DKW RT 350

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DKW
DKW RT 350 S, Bj. 1956 (links) im museum mobile.JPG
DKW RT 350 S im museum mobile
DKW RT 350
Hersteller Auto Union, Ingolstadt
Produktionszeitraum 1954 bis 1956
Klasse Motorrad
Motordaten
Zweizylinder-Zweitakt
Hubraum (cm³) 348
Leistung (kW/PS) 13,6/18,5
Drehmoment (N m) 28
Höchst­geschwindigkeit (km/h) 115–120
Getriebe 4 Gänge
Antrieb Kette
Bremsen Trommeln
Radstand (mm) 1350
Maße (L × B × H, mm): 2080 × 660 × 970
Sitzhöhe (cm) 750
Leergewicht (kg) 176
Motor der DKW RT 350 S

Die DKW RT 350 war das größte Motorrad der Auto Union in Ingolstadt. Gebaut wurde es von 1954 bis 1956 – seit 1955 als DKW RT 350 S –, nachdem es 1953 auf der IFMA in Frankfurt vorgestellt worden war. Nach anfänglich guter Nachfrage gingen die Verkaufszahlen schnell zurück, sodass von 1955 bis zum Ende der Produktion nur 5290 Stück hergestellt wurden.[1]

Motor und Kraftübertragung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die DKW RT 350 S hatte einen Zweitakt-Paralleltwin-Motor mit gegenläufigen Kolben und Umkehrspülung, der sich durch geringe Vibrationen und Laufruhe auszeichnete. Mit einem Auspuffgeräusch von 85 Phon war der Motor außerdem leise. Der Bing-Vergaser (Ø 26 mm) mit vom Lenker aus beim Kaltstart zu betätigender Starterdüse – ohne Kraftstofftupfer und Luftschieber – saß unter einer glattflächigen Verkleidung, deren Hälften von je einer Kreuzschlitzschraube gehalten wurden. Auffallend waren die unterbrochenen Kühlrippen („Stachelrippen“), die die Kühlung gegenüber der herkömmlichen Form verbesserten.[2] Eine Besonderheit war ebenso die von der Auto Union selbst entwickelte und selbst hergestellte Elektrik mit zwei voneinander unabhängig verstellbaren Zündunterbrechern und zwei Zündspulen. Der Laderegler war nicht wie allgemein üblich an der Lichtmaschine angebracht, sondern im rechten Seitenkasten.[1]

Der Motor mit einem Hubraum von 348 cm³ leistete 18,5 PS (13,6 kW) bei 5000/min und einer Verdichtung von 1 : 6,3–1 : 6,5. Eine höhere Leistung wäre laut Hersteller zu erzielen gewesen, allerdings nicht ohne stärkeren Verschleiß beim Einsatz des Motorrades.[2] Ein maximales Drehmoment von 2,85 mkg (28 Nm) bei 3500/min[1] und ein entsprechend ausgelegtes Vierganggetriebe mit Klauenschaltung ermöglichten jedoch im Solobetrieb eine Beschleunigung von null auf 80 km/h in 10 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit lag solo bei 120 km/h, mit zwei Personen bei 115 km/h und mit Seitenwagen bei 90 km/h. Der Normverbrauch war mit 3,8 l/100 km angegeben (gemessen bei drei Viertel der Höchstgeschwindigkeit auf ebener, trockener Straße zuzüglich 10 %).[2] Der Motorradtester Ernst Leverkus nannte 5,2 Liter für die Solomaschine und 7,4 l/100 km als höchsten Verbrauch bei extremer Beanspruchung.[3]

Eine Duplex-Hülsenkette übertrug die Kraft von der Kurbelwelle zum fußgeschalteten Getriebe und eine staubdicht gekapselte Rollenkette von dort zum Hinterrad. Die Mehrscheibenkupplung lief im Ölbad. Zur Erleichterung von Reparaturarbeiten oder zur Anpassung der Übersetzung an Seitenwagenbetrieb ließ sich das Getriebe nach Abnahme der Kupplung unabhängig vom Motor ausbauen.[2][1]

Rahmen und Fahrwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die DKW RT 350 hatte einen geschlossenen verschweißten Stahlrohrrahmen mit Seitenwagenanschluss, eine pneumatisch gedämpfte Teleskopgabel mit 140 mm Federweg und in der ersten Ausführung eine hintere Geradwegfederung. Als RT 350 S erhielt sie 1955 eine Hinterradschwinge mit hydraulisch gedämpften Federbeinen, wobei das S in der Typbezeichnung auf diese Ausführung hindeutete. Der Federweg hinten betrug 100 mm. Je nach Bedarf konnte die Hinterradfederung auf „Hart“ oder „Weich“ bzw. auf Solo- oder Seitenwagenbetrieb umgestellt werden.[2]

Die Trommeln der beiden Vollnabenbremsen hatten einen Durchmesser von 180 mm. Die Vorderradbremse wurde mechanisch mit Seilzug betätigt, die Hinterrad- und Seitenwagenbremse hydraulisch. Beide Räder hatten Steckachsen, um einen leichten Ein- und Ausbau zu ermöglichen.[2]

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der ersten Ausführung hatte die DKW RT 350 einen Schwingsattel, der 1955 durch das auch bei den kleineren DKW-Modellen eingeführte Sitzkissen ersetzt wurde. Auf Wunsch und gegen Aufpreis war eine Doppelsitzbank lieferbar. Die Hupe war in den Scheinwerfer integriert.

Öl und Benzin wurden bei diesem Zweitaktmotorrad getrennt getankt und mithilfe einer im 17-Liter-Tank eingebauten Einrichtung selbsttätig im Verhältnis 1 : 25 gemischt. Zuerst war das Öl einzufüllen, dann das Benzin.

Binder-Seitenwagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gespann mit Binder-Seitenwagen

Speziell für DKW-Motorräder baute die Metallwarenfabrik Reichertshofen von Karl Binder einen Seitenwagen, dessen Bug und Heck in der Gestaltung den DKW-Automodellen angepasst war.[4] Um leicht einsteigen zu können, war das Oberteil der Karosserie aufzuklappen. Außerdem hatte dieser Beiwagen einen verhältnismäßig großen Kofferraum. Die Spurweite des Gespanns mit gebremstem dritten Rad betrug 110 cm, das Leergewicht 245 kg.

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kenngröße DKW RT 350 S
Bauzeit 1955–1956
Motor Zweitakt-Paralleltwin, Umkehrspülung;
Graugusszylinder mit abnehmbarem Leichtmetallkopf
Hubraum 348 cm³
Bohrung × Hub 62 mm × 58 mm
Verdichtung 1 : 6,3–1 : 6,5
Leistung 18,5 PS (13,6 kW) bei 5000/min
Vergaser Bing-Schrägdüsenstartvergaser, Ø 26 mm
Lichtmaschine 6 V 70/90 W
Getriebe 4-Gang-Klauengetriebe mit Fußschaltung
Rahmen Geschlossener Stahlrohrrahmen, verschweißt;
Teleskopgabel mit pneumatischer Dämpfung,
Hinterradschwinge mit hydraulisch gedämpften Federbeinen
Bremsen Vollnaben-Trommelbremsen, Ø 180 mm,
hinten hydraulisch betätigt
Gesamtlänge 2080 mm
Radstand 1350 mm
Bereifung 3,50–18 (vorn und hinten)
Tank ca. 17 Liter
Normverbrauch 3,8 l/100 km
Leergewicht 176 kg (mit Seitenwagen 245 kg)
Höchstgeschwindigkeit solo 120 km/h, mit 2 Personen 115 km/h
Preis 2250,00 DM

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Datenblatt DKW RT 350. Aufgerufen am 17. November 2013
  2. a b c d e f Verkaufsprospekt MB 1932 (200 J110 II)
  3. Ernst Leverkus: Die tollen Motorräder der 50er-Jahre. 8. Auflage, Motorbuch Verlag, Stuttgart 1993, ISBN 3-87943-849-8, S. 53 u. 54.
  4. Binder Seitenwagen. Aufgerufen am 18. November 2013. (PDF; 5,4 MB)