DR-Baureihe 50.35

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Baureihe 50.35
Ausrangierte 50 3521-7 in Meyenburg
Ausrangierte 50 3521-7 in Meyenburg
Nummerierung: 50 3501–50 3708
Anzahl: 208
Baujahr(e): 1958–1962 (Rekonstruktion)
Ausmusterung: 1989
Bauart: 1’E h2
Gattung: G 56.15
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Länge über Puffer: 22.940 mm
Dienstmasse: 88,2 t
Reibungsmasse: 77,0 t
Radsatzfahrmasse: 15,1 t
Höchstgeschwindigkeit: 80 km/h (vor- und rückwärts)
Indizierte Leistung: 1.760 PSi
Kuppelraddurchmesser: 1.400 mm
Laufraddurchmesser vorn: 850 mm
Steuerungsart: Heusinger mit Hängeeisen
Zylinderanzahl: 2
Zylinderdurchmesser: 600 mm
Kolbenhub: 660 mm
Kesselüberdruck: 16 bar
Rostfläche: 3,71 m²
Überhitzerfläche: 65,40 m²
Verdampfungsheizfläche: 172,30 m²
Tender: 2’2’ T 28
Zugheizung: Dampf

Die Baureihe 50.35 waren aus der Baureihe 50 umgebaute Güterzuglokomotiven der Deutschen Reichsbahn in der DDR.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende der 1930er Jahre dachte man, mit dem Stahl St 47 K-Mo einen geeigneten Kesselbaustoff gefunden zu haben, mit dem sich der Kesseldruck auf 20 bar heraufsetzen lässt, ohne dass sich dadurch das Kesselgewicht insgesamt wesentlich erhöht. Der neu entwickelte Stahl besaß zwar eine höhere Festigkeit als die bislang verwendete Stahlsorte St 34, als Nachteil erwies sich aber die wesentlich schlechtere Wärmeleitfähigkeit. Im harten Alltagseinsatz der Dampflokomotiven ermüdete das Material dadurch sehr rasch, sodass die mit der neuen Stahlsorte angefertigten Kessel schon nach wenigen Jahren ausgetauscht werden mussten. Auch die Baureihe 50 erhielt anfänglich solche Kessel. Auch wenn ihr Zustand weniger kritisch als bei anderen Baureihen war, musste Ende der 1950er Jahre dringend für Ersatz gesorgt werden. Die Deutsche Reichsbahn ließ daher auf Grundlage des Neubaukessels der Baureihe 23.10 / 50.40 den Ersatzkessel 50E entwickeln, der wegen des abweichenden Rahmens einen 500 mm längeren Langkessel erhielt. Er wurde später auch zur Rekonstruktion der Baureihen 23, 52 zur 52.80 und 58 zur 58.30 verwendet. Zwischen 1958 und 1962 erhielten 208 Lokomotiven der Baureihe 50 einen solchen Kessel mit einem Mischvorwärmer, größerer Strahlungsheizfläche und verbessertem Saugzug, was auch ihre Leistungsfähigkeit erhöhte. Viele Maschinen wurden auch mit Giesl-Ejektoren ausgestattet. Diese Rekolokomotiven erhielten die Baureihenbezeichnung 50.35 und die Betriebsnummern von 50 3501 bis 50 3708. In den letzten Betriebsjahren liefen diese Loks auch oft mit den Neubautendern 2’2’ T 28.

Die Maschinen wurden bald in den nordwestlichen Direktionen zusammengezogen. Seit dem Umbau in die Ölloks der Baureihe 50.50 konzentrierte sich der Einsatz der verbliebenen Kohleloks auf die Rbd Magdeburg. Als Ersatz für Altbauloks bzw. die Ölmaschinen kamen sie seit Ende der 1970er Jahre auch wieder in den Direktionen Dresden und Schwerin zum Einsatz.

Der letzte planmäßige Regelspurdampfzug wurde von einer Lokomotive der Baureihe 50.35 gefahren. Es war 50 3559, die als offizielle Abschiedsfahrt am 29. Oktober 1988 noch einen Umlauf Halberstadt—Magdeburg—Thale—Halberstadt bespannte. Die 50 3559 wurde in Liblar bei einem Restaurant als Denkmallok genutzt, wurde aber verkauft und befindet sich derzeit in Klostermansfeld zur Befundung einer eventuellen Aufarbeitung.

Mehrere Lokomotiven der Baureihe 50.35, einige davon betriebsfähig, befinden sich im Eigentum der Deutschen Bahn AG und vieler Museumseisenbahnen und Eisenbahnmuseen, wie z. B. 50 3501, 50 3539, 50 3552, 50 3576, 50 3616, 50 3648, 50 3682, 50 3695 und 50 3708. Die 50 3707 steht im Berliner Naturpark Schöneberg, Teil des ehemaligen Tempelhofer Rangierbahnhofs.

DR-Baureihe 50.50[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 1966 und 1971 erhielten 72 Maschinen der Baureihe 50.35 eine Ölhauptfeuerung. Zur Unterscheidung schuf man für sie die Baureihe 50.50. Seit Einführung der EDV-Nummern ab 1970 trugen sie die Betriebsnummern 50 0001 bis 50 0072. Sie waren in den Reichsbahndirektionen Schwerin und Greifswald stationiert und wurden im schweren Güterzugdienst eingesetzt. Ihre plötzliche Abstellung 1981 war eine energiepolitische Entscheidung, denn damals hatten sich die Rohölpreise im Ostblock plötzlich deutlich erhöht, andererseits konnte man mittlerweile auch das Bunkeröl D chemisch weiter verarbeiten, sodass es nicht mehr zur Lokomotivfeuerung zur Verfügung stand.

Im Bayerischen Eisenbahnmuseum in Nördlingen ist mit der 50 0072 die letzte Vertreterin dieser Baureihe erhalten.

In Anlehnung an diese Bezeichnung erhielt die nach dem Verkauf durch die Deutsche Reichsbahn ebenfalls auf Ölfeuerung umgebaute, aber zunächst unter ihrer alten Nummer verkehrende Lokomotive 50 3666 bei der Veluwsche Stoomtrein Maatschappij die (bei der DR nicht vergebene) Nummer 50 0073.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dirk Endisch: Baureihen 50.35 und 50.50. Die kohle- und ölgefeuerten Reko-50er der DR. Dirk Endisch, Stendal 2007, ISBN 3-936893-44-6.
  • Hans Müller: Die Reko-50 der Deutschen Reichsbahn. Die Baureihen 50.35-37 und 50.50. Eisenbahn-Bildarchiv, Bd. 40, Freiburg 2009. ISBN 978-3-88255-379-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Baureihe 50.35 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien