sich um elektrische Triebzüge speziell für das Hamburger S-Bahn-Netz. Neben Einheiten für das 1200-V-Gleichstromnetz werden auch Zweisystemtriebzüge beschafft, die zusätzlich im mit 15 kV Wechselspannung bei 16,7 Hz elektrifizierten Netz verkehren können.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Planung und Fertigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen des neuen Verkehrsvertrages der S-Bahn Hamburg sollen die Züge der DB-Baureihe 472 durch Neubaufahrzeuge ersetzt werden. Im Juni 2013 gewann Bombardier die Ausschreibung bzw. erhielt den Auftrag zur Fertigung von zunächst 60 Einheiten.[2] Im Januar 2016 besuchte S-Bahn-Vorstand Kay-Uwe Arnecke zusammen mit Pressevertretern die Fertigungshallen des Herstellers Bombardier in Hennigsdorf bei Berlin.[3]

Probebetrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Oktober 2016 bis Frühling 2018 fuhren die Vorserienzüge im Probebetrieb durch das Hamburger S-Bahnnetz.[4]

Probleme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Probebetrieb wurden einige technische Probleme an den Triebzügen festgestellt, so betrug die Höchstgeschwindigkeit anfangs nur 80 km/h. Somit war auch ein Betrieb auf der S3 nach Stade nicht möglich. Im Jahr 2019 wurde die Höchstgeschwindigkeit auf 95 km/h angehoben. Die Züge waren somit betrieblich nur noch marginal leistungsschwächer als die Vorgängerbaureihe 474. Ein Betrieb auf der S3 wurde hiermit möglich. Seit November 2020 sind die Züge für 140 km/h zugelassen. Seit Dezember 2020 wird diese Geschwindigkeit auf der S3 im Wechselspannungsnetz ausgefahren.

Des Weiteren wurde die Betriebsstabilität auf der S21 durch häufige Türstörungen beeinflusst. Zum Ende des Jahres 2019 konnten diese Probleme deutlich verringert werden.

Die Auslieferung verzögerte sich aufgrund erheblicher Probleme an Soft- und Hardware. Alle gelieferten Fahrzeuge wurden erneut zu Bombardier gefahren, um die schadhaften Primärfedern zu tauschen. Der Tausch ist seit November 2020 abgeschlossen.

Fahrgastbetrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach erfolgreicher Zulassung sollte der Probebetrieb mit Fahrgästen im Frühjahr 2018 auf allen S-Bahn-Linien beginnen.[5] Im April 2018 wurden in den Einheiten der Baureihe 474 und an öffentlichen Plakatwänden Plakate mit Abbildung der neuen Baureihe 490 und der Aufschrift: „Öffnet bald die Türen: Hamburgs neustes Wahrzeichen. Der neue ET 490 kommt. So läuft’s in Hamburg.“ plakatiert. Der Fahrgasteinsatz begann am 24. Mai 2018 mit den ersten beiden zugelassenen Einheiten.

Seitdem verkehren die neuen Züge größtenteils auf der Linie S21. Zum Teil kommen sie auch auf der Linie S3 zum Einsatz. Noch bis zum Dezember 2018 sollten rund 60 Einheiten der neuen Baureihe unterwegs sein. Anfang Oktober 2018 wurde bekannt, dass sich die Auslieferung von 50 Zügen bis voraussichtlich Mitte 2019 verzögern wird.[6] Die Fahrzeuge sollen primär die Baureihe 472 auf den Linien S21 und S2 ersetzen.[5] Von Herbst 2019 bis Frühling 2020 wurde ein Zug auf der S3 eingesetzt. Seit Dezember 2020 kommen die Züge planmäßig auf der S3 zum Einsatz. Zwischen Dezember 2019 und Sommer 2020 wurde die S31 komplett auf diese Züge umgestellt. Außerdem verkehren einige Einheiten seit Dezember 2020 auf der Linie S11. Ein Einsatz auf der S1 ist nicht geplant.

Beschaffung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Beginn sollten insgesamt 60 Züge bestellt werden, wovon 56 Ein- und 4 Zweisystemeinheiten sein sollten. Später wurde die Bestellung angepasst. Nun werden 29 Ein- und 31 Zweisystemeinheiten gebaut.

Optionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Option 1 (Verstärkung innerstädtischer Verkehr) - 22 Einsystemzüge:

Verstärkung des innerstädtischen Verkehrs für die durchgehende S31 bis Neugraben, längere Betriebszeiten der S11 und S2 sowie zur Einrichtung einer S32. Eingelöst in zwei Lieferlosen:

  • Lieferlos 1: 12 weitere Züge bis 2018
  • Lieferlos 2: 10 weitere Züge bis 2019

Option 2 (S21 Kaltenkirchen) - 20 Zweisystemzüge:

Umstellung der S21 auf Zweisystemzüge im Zuge einer Verlängerung bis Kaltenkirchen.

  • Bestellung für Mai 2021 fest geplant

Option 3 (S4-Ost Bad Oldesloe) - 29 Zweisystemzüge:

Für die S4 bis Bad Oldesloe werden weitere 29 Zweisystemtriebzüge benötigt.

  • Bestellung für Mai 2021 fest geplant

Option 4 (S4-West Itzehoe/Wrist) - 15 Zweisystemzüge:

Im Falle einer Verlängerung der S4 von Altona bis Itzehoe/Wrist werden weitere 15 Zweisystemeinheiten benötigt.

Im März 2021 wurde bekannt, dass die Stadt Hamburg und die S-Bahn Hamburg die Beschaffung 64 weiterer Zweisystemzüge planen. Die verbindliche Bestellung beim Hersteller soll im Mai 2021 erfolgen.[7] Die neu zu beschaffenden Einheiten sollen ab Werk mit Fahrzeuggeräten des europäischen Zugbeeinflussungssystems ETCS ausgestattet und für den automatisierten Betrieb ausgerüstet sein. Der Vertragsabschluss wurde im September 2021 verkündet. Die Fahrzeuge sollen in den Jahren 2025 und 2026 geliefert werden.[8] Der Auftragswert beträgt rund 500 Millionen Euro.[9]

Übersicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bestellung Anzahl Fzg. Einsystemfzg. Zweisystemfzg. Bestellung Liefertermine
Basis 60 29 31 Juni 2013
Option 1 22 22 - 2018 - 2019
Option 2 64 - 20 September 2021 2025 - 2026
Option 3 - 29
Option 4 - 15
SUMME 146 51 95

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zugzielanzeiger
Anzeigetafel im Inneren des Fahrzeuges

Es handelt sich um dreiteilige Triebzüge, deren Endwagen jeweils über einen Führerstand mit Crash-Absorbern verfügen. Alle Wagen verfügen beidseitig über drei Einstiegstüren, die Endwagen zusätzlich über je eine Führerstandstür. Die Mittelwagen und zusätzlich die dem Mittelwagen zugewandten Drehgestelle der Endwagen sind angetrieben. Die Hochspannungsausrüstung ist im Mittelwagen untergebracht. Der Haupttransformator befindet sich unterflur in zwei Bodenwannensegmenten.

Die Einholmstromabnehmer für Wechselstrom sind auf dem Mittelwagen angeordnet, die Stromabnehmer für Gleichstrom seitlich an den Drehgestellen in den Endwagen.

Als erste Einheiten der Hamburger S-Bahn verfügen die Triebzüge der Baureihe 490 über eine Klimaanlage.

Zudem gibt es ein modernes Fahrgastinformationssystem. Über vier Monitore pro Wagen werden die nächsten Stationen angezeigt, außerdem Informationen über Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke. In den Zügen gibt es neue Ansagen. An den größeren Bahnhöfen wird die Linie und das Zugziel sowohl im Innenraum als auch außen auf dem Bahnsteig auf Deutsch und Englisch durchgesagt. Über vier Kameras pro Wagen in der Decke erfolgt die Videoüberwachung.

Gestaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Triebwagen sind verkehrsrot lackiert, an der Dachkante und oberhalb der Bodenwanne ein weißer Zierstreifen, die Fahrgasttüren sind weiß abgesetzt. Die Fensterpartie an der Stirnfront ist schwarz gehalten, umrahmt von einem silberfarbenen „H“ für Hamburg. Für die Gestaltung der Baureihe 490 gewann der Hersteller Bombardier den Designpreis Brandenburg[10] und den German Design Award 2015.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jürgen Hörstel: Moin Hamburg! Ich bin der Neue... In: eisenbahn-magazin. Nr. 10, 2018, ISSN 0342-1902, S. 38–43.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: DB-Baureihe 490 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Fahrzeugliste der Baureihe 490. In: DT5 Online. 7. April 2020, abgerufen am 11. März 2021 (deutsch).
  2. a b c d e Electric Multiple Unit Class 490, Hamburg, Germany. In: bombardier.com. Bombardier, abgerufen am 13. Februar 2018 (englisch).
  3. Hallo und Willkommen: Unser neuer ET 490! In: s-bahn.hamburg. S-Bahn Hamburg GmbH, 24. Februar 2017, abgerufen am 13. April 2018.
  4. ET 490 – Hamburgs neue S-Bahn. In: dt5online.de. DT5 Online, 12. April 2018, abgerufen am 13. April 2018.
  5. a b Neue S-Bahn-Züge: Probebetrieb mit Fahrgästen steht bevor. In: nahverkehrhamburg.de. Nahverkehr Hamburg, 13. April 2018, abgerufen am 13. April 2018.
  6. Ulrich Gaßdorf: Neue S-Bahnen kommen später – wegen Lieferschwierigkeiten. (abendblatt.de [abgerufen am 12. Oktober 2018]).
  7. 64 neue S-Bahn-Züge für Hamburg. Stadt Hamburg, Behörde für Verkehr und Mobilitätswende, 11. März 2021, abgerufen am 11. März 2021.
  8. Vertrag unterzeichnet: S-Bahn Hamburg bestellt bei Alstom weitere 64 S-Bahnen | Deutsche Bahn AG. Abgerufen am 8. September 2021.
  9. Vertrag unterzeichnet: S-Bahn Hamburg bestellt bei Alstom weitere 64 S-Bahnen. In: alstom.com. Alstom, 8. September 2021, abgerufen am 10. September 2021.
  10. Die Gewinner des Designpreises Brandenburg 2015 stehen fest Ministerium für Wirtschaft und Energie des Landes Brandenburg, 18. November 2015, abgerufen am 16. November 2015