DITIB-Zentralmoschee Köln

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DİTİB-Zentralmoschee Köln

Moschee im April 2015

Koordinaten: 50° 56′ 44″ N, 6° 55′ 42″ OKoordinaten: 50° 56′ 44″ N, 6° 55′ 42″ O
Ort Köln-Ehrenfeld
Grundsteinlegung 7. November 2009
Eröffnung noch nicht eröffnet
Richtung/Gruppierung sunnitisch
Architektonische Informationen
Architekt Gottfried und Paul Böhm
Einzelangaben
Kapazität 1.200
Minarette 2
Minaretthöhe 55 m

Website: zentralmoschee-koeln.de

Die DİTİB-Zentralmoschee Köln ist eine im Bau befindliche Moschee in Köln-Ehrenfeld, die der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DİTİB) als Zentralmoschee dienen soll. Über die Baugestaltung und Turmhöhe der Minarette wurden öffentliche Kontroversen geführt.

Die Eröffnung war ursprünglich für Mai 2012 geplant, wurde jedoch aufgrund von Baumängeln auf unbestimmte Zeit verschoben.

Planung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altes Moscheegebäude kurz vor dem Abriss
Abriss des alten Moscheegebäudes (Mai 2009)
Während der Grundsteinlegung
Baustelle im März 2012
Die Architekten Paul und Gottfried Böhm

Das Bauwerk entsteht auf dem Gelände der Deutschland-Zentrale der DİTİB an der Venloer Straße/Ecke Innere Kanalstraße in Köln-Ehrenfeld. Die Architekten Gottfried und Paul Böhm planten das Gebäude als Kuppelbau mit zwei Minaretten.[1] Das fünfstöckige Gebäude mit einer 35 Meter hohen Kuppel und zwei Minaretten von je 55 Metern Höhe soll 1.200 Gläubigen Platz bieten. Neben den Gebetsräumen sind im Gebäudekomplex auf rund 16.500 m² Nutzfläche eine Bibliothek, Schulungs- und Seminarräume, Flächen für Geschäfte und Dienstleistungsbetriebe und eine Tiefgarage vorgesehen.[2]

Am 22. August 2007 lehnten es DİTİB und Architekt Paul Böhm ab, die Moschee mit niedrigeren Minaretten zu bauen. Böhm erklärte, eine stimmige Architektur erreiche man nicht durch Kompromisse. Der Architekt zeigte anhand eines Modells und vieler Zeichnungen auf, dass die Moschee sich recht gut in das bauliche Umfeld einfüge. Mehrere Bürogebäude in der Nähe seien sogar höher als die geplanten Minarette. Diese sollen nun aber nicht mehr eckig werden, wie es das Modell noch zeigt, sondern rund und in sich gedreht: So würden sie leichter und abstrakter wirken. Der Architekt rechnete damals mit einem Baubeginn im Frühjahr 2008.[3]

Am 23. Januar 2008 wurden der Öffentlichkeit neue Pläne mit reduziertem Raumprogramm vorgestellt.[4] Am 28. August 2008 beschloss der Kölner Stadtrat schließlich die notwendige Änderung des Bebauungsplanes und schuf damit die rechtlichen Voraussetzungen für den Bau der Moschee.[5] Am 7. November 2008 erteilte die Stadt Köln der DİTİB die Baugenehmigung.

