DR-Baureihe 99.19

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Baureihe 99.19
99 193 bei der Museumsbahn Blonay–Chamby
99 193 bei der Museumsbahn Blonay–Chamby
Nummerierung: 99 191–194
Anzahl: 4
Hersteller: Maschinenfabrik Esslingen
Baujahr(e): 1927
Bauart: E h2t
Gattung: K 55.9
Spurweite: 1000 mm (Meterspur)
Länge über Puffer: 8.436 mm
Höhe: 3.550 mm
Breite: 2.450 mm
Fester Radstand: 1.860 mm
Gesamtradstand: 3.720 mm
Leermasse: 33,6 t
Dienstmasse: 43,5 t
Reibungsmasse: 43,5 t
Radsatzfahrmasse: 8,7 t
Höchstgeschwindigkeit: 30 km/h
Anfahrzugkraft: 76,15 kN
Treibraddurchmesser: 800 mm
Zylinderanzahl: 2
Zylinderdurchmesser: 430 mm
Kolbenhub: 400 mm
Kessellänge: 3.235 mm
Kesselüberdruck: 14 Atm
Anzahl der Heizrohre: 79
Anzahl der Rauchrohre: 18
Heizrohrlänge: 3.240 mm
Rostfläche: 1,6 m²
Strahlungsheizfläche: 5,58 m²
Rohrheizfläche: 58,20 m²
Überhitzerfläche: 24,50 m²
Verdampfungsheizfläche: 63,77 m²
Wasservorrat: 4,66 m³
Brennstoffvorrat: 2 t Kohle

Die Baureihe 99.19 bezeichnet eine meterspurige fünfachsige Lokomotivbaureihe der Deutschen Reichsbahn. Die Konstruktion basierte im Wesentlichen auf der Baureihe 99.64–65/67–71 für 750 mm Schmalspur. Eingesetzt wurden die vier Lokomotiven anfangs ausschließlich auf der Schmalspurbahn Nagold–Altensteig, erst im Zweiten Weltkrieg gelangten zwei Fahrzeuge auch auf andere Strecken. Eine Lok – die 99 193 – ist erhalten geblieben.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits während des Ersten Weltkriegs wollten die Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen die aufgebrauchten und technisch komplizierten Loks der Baureihen Ts 3 und Ts 4 mit 1.000 mm Spurweite für die Schmalspurbahn Nagold–Altensteig ersetzen. Dies war aber bedingt durch den Weltkrieg beziehungsweise die schlechte wirtschaftliche Lage danach vorerst nicht möglich.

Anfang der 1920er Jahre erhielt die Reichsbahndirektion Stuttgart fünf fabrikneue Lokomotiven der Baureihe 99.67–71, ein fast unveränderter Nachbau der Baureihe 99.64–65 (ehemalige sächsische Gattung VI K), mit 750 mm Spurweite für die Bottwartalbahn. Da sich Fahrzeuge gut bewährten, ließ man für die Schmalspurbahn Nagold–Altensteig 1927 von der Maschinenfabrik Esslingen vier Lokomotiven mit den Fabriknummern 4181 bis 4184 bauen, die weitgehend auf der Baureihe 99.64–65/67–71 glichen. Sie erhielten die Betriebsnummern 99 191 – 99 194 und kosteten zusammen rund 275.000 Reichsmark. Im April 1927 wurden das erste Fahrzeug von der Deutschen Reichsbahn in Dienst gestellt.

Einsatz und Verbleib[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zunächst verkehrten die Fahrzeuge nur auf der Schmalspurbahn Nagold–Altensteig, wo sie die Baureihen 99.12 (ehemalige Ts 3) und 99.17 (ehemalige Ts 4) verdrängten. Eingesetzt wurden die Dampflokomotiven vom Lokbahnhof Altensteig des Bahnbetriebswerks Freudenstadt.

