DR-Kleinlokomotive Leistungsgruppe I

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Kleinlokomotive Kö I der Einheitsbauart bei der Hespertalbahn (Kö 0281 später 311 281 der DB)
Kleinlokomotive Kö 0049 (Jung/FN 5396/1933 – noch keine Einheitsbauart) im Eisenbahnmuseum Schwarzenberg (2005)
Kleinlokomotive Kö 0060 (Gmeinder 924/1934)
Kleinlokomotive Kö 0082 (Windhoff 250/1934)

Kleinlokomotiven (Kö bezeichnet, K=Kleinlokomotive, ö=ölbefeuert) der Leistungsgruppe I wurden als Kleinlokomotiven geringer Masse und geringer Antriebsleistung (bis 40 PS) für leichte Rangieraufgaben entwickelt. Sie wurden nach der Erprobung einiger Versuchslokomotiven ab 1930 bei der Deutschen Reichsbahn in Dienst gestellt.

Als Energiequelle verfügten die Lokomotiven über Diesel- oder Benzolmotoren.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem die Deutsche Reichsbahn 1930 zunächst einige Versuchslokomotiven beschafft hatte, gliederte sie die weitere Kleinlok-Beschaffung 1931 in zwei Leistungsgruppen. Die Lokomotiven der Leistungsgruppe I mit einer Motorleistung bis 40 PS (29 kW) waren für Rangiereinsätze auf kleinen Bahnhöfen unter einfachen Bedingungen vorgesehen.

Aufgrund des neuen Bezeichnungsschemas wurden zwei der Versuchsloks von 1930 in die Leistungsgruppe I eingeordnet. Es handelte sich um die von der Fürst-Stolberg-Hütte Ilsenburg gelieferten V 6016 und V 6017 (ab 1931 Kö 0001 und Kö 0002). Diese bewährten sich wegen vieler Mängel nicht und wurden schon 1932 wieder ausgemustert. Während die DRG schon 1931 für die Lokomotiven der Leistungsgruppe II einige Abmessungen vorgab, bestellte sie in der Leistungsgruppe I von 1931 bis 1934 die Herstellertypen, wie sie für Werkbahnen im Programm waren, um den Beschaffungspreis niedrig zu halten. Diese Lokomotiven wurden von Jung, Orenstein & Koppel, Windhoff und Gmeinder geliefert und hatten eine mechanische Kraftübertragung und Kettenantrieb mit oder ohne Blindwelle. Sie mussten den Bestimmungen der Betriebsordnung (BO) nicht vollumfänglich entsprechen und durften die Bahnhöfe nicht verlassen, da sie zu leicht waren, um Schienenkontakte zuverlässig auszulösen.

Die Einheitskleinlokomotiven[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erst als sich zeigte, dass auch der Einsatz der schwachen Lokomotiven der Leistungsgruppe I wirtschaftlich war, entwickelte die Arbeitsgemeinschaft Motor-Kleinlokomotiven eine Einheitskleinlokomotive für die DRG. Diese wurde stark an die letzten Lieferungen von Gmeinder angelehnt. Dabei wurde die gesamte Lok außer dem Dieselmotor vereinheitlicht. Der Bedienerstand der Lokomotiven war seitlich offen, alle Bedienelemente waren auf beiden Seiten der Lok angeordnet. Um den Kapitaleinsatz bei der Anschaffung im Vergleich zu den Einheitslokomotiven der Leistungsgruppe II möglichst niedrig zu halten, wurde der Rahmen durchgehend in derselben Höhe durchgezogen. Die Seitenbleche des Außenrahmens hatten eine Stärke von nur 10 mm. Die Räder waren als Schalenhartgußräder ohne Radreifen ausgeführt und die Achswelle in einfachen Gleitlagern geführt. Die Kleinlokomotiven besaßen Puffer und eine sehr einfache Rangierkupplung, die selbsttätig gekuppelt und durch einen Fußhebel gelöst werden konnte. Die Kraftübertragung erfolgte vom mittig montierten Getriebe mit einfachen Rollenketten auf beide Achsen. Die Lokomotiven besaßen lediglich eine Fußhebelbremse und keine Druckluftbremse.

Der erste Typ der Einheitskleinlokomotive wurde 1935 zur verstärkten Einheitsbauart 1935 weiterentwickelt. Diese erhielt einen deutlich verstärkten Rahmen, es wurden stärkere Motoren eingebaut. Durch die größere Masse durften diese Lokomotiven auch die Bahnhöfe verlassen. Bei der verstärkten Einheitsbauart verstärkte man diverse Baugruppen zusätzlich.