Bau und Verzögerungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Mai 2009 wurde die bestehende Bebauung auf dem Grundstück abgerissen und in den folgenden Monaten die Baugrube ausgehoben. Am 7. November 2009 fand die Grundsteinlegung für den Neubau statt. Auf der Veranstaltung mit rund 2000 Gästen sprachen unter anderen der türkische Staatsminister Faruk Çelik, der Integrationsbeauftragte der Landesregierung Thomas Kufen, der Diyanet-Präsident Ali Bardakoğlu, Architekt Paul Böhm sowie der ehemalige und der amtierende Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma und Jürgen Roters. Im Anschluss an die Festreden wurden die Grundsteine von den Teilnehmern symbolisch mit Zement befüllt und danach mit einem Kran zurück in die Baugrube transportiert.[6]

Am 2. Februar 2011 fand das Richtfest statt, nachdem die Rohbauten der 37 Meter hohen Kuppel und der zwei 55 Meter hohen Minarette fertiggestellt worden waren.[7] Der Bau sollte zum Jahreswechsel 2011/2012 eingeweiht[8] und schließlich im Mai 2012 eröffnet werden.[9] Am 27. Juni 2012 wurde der Eröffnungstermin auf voraussichtlich 2013 verschoben.[10]

Im Oktober 2011 wurde bekannt, dass die Bauherrin DİTİB die Zusammenarbeit mit dem Planungsbüro des Architekten Paul Böhm aufgekündigt hatte.[11][12] Sie warf dem Architekturbüro Mängel bei Planung und Bau der Moschee vor. Aufgelistet wurden rund 2.500 nach Auffassung der DİTİB bestehende Baumängel. Architekt Böhm bestritt diese und warf der DİTİB bewusste Diskreditierung seines Architekturbüros vor. Dem neuen DİTİB-Vorstand wurde vorgehalten, eine sehr traditionalistische Haltung zu vertreten und ein Problem mit Böhm zu haben. Die Kölner Politikerin Lale Akgün wies darauf hin, dass die DİTİB über die Religionsbehörde (Diyanet İşleri Başkanlığı) an die AKP-Regierung in der Türkei gebunden sei. Die politische Großwetterlage in der Türkei und damit auch bei der DİTİB in Köln sei deutlich konservativer geworden.[13][14]

Am 2. März 2012 gaben Böhm und DİTİB eine gemeinsame Pressekonferenz. Schramma hatte zuvor ein Mediationsverfahren geleitet.[15]

Ende August 2014 war ein Eröffnungstermin nicht absehbar.[16].

Im Oktober 2015 wurde die Kuppel des Gebäudes eingerüstet, um sie gegen Feuchtigkeit abzudichten.[17]

Kölner Zentralmoschee e. V.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Neben den Plänen der türkisch-staatlichen Organisation DİTİB strebte der Trägerverein Kölner Zentralmoschee e. V. (ein Zusammenschluss von zehn muslimischen Vereinigungen in Köln) zeitweise die Errichtung einer Zentralmoschee für alle Nationalitäten an.[18][19][20][21][22]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine im Auftrag des Kölner Stadt-Anzeigers im Juni 2007 durchgeführte repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts OmniQuest hat ergeben, dass 35,6 % der Kölner den Bau der Moschee uneingeschränkt befürwortete, weitere 27,1 % befürworteten den Bau bei Reduzierung der seinerzeit geplanten Größe und 31,4 % lehnten den Bau unabhängig von der Architektur ab. Insgesamt befürwortet die Mehrheit den Neubau dieser Moschee, wenn auch mit Einschränkungen.[23]

Die rechtsextreme Bürgerbewegung pro Köln protestierte gegen die Moschee. Ein Bürgerbegehren gegen den Neubau scheiterte Anfang Mai 2007 an zu vielen ungültigen Unterstützerunterschriften.[24]

Ralph Giordano protestierte gegen die Moschee-Planungen mit dem Argument, dass „sie angesichts der gescheiterten Integration ein falsches Bild von den wahren Beziehungen zwischen muslimischer Minderheit und Mehrheitsgesellschaft entwerfen.“[25] Dadurch kam die geplante Moschee bundesweit und international in die Schlagzeilen.[26]

Am 14. August 2007 sprach sich die Kölner CDU auf einem Parteitag mehrheitlich gegen einen Bau der Moschee in der geplanten Größe aus, obwohl sowohl Oberbürgermeister Fritz Schramma wie auch NRW-Integrationsminister Armin Laschet sich für den Bau eingesetzt hatten.[27][28]

Für Aufsehen sorgte ein Vorschlag Günter Wallraffs im September 2007. Nachdem die islamische Organisation DİTİB in der Diskussion um ihre geplante Großmoschee im Kölner Stadtteil Ehrenfeld ankündigte, diese auch für kulturelle Veranstaltungen zu öffnen, schlug Wallraff zur Besänftigung der Kritiker des Baus vor, dort aus Salman Rushdies Werk Die satanischen Verse zu lesen. Dies könne die Integration der in Deutschland lebenden Muslime erleichtern, indem ein Zeichen für die demokratisch-aufgeklärte Grundordnung gesetzt und ein deutliches Zeichen gegen den Islamismus gesetzt würde. DİTİB lehnte den Vorschlag ab. Wallraff wurde unterdessen in Internetforen von Islamisten bedroht.[29] Der Verband warf Wallraff Kompromisslosigkeit und mangelndes Verständnis für die religiösen Gefühle und Belange der muslimischen Gemeindemitglieder vor.[30] Die türkische Religionsanstalt hält es für legitim, dass man in einer Demokratie auch zu dem Schluss kommen könne, dass eine von einem prominenten Schriftsteller angefragte Veranstaltung nicht mit der religiösen Auffassung einer Moscheegemeinde zu vereinbaren sei. Gleichzeitig protestierte die DİTİB öffentlich gegen die Morddrohungen gegen Günter Wallraff.[31] Den Moscheebau als solchen hält Wallraff aufgrund des Grundrechts auf Religionsfreiheit für legitim. Er wandte sich dabei gegen Kritiker wie Giordano und erklärte, er wünsche sich „keine Pappmoschee, sondern eine touristische Attraktion“.

Der Landesvorstand NRW des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA e.V.) verurteilt die „Stimmungsmache“ gegen den Moscheebau in Köln-Ehrenfeld. Auch wenn Moscheen, Kirchen, Synagogen und Tempel „systematische Falschdenkschulen“ seien, gelte dennoch: „Wer eine Moschee bauen will, sich dabei an die allgemein geltenden Vorschriften hält und auch sonst rechtskonform ist, hat nach dem Grundgesetz und nach den allgemeinen Menschenrechten einen Anspruch darauf. Es ist und bleibt ein Grundrecht der Gläubigen, auch derlei archaische Religion zu praktizieren und sich entsprechende Einrichtungen aus eigenen Mitteln zu schaffen.“[32]

Salomon Korn, Architekt und Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, hält die sich abzeichnende „formale Diskrepanz“ zwischen zeitgenössischer Außen- und traditioneller Innengestaltung bei der Kölner Großmoschee vorrangig für kein ästhetisches Phänomen, sondern, ähnlich wie bei der Dresdner Synagoge, für das Symptom eines gesellschaftlichen Phänomens.[33]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: DITIB-Zentralmoschee Köln – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kölner Stadt-Anzeiger: Moderner Kuppelbau mit zwei Minaretten, 26. September 2006
  2. Zentralmoschee Köln. In: wettbewerbe aktuell. 36, Nr. 4, 2006, S. 47–60.
  3. WDR.de: Nur kein Schwein und keinen Alkohol – DİTİB stellt Pläne für Kölner Moschee vor, 22. August 2007
  4. WDR.de: Kölner Moschee nun doch kleiner – Pläne wurden überraschend geändert, 23. Januar 2008.
  5. WDR.de: Grünes Licht für Kölner Moschee – Kölner Stadtrat stimmt Plänen zu. 28. August 2008; Deutsche Welle: In Köln siegt die Vernunft – Moschee wird gebaut, 29. August 2008
  6. Kölner Stadt-Anzeiger: Grundsteinlegung für neue Moschee, 7. November 2009.
  7. vgl. Richtfest für Kölner Moschee bei rundschau-online.de, 2. Februar 2011 (aufgerufen am 3. Februar 2011).
  8. Vgl. Moschee in Ehrenfeld. In: Kölner Stadt-Anzeiger, 29. Januar 2011, S. 35.
  9. Besuch in Kölns neuer Moschee, RP Online.
  10. http://www.wdr3.de/kulturnachrichten/details.html?tx_ttnews%5Btt_news%5D=29846&tx_ttnews%5BbackPid%5D=1056
  11. Moschee-Bauherr kündigt Paul Böhm in Kölner Stadt-Anzeiger online, abgerufen am 23. Oktober 2011.
  12. http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/koelner-moschee-der-beschaedigte-neubau-11515644.html
  13. http://www.domradio.de/aktuell/77694/die-maengelliste-ist-nicht-zu-halten.html
  14. http://www.zentralmoschee-koeln.de/detail1.php?id=18&lang=de//.html
  15. RP 3. März 2012: Streit um Kölner Moschee vorerst beigelegt
  16. Andreas Rossmann: Neubauruine. faz.net, 24. August 2014, abgerufen am 24. August 2014
  17. Ditib-Zentralmoschee ist gerüstet für Betonarbeiten. In: Kölnische Rundschau. Abgerufen am 22. Oktober 2015: „Im Fokus steht dabei der Kuppelbau, in dem sich später einmal der Gebetssaal befinden wird. Der Kuppelbau wurde inzwischen für die Arbeiten außen und innen eingerüstet. Anschließend sollen die Betonschalen von außen gereinigt und hydrophobiert – also wasserabweisend behandelt – werden. Dies geschieht zum Schutz gegen Feuchtigkeit von außen.“
  18. FDP-Fraktion im Rat der Stadt Köln: Auch Moschee im Rechtsrheinischen. 21. August 2002
  19. islam.de: Minarette über Köln – das Stadtbild wird bereichert. 26. März 2006
  20. Islamische Zeitung via FDP-Köln: „Eine Moschee dort, wo Menschen leben“. 7. Dezember 2002 (Interview mit Vahid Catic, dem Vorsitzenden des Zentralmoschee Köln e. V.)
  21. Kölnische Rundschau via FDP-Köln: Moschee möglichst in der City – Islamische Organisationen müssen sich auf Träger einigen. 1. Oktober 2002
  22. die tageszeitung: Erstes Minarett über Köln. 3. März 2006
  23. Kölner Stadt-Anzeiger: Kölner gegen Moschee in geplanter Größe. 19. Juni 2007 (Ergebnisse der Umfrage als PDF; 526 KB)
  24. die tageszeitung: Rechte Dummheit. Wegen ungültiger Stimmen wird das Bürgerbegehren gegen den Bau einer Kölner Moschee nichtig. 9. Mai 2007
  25. Kölner Stadt-Anzeiger: Giordano attackiert erneut Islamisten und Wortlaut von Ralph Giordano. 1. Juni 2007:
  26. The New York Times: Germans Split Over a Mosque and the Role of Islam. 5. Juli 2007
  27. koeln.de: Kölner CDU will Änderung der Moschee-Pläne. 14. August 2007
  28. Die Welt: Religion: Kölner CDU stimmt für Moschee-Verkleinerung. 15. August 2007
  29. Spiegel Online: Streit um Moscheen-Lesung: Wallraff beschimpft Islamfunktionär. 25. September 2007
  30. Pressemitteilung der DİTİB: DİTİB äußert Unverständnis über Günter Wallraffs Ton. 25. September 2007
  31. Franz Sommerfeld, Der Moscheestreit; Beitrag von Günter Wallraff, S. 221
  32. Internationaler Bund der Konfessionslosen und Atheisten: Atheisten für Grundrecht auf Moscheebau. 1. Juni 2007
  33. Moschee auf der Alm: Zu schwach, um Fremdes zu ertragen?