1944 mussten zwei Fahrzeuge abgegeben werden. Die 99 191 wurde Ende Mai 1944 zur Reichsbahndirektion Erfurt umstationiert, wo sie auf der Schmalspurbahn Eisfeld–Schönbrunn eingesetzt wurde. Die 99 194 gelangte im Kriegseinsatz höchstwahrscheinlich auf den Balkan, wo sie auf einem Schmalspurnetz bei Belišće verkehrte.

Nach Kriegsende verblieben die 99 192 und 99 193 in der französischen Besatzungszone, die 99 191 in der sowjetischen Besatzungszone sowie die 99 194 in Jugoslawien.

Vermutlich wurde 99 194 wegen Kesselschäden noch in den 1950er Jahren abgestellt und anschließend verschrottet, eine neue Nummer hatte sie noch nicht erhalten.[1]

Deutsche Reichsbahn

Die 99 191 verblieb nach Kriegsende auf der Schmalspurbahn Eisfeld–Schönbrunn, mit Anlieferung von zwei Neubaulokomotiven der Baureihe 99.23–24 im Frühjahr 1955 wurde die Lok nach Gera umstationiert.[2] Dort kam sie auf der Schmalspurbahn Gera-Pforten–Wuitz-Mumsdorf zum Einsatz. Dort trug sie mit den zwei Lokomotiven der Baureihe 99.591 die Hauptlast des Betriebes. Hier erhielt sie auch einen Holzpfosten auf der Pufferbohle zum rangieren von normalspurigen Wagen. Nach der Stilllegung des letzten Abschnittes Anfang 1970 wurde 99 191 am 11. Juni 1970 z-gestellt. Da ein Verkauf eine Museumsbahn im Ausland scheiterte, wurde das Fahrzeug 1975 im Reichsbahnausbesserungswerk Görlitz verschrottet.[3]

Deutsche Bundesbahn

Die 99 192 und 99 193 waren bei Kriegsende schadhaft abgestellt und wurden bis Ende 1945/Anfang 1946 wieder aufgearbeitet. Fortan übernahmen sie alleine den Zugdienst auf der Schmalspurbahn Nagold–Altensteig, eine zwischenzeitlich von der Härtsfeldbahn geliehene Ersatzlok wurde wieder zurückgegeben. Da Ende 1949 ein Teil des Personenverkehrs auf den Bus überging, wurde fortan täglich nur noch eine Maschine gebraucht.

Ab Sommer 1956 waren beide Loks nur noch als Reserve vorhanden, nachdem von einer anderen Strecke die Diesellok V 29 952 nach Altenberg umgesetzt wurde. Die 99 192 wurde am 15. Mai 1959 ausgemustert und diente ab jetzt als Ersatzteilspender. Die 99 193 erhielt aufgrund des gestiegenen Straßenverkehrs auf der rechten Lokseite weiß-rote Warntafeln, da die Strecke mehrere Kilometer direkt neben der Straße verlief. Am 30. November 1967 wurde die 99 193 ausgemustert, eine Aufstellung als Denkmal in Altensteig scheiterte. Seit 1969[4] befindet sie sich bei der Museumsbahn Blonay–Chamby in der Schweiz.[5]

Technische Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Konstruktion basierte im Wesentlichen auf der Baureihe 99.64–65/67–71 für 750 mm Schmalspur.

Kessel und Triebwerk

Der Stehkessel war 1.386 mm breit und 1.544 mm lang, daran schloss sich der 3.245 mm lange aus einem Schuss bestehende Langkessel an. Die Feuerbüchse war aus Kupfer, die lediglich bei der 99 191 Mitte der 1960er Jahre durch eine stählerne ersetzt wurde.[6]

Die Heißdampflokomotive besaß ein Zweizylindertriebwerk, dessen Kolbenhub 400 mm sowie der Durchmesser 430 mm betrug. Die Treibstange wirkte auf die vierte Achse des Fünfkupplers, dessen Raddurchmesser 800 mm betrug. Die außenliegende Heusinger-Steuerung besaß eine Kuhnsche Schleife.

Rahmen und Fahrwerk

Der genietete Blechinnenrahmen war 18 mm stark, innerhalb der Rahmenwangen befand sich ein Rahmenwasserkasten mit circa 0,66 m³ Fassungsvermögen.

Für die engen Kurvenradien waren nach dem Gölsdorfprinzip der erste und fünfte Radsatz seitlich um 30 mm sowie die dritte Radsatz um 20 mm verschiebbar gebaut worden. Zusätzlich wurde der Spurkranz der dritten Achse um 10 mm abgeschwächt. Die erste und letzte Achse mit einer Rückstellvorrichtung ausgestattet.

Neben der obligatorischen Wurfhebelbremse als Handbremse stand die Westinghouse-Bremse zur Verfügung. Der dafür notwendige Luftbehälter wurde quer auf der Pufferbohle eingeordnet. Die 99 193 erhielt für ihren Museumsbahneinsatz zudem eine Saugluftbremse. Als Kupplung diente eine einfache Trichterkupplung mit Federung.

Vorräte

Die genieteten seitlichen Wasserkästen hatten jeweils 2 m² Kapazität, vorne waren die Wasserkästen abgeschrägt, damit wurde eine bessere Sicht nach vorne erreicht. Durch den breiteren Rahmen wurde der Rahmenwasserkasten größer, damit konnten die Maschinen insgesamt 4,66 m² Wasser fassen. Die Kohlenvorräte betrugen 2 t, da der Hersteller sich aber an der Zeichnung der Baureihe 99.64–65/67–71 orientierte, wurden die Vorräte anfänglich mit 2,5 t angegeben, obwohl das 0,5 t fassende Fach an der linken Stehkesselseite nicht eingebaut wurde.[7]

Sonstiges

Die Loklaternen wurden zunächst mit Petroleum betrieben, eine elektrische Beleuchtung erhielten die Fahrzeuge erst Anfang der 1930er Jahre.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Reinhard Schwarz, Gerhard Reule: Das Altensteigerle, Erinnerung an eine hundertjährige Lokal-Bahn. 7. ergänzte und erweiterte Auflage. Sparkasse Pforzheim Calw, 2012, ISBN 3-928116-08-8 (1. Auflage 1992)
  • Manfred Weisbrod, Hans Wiegard, Hans Müller, Wolfgang Petznick: Deutsche Lok-Archiv. Dampflokomotiven 4. Baureihe 99, Transpress, Berlin 1995, ISBN 3-344-70903-8, S. 42–44, S. 244 f.
  • Dirk Lehnhard, Mark Rost, Dietmar Schlegel: Die Baureihe 9964–71 und 9919 – Sachsens Schmalspurbulle und seine Verwandten, EK-Verlag, Freiburg 2012, ISBN 978-3-88255-197-6

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dirk Lehnhard, Mark Rost, Dietmar Schlegel: Die Baureihe 9964–71 und 9919 – Sachsens Schmalspurbulle und seine Verwandten, S. 184
  2. Dirk Lehnhard, Mark Rost, Dietmar Schlegel: Die Baureihe 9964–71 und 9919 – Sachsens Schmalspurbulle und seine Verwandten, S. 177
  3. Dirk Lehnhard, Mark Rost, Dietmar Schlegel: Die Baureihe 9964–71 und 9919 – Sachsens Schmalspurbulle und seine Verwandten, S. 207
  4. Forum Drehscheibe Online, Beitrag Verblieb der letzten DB-VI K - hättet Ihrs's gewusst? (Abgerufen am 22. Juni 2014)
  5. Dirk Lehnhard, Mark Rost, Dietmar Schlegel: Die Baureihe 9964–71 und 9919 – Sachsens Schmalspurbulle und seine Verwandten, S. 170 ff.
  6. Dirk Lehnhard, Mark Rost, Dietmar Schlegel: Die Baureihe 9964–71 und 9919 – Sachsens Schmalspurbulle und seine Verwandten, S. 165
  7. Dirk Lehnhard, Mark Rost, Dietmar Schlegel: Die Baureihe 9964–71 und 9919 – Sachsens Schmalspurbulle und seine Verwandten, S. 168

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: DR-Baureihe 99.19 – Sammlung von Bildern