DKW Hobby

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DKW Hobby Luxus
Markenemblem und Schriftzug am Beinschild einer DKW Hobby Luxus
DKW Hobby ht. (2013-09-03 museum mobile).JPG

Die DKW Hobby ist ein Motorroller, den DKW bzw. die Auto Union GmbH von 1954 bis 1957 in einer Auflage von 45.303 Stück baute.[1] 1953 entschloss sich das Unternehmen, noch ins Rollergeschäft einzusteigen, nachdem es vorher Piaggios Angebot abgelehnt hatte, die Vespa in Lizenz zu produzieren. Die Hobby war der meistgekaufte deutsche Motorroller des Jahres 1955.

Von 1957 bis 1962 baute die Manufacture de Machines du Haut-Rhin S. A, MANURHIN, Mulhouse, die DKW Hobby in Lizenz. Auffälliger Unterschied gegenüber dem Original ist die durchgehende Blechverkleidung des Aufbaus im Bereich des Hinterrades; das Original hatte dort einen Ausschnitt mit einem eingesetzten Aluminiumgitter.

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hobby ist eine eigene Konstruktion von DKW mit geschweißtem Zentralrohrrahmen, der den für Motorroller typischen Durchstieg bietet; er reicht vom Lenkkopf bis zur Lagerung der Hinterradschwinge. Tank und Motor sind unter dem Fahrersitz eingebaut. Das Fahrzeug ist voll verkleidet, wobei sich der Frontschild vor dem Fahrer bis unter den Lenker hochzieht und wirkungsvoll vor Straßenschmutz schützt. Die Hinterradverkleidung kann nach vorn hochgeklappt werden, um die Antriebseinheit freizugeben. Relativ große Räder (16″) sowie eine Teleskopgabel vorn und die hintere Schwinge mit Gummidruckfederung sind die prägenden Konstruktionsmerkmale des Fahrwerks. Wegen der recht hohen Lage des Kettenritzels – bedingt durch den nach vorn geneigten Einbau der Motor-Getriebe-Einheit – ist die Hinterradschwinge stark schräg gestellt.[2]

Der Roller war zunächst nur einsitzig erhältlich, denn die Vorderradbremse war verhältnismäßig schwach dimensioniert und die Karosserie für den Soziusbetrieb zu instabil. Ab Mai 1955 erschien die Hobby-Luxus mit einer im Durchmesser von 105 auf 125 mm vergrößerten vorderen Vollnabentrommelbremse. Die hintere Karosserie wurde verstärkt, sodass die Tragfähigkeit von 103 kg auf 156,5 kg stieg. Die Kette bekam einen geschlossenen Kettenkasten, ein Tachometer war jetzt serienmäßig und der Roller erhielt, dem Zeitgeist entsprechend, mehr Chromschmuck. Der Preis für die Hobby-Luxus betrug 950 DM, Soziuskissen und Soziusfußbretter waren als Sonderausstattung lieferbar. Die ursprüngliche Ausführung des Rollers wurde als Hobby I im Preis gesenkt und kostete nun 795 DM.[2]

Getriebe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Besonderheit des DKW-Rollers ist das stufenlose Riemengetriebe, System Uher[3], das ihn zum ersten deutschen Zweirad mit vollautomatischem Getriebe machte. Die beiden kegelig geformten Hälften der vorderen Riemenscheibe werden mit steigender Motordrehzahl durch Gewichte zusammen­gedrückt, die es wegen der Fliehkraft nach außen zieht. Die von einer Feder vorgespannten Hälften der ähnlich aufgebauten hinteren Riemenscheibe entfernen sich entsprechend voreinander. Dadurch läuft der breite Keilriemen auf unterschiedlichen Durchmessern, die Gesamtübersetzung kann zwischen 1 : 24,4 und 1 : 8,33 variieren.[4] Von der angetriebenen Riemenscheibe wird die Motorkraft über eine Vorgelegewelle und eine Zahnraduntersetzung mit Kette zum Hinterrad übertragen.[5]

Statt des üblichen Kupplungshebels hat die DKW Hobby links am Lenker einen Ausrückhebel, um das Riemengetriebe vor dem Anhalten in Leerlauf zu bringen. Er muss gezogen werden, um den Motor nicht abzuwürgen, jedoch erst bei einer Geschwindigkeit von weniger als 5 km/h.[2]