Um heimische Treibstoffe verwenden zu können, wurden ab 1942 bis 1945 viele Lokomotiven umgerüstet und mit Flüssiggas betrieben. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Lokomotiven jedoch bald wieder auf Dieselbetrieb zurück umgebaut.

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

DRG Einheitskleinlok der Leistungsgruppe I – DRG/DB/DR Kö* I / DB 311 / DR 100.0

Einheitsbauart 1934
verstärkte Einheitsbauart 1935 verstärkte Einheitsbauart 1936
Nummerierung: Kö 0080, 0105–0184 Kö 0185–0244 Kö 0245–0289
Hersteller: Gmeinder, Windhoff, Esslingen Gmeinder
Baujahr(e): 1934–35 1935–36 1936–38
Ausmusterung: 1945–89
Achsformel: B
Spurweite: 1.435 mm
Länge über Puffer: 5.475 mm 5.575 mm
Höhe: 3.005 mm 3.025 mm
Breite: 2.960 mm 2.962 mm
Gesamtradstand: neu 2.500 mm neu 2.506 mm
Kleinster befahrbarer Halbmesser: 50 m
Dienstmasse: etwa 8 t etwa 10 t
Höchstgeschwindigkeit: 18 km/h / 23 km/h
Installierte Leistung: 18–22 kW 26–29 kW / 37 kW**
Treibraddurchmesser: neu 850 mm
Brennstoffvorrat: 56 l Diesel*
Motorentyp: verschiedene wassergekühlte/luftgekühlte** Dieselmotoren*
Leistungsübertragung: mechanisch (Getriebe, Rollenketten)
Lokbremse: Fußhebelbremse
Zugbremse:
*1942–45 Betrieb vieler Lokomotiven mit Flüssiggas, dann als Kb bezeichnet
**bei DB Einbau stärkerer luftgekühlter Dieselmotoren bis 1962

Nach 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Deutsche Bundesbahn musterte bis 1963 die Kleinlokomotiven der Firmenbauarten und die der Einheitsbauart 1934 aus. Die restlichen Kleinlokomotiven vereinheitlichte sie von 1954 bis 1962. Dabei erhielten die Lokomotiven den stärkeren luftgekühlten 50 PS-Motor Deutz F4L514.

Aufgrund dieser Leistungssteigerung wurde das Nummernschema abgeändert – nunmehr wurden Lokomotiven mit einer Leistung bis 50 PS in die Leistungsgruppe I eingeordnet.

Die Kleinlokomotiven der Leistungsgruppe I wurden dennoch von den Kleinlokomotiven der Leistungsgruppen II und III verdrängt. Außerdem ging der Stückgutverkehr zurück, so dass die meisten Lokomotiven bei der DB in den 60er und 70er Jahren ausgemustert wurden. Insgesamt 54 Lokomotiven der verstärkten Einheitsbauarten von 1935 und 1936 mit Ordnungsnummern zwischen 185 und 281 wurden zum 1. Januar 1968 noch in die neue Baureihenbezeichnung Baureihe 311 umgezeichnet.

Bei der Deutschen Reichsbahn versuchte man lediglich, einen einheitlichen Motorentyp einzusetzen, ansonsten gab es nur geringfügige Umbauten. In den 70er Jahren wurden ebenfalls die meisten der Lokomotiven ausgemustert. Einen Teil der Ausmusterungen deklarierte man offiziell als Umbau, tatsächlich wurde jedoch im Raw Dessau eine neue Lokomotive der Leistungsgruppe II gebaut.

Verbleib[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige der Maschinen sind heute noch in ihrer Ursprungsbauart erhalten und im Einsatz. So zum Beispiel:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Große, Horst Troche: Die Einheitskleinlokomotiven Leistungsgruppen I und II. EK-Verlag, Freiburg 2002, ISBN 3-88255-217-4.
  • Leopold Niederstraßer: Über die Entwicklung der Kleinlokomotiven. In: Alfred B. Gottwaldt (Hrsg.): Lok-Magazin. Nr. 118. Franckh'sche Verlagshandlung W. Keller & Co., 1983, ISSN 0458-1822, S. 21–31.
  • Leopold Niederstraßer: Über die Entwicklung der Kleinlokomotiven Teil 2 zu Heft 118. In: Alfred B. Gottwaldt (Hrsg.): Lok-Magazin. Nr. 119. Franckh'sche Verlagshandlung W. Keller & Co., 1983, ISSN 0458-1822, S. 114–121.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]