Motor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angetrieben wird die Hobby von einem gebläsegekühlten DKW-Einzylinder-Zweitaktmotor mit 74 cm³ Hubraum. Er hat Umkehrspülung und Mischungsschmierung (1 : 25). Bei der „Frischöl­mischungs­schmierung“ von DKW braucht man kein Gemisch zu tanken, sondern kann das Öl in den Tankstutzen gießen und dann das reine Benzin dazugeben. Ein Einsatz im Tankstutzen („Shell-Mischer“) bewirkt, dass sich beides ausreichend vermischt. Zum Anlassen gibt es nicht den gewohnten Kickstarter, sondern einen von Hand hochzureißenden Seilzug. Die 3 PS[6] - nach anderen Quellen 3,5 PS (2,6 kW)[7] – des kleinen Motors bringen den Roller auf eine Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h und ermöglichten eine Beschleunigung aus dem Stand auf 40 km/h in 8,5 Sekunden solo bzw. in 11,5 Sekunden mit zwei Personen.[6]

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Antriebseinheit und Hinterrad einer DKW Hobby Luxus ohne Verkleidung
DKW-Hobby-Motor und Teil des Getriebes
DKW Hobby Daten
Motor:  1-Zylinder-Zweitakt
Hubraum 74 cm³
Bohrung × Hub 45 mm × 47 mm
max. Leistung:  3 PS (2,2 kW) bei 5000/min
max. Drehmoment:  4,7 Nm bei 4250/min
Verdichtung:  6,1 bis 6,3 : 1
Kühlung:  Luftkühlung mit Gebläse
Getriebe:  stufenlos
Rahmen:  Zentralrohrrahmen
Federung vorn:  Teleskopgabel
Federung hinten:  Schwinge mit Gummielement
Radstand 1350 mm
Reifen:  2.50" × 16"
Leergewicht (ohne Fahrer):  ca. 80 kg
Tank:  unter dem Fahrersitz, Inhalt ca. 6 Liter
Normverbrauch*:  1,75 l/100 km (Gemisch)
Höchstgeschwindigkeit:  55–60 km/h
Preis:  795–990 DM

* Der „Normverbrauch“ nach DIN 70030 wurde mit gleichbleibend Dreiviertel der Höchstgeschwindigkeit (hier 45 km/h) auf ebener Strecke ermittelt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Neuer Motorrollertyp mit stufenlosem Getriebe. In: Kraftfahrzeugtechnik 12/1954, S. 381 (kurze Neuvorstellung des DKW Hobby).
  • Audi AG: Das Rad der Zeit. Delius Klasing, 3. Auflage, ISBN 3-7688-1011-9.
  • DKW-Prospekt MB 514 (400 K 112 XX) von 1956.
  • Reinhard Lintelmann: Die Motorroller und Kleinwagen der fünfziger Jahre. 3. Auflage, Verlag Walter Podszun, Brilon 1995, ISBN 3-86133-136-5.
  • Siegfried Rauch: DKW – Die Geschichte einer Weltmarke. 3. Auflage, Motorbuch Verlag, Stuttgart 1988, ISBN 3-87943-759-9.
  • Jörg Sprengelmeyer: DKW Motorräder aus Ingolstadt 1949–1958. Johann Kleine Vennekate Verlag, Lemgo 2002, ISBN 3-935517-04-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Frank Rönicke: Typenkompass DKW – Motorräder 1920–1979. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-613-02633-9.
  2. a b c Website DKW-Motorräder. Abgerufen am 13. November 2016.
  3. Website Arcor über Edmond Uher. Abgerufen am 13. November 2016.
  4. Website DKW Auto Union: Im Zwei-Takt 1/1955.
  5. Siegfried Rauch: DKW – Die Geschichte einer Weltmarke. 3. Auflage, Motorbuch-Verlag, Stuttgart 1988, ISBN 3-87943-759-9.
  6. a b Verkaufsprospekt MB 514 (400 K 112 XX)
  7. Website DKW Auto Union: Im Zwei-Takt 7/1955. Abgerufen am 13. November 2